23,3-Meter-Klasse der DGzRS

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Hannes Glogner (Schiff))
Wechseln zu: Navigation, Suche
23,3-m-Klasse
SAR-Vorführung Zingst 2006 04.jpg
Schiffsdaten
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Schiffsart Seenotrettungskreuzer
Reederei DGzRS
Bauwerft Schweers / Abeking & Rasmussen
Bauzeitraum 1980 bis 1991
Gebaute Einheiten 7
Dienstzeit Seit 1980
Fahrtgebiete Nord- und Ostsee
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
23,3 m (Lüa)
Breite 5,5 m
Tiefgang max. 2,1 m
Verdrängung 66 t
 
Besatzung 4
Maschine
Maschine 2 x Diesel
Maschinen-
leistung
1.944 PS (1.430 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
20 kn (37 km/h)
Propeller 2
p1
Tochterboot
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
6,9 m (Lüa)
Breite 2,4 m
Tiefgang max. 0,6 m
Verdrängung 3,5
Maschine
Maschine 1 x Diesel
Maschinen-
leistung
250 PS (184 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
17 kn (31 km/h)
Propeller 1

Die 23,3-Meter-Klasse ist eine Serie von sieben Seenotkreuzern (SK) der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Die Schiffe wurden zwischen 1980 und 1991 von der Schweers-Werft in Berne-Bardenfleth und Abeking & Rasmussen in Lemwerder gebaut. Das Typschiff der Klasse war der Kreuzer Eiswette. Aktuell sind noch drei Kreuzer der Serie im Dienst der DGzRS.

Ausstattung[Bearbeiten]

Der Rumpf dieser Schiffe besteht aus seewasserbeständigem Aluminium, der in einem Netzspantensystem gebaut wurde. Der Antrieb erfolgt durch zwei Dieselmotoren, welche jeweils einen Propeller antreiben. Die Leistung beträgt insgesamt 1944 PS. Gesteuert werden die Kreuzer von einem oberen offenen Fahrstand oder vom unteren Fahrstand im Deckshaus. Für die Bergung von Schiffbrüchigen und die Fahrt in flachem Wasser hat der Kreuzer ein Tochterboot, welches in einer Heckwanne mitgeführt wird und automatisiert ein- und ausfahren kann. Kreuzer und Tochterboot richten sich nach einem Kentern selbst wieder auf. Zur Feuerlöschausrüstung gehört eine Pumpe mit einer Leistung von 380 m³/h und ein stationärer, fernbedienbarer Monitor mit einer Wurfweite von 90 Metern. Außerdem hat der Kreuzer einen Schlepphaken, verschiedene leistungsstarke Scheinwerfer, ein Bordhospital mit Sanitätsausrüstung, Wohnräume für die Besatzung, verschiedene mobile Rettungsgeräte, mobile Lenzpumpen sowie eine umfangreiche Navigations- und Funkausrüstung. Die letzten drei Schiffe der Klasse haben einen Zweibeinmast, der die Sicht nach achtern verbessert.

Die Schiffe[Bearbeiten]

Eiswette[Bearbeiten]

Die Eiswette 1998 vor dem Wyker Südstrand

Der erste Kreuzer der Serie wurde 1980 von der Schweers-Werft in Bardenfleth unter Werft-Nr. 6440 erbaut und am 12. Juli 1980 in Bremen-Vegesack auf den Namen der Bremer Eiswette getauft. Bei dieser Veranstaltung werden traditionell Spenden für die DGzRS gesammelt. Die interne Bezeichnung des Kreuzers war KRS 12. Das Tochterboot wurde auf den Namen Mellum, einer Insel in der Wesermündung, getauft. Die interne Bezeichnung des Tochterbootes war KRT 12.

Von Januar 1980 bis Mai 1985 war die Eiswette in Wilhelmshaven stationiert, ab Mai 1985 in Wittdün auf der Insel Amrum.

Im Jahr 1990 wurde die Eiswette mit einem neuen Tochterboot mit den Namen Japsand, einer Sandbank vor der Hallig Hooge, ausgerüstet. Dessen interne Bezeichnung war KRT 24. Das bisherige Tochterboot kam als eigenständige Rettungseinheit unter dem Namen Kaatje zum Einsatz.

Im November 2008 wurde der Seenotkreuzer außer Dienst gestellt und an eine private Firma verkauft. Das Tochterboot kam auf der Vormann Leiss (siehe unten) zum Einsatz.

Fritz Behrens[Bearbeiten]

Die Fritz Behrens 2009 aufgelegt in Maasholm

Die Fritz Behrens wurde als zweite Einheit der Klasse 1981 ebenfalls von der „Schiffs- und Bootswerft Schweers“ unter Werft-Nr. 6442 erbaut wurde. Die Taufe erfolgte am 23. Januar 1981 in Vegesack. Der Name ehrt Fritz Behrens, der in seinem sein Testament die Fritz-Behrens-Stiftung[1] begründete, die der DGzRS eine zweckgebundene Spende zum Neubau eines Seenotkreuzers zukommen ließ. Er ist damit das zweite Schiff der DGzRs, der auf diesen Namen getauft wurde. Die DGzRS-interne Bezeichnung lautete KRS 13.

Das erste Tochterboot des Kreuzers, die Anna, hatte die interne Bezeichnung KRT 13. Der Name des Tochterboots war der Vorname von Behrens´ Ehefrau. Dieses wurde 1990 durch die DGzRS als eigenständige Rettungseinheit unter dem Namen Umma eingesetzt und durch einen Neubau gleichen Namens (somit auch bekannt als Anna II) ersetzt; dieses neue Boot hatte die interne Bezeichnung KRT 23.

Von Juni 1981 bis September 1994 war die Fritz Behrens in Büsum stationiert. Am 7. September 1994 kam es im Hafen von Büsum zu einem Unfall; dabei kollidierte das Fahrgastschiff First Lady mit dem Heckbereich des Kreuzers und drückte diesen unter Wasser. Die beschädigte Fritz Behrens wurde danach in der Werft repariert. Im Rahmen dieses Werftaufenthaltes erfolgte ein umfangreicher Umbau des Kreuzers, durch den sich das Schiff deutlich von seinen Schwesterschiffen unterschied. besonders die Veränderungen im Heckbereich zur sogenannten Delta-Rumpfform (breiteste Stelle des Schiffes ist das Heck) führt zu einer besseren Kursstabilität bei hoher See von achtern. Die erste Klasse, in der diese neue Rumpfform Verwendung fand, ist die 23,1-Meter-Klasse.

Das Tochterboot war nach dem Unfall derart beschädigt, dass eine Reparatur wirtschaftlich nicht vertretbar war. Sie erhielt somit eine dritte Anna, einen Neubau gleichen Typs.

Nach der Werftzeit war das Schiff auf der DGzRS-Station Greifswalder Oie in Mecklenburg-Vorpommern stationiert. Ab Februar 2009 fungierte sie als Reservekreuzer, im Sommer 2009 wurde sie ausgemustert. Im August 2009 wurde der ehemalige Seenotkreuzer an privat verkauft. Sie ist auch nach weiteren Eignerwechseln noch im Einsatz.

Minden[Bearbeiten]

Die Minden 2012 vor Sylt

Die Minden wurde 1985 von der Werft Abeking & Rasmussen in Lemwerder unter der Baunummer 6396 erbaut wurde. Die DGzRS-interne Bezeichnung lautete KRS 6. Das Tochterboot des Kreuzers hatte die interne Bezeichnung KRT 16.

Der Kreuzer wurde bei einer Zeremonie in Lemwerder am 3. August 1985 zu Ehren der zahlreichen Spender zu Gunsten der DGzRS aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen auf den Namen der dort liegenden Stadt Minden getauft. Taufpatin war die Frau des damaligen Mindener Bürgermeisters, Helga Röthemeier.[2] Das Tochterboot wurde dem Wunsch eines anonymen Spenders entsprechend auf den Namen Margarete getauft.

Von Juni 1985 bis Mai 1989 war die Minden in Wilhelmshaven stationiert, im Juni 1989 erfolgte die Umstationierung nach List auf der Insel Sylt. Am 16. November 2013 wurde sie offiziell außer Dienst gestellt und an eine Privatperson verkauft. Im März 2016 soll sie umgebaut und unter neuem Namen wieder als Seenotrettungskreuzer von einer privaten Initiative im Mittelmeer eingesetzt werden, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten.[3]

Vormann Leiss[Bearbeiten]

Die Vormann Leiss 2007 vor Pellworm

Die Vormann Leiss wurde 1985 von Abeking & Rasmussen in Lemwerder unter Werft-Nr. 6398 gebaut.Der Kreuzer erhielt seinen Namen bei einer Zeremonie in Lemwerder am 3. August 1985 zu Ehren der Familie Leiss von der Insel Langeoog, aus deren Reihen in der Vergangenheit zahlreiche Rettungsmänner hervorgegangen waren. Die DGzRS-interne Bezeichnung lautete KRS 17. Das erste Tochterboot wurde dem Wunsch eines Spenders entsprechend auf den Namen Erika getauft und hatte die interne Bezeichnung KRT 17.

Von August 1985 bis Juli 1996 war die Vormann Leiss in Bremerhaven stationiert, anschließend auf der Insel Nordstrand. Ab November 2008 war sie als Nachfolger der Eiswette auf der Station Amrum im Seezeichenhafen Wittdün. Am 10. Mai 2015 wurde der Kreuzer außer Dienst gestellt und im Juni 2015 durch die neugebauten Ernst Meier-Hedde ersetzt. Der Kreuzer wurde im Juni 2015 an einen privaten Eigner verkauft.

Im April 2009 übernahm die Vormann Leiss von der zuvor außer Dienst gestellten Eiswette das Tochterboot Japsand (KRT 24). Das bisherige Tochterboot Erika wurde aus der aktiven Flotte herausgelöst. Im Februar 2010 erfolgte die Überstellung an den Seenotrettungsdienst auf der niederländischen Karibikinsel Saba, wo es im SAR-Dienst eingesetzt wird.[4]

Die norddeutsche Punkrock-Band Turbostaat benannte ihr drittes Album nach dem Schiff.

Nis Randers[Bearbeiten]

Die Nis Randers 2005 in Maasholm

Die Nis Randers wurde 1990 von der Schweers-Werft in Berne-Bardenfleth unter Werft-Nr. 6474 erbaut wurde. Der Kreuzer erhielt seinen Namen bei einer Zeremonie in Bremen im Rahmen der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Jubiläums der DGzRS am 29. Mai 1990 nach der Titelfigur einer gleichnamigen Ballade von Otto Ernst. Seit dem 29. Mai 1990 ist die Nis Randers in Maasholm an der Schleimündung stationiert. Die DGzRS-interne Bezeichnung lautet KRS 20.

Im Vergleich zu den zuvor gebauten Kreuzern dieser Klasse wurde das Tochterboot erneut modifiziert; die Geschwindigkeit konnte somit bei gleicher Motorleistung von 17 auf 20 Knoten gesteigert werden. Das Tochterboot Onkel Willi des Kreuzers hat die interne Bezeichnung KRT 20. Das Tochterboot wurde zu Ehren eines langjährigen Vormanns der DGzRS-Station Maasholm benannt.

Vormann Jantzen[Bearbeiten]

Die Vormann Jantzen 2011 in Warnemünde

Die Vormann Jantzen wurde 1990 ebenfalls von der Schiffs- und Bootswerft Schweers unter der Werft-Nr. 6476 gebaut. Der Kreuzer wurde am 27. November 1990 in Warnemünde zu Ehren des Warnemünder Lotsenkommandanten und Vormanns Stephan Jantzen getauft. Die DGzRS-interne Bezeichnung lautet KRS 21. Nach dem schweren Unglück der Alfried Krupp wurde auch die Vormann Jantzen in der Werft überholt und teilweise umgebaut. Auffälligstes Merkmal waren die nun runden Bullaugen, die die eckigen Fensterflächen ersetzten. Vom 27. November 1990 bis 11. April 1997 war die Vormann Jantzen in Warnemünde stationiert und wurde dann zur DGzRS-Station Darßer Ort verlegt. Seit Oktober 2003 dient sie als Reservekreuzer (also z.B. als Ersatz für Kreuzer, die sich wegen Inspektionen in der Werft befinden), aber auch für Werbeveranstaltungen.

Das Tochterboot Butscher – im Plattdeutschen ein „pfiffiger Junge“ – des Kreuzers hat die interne Bezeichnung KRT 21. Bei ihm wurde die Leistung des Motors gegenüber der Anfang 1990 gebauten Nis Randers um 15 PS gesteigert.

Hannes Glogner[Bearbeiten]

Die Hannes Glogner 2008 in Bremerhaven

Die Hannes Glogner wurde im Jahre 1991 von der Schiffs- und Bootswerft Schweers der Nummer 6478 gebaut. Der Kreuzer wurde am 23. April 1991 auf der Ostfriesischen Insel Langeoog zu Ehren eines verstorbenen Hamburger Bauunternehmers benannt, der der DGzRS zu Lebzeiten verbunden war. Nach dem schweren Unglück der Alfried Krupp wurde die Hannes Glogner in der Werft teilweise umgebaut und überholt. Unter anderem wurden die eckigen Fensterflächen durch runde Bullaugen ersetzt und die Scheiben des unteren Fahrstandes mit noch stärkerem Panzerglas ausgerüstet. Auffälligstes Merkmal des Umbaus war jedoch ein Überrollbügel mit einem dazugehörigen Netzsystem über dem oberen Fahrstand des Seenotkreuzers. Dieser sollte das Überbordgehen eines Besatzungsmitgliedes bei Schwerwetterfahrten verhindern. Im Jahre 2005 wurde der Überrollbügel in der Werft jedoch wieder demontiert, da dieser sich nicht bewährt hatte. Die DGzRS-interne Bezeichnung lautet KRS 22.

Das Tochterboot Flinthörn, benannt nach einer Dünengruppe auf Langeoog, hat die interne Bezeichnung KRT 22.

Vom 23. April 1991 bis Januar 2002 war die Hannes Glogner im Schutzhafen der Insel Langeoog stationiert und dient seitdem als Reservekreuzer (z.B. als Ersatz für Kreuzer, die sich zwecks Inspektion, Überholung, Umbau oder Reparatur in der Werft befinden). Die Hannes Glogner wurde durch das 9,5-Meter-Boot Casper Otten ersetzt.

Details[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Waldemar R. Röhrbein: Behrens, (2) Friedrich Eduard, in: Stadtlexikon Hannover, S. 55
  2. Die Minden wird 25. Mindener Tageblatt, 13. August 2010, abgerufen November 2010
  3. Seenotkreuzer soll Flüchtlinge retten, NDR, 8. Januar 2016
  4. Ausgemustertes Tochterboot ERIKA auf dem Weg in die Karibik. In: Längsseits, Ausgabe 1/2010, S. 6, Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (PDF-Datei, 3,1 MB).