Belte und Sunde

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Als Sund wird im Ostseeraum und in Norwegen eine enge Meeresstraße oder deren engster Teil bezeichnet. Viele dieser Sunde sind nach der Insel benannt, die sie vom Festland oder einer größeren Nachbarinsel trennt. Meerengen namens Belt gibt es nur in Dänemark oder an dessen Grenze.

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In skandinavischen Wörterbüchern wird das Wort sund mit dem altnordischen, altenglischen, isländischen und norwegischen sund (Schwimmen) gleichgestellt.[1] Ein Sund wäre somit eine Meeresenge, über die man schwimmen kann.[2] Das passt mit der Tatsache zusammen, dass Meeresengen mit dem Sund-Namen relativ schmal sind.

Nach einer anderen Erklärung lässt sich das Wort vom altnordischen Verb sundr herleiten. Es bedeutet „trennen“ oder „aufteilen“ (vgl. deutsch (ab)sondern[3], heutiges skandinavisch sondre und schwedisch sönder „zerbrochen“). Damit wäre ein Sund eine Landtrennung oder ein Bruchspalt.

Jedenfalls sind alle Sunde an Europas Küsten Meeresstraßen. Im internationalen Sprachgebrauch werden die Sunde als strait bezeichnet, während das ähnlich klingende und oft mit 'Sund' übersetzte 'Sound' meistens einen Meeresarm (Inlet) bezeichnet. Die Bezeichnung 'Sound' wird in verschiedenen Ländern weltweit verwendet.

Dänemark und westliche Ostsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seegebiet „Belte und Sund“ zwischen Kattegat und westlicher Ostsee

Mit der stehenden Redewendung „Belte und Sund“ sind die drei Meeresstraßen gemeint, die das Binnenmeer Ostsee mit dem Kattegat, also einer Bucht des Weltmeeres verbinden:

„Belte und Sund“ bezeichnet außerdem ein Vorhersagegebiet (B12) des Seewetterdienstes.[4]

Belte und Sunde Dänemarks und der westlichen Ostsee.
An Brücken (orange), Tunneln (dunkelblau), Dämmen (dunkelgrün) sind nur die längsten dargestellt.

Es gibt jedoch weitere Belte und zahlreichere weitere Sunde.

Die Belte bilden ein Y-förmiges System von Meeresstraßen zwischen der dänischen Insel Seeland (Sjælland) und der aus Jütland (Jylland) und Schleswig-Holstein bestehenden Kimbrischen Halbinsel.

Wo es einen Belt und einen Sund parallel zueinander gibt, bezeichnet Belt die breitere Meeresstraße, Sund die engere:

  • Alsen (Als) zwischen
    • Alsensund (Brücke in Sonderburg/Sønderborg) und
    • Alsenbelt (südlicher Teil des Kleinen Belt). In Dänemark zählt dieser als Teil des Lillebælt (Kleinen Belt).
  • Fehmarn zwischen
Svendborg Sund, Blick von Svendborg nach Tåsinge

Alle aufgeführten Sunde werden heutzutage von Seebrücken (Öresund östliche Teilstrecke Brücke, westliche Teilstrecke Tunnel) überquert, außer dem auf Brücken zu umfahrenden Grønsund.

In Dänemark gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Sunde:

Sunde in Norwegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aldersund im norwegischen Helgeland trennt die Insel Aldra (links) vom Festland

An der norwegischen Fjordküste gibt es außer „typischen“ Fjorden, also Meeresbuchten mit nur einer Einfahrt, auch „Fjorde“, die teilweise oder ganz von Inseln begrenzt sind. Dort heißen die engeren Durchfahrten oftmals „Sund“. An manchen Stellen sind die hinteren Enden zweier trichterförmiger „Fjorde“ durch einen „Sund“ verbunden. So ist die teilweise den Lofoten, teilweise den Vesterålen zugerechnete Insel Hinnøya durch den Tjeldsund vom Festland (der Tjeldsund verbindet den Vestfjord und den Vågsfjord) sowie durch den Raftsund, den Sortlandsund, den Risøysund und den Toppsund von den Nachbarinseln getrennt.

Der Karmsund im norwegischen Rogaland spielte in der Wikingerzeit eine wichtige Rolle in der Beherrschung des Handels entlang der Küste und war schließlich bedeutsam für die Reichseinigung durch Harald Schönhaar. Am Karmsund finden sich eine Reihe archäologischer Fundstellen, die die Bedeutung des Ortes für die norwegische Geschichte aufzeigen.

Während „Sund“ als Meerenge im Norwegischen sächlich ist (also sundet), gibt es die grammatisch männliche Form als Seenname. So heißt der Quellsee der Glomma Aursunden.

Sunde in Schweden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgesehen davon, dass im Schwedischen auch Meerengen außerhalb Nordeuropas als Sund bezeichnet werden, z. B. Gibraltar sund, gibt es auch in schwedischen Gewässern mehrere Sunde. So trennt der Kalmarsund die Insel Öland vom Festland und der Fårösund die Insel Fårö von Gotland.

Sunde in Estland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Estland, das jahrhundertelang erst von Dänemark und dann von einer deutschen Minderheit regiert wurde, gibt es für die Meerengen zwischen den vorgelagerten Inseln und dem Festland dänische, schwedische und deutsche Namen mit der Bezeichnung Sund:

„Belt“ im Deutschlandlied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ostsee als „De Belt“ auf einer Karte von Willem Blaeu, 17. Jahrhundert
Deutscher Bund 1815–1866 (rote Grenze)

Der Begriff Belt wird auch in der ersten Strophe des Deutschlandliedes verwendet. Das Lied wurde 1841 gedichtet. Damals gehörte das Herzogtum Schleswig noch nicht zu Deutschland, sondern seit der Staatenbildung zeitweise als Lehen, zeitweise direkt zu Dänemark. Holstein gehörte zwar zum Deutschen Bund und hatte vorher zum Heiligen Römischen Reich gehört, unterstand aber ebenfalls Dänemark, seit Kaiser Friedrich III. es dem König von Dänemark zu Lehen gegeben hatte. Da Holstein ganz und Schleswig teilweise deutschsprachig war, wurde Schleswig-Holstein von einer deutschen Bewegung beansprucht. Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurde Schleswig-Holstein vom Deutschen Bund erobert, zunächst zwei Jahre lang von Preußen und Österreich gemeinsam verwaltet, mit der Auflösung des Deutschen Bundes dann 1867 Preußen als Provinz eingegliedert. Seit der Abtretung Nordschleswigs an Dänemark 1920 entspricht die deutsch-dänische Grenze noch mehr der Sprachgrenze.

Detailkarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutschland: u. a. Topografische Karten 1:100.000
  • Dänemark: u. a. Generalkarte 1:200.000
  • Norwegen: Capellen 1:325.000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Sund – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elof Hellquist: 1. sund. In: Svensk etymologisk ordbok. 1. Auflage. C. W. K. Gleerups förlag, Berlingska boktryckerie, Lund 1922, S. 907 (schwedisch, runeberg.org).
  2. Ordbog over det danske sprog: Sund
  3. Duden: Das Herkunftswörterbuch, Stichworte sonder und sondern
  4. Deutscher Wetterdienst: Vorhersagegebiete in Seewetterberichten, abgerufen am 1. April 2020