Heinrich Friedrich Francke

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Heinrich Friedrich Francke

Heinrich Friedrich Francke[1], Pseudonym: J. H. Rausse[2] (* 18. August 1805 in Güstrow; † 12. Juli 1848 in Alexandersbad), war ein deutscher Hydropath (Experte für Wasserheilkunde), Heilpraktiker und Fachschriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich Friedrich Francke wuchs als ältestes Kind aus zweiter Ehe des Güstrower Dompredigers und (späteren) Superintendenten, Heinrich Francke (1766-1838), auf.[3] Als ständig kränkelndes Kind kam er erst im Alter von elf Jahren auf die Domschule, die er bis 1824 besuchte. Anschließend studierte er 1824/28 zunächst Theologie in Halle (Saale), Jena, Rostock und Berlin. Durch die Naturphilosophie von Rousseau beeinflusst besuchte er dann die Forstakademie Aschaffenburg. Nach seinem Examen 1830 als Forsttaxator und Forstgeometer trat er zunächst eine Reise durch Süddeutschland und Oberitalien an. Eine England- und Amerikareise, wo er sich sehr lange bei den Osage-Indianern aufhielt, verarbeitete er in dem Buch „Reisescenen aus zwei Welten“.

Nach einer Wasserkur 1838 in Gräfenberg in Schlesien bei Vinzenz Prießnitz begeisterte er sich für dieses Thema und gründete 1844 zunächst im Gutshaus Suckow und wenige Monate später 1845 in (Bad) Stuer am Plauer See eine Kaltwasserheilanstalt, deren Leiter er bis 1847 blieb. Als unsteten Geist führte es ihn im April 1847 weiter nach Lehsen bei Wittenburg. Nachdem ihm die dortige Wasserheilanstalt zu klein wurde, übernahm er im Jahre 1848 die Leitung der von Dr. Georg Fickenscher 1840 gegründeten Wasserheilanstalt in Alexandersbad im Fichtelgebirge. Er starb im selben Jahr in Alexandersbad, dem heutigen Bad Alexandersbad an einer chronischen Entzündung des Zwölffingerdarms.[4] Der aus Ludwigslust gebürtige Apotheker Theodor Hahn, der 1847/48 in Lehsen Franckes Behandlungen genoss, wurde sein wichtigster Schüler und Verbreiter seiner Lehren.[5]

Francke veröffentlichte unter dem Pseudonym J. H. Rausse mehrere Schriften über Wasserheilkunde; u. a. 1839 seine kritische Abhandlung „Wasser thut’s freilich“ und wurde damit zum Kritiker und Reformer der bisherigen Heilverfahren.[6]. Damit begann eine äußerst kontrovers geführte Diskussion, welche 1860 zu Theodor Sommerfelds Gegenschrift „Wasser thut's freilich nicht“ führte. Über 30 Jahre später war diese Diskussion immer noch präsent, so dass Johannes Reinelt mit seiner Komödie „Wasser thut's freilich“ große Erfolge erzielen konnte.

Sein wichtigster Schüler und späterer Herausgeber seiner Werke war Theodor Hahn.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Reisescenen aus zwei Welten. Güstrow, 1836. (Digitalisat) [2. Aufl. Quedlinburg, 1840]
  • Der Stern der Liebe. Zeitz, 1838
  • Der Geist der Gräfenberger Wasserkur. Zeitz, 1838. (Digitalisat der 2. Auflage, 1839)
  • Wasser thut's freilich. Miscellen zur Gräfenberger Wasserkur. Zeitz, 1839. (Digitalisat der 2. Auflage, 1840, mit vielen Zusätzen). [Zahlreiche weitere Auflagen und Übersetzungen, zuletzt 7. Aufl. u. d. T. Der Geist oder die Philosophie der Naturheilkunde. Frauendorf, 1919]
  • Beschreibung der von dem Verfasser gegründeten und dirigirten Wasserheilanstalt zu Stuer bei Plau in Mecklenburg. Zeitz, 1846
  • Umrisse der Krankheitslehre. Zeitz, 1846
  • Beschreibung der Wasserheilanstalt Lehsen bei Wittenburg in Meklenburg... Parchim; Ludwigslust, 1847
  • Über die gewöhnlichsten ärztlichen Mißgriffe beim Gebrauch des Wassers als Heilmittel. Nebst einer Abhandlung über die Aufsaugung und Ablagerung der Gifte und Medikamente im lebenden animalischen Körper und einer Kritik der Kurmethode des Vincenz Prießnitz. Schieferdecker, Zeitz 1847 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Kapp: J. H. Rausse, der Reformator der Wasserheilkunde. Hamburg, 1850. (Digitalisat)
  • Alfred Brauchle: Naturheilkunde als Wasserkur und Vegetarismus. Der Apotheker Theodor Hahn. In: derselbe: Geschichte der Naturheilkunde in Lebensbildern. 2. erw. Aufl. Reclam Verlag, Stuttgart 1951, S. 164-174
  • Alfred Brauchle: Der erste Ordner. Der Forstmann und Schriftsteller J. H. Rausse. Der Kritiker an Prießnitz. In: derselbe: Geschichte der Naturheilkunde in Lebensbildern. 2. erw. Aufl. von Große Naturärzte. Reclam Verlag, Stuttgart 1951, S. 118-133
  • Uwe Heyll: Wasser, Fasten, Luft und Licht. Die Geschichte der Naturheilkunde in Deutschland. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2006. ISBN 978-3-593-37955-5
  • Hellmut Löffler: Naturheilkunde von A–Z. Moewig Verlag, Rastatt 1993. ISBN 3-8118-3113-5
  • Johannes Reinelt: Wasser thut's freilich. Lustspiel. Leipzig 1892
  • Theodor Sommerfeld: Wasser thut's freilich nicht. Wilde-Verlag, Berlin 1860

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nicht: Franke.
  2. Nicht: Johann Heinrich Rausse.
  3. Die zweite Ehe des Vaters mit Auguste von Kamptz (1785-1836) wurde am 4. Oktober 1804 geschlossen. Die in der Lit. verbreitete Aussage, Heinrich Friedrich F. sei das fünfte Kind aus zweiter Ehe des Vaters ist eine Fehlinformation. Francke mag vier ältere Halbgeschwister gehabt haben (namentlich bekannt ist davon nur ein Halbbruder, David Francke (1792-1865), später Pastor in Groß Upahl), die dann aber sämtlichst aus der ersten Ehe seines Vaters stammen müssten.Insgesamt hatte sein Vater 12 Kinder, von denen aber mehrere früh starben.
  4. Theodor Hahn: Die Cholera und ihre Behandlung mit kaltem Wasser, nach Rausse'schen Principien und nach eigener praktischer Erfahrung. Schwerin und Rostock 1849, S. 4
  5. Eva Barlösius: Naturgemässe Lebensführung. Zur Geschichte der Lebensreform um die Jahrhundertwende Campus Verlag 1997, S. 67 ff. sowie Dieter Melchart, Rainer Brenke: Naturheilverfahren. Leitfaden für die ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schattauer, Stuttgart New York 2008, S. 572. - Ob Hahn tatsächlich ein Vetter von Francke war, wie Alfred Brauchle: Naturheilkunde als Wasserkur und Vegetarismus. Der Apotheker Theodor Hahn, S. 166, behauptet, ist ungewiss. Die bisherigen genealogischen Detailkenntnisse zu Franckes Familienumfeld und Vorfahren liefern dafür keinerlei Hinweis oder Erklärungsansatz. Hahn selbst schreibt "meinem verehrten Freund und Lehrer" (ebenda, S. 4).
  6. Auf dem Titelblatt einer späteren Auflage davon nennt er sich spöttelnd "wirklich geheimer Zauberer und großer Medikus beim Stamm der Schlangen-Indianer correspondirendes Mitglied aller Akademien und gelehrten Gesellschaften in den Ländern der Karaiben und Hottentotten, Ritter unzählich vieler Orden aus den Staaten Lichtenhain, Ziegenhain und Passendorf etc."

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Wasser thuts freilich – in: Die Gartenlaube, Heft 11, 1853, S. 112–116.