Guillemets

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Guillemet ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum französischen Maler siehe Antoine Guillemet.
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Guillemets
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Chevrons
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Guillemets –
einfache Form
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Chevrons –
einfache Form

Guillemets [gijˈmɛ] (Singular Guillemet) sind eine Form von Anführungszeichen, die durch je zwei spitze Klammern dargestellt werden. Im Französischen und den anderen romanischen Sprachen sind sie die übliche Darstellung des Anführungszeichens. Bei Verwendung im Deutschen werden die Guillemets auch als umgekehrt französische Anführungszeichen, als Chevrons oder auch als Möwchen[1] bezeichnet. In der Schweiz werden die Guillemets als normales Anführungszeichen verwendet.

Das Wort chevron bezeichnet im Französischen und Englischen den Sparren in der Heraldik.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu beachten ist, dass die Anführungszeichen in den romanischen Sprachen mit der Spitze nach «außen» verwendet werden, im Deutschen aber genau umgekehrt mit der Spitze nach »innen«. Eine Ausnahme ist dabei die Schweiz, dort wird auch im Deutschen die bei den romanischen Sprachen übliche Form verwendet. In Frankreich werden zudem die Guillemets mit einem Leerzeichen vor und nach dem angeführten Text gesetzt.

Im Amtlichen Regelwerk für das Deutsche und Österreichische ist nicht festgelegt, wann deutsche Anführungszeichen und wann Chevrons verwendet werden sollen. Beide Möglichkeiten stehen gleichwertig nebeneinander. Im Duden Band 9 (Richtiges und gutes Deutsch) werden die deutschen Anführungszeichen der Hand- und Maschinenschrift zugeordnet, die Chevrons dagegen dem deutschen Schriftsatz (Buchdruck).[2]

Wie bei den im Deutschen verwendeten Anführungszeichen gibt es bei den Guillemets auch eine einfache Form. Ein Vorteil der einfachen französischen Form gegenüber der einfachen deutschen Form der Anführungszeichen ist, dass sie nicht mit dem Komma (öffnendes Anführungszeichen) oder dem Apostroph (schließendes Anführungszeichen) verwechselt werden kann.[3] Die einfachen Guillemets bzw. einfachen Chevrons sind von den mathematischen Zeichen für größer (>) und kleiner (<) – sowohl sachlich-logisch wie typographisch-glyphisch – zu unterscheiden und haben deshalb auch unterschiedliche Positionen im Unicode-System.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guillemets wurden bereits 1527 zur Zitatmarkierung verwendet. Die französische Bezeichnung findet sich erstmals 1677 in den Considérations en faveur de la langue françoise (deutsch: Erwägungen zugunsten der französischen Sprache) von Michel de Marolles. Dieser bezieht sich dabei auf Guillaume II Le Bé (nicht zu verwechseln mit dem früheren Namensvetter Guillaume I Le Bé), dem die (vermeintlich 1622 erfolgte) Einführung der Zitatmarkierung fälschlicherweise zugeschrieben wurde. Guillemet ist eine Verkleinerungsform für den Namen Guillaume (dt.: Wilhelm).

Darstellung auf Computersystemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HTML-Entitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In HTML werden die nach rechts gerichteten Anführungszeichen » mit &raquo; kodiert, die nach links gerichteten Anführungszeichen « mit &laquo; (right bzw. left angle quote). Die einfachen Varianten werden entsprechend › mit &rsaquo; und ‹ mit &lsaquo; (right/left single angle quote) kodiert.

LaTeX[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die LaTeX-Codierungen für die Guillemets lauten \guillemotleft für « sowie \guillemotright für », bzw. \guilsinglleft für ‹ und \guilsinglright für ›.[4] “Left” und “right” werden somit analog zu den entsprechenden Formen der spitzen Klammern verwendet und entsprechen demzufolge dem Schweizer Gebrauch als Anführungszeichen, nicht dem deutschen.

Microsoft Windows[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Windows gibt es verschiedene Möglichkeiten, Guillemets einzufügen. Eine Möglichkeit ist, dies über die Tastenkombinationen Alt+174 bzw. Alt+0171 für « oder Alt+175 bzw. Alt+0187 für » zu tun. Einfache Guillemets sind über Alt+0155 (für ›) oder Alt+0139 (für ‹) einzufügen, wobei die angeführten Zahlen nur über den aktivierten Nummernblock eingegeben werden können.

Neben dem genannten manuellen Einfügen existiert für verschiedene Textverarbeitungen auch die Möglichkeit, dies dauerhaft über die Auto-Korrektur einzurichten.

Mac OS X[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch unter OS X gibt es die „Guillemets“. Diese sind über die Tastatur systemweit erreichbar.

Zeichen Schweizer Tastatur Deutsche Tastatur
« +, + Q
» ++, + + Q

Einfache Guillemets sind über den „Emoji und Symbole“-Dialog im Menü erreichbar. Alternativ kann das Auswahlmenü über die Tastenkombination ctrl++Leertaste erreicht werden.

Fehlschreibung „Guillemot“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Font-Software von Adobe Systems, deren Dateiformatspezifikationen und in allen daraus abgeleiteten Schriftarten, die die Zeichen enthalten, werden die Guillemets fälschlich als „guillemot“ anstatt „guillemet“ bezeichnet, und zwar in den zwei Zeichen „guillemotleft“ und „guillemotright“. Tatsächlich bezeichnet das französische Wort guillemot keine Anführungszeichen, sondern die Seevogelgattung der Lummen, hat also eine andere Bedeutung.

Ebenfalls bezeichnet X11 die Guillemets in der Datei keysymdef.h fälschlich als „XK_guillemotleft“ und „XK_guillemotright“, und auch im oben angegebenen LaTeX findet sich die Fehlschreibung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Tücken der Gänsefüßchen und Möwchen auf der Website der Freien Journalistenschule, abgerufen am 17. Mai 2015
  2. Anführungszeichen. In: Duden – Richtiges und gutes Deutsch. 5. Aufl. Mannheim 2001.
  3. Institut für Textkritik, Regeln zur Manuskripteinrichtung
  4. Scott Pakin: The Comprehensive LaTeX Symbol List. 19. Januar 2017, S. 15, archiviert vom Original am 28. September 2017, abgerufen am 28. September 2017 (PDF, 8,7 MB, englisch, Verlinkung des Originals führt zu einem Spiegelserver des CTAN; zum Archivlink vergleiche Datei:Comprehensive LaTeX Symbol List.pdf).