Großbodungen

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Großbodungen
Landgemeinde Am Ohmberg
Koordinaten: 51° 28′ 32″ N, 10° 28′ 49″ O
Höhe: 270 m ü. NN
Fläche: 15,54 km²
Einwohner: 1235 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 2010
Postleitzahl: 37345
Vorwahl: 036077
Karte
Lage von Großbodungen in Am Ohmberg
Großbodungen (1988)
Großbodungen (1988)

Großbodungen ist ein Ortsteil der Landgemeinde Am Ohmberg im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Großbodungen ist einer der wenigen Orte im Landkreis Eichsfeld, die nicht zum historischen Eichsfeld gehören.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im Tal der Bode, ca. 30 Kilometer von Nordhausen entfernt und ist von sechs weiteren kleinen Dörfern umgeben: Neustadt, Wallrode, Kleinbodungen, Werningerode, Epschenrode und Hauröden. Durch das Ortszentrum fließt der Bode-Nebenbach Hagebach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großbodungen wurde um 842 gegründet. Schon zur Zeit des salisch-fränkischen Königs Heinrich IV. existierte die Siedlung.

Nördlich vom Ort führte im Mittelalter eine wichtige Ost-West-Straße vorbei, die das Weserumland über Duderstadt mit Nordhausen und dem Südharz verband. Im Ort war wohl deshalb der Sitz eines germanischen Adligen. Es wurde 1186 ein „Herewardus de Bodungen gen. Hans“ erwähnt, der ein Lehensmann der Grafen von Lohra war. Er saß auf einer Burg, die durch Gräben gesichert war und der auf einer kleinen Terrasse links des Hainröderbachs aus dem Ohmgebirge das Wasser der Bode zufloss. Von dieser mittelalterlichen Burg sind der Turm, Tonnenkeller und Sockelgeschoss der kompletten Anlage erhalten. Zusammen mit dem späteren Fachwerkaufbau stellt sie heute noch eine kleine Herrenburg dar. Mit der „Festung“ kontrollierte man damals die genannte Straße. Diese Burg wurde im Bauernkrieg nicht zerstört.[1][2]

1124 wurde Großbodungen erstmals urkundlich erwähnt. Bis 1307 war es Bestandteil der Grafschaft Lohra, danach der Grafschaft Honstein, ab 1461 Amtsbezirk mit den Amtsdörfern Hauröden, Wallrode und Kraja. 1593 ging der Ort an die Grafen von Schwarzburg-Sondershausen und 1664 erhielt der Ort das Marktrecht, jährlich wurden 3 Kram- u. Viehmärkte abgehalten. Die Existenz des Löschwesens in Großbodungen kann durch eine Reparaturquittung der Löschspritze aus dem Jahr 1719 belegt werden. Von 1815 bis 1945 gehörte der Ort zu Preußen (Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt), 1894 war es Sitz eines Amtsgerichts. 1911 erhielt Großbodungen einen Anschluss an das Eisenbahnnetz (Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg). Der Architekt des Bahnhofsgebäudes war Regierungsbaumeister Alois Holtmeyer. 1912 wurde die neue Schule als 5-Klassenschule eingeweiht, 1918 der erste Kindergarten eröffnet.

1939 mussten 30 Zwangsarbeitskräfte aus Polen und der Ukraine im Sägewerk Krause und bei Bauern arbeiten. Mehr als 20 Frauen und Männer mussten in Wallrode Zwangsarbeit leisten[3] 1961 wurde die Schule zur zehnklassigen Polytechnischen Oberschule erweitert, 1983–1984 wurde eine neue Turnhalle gebaut und ein Schulanbau errichtet. Ab diesem Zeitpunkt wurden in Großbodungen Schüler aus Neustadt, Neubleicherode, Steinrode I und II, Wallrode und Großbodungen unterrichtet.

Bei einem Feuergefecht mit den aus Richtung Bischofferode einrückenden Amerikanern am 10. April 1945 fielen drei junge deutsche Soldaten am Waldrand nördlich von Großbodungen. Sie wurden auf dem Ortsfriedhof beigesetzt.

Am 1. Dezember 2010 wurde Großbodungen mit den Gemeinden Bischofferode und Neustadt zur Gemeinde Am Ohmberg zusammengeschlossen und verlor damit seine Eigenständigkeit.[4]

Fleckenstraße – Marktplatz

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

Jahr Einwohner
1885 1.068
1933 1.436
1939 1.499
1994 1.601
1995 1.579
Jahr Einwohner
1996 1.587
1997 1.581
1998 1.549
1999 1.547
2000 1.526
Jahr Einwohner
2001 1.541
2002 1.532
2003 1.523
2004 1.511
2005 1.512
Jahr Einwohner
2006 1.464
2007 1.440
2008 1.429
2009 1.402
2016 1.235

Am 31. Dezember 2016 lebten in Großbodungen (ohne Ortsteil Wallrode) 1235 Menschen, davon 606 Männer, 620 Frauen und 17 Ausländer.[5]

Datenquelle (ab 1994): Thüringer Landesamt für Statistik [6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Großbodungen entstand im 13. Jahrhundert. Diese wurde als Wasserburg errichtet, aber später wurden die Gräben zugeschüttet, so dass sie heute am Haynröderbach liegt.

Seit 1994 befindet sich die Burg in Privatbesitz.

Kemnot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kemnot ist abgeleitet von Kemenate und bedeutet Frauengemach. In der Kemnot wurden Lebensmittel für die Bewohner und Futter für das Vieh aufbewahrt, für den Fall, dass eine Not kam. Die Kemnot bzw. Kemenate Großbodungen ist ein Fachwerkbau aus dem 17. Jahrhundert.

In der Kemenate Großbodungen befand sich von 2005 bis 2018 die „Galerie in der Burg“ und ein Café mit Kaffeegarten.[7]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Turm der ev. Petrikirche Großbodungen hängt die älteste Kirchenglocke Thüringens aus dem Jahre 1333.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Billeb (* ca. 1617 in Abtsbessingen; † 11. Februar 1687 in Großbodungen) Amtmann zu Großbodungen und Erbauer der Kemnot.
  • Wilhelm Ludwig Steinbrenner (* 6. Januar 1759 in Petersaurach; † 26. Dezember 1831 in Großbodungen) war hier Superintendent.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bleicheröder Berge-Hasenburg

Der Bahnhof Großbodungen – errichtet von Alois Holtmeyer – lag an der Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg. Diese ist inzwischen stillgelegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kieserling (nach Blau): Die Geschichte Großbodungens von ihren Anfängen bis 1816. Sonderdruck in: Unser Eichsfeld Mecke Duderstadt 1926
  • Michael Köhler: Spuren mittelalterlicher Befestigungen und die frühe Besiedlungsentwicklung von Großbodungen. In: Eichsfelder Heimathefte, Heft 2/1985 Seiten 161–170 und Heft 3/1985 Seiten 238–247
  • Werner Steinmetz: Das Dorf im Tal: Großbodungen und sein Umland in der Geschichte. 2., unveränd. Auflage. Mecke, Duderstadt 1997, ISBN 3-932752-08-2.
  • Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen: Burg und Dorf Grossbodungen in ihrer Geschichte. Großbodungen 1997, S. 61, Format 21 cm × 21 cm.
  • Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen: Die Burg in Großbodungen: Zur Geschichte eines Denkmals im Eichsfeld. 3. Auflage. Galerie in der Burg, Grossbodungen 2006, ISBN 3-00-013062-4.
  • Gustav Blau: Zur Geschichte der Häuser und ihrer Besitzer. 3. Fassung. Plaidt: Cardamina 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großbodungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, S. 34 ISBN 3-86134-631-1.
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, S. 116 ISBN 3-910141-43-9.
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 35, ISBN 3-88864-343-0
  4. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  5. Ohmbergbote 01/2017. Landgemeinde am Ohmberg, 25. Januar 2017, abgerufen am 8. September 2017.
  6. Thüringer Landesamt für Statistik
  7. Galerie in der Burg
  8. Hinweisschild im Glockenstuhl und Jahreszahl auf der Glocke.