Hans von Arnim (Philologe)

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Aufnahme von Georg Fayer (1927)

Hans von Arnim (* 14. September 1859 auf Gut Groß Fredenwalde; † 25. Mai 1931 in Wien) war ein deutscher klassischer Philologe, der als Professor an den Universitäten in Rostock, Frankfurt am Main und Wien wirkte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ella von Arnim
Aufnahme von Georg Fayer (1927)

Arnims Eltern waren Friedrich Wilhelm Georg Ferdinand von Arnim (* 16. Oktober 1832; † 24. August 1876) und dessen Ehefrau Auguste Adelheid Johanna von Arnim (* 18. Dezember 1836; † 30. Mai 1929) aus dem Haus Milmersdorf, einzige Tochter des Parlamentariers Hermann von Arnim.

Arnim studierte nach bestandenem Abitur am Wilhelms-Gymnasium in Berlin ab 1877 zunächst an der Universität Berlin Rechtswissenschaft, wechselt 1878 an die Universität Heidelberg und begann dort ein Philologiestudium, das er an den Universitäten in Greifswald, wo er ein Lieblingsschüler von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff wurde, und Berlin fortsetzte und 1882 in Greifswald mit der Dissertation De prologorum Euripideorum arte et interpretatione beendete und am 8. März zum Dr. phil. promoviert wurde.

Nach dem Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien 1882 unterrichtete er als Probekandidat und wissenschaftlicher Hilfslehrer bis 1884 am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Elberfeld und danach bis 1886 als ordentlicher Gymnasiallehrer am Gymnasium in Bonn, wo er sich mit Hermann Usener anfreundete.

Er heiratete am 10. September 1884 in Berlin Elisabeth Henriette Marie Riese (1859–1945), eine Tochter des Chefarztes des Elisabeth-Krankenhauses in Berlin Julius Riese. Das Paar hatte zwei Töchter und zwei Söhne, und zwar Bernd Dietrich Hans (* 8. September 1899; † 5. Februar 1946), der 1923 Katharina Cornelia van Leeuwen heiratete; ein Sohn starb im Ersten Weltkrieg.

Arnim starb am 25. Mai, dem Pfingstmontag des Jahres 1931, im Alter von 72 Jahren.[1][2][3][4] Die Bestattung auf dem Döblinger Friedhof (Gruppe 2, Reihe 3, Nummer 3) fand am 28. Mai statt, die Grabrede hielt Richard Schaukal.[5]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1886 bis 1892 lehrte er als Privatdozent der klassischen Philologie an der Universität Halle, an der er im Dreikaiserjahr (1888) mit Quellenstudien zu Philo von Alexandria seine Habilitation erreichte. 1892 folgte Arnim dem Ruf auf ein Extraordinariat der Universität Rostock, die ihn 1893 zum ordentlichen Professor ernannte. 1900 wurde er als Nachfolger von Theodor Gomperz auf den Lehrstuhl für Gräzistik der Universität Wien berufen. 1914 wechselte er an die neugegründete, aber durch den Ersten Weltkrieg nicht eröffnete Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo er im Studienjahr 1914/15 Dekan der philosophischen Fakultät und 1916/17 Rektor war. 1921 kehrte er als ordentlicher Professor für klassische Philologie an die Wiener Universität zurück und hatte diesen Lehrstuhl bis zu seiner Emeritierung 1930 inne.

Arnim war Vorstand des philologischen Seminares, ab 1903 korrespondierendes und ab 1906 wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien und korrespondierendes Mitglied der Akademien in Amsterdam und Kopenhagen sowie wirkliches Mitglied des Österreichischen Archäologischen Instituts.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans von Arnim beschäftigte sich mit Philosophie gleichermaßen wie mit Philologie. Seine exakte Interpretation, konsequente Beweisführung und brillante Sprachkenntnis versetzten ihn in die Lage, die Schriften von Platon und Aristoteles nicht nur inhaltlich eingehend zu analysieren, sondern auch zu grundlegenden Studien und Beweisführungen über die relative Chronologie ihrer Schriften.

Seine Beschäftigung mit dem Tragödiendichter Euripides führte ihn zu einer als vorbildlich[6] bezeichneten Übersetzung der zwölf überlieferten Stücke (erschienen 1931). Die antike Philosophie behandelte er in der Abhandlung Die europäische Philosophie des Altertums, die 1909, 1913 und 1923 erschien. Seine dreibändige Ausgabe stoischer Fragmente (Stoicorum Veterum Fragmenta, 1903–1905) ist bis heute in Gebrauch. Daneben beschäftigte sich Arnim auch mit den Schriften Xenophons und lieferte Beiträge für die Realencyclopädie der klassischen Altertumswissenschaft.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leben und Werke des Dio von Prusa. Mit einer Einleitung: Sophistik, Rhetorik, Philosophie in ihrem Kampf um die Jugendbildung. Berlin 1898.
    Nachdruck: Weidmann, Hildesheim 2004, ISBN 978-3-615-00300-0.
  • Ethische Elementarlehre Stobaeus (Papyrus 9780) nebst den bei Stobäus erhaltenen Ethischen Exzerpten aus Hierokles. Hrsg. von Hans von Arnim. Weidmann, Berlin 1906. (Berliner Klassikertexte 4).
  • Die europäische Philosophie des Altertums. In: Paul Hinneberg: Die Kultur der Gegenwart. 1. Teil. Teubner, Berlin und Leipzig 1909.
  • Die politischen Theorien des Altertums. Wien 1910
    Reprographischer Nachdruck: Gerstenberg, Hildesheim 1974, ISBN 3-8067-0509-7.
  • Platos Jugenddialoge und die Entstehungszeit des Phaidros. Teubner, Berlin und Leipzig 1914
    Nachdruck: A.M. Hakkert, Amsterdam 1967.
  • Arius Didymus’ Abriß der peripatetischen Ethik. In: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse 204,3. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1926.
  • Platons Dialog „Thrasymachos“. In: Mededelingen Koninklijke Vlaamse Academic van Wetenschappen. Afdeeling ltterkunde, Ser.A.Deel. 63,8. Amsterdam 1927.
  • Das Ethische in Aristoteles’ Topik. In: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse 205,4. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1927.
  • Eudemische Ethik und Metaphysik. In: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse 207,5. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1928.
  • Die Entstehung der Gotteslehre des Aristoteles. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1931.
  • Zwölf Tragödien des Euripides. Übersetzt von Hans von Arnim. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1931.
    Mit einer Einführung und Erläuterung von Bernhard Zimmermann. DTV, München und Artemis, Zürich 1990, ISBN 3-423-02253-1.
  • Stoicorum Veterum Fragmenta. 3 Bände. Gesammelt von Hans von Arnim. 1903–1905. Neuausgabe:
Zeno et Zenonis discipuli. Teil I. De Gruyter, Berlin/Boston 1978, ISBN 3-11-095502-4.
Chrysippi fragmenta logica et physica. Teil II. De Gruyter, Berlin/Boston 1979, ISBN 3-11-095501-6.
Chrysippi fragmenta moralia. Teil III. De Gruyter, Berlin/Boston 1978, ISBN 3-11-095377-3.
Indices. Teil IV. De Gruyter, Berlin/Boston 1978, ISBN 3-11-094853-2.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzebüste von Gertrude Hartmann

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans von Arnim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hans von Arnim – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tod des hervorragenden Philologen Geheimrates Hans v. Arnim. Wien, 26. Mai.. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, 26. Mai 1931, S. 6 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
    Der berühmtete klassische Philologe Geheimrat Hans v. Arnim ist gestern im 73. Lebensjahre gestorben. Der hervorragende Gelehrte hat bis zu seinem im Vorjahre infolge erreichter Altersgrenze erfolgten Rücktritt dem Lehramt der Wiener Universität angehört.
    Das spezielle Gebiet seiner Forschungen war die Geschichte der griechischen Philosophie. Namentlich die Stoiker und Aristoteles hat er in Werken behandelt, die zu den gewichtigsten und gewaltigsten der Altertumskunde zählen.
    Arnim, ein Sprosse der großen Romantikerfamilie hat auch formvollendete Uebersetzungen der griechischen Klassiker, namentlich des Euripides, geschaffen, und die „Iphigenie“ des Euripides wurde vor einigen Jahren in Arnims Uebertragung am Lauchstädter Goethe-Theater aufgeführt.
    Der Tod Hans v. Arnims, der heute nacht eintrat, war eine Folge eines Sturzes, den der Gelehrte vor einigen Wochen erlitten hatte.
  2. Geheimrat v. Arnim †.. In: Kleine Volks-Zeitung, 27. Mai 1931, S. 7 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/kvz
    Pfingstmontag ist in Döbling der emeritierte Universitäts-Professor Hans v. Arnim nach längerer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben. Professor Arnim, der aus dem bekannten Freiherrngeschlecht v. Arnim stammte, dem auch der Dichter Achim v. Arnim angehörte, war ein ausgezeichneter Kenner der alten griechischen Literatur und besaß in den Gelehrtenkreisen der ganzen Welt einen ausgezeichneten Ruf als Fachmann auf seinem Gebiet. Sein Hauptwerk ist die Uebersetzung der gesamten Schriften des Euripides. Das Leichenbegängnis findet morgen, Donnerstag, ½5 Uhr auf dem Döblinger Friedhof statt. Der Verstorbene hinterläßt eine Witwe, mit der er in fünfzigjähriger ungetrübter Ehe gelebt hatte. Der Ehe entsprossen vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne. Der eine Sohn ist im Weltkrieg gefallen. Der zweite ist Arzt [sic!] und lebt in Leiden. Die eine Tochter ist mit einem Arzt in Wien verheiratet und lebt ebenso wie die zweite Tochter in Wien.
  3. Der Geheimrat Professor Dr. Hans v. Arnim gestorben. Der berühmte Altphilologe. Originalbericht des „Neuen Wiener Journals“.. In: Neues Wiener Journal, 27. Mai 1931, S. 4 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nwj
    In der gestrigen Nacht ist in seiner Wohnung in der Hardtgasse Nr. 19 der hervorragende Philologe Universitäts-Professor Dr. Hans v. Arnim gestorben. Geheimrat v. Arnim, der nach einer Operation, der er sich vor zwei Jahren unterziehen mußte, kränkelte, erlitt in seiner Wohnung einen Schwächeanfall und stürzte bewußtlos zusammen. Seit dem Sturze vor etwa zwei Wochen war der Gelehrte bettlägerig und der Zustand des Patienten verschlimmerte sich zusehends. In der gestrigen Nacht verschied er an den unmittelbaren Folgen des verhängnisvollen Sturzes.
    Geheimrat v. Arnim wurde im Jahre 1859 auf dem väterlichen Gute in der Uckermarck geboren. Nach Absolvierung des Gymnasialstudiums kam er an die Universität nach Berlin und später nach Greifswald, wo er sich der klassischen Philosophie zuwandte und der Lieblingsschüler des berühmten Philologen Geheimrat Professor Ullrich v. Willanowitz wurde. Nach dem Doktorrat studierte er ein Jahr in Elberfeld, später in Bonn. In Halle an der Saale war er bereits in jungen Jahren als Privatdozent an der Universität tätig und erhielt die Professur für klassische Philologie in Rostock im Jahre 1900. Im selben Jahre kam v. Arnim zum erstenmal nach Wien und blieb hier bis zum Ausbruch des Krieges. Vom Jahre 1914 bis 1920 arbeitete der Gelehrte privat in Frankfurt am Main, um dann wieder nach Wien zurückzukehren. An der Wiener Universität bezog Geheimrat Professor Dr. Hans v. Arnim den Lehrstuhl für klassische Philologie. Er war auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften und einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Körperschaften.
    Das spezielle Gebiet der Forschungen des hervorragenden Gelehrten war die griechische Philosophie. Namentlich die Stoiker und Aristoteles hat er in seinen Werken behandelt, die zu den wichtigsten der Altertumskunde gehören. Von Arnim, der ein Sprosse der großen Romantikerfamilie war, hat auch eine formvollendete Uebersetzung der griechischen Klassiker, namentlich des Euripides geschaffen und die „Iphigenie“ des Euripides wurde vor einigen Jahren in Arnims Uebersetzung am Lauchstädter Theater, dem Goethe-Theater, aufgeführt.
    Der Verstorbene hinterläßt eine Witwe, mit der er in fünfzigjähriger ungetrübter Ehe gelebt hatte. Der Ehe entsprossen vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne. Der eine Sohn ist im Weltkrieg gefallen. Der zweite ist Arzt und lebt in Leiden. Der Tod des bedeutenden Gelehrten wird in der ganzen wissenschaftlichen Welt tiefes Mitgefühl erregen.
  4. Geheimrat v. Arnim gestorben.. In: Reichspost, 27. Mai 1931, S. 5 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/rpt
    Am Pfingstmontag um ½11 Uhr abends starb in seiner Wohnung in Döbling der emerit. Univ.-Prof. Hans v. Arnim im Alter von 72 Jahren. Professor Arnim, der aus Groß-Friedenswalde [sic!] in Preußen stammt, wurde 1900 von der Universität Rostock als Altphilologe nach Wien berufen, wo er bis 1914 blieb, um in diesem Jahre nach Frankfurt am Main zu gehen. 1916/17 bekleidete er dort die Würde des Rektors. Nach dem Kriege kehrte er (1921) wieder nach Wien zurück und blieb hier bis zum Abschluß seiner akademischen Lehrtätigkeit. Professor Arnim, der aus dem bekannten Freiherrngeschlecht stammte, dem auch der Dichter Achim v. Arnim angehörte, war ein ausgezeichneter Kenner der alten griechischen Litsratur und besaß in den Gelehrtenkreisen der ganzen Welt einen ausgezeichneten Ruf als Fachmann auf seinem Gebiete. Sein Hauptwerk ist die Uebersetzung .der gesamten Schriften des Euripides; anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages hatten ihm einige Freunde einen namhaften Betrag zur Ermöglichung der Herausgabe dieses Werkes überreicht. Geheimrat Arnim war Vorstand des philologischen Seminares, wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien und korrespondierendes Mitglied der Akademien in Amsterdam und Kopenhagen. Das Leichenbegängnis findet Donnerstag, 28. d., ½5 Uhr nachmittags, auf dem Döblinger Friedhof statt.
  5. Professor Hans Arnim.. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, 29. Mai 1931, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
    Unter großer Teilnahme wurde gestern auf dem Döblinger Friedhofe der berühmte Philologe Professor Hans Arnim zu Grabe getragen. Es waren erschienen: In Vertretung des Unterrichtsministeriums Sektionschef Löwenstein mit Ministerialrat Mayer, der Präsident der Akademie der Wissenschaften Professor Redlich mit dem Generalsekretär Professor Rademacher, Rektor Uebersberger, Dekan Professor Meister mit den Professoren Henett, Mayer, Reisch, Gomperz, Hauler, Reiniger, Schlick, Löwy, Piek, Kappelmacher, Luick, Minister a. D. Professor Srbik, Hofrat Leisching, Sektionsrat Wohlmut, Schriftsteller Hofrat Schaukal, die Professoren Oberhummer, Voltelini, Wlassak, Pribram, Prachniker, ferner zahlreiche Schüler und viele Damen. Nach der Einsegnung der Leiche des verstorbenen Gelehrten durch Pastor Dr. Eltz sprach namens der Universität Dekan Hofrat Meister namens der Akademie der Wissenschaften Hofrat Redlich und am Grabe widmete, nach nochmaliger Einsegnung durch den Geistlichen, Hofrat Schaukal namens der persönlichen Freunde dem Dahingeschiedenen Worte pietätvollen Andenkens.
  6. Siehe Eintrag in der NDB 1, S. 372.
  7. Arnimdenkmal im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  8. Arnimgasse im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien