Hübnerit

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Hübnerit
Hubnerite-177944.jpg
Hübneritkristall aus Howardsville (Colorado)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Mn2+WO4[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide, Hydroxide
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
4.DB.30 (8. Auflage: IV/D.16)
48.01.01.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[2]
Raumgruppe P2/c (Nr. 13)Vorlage:Raumgruppe/13[1]
Gitterparameter a = 4,82 Å; b = 5,75 Å; c = 4,99 Å
β = 91,2°[1]
Formeleinheiten Z = 2[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 4,5[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: 7,12 bis 7,18; berechnet: 7,234[3]
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}[3]
Bruch; Tenazität uneben; spröde
Farbe gelbbraun, rotbraun, braunschwarz
Strichfarbe rötlichbraun
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Metallglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 2,170 bis 2,200[4]
nβ = 2,220[4]
nγ = 2,300 bis 2,320[4]
Doppelbrechung δ = 0,130[4]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 73°[4]

Hübnerit ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung Mn2+WO4[1] und ist damit chemisch gesehen ein Manganwolframat.

Hübnerit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt vorwiegend kurzprismatische bis tafelige Kristalle, aber auch körnige bis massige Aggregate von gelbbrauner, rotbrauner oder braunschwarzer, metallisch glänzender Farbe.

Hübnerit ist eines der Endglieder der Wolframit-Mischreihe, dessen anderes Endglied das Ferberit bildet.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benannt wurde das Mineral nach Adolph Hübner, einem deutschen Bergbauingenieur und Metallurgen. Erstmals gefunden und beschrieben wurde es 1865.[4]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hübnerit zur Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 (MO2 und verwandte Verbindungen)“, wo er zusammen mit Ferberit, Sanmartinit und dem inzwischen diskreditierten Wolframo-Ixiolit die „Wolframit-Reihe“ mit der System-Nr. IV/D.16 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hübnerit ebenfalls in die Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen: Ketten kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden ist, wo es zusammen mit Ferberit, Heftetjernit, Krasnoselskit, Magnesiowolframit und Sanmartinit die „Wolframit-Gruppe“ mit der System-Nr. 4.DB.30 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Hübnerit im Gegensatz zu den Strunz’schen Systematiken in die Klasse der „Phosphate, Arsenate, Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Molybdate und Wolframate“ ein. Hier ist er zusammen mit Wolframit, Ferberit, Sanmartinit und Heftetjernit in der „Wolframit-Reihe“ mit der System-Nr. 48.01.01 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien Molybdate und Wolframate mit A XO4“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hübnerit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P2/c (Raumgruppen-Nr. 13)Vorlage:Raumgruppe/13 mit den Gitterparametern a = 4,82 Å, b = 5,75 Å, c = 4,99 Å und β = 91,2° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hübnerit bildet sich ebenso wie Ferberit entweder durch hydrothermale Vorgänge in Greisen oder in Skarnen oder in magmatischen Gesteinen wie Pegmatiten oder Graniten. Begleitminerale sind Arsenopyrit, Fluorit, Kassiterit, Molybdänit, Rhodochrosit, Scheelit, Topas und verschiedene Turmaline.

Fundorte sind unter anderem Tamanrasset in Algerien; Catamarca in Argentinien; New South Wales und Tasmanien in Australien; Departamento La Paz, Departamento Oruro und Departamento Potosí in Bolivien; Brasilien; Coquimbo in Chile; Hunan in der Volksrepublik China; Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt in Deutschland; verschiedene Regionen in Frankreich; Piemont, Sardinien und die Toskana in Italien; Honshū in Japan; British Columbia in Kanada; Maniema in der Demokratischen Republik Kongo; Antananarivo auf Madagaskar; Chihuahua und Durango in Mexiko; Salzburg in Österreich; Böhmen und Mähren in Tschechien; sowie Arizona, Colorado, Connecticut, Kalifornien und andere Staaten in den USA.[5]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hübnerit ist ein wichtiges Wolfram-Erz.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Dörfler Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 105.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hübnerite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 210.
  2. Webmineral – Hubnerite (engl.)
  3. a b c Hübnerite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 66,4 kB)
  4. a b c d e f Mindat – Hübnerite
  5. Fundortliste für Hübnerit beim Mineralienatlas und bei Mindat