Herbert Tröndle

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Herbert Tröndle (* 24. August 1919 in Kiesenbach, heute zu Albbruck; † 1. Oktober 2017 in Waldshut[1]) war ein deutscher Rechtswissenschaftler, Richter, Autor und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater und Großvater waren Dorfschmiede. 1938 legte er sein Abitur am Waldshuter Gymnasium ab. Danach leistete er den Reichsarbeitsdienst und als Freiwilliger den Militärdienst ab. Im Zweiten Weltkrieg war er 1940 in Frankreich und 1941 als Unteroffizier an der Ostfront eingesetzt. Bald nach Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion wurde er zum Feldwebel befördert. 1942 erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse, nachdem er vorher bereits das Eiserne Kreuz II. Klasse erhalten hatte, und später das Infanterie-Sturmabzeichen sowie das Deutsche Kreuz in Gold. Im selben Jahr wurden dem zum Leutnant avancierten Tröndle bei einem Granattreffer beide Beine durch Granatsplitter verletzt, woraufhin beide Unterschenkel amputiert werden mussten. 1943 wurde er zum Oberleutnant der Reserve befördert und erhielt das Verwundetenabzeichen.

Im Sommersemester 1943 begann er in Freiburg Volkswirtschaft zu studieren. Im nächsten Semester wechselte er zu Jura. Zum Wintersemester 1944/45 ging er nach Jena. Weihnachten 1944 heiratete Tröndle. Sein Studium setzte er im September 1945 in Göttingen fort. 1947 bestand er das Erste Staatsexamen „vollbefriedigend“. September 1947 trat er den Referendarsdienst in Baden an. Er legte 1947 in Göttingen eine Dissertation über den § 814 BGB vor. Das Rigorosum bestand er 1949 im zweiten Anlauf. Das Zweite Staatsexamen bestand er 1950 mit „gut“. Anschließend wurde Tröndle Gerichtsassessor. 1953 wurde er an den Bundesgerichtshof als "Hilfsarbeiter" abgeordnet. Ende 1953 wurde er zum Amtsgerichtsrat befördert. Anfang 1956 kehrte er an das Landgericht Waldshut zurück. Oktober 1956 trat er den Dienst beim Bundesministerium der Justiz an und war in der Großen Strafrechtskommission tätig. 1958 rückte er zum Oberlandesgerichtsrat auf. Ab 1961 arbeitete er wieder in seiner Heimat Waldshut als Landgerichtsdirektor. 1966 wurde er der Leiter der Staatsanwaltschaft Offenburg und Mitglied der Landesjustizprüfungskommission. Von 1968 bis 1985 stand er dem Landgericht Waldshut-Tiengen als Präsident vor. 1976 wurde er in die ständige Deputation des Deutschen Juristentags gewählt. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, an der Tröndle bereits seit 1978 Vorlesungen zum Strafrecht hielt, ernannte ihn 1980 zum Honorarprofessor. Bis in die 1990er-Jahre hielt er seine Lehrtätigkeit aufrecht.

Tröndle starb am 1. Oktober 2017 im Alter von 98 Jahren.[1]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Bekanntheit erlangte Tröndle vor allem als Autor juristischer Fachpublikationen. Er betreute den von Otto Schwarz begründeten Strafrechtskommentar Strafgesetzbuch und Nebengesetze, der heute zu den Standardwerken zählt, von der 38. bis zur 49. Auflage. Seit der 50. Auflage wird er von Thomas Fischer bearbeitet. Von der 49. bis zur 54. Auflage wurden als Autoren noch Tröndle/Fischer genannt; seit der 55. Auflage wird allein Fischer als Verfasser aufgeführt.

Tröndle galt insgesamt als ein konservativer Jurist. So war er beispielsweise ein Kritiker der geltenden Rechtsprechung zum Schwangerschaftsabbruch, nicht nur weil Spätabtreibungen zugelassen sind; vielmehr sah er im § 218 StGB sogar eine Heuchelei des Staates, weil von Schutz des ungeborenen Lebens keine Rede sein könne. Zudem wandte er sich scharf gegen die Gleichstellung insbesondere männlicher Homosexueller.[2] So fürchtete er, der „etablierten Schwulenszene“ werde erlaubt, „die in der Pubertät und Adoleszenz befindlichen Jugendlichen für ihre Zwecke zu rekrutieren“.[3] Auch war er in seiner Stellungnahme als Sachverständiger vor dem Bundesverfassungsgericht 1986 der Ansicht, dass keine verfassungsrechtlichen Bedenken bestehen, dass Sitzblockaden eine strafbare Nötigung darstellen. Er hielt die diesbezügliche Zweite-Reihe-Rechtsprechung[4] des Bundesgerichtshofes von 1988 (vom BVerfG 2011 als verfassungskonform bestätigt[5]) für richtig. Denn: „Verschiedentlich hat das Bundesverfassungsgericht […] nicht verallgemeinerungsfähige, nur dem Zeitgeist entgegenkommende Einzelentscheidungen getroffen […]“.

Zugleich vertrat er eine dezidierte Auffassung zur Einzelfallgerechtigkeit. Kritiker hielten Tröndles diesbezügliche Auffassung vor allem mit Blick auf die Überlastung von Gerichten sowie wegen der Gefahr der Beliebigkeit für unpraktikabel. Darüber hinaus wies Tröndle auch auf die Gefahr der Überheblichkeit und des Hochmuts von Richtern gegenüber Angeklagten hin.[6]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Trauer um einen Ausnahmejuristen. Herbert Tröndle ist tot. Der ehemalige Präsident des Landgerichts und bundesweit anerkannte Richter wurde 98 Jahre alt. In: Südkurier, Alb-Bote. Meinung Kreis Waldshut 10. Oktober 2017, S. 2.
  2. Tröndle: Strafgesetzbuch und Nebengesetze (Reihe Beck'sche Kurz-Kommentare. Bd. 10). 48., neubearbeitete Auflage. Beck, München 1997, ISBN 3-406-41629-2, § 182, Rn. 3 ff.
  3. Troendle: Ideologie statt Jugendschutz? In: Zeitschrift für Rechtspolitik. Bd. 25, Nr. 8, 1992, ISSN 0514-6496, S. 297–302.
  4. BGHSt 41, 182.
  5. Beschluss vom 07.03.2011 - 1 BvR 388/05, [www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2011/03/rk20110307_1bvr038805.html].
  6. Rezensionsnotiz aus der FAZ vom 29. August 2000 bei Perlentaucher.de