Kemenate Großbodungen

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Kemenate -Kemnot- Großbodungen
Historische Ansicht des Kemenaten-Ensembles (Zeichnung von Erwin Hablick, 1950 †)

Historische Ansicht des Kemenaten-Ensembles (Zeichnung von Erwin Hablick, 1950 †)

Daten
Ort Großbodungen
Bauherr Thomas Billeb
Baustil Barock Fachwerkgebäude
Baujahr 1663
Koordinaten 51° 28′ 31″ N, 10° 28′ 58″ OKoordinaten: 51° 28′ 31″ N, 10° 28′ 58″ O
Kemenate -Kemnot- Großbodungen (Thüringen)
Kemenate -Kemnot- Großbodungen
Besonderheiten
Galerie in der Burg

Café in der Kemenate & Kaffeegarten

Die Kemenate Großbodungen, auch Kemnot genannt, ist ein aus zwei historischen Fachwerkgebäuden bestehendes Ensemble aus dem 17. Jahrhundert im Ortskern von Großbodungen im thüringischen Landkreis Eichsfeld.

Im ehemaligen Wohnhaus der Schwarzburger-Amtsleute ist seit 2005 die Galerie in der Burg, sowie ein Café eingerichtet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorwort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kemenate, im Volksmund Kemnot genannt, ist ein aus zwei Fachwerkhäusern bestehendes Ensemble mit einem alten Laubengang und stellt neben der Burg Großbodungen eines der wichtigsten Baudenkmale im historischen Ortskern von Großbodungen dar.

Bekannt geworden ist das historische Kemenatenensemble als Wohnhaus des aus Nordhausen stammenden Schriftstellers Carl Duval (1807–1853). Er gab 1845 in Großbodungen das bekannte Buch „Das Eichsfeld oder historisch-romantische Beschreibung aller Städte, Burgen, Schlösser, Klöster, Dörfer und sonstiger beachtenswerter Punkte des Eichsfeldes“ heraus, welches mit kunstfertigen Lithographien aus der Hand Duvals illustriert ist und auch heute noch als ein Standardwerk über das Eichsfeld gilt.

Namenserklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Kemnot wird unterschiedlich erklärt: „Käme Noth“, so würde das Gebäude Sicherheit gewähren – ist eine Erklärung. „Domus Caminata“ – ein mit Kamin versehenes Haus – ist eine weitere Herleitung. Sicherheit und Wärme ergänzen sich. An einer fränkisch-sächsischen Fernstraße in der Mitte zwischen Nordhausen und Duderstadt gelegen, bot die Kemenate eine beheizte Raststation. So bedeutet „cheminata“ im Althochdeutschen: ’Bleibe‘ oder ’Herberge‘ mit einem wärmenden Kamin. Im Hohen Mittelalter war die Kemnot ein mit der Burg Großbodungen korrespondierendes Gebäude im Besitz der Herren von Bodungen, das sich durch eine Feuerstelle, einen heizenden Kamin auszeichnete, während die Burg in ihren Anfängen zunächst als Flucht- und Wehrburg diente.

Das Lehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ortsadelsgeschlecht derer von Bodungen wechselte im 14. Jahrhundert auf das Eichsfeld nach Martinfeld über, gab Dorflehen und Burg zugunsten der einflussreichen Südharzer Grafen von Hohnstein auf. Über einen Erbverbrüderungsvertrag gelangte das Bodunger Lehen nach Aussterben der Hohnsteiner im Jahre 1593 an die Grafen von Schwarzburg. Ein reger Besitzerwechsel setzte ein. Nach dem 30-jährigen Krieg ging die Kemenate in Besitz der Bodunger Gräflich, später Fürstlich Schwarzburgischen Amtmänner über.

Der Bauherr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1663 hat der gräflich schwarzburgische Amtmann Thomas Billeb (ca. 1617–1687) den vorhandenen vermutlich baufälligen alten Bau durch ein stattliches Wohnhaus ersetzt. Als zweiflügelige Fachwerkanlage, sind die Außenfassaden durch kunstferiges Eichenfachwerk geprägt. In der Inschrift über der Toreinfahrt bekundet er sich selbst als Erbauer mit den Worten:

Gott zu Lobe, meinen gnädigen Herren, denen Grafen zu Schwarzburg und Stolbergk beiderseits Grafen zu Hohnstein zu Ehren, mir und meinen Erben zum Besten habe ich Thomas Billeb diesen Hoff erbowet. Anno 1663.[1]

Neben dem großzügingen Raumzuschnitt zeichnet eine große „schwarze Küche“ mit offener Herdstelle und mächtigem bis in das Dach reichenden Kaminwerk den Nordflügel der Anlage, das Haus am Wasser, aus. Die „schwarze Küche“ – nach Auskunft des Landesdenkmalamtes eine der größten in Thüringen – ist zu DDR-Zeiten zugemauert worden und heute nur noch in Ansätzen sichtbar.

Der Erbauer Thomas Billeb – aus einfachen Verhältnissen stammend – hat in Großbodungen eine bemerkenswerte Karriere vom Bauernsohn zu gräflichen Amtmann gemacht. Dieses Amt hatte Billeb bis zu seinem Tode 1687 fast 34 Jahre lang inne. Die mit seinem Amt verbundene Pacht des ca. 360 Morgen großes Kammergutes und das Kemenatenlehen waren ganz offenbar für Thomas Billeb wirtschaftlich erträglich. Die Bewohner des zum Amt gehörenden Dörfer Kraja, Wallrode und Bodungen hatten in unterschiedlicher Weise Frondienste zu leisten: Für die ebenfalls zum Amt gehörenden Hauröder Einwohner bestand beispielsweise die Regelung, das sie die Gärten hinter dem Amtshaus, welches in der Burg Großbodungen untergebracht war, an bestimmten Tagen zu bearbeiten hatten.

Amtseinkünfe und erfolgreiche Landwirtschaft versetzten Thomas Billeb in die Lage, im siebten Jahr seiner Amtstätigkeit 1659 das Lehengut Kemnot, zu dem ein großer Landbesitz gehörte, käuflich zu erwerben. Wahrscheinlich wird er den Neuaufbau der Kemenate alsbald begonnen haben. Vier Jahre später 1663 war das stattliche Fachwerk-Ensemble fertiggestellt, und Billeb konnte mit seiner aus Tastungen stammenden Frau Katharina geb. Kauffmann und den 8 Kindern das neue Zuhause beziehen. Bis zu seinem Tode 1687 wohnte Thomas Billeb in der von ihm errichteten Kemenate.

Weitere Besitzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang der Kemenate Großbodungen

Nach Billebs Tod erbt 1687 sein Sohn Heinrich Christian (1664–1724) das Anwesen, dessen Kinder es 1729 an den Bodunger Oberamtmann und Hofrat Johann Friedrich Wackerhagen veräußern. Bis 1778 bleiben die Häuser im Besitz der Familie Wackerhagen, die im Innenbereich eine umfangreiche Neugestaltung vornehmen. Barocke Wandpaneele, Türen und Kreuzstockfenster sowie qualitätsvolle Holzfußböden, zum Teil mit barocken floralen Intarsienarbeiten zeugen heute noch von diesen Sanierungsmaßnahmen.

Wirtschaftliche Not der Familie Wackerhagen führt im 1780 zur Zwangsversteigerung der Kemenate. Neue Eigentümer werden der Bodunger Amtmann Geußenhainer und sein Schwager, der Bleicheröder Kaufmann Johann Daniel Trautvetter. Nachdem das Eichsfeld und damit auch Großbodungen infolge der Napoleonischen Kriege 1816 preußisch geworden ist, steht 1818 ein weiterer Besitzerwechsel an: Der Kaufmann Julius Weber übernimmt die Kemenate. Weber wird beim Schmuggeln über die nahegelegene preußisch-hannoversche Grenze beim Sonnenstein gefasst, die Kemenate 1840 in Erfurt durch die Regierung zwangsversteigert.

Für die nächsten 8 Jahre wechselt das Anwesen in den Besitz des Ökonomen Johann Gottlieb Möller, der im Nordflügel des Anwesens den eingangs erwähnten Schriftsteller Carl Duval wohnen lässt. Im Revolutionsjahr 1848 gehen die Häuser an die Familie des Kgl. Preußischen Kommerzienrates Johann August Müller über. Seine Töchter erben die Kemenate: Charlotte Müller (1853–1925) war mit dem Bodunger Pfarrer und Superintendenten Gustav Blau (1842–1925) verheiratet; ihm verdankt der Ort eine sorgfältige und umfassende Chronik. Ihre Schwester Alvine, Ehefrau des Freiherrn von Uslar-Gleichen, lebte nach Konkurs ihres Gutes im Nebengebäude der Kemnot.

Die Nachfahren der beiden Schwestern haben die Kemenate Mitte der 90er Jahre zurückerhalten und sie im Jahre 2005 an Raban Graf von Westphalen und seiner Ehefrau Gerlinde Gräfin von Westphalen verkauft.[2] Das durch jahrelangen Leerstand vom Verfall stark bedrohte Fachwerk-Ensemble wurde seitdem aufwendig saniert. Für die Sanierung wurden Graf und Gräfin von Westphalen 2012 mit dem Stiftungspreis der Deutschen Burgenvereinigung ausgezeichnet.[3]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerieräume in der Kemenate Großbodungen

2005 wurde im repräsentativen ehemaligen Wohnhaus der Schwarzburger Amtsleute die, bis dato in der Burg Großbodungen beheimatete, Galerie in der Burg mit dem Café in der Kemenate neu eingerichtet. Im Sommer lockt zudem ein verwunschender Kaffeegarten mit einem alten Laubengang.

Seit dieser Zeit finden hier regelmäßig kulturelle Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Vorträge und jährliche Veranstaltungen statt, wie unter anderen, der:

Das 2004 gegründete Burgforum e.V. unterstützt als Förderverein die Veranstaltungen der Galerie in der Burg in vielfältiger Weise.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kemenate Großbodungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Original Wortlaut und Schreibweise (Toreinfahrt / Kemenate Großbodungen / Wirtschaftshof)
  2. Eichsfelder Heimathefte (EHH) 2013, Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen
  3. Burgen-Denkmalpreis für Burg und Kemenate Großbodungen
  4. ZVAB.com / Carl Duval – Das Eichsfeld