Hotel Astoria (Leipzig)

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Hotel Astoria (2013)

Das Hotel Astoria wurde am 5. Dezember 1915 in Leipzig eröffnet und bis zum 30. Dezember 1996 betrieben. Es befindet sich unmittelbar westlich des Hauptbahnhofs am Willy-Brandt-Platz zwischen Kurt-Schumacher-Straße und Gerberstraße. Auf die Schließung folgte der Leerstand des Gebäudekomplexes, dessen Fassade unter Denkmalschutz steht.[1] Im Januar 2016 erwarb ein internationales Hotel- und Immobilienkonsortium die Hotelgebäude[2] und verkaufte es im Mai 2016 an die israelische Firma Intown Property Management weiter.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hotel Astoria im Juni 1957
Signet des Hotels Astoria

Die Hotelanlage wurde von 1913 bis 1915 nach den Plänen der Architekten William Lossow und Max Hans Kühne von der Frankfurter Baufirma Cohn & Krek auf einer Grundfläche von 2800 Quadratmetern errichtet. Zum Zeitpunkt der Eröffnung verfügte das Hotel über etwa 200 Zimmer mit 250 Betten und 35 Bädern.[4] Außerdem gab es ein Tanzcafé, Gesellschaftsräume und mehrere Restaurants (1915 mit 160 Plätzen[4]). Der ursprüngliche Haupteingang befand sich an der Kurt-Schumacher-Straße gegenüber dem Hauptbahnhof.[4] Im Rahmen des Wiederaufbaus nach 1945 wurde dieser in repräsentativerer Form an den Williy-Brandt-Platz verlegt.[5]

Einer der ersten Anteilseigner war die Leipziger Wollkämmerei. Im Dritten Reich gehörte das Astoria dem jüdischen Bauunternehmer Carl Ottokar Cohn. Im Zuge der Arisierung war er gezwungen, das Hotel weit unter Wert an den Staat zu verkaufen, was ihn letztlich vor der Ermordung im Konzentrationslager bewahrte.[6]

Während des Luftangriffes auf Leipzig am 4. Dezember 1943 wurde das Gebäude stark zerstört, so dass West- und Südflügel komplett neu errichtet werden mussten. Erste Aufgaben nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm das Hotel im Rahmen der Leipziger Frühjahrsmesse 1946, bevor es drei Jahre später offiziell wiedereröffnet wurde. In dieser Zeit befand sich eines der ersten Leipziger Nachkriegs-Fernsehgeräte in der Eingangshalle des Hauses.[5] Bis 1958 wurde durch einen Erweiterungsneubau und umfassende Rekonstruktionen die Bettenkapazität auf 350 erhöht. Nach weiteren Baumaßnahmen bot das Hotel Astoria ab 1965 für 465 Gäste Übernachtungsmöglichkeiten und 800 Restaurantplätze.[7] Nach der Enteignung der vormaligen Besitzer wurde es zunächst ab 1952 durch die staatliche Handelsorganisation (HO) und seit 1965 durch die Interhotel-Kette betrieben. Der Festakt zur Gründung des Interhotel fand im Januar 1965 im Hotel Astoria statt.[8] Zwischen 1969 und 1973 kam es zu einer kompletten Renovierung bei laufendem Hotelbetrieb, unter anderem wurden neue Lifte eingebaut. In den Jahren 1978 bis 1981 wurden erneut die Zimmer modernisiert und ein neuer Bürotrakt geschaffen, um dem Haus als sogenanntes Regierungs- und Protokollhotel für politisch und gesellschaftlich hoch angesehene Gäste gerecht zu werden.[7] 1986 standen den Besuchern neben der Hotelbar drei angesehene Restaurants, das Tanzcafé Karat sowie drei Salons mit 1000 Plätzen zur Verfügung.[9]

Das Astoria galt zu DDR-Zeiten aufgrund seiner modernen, luxuriösen und individuellen Inneneinrichtung (kein Zimmer glich dem anderen) als eines der schönsten Hotels des Landes und war zudem ein bedeutendes gastronomisches Zentrum. Zu seinen Gästen zählten vorwiegend Mitarbeiter des Regierungsapparates sowie Staatsgäste und Besucher der Leipziger Messe aus dem nichtsozialistischen Ausland, die der DDR als wichtige Devisenbringer dienten. Persönlichkeiten wie Walter Ulbricht, Karl-Eduard von Schnitzler oder Rudi Glöckner waren häufig zu Gast im Astoria.

Kurz nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR erfolgte 1990 die Privatisierung als Hotel Astoria GmbH. 1992 übernahm die Maritim Hotelgesellschaft das Haus und führte es bis zur Schließung des Hauses im Jahr 1996 weiter.[8] Seitdem steht das teilweise denkmalgeschützte Gebäude leer. 2006 wurde das Gebäude von der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Blackstone Group gekauft. Blackstone suchte eigenen Angaben zufolge nach Investoren für das Hotel. Öffentlichen Interessebekundungen an einem Kauf des Astoria wie zum Beispiel durch den israelischen Investmentbanker Adi Keizman im Jahr 2011[10] folgten zunächst keine weiteren Schritte. Im August 2013 führte Blackstone ergebnislose Verkaufsgespräche mit den drei Gläubigern eines Darlehens von 550 Mio. Euro, womit Blackstone den Kauf der früheren Interhotel-Kette zum größten Teil finanziert hatte.[11]

Im Januar 2016 wurde bekannt, dass Blackstone nach über zwei Jahren Verhandlungen[12] schließlich doch an die Interessenten Starwood Capital, i-Star und Brookfield verkauft habe. Die Eigentumsübertragung kam im Rahmen eines Paketverkaufs mit zehn früheren DDR-Interhotels zustande. Die Gesamtsumme wurde mit 600 Millionen Euro angegeben. Die neuen Hotelbetreiber wollten den Gebäudekomplex wieder zu einem Hotel und Kongresszentrum entwickeln.[2]

Am 20. Mai 2016[13] erwarb die Immobilienfirma Intown Invest des israelischen Projektentwicklers Amir Dayan das Astoria.[3] Im April 2017 wurde in einem Bericht der Leipziger Volkszeitung der Baustart für Mitte 2018[veraltet] und die Eröffnung für Sommer 2020 anvisiert.[14] Die Renovierung und ein Teilabriss wird dabei von dem Berliner Architekturbüro Wolff Architekten betreut, deren Website eine Eröffnung für Ende 2020 ankündigt.[15]

Im Mai 2018 wurden Details zu der Planung bekannt.[16] Im Mai 2019 war die Entkernung des Gebäudes abgeschlossen. Die Fertigstellung mit 460 Betten soll Ende 2020 erfolgen.[17] Der zukünftige Hotelbetreiber stand im Mai 2019 noch nicht fest.[18]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Politik, Prominenz und Luxus – Das Hotel Astoria in der DDR. Dokumentarfilm, Deutschland, 2013, 29:45 Min., Buch und Regie: Galina Breitkreuz, Produktion: MDR, Reihe: Der Osten – Entdecke wo du lebst, Erstsendung: 5. März 2013 beim MDR, Inhaltsangabe vom MDR, (Memento vom 8. März 2013 im Internet Archive).
  • Alina Cyranek dreht Film über Hotel Astoria mit Fördermitteln von der Mitteldeutschen Medienförderung, Fertigstellung: 2020 mit voraussichtlicher Eröffnung des Hotels.[19]

Hörfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • VEB Luxus – Das Leipziger Hotel Astoria. Radio-Dokumentation, Deutschland, 1998, 55 Min., Buch: Ulrich Wendelmann, Regie: Hein Bruehl, Produktion: WDR, Inhaltsangabe von phonostar.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verfallen – Folge 1: Astoria. 9. Album der Band ASP. Musikgenre: Dark Rock, Text: Alexander Spreng, Veröffentlichung: 16. Oktober 2015. Musikalische Umsetzung einer phantastischen Handlung, in der das Hotel Astoria als Luxushotel und als Ruine eine zentrale Rolle spielt.[20]
  • Verfallen – Folge 2: Fassaden. 10. Album der Band ASP. Musikgenre: Dark Rock, Text: Alexander Spreng, Veröffentlichung: 1. April 2016. Weiterführende Erzählungen der Ereignisse im Hotel Astoria im Laufe der deutschen Geschichte, vom Zweiten Weltkrieg bis hin zum Mauerbau.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hotel Astoria (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Artikel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Pilz, Helmut Vogel: Hotel Astoria – 70 Jahre alt!. In: Leipziger Kulinarien 3 (1986), ZDB-ID 1175133-2, DNB 210406585, S. 31–36.
  • Herbert Pilz: Obdach für Fremde. Von Herbergen, Gasthöfen und Luxushotels. In: Ders.: Leipziger Gastlichkeit im Zeitenwandel. Ein gastronomischer Streifzug durch sechs Jahrhunderte (= Kulinarische Antiquitäten 14), Fachschule für das Gaststätten- und Hotelwesen, Leipzig 2003, SWB Online-Katalog 265471591, S. 5–14.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. N. N.: Ende eines Luxus-Hotels. Über die Schließung des Leipziger „Astoria“ 1996. (Memento vom 20. Februar 2016 im Internet Archive). In: WDR 5, 2. August 2015.
  2. a b Jens Rometsch: Leipziger Hotel Astoria hat neue Besitzer – Konsortium übernimmt Immobilie. In: Leipziger Volkszeitung, 20. Januar 2016.
  3. a b Jens Rometsch: Neuer Eigentümer vom Hotel Astoria ist sehr verschwiegen und umstritten. In: Leipziger Volkszeitung, 6. Juni 2016.
  4. a b c Herbert Pilz, Helmut Vogel 1996, S. 32.
  5. a b Herbert Pilz, Helmut Vogel 1996, S. 33.
  6. Galina Breitkreuz: Politik, Prominenz und Luxus – Das Hotel Astoria in der DDR. (Memento vom 8. März 2013 im Internet Archive). Dokumentarfilm, MDR, 5. März 2013.
  7. a b Herbert Pilz, Helmut Vogel 1996, S. 34.
  8. a b Herbert Pilz 2003, S. 13.
  9. Herbert Pilz, Helmut Vogel 1996, S. 34 f.
  10. Jackie Richard: Kauft Israeli Leipzigs verlassenes Prachthotel? Neue Hoffnung fürs Astoria. In: Bild regional, 21. September 2011.
  11. Erik Trümper: Eigentümer führt neue Verhandlungen. Hotel Astoria vorm Verkauf? In: Bild regional, 28. August 2013.
  12. Jens Rometsch: Fürstenhof-Betreiber könnte Leipziger Astoria-Hotel übernehmen. In: Leipziger Volkszeitung, 11. Juni 2015.
  13. Doreen Beilke: BILD löst Rätsel um neuen Besitzer | Israelis kaufen Hotel Astoria. In: Bild, 3. Juni 2016.
  14. Jens Rometsch: Früheres Grandhotel Astoria in Leipzig soll seinen Namen behalten In: Leipziger Volkszeitung, 6. April 2017
  15. Wolff Architekten: Grand Hotel Astoria. In: http://www.wolffarchitekten.com. Wolff Architekten, 22. Dezember 2017, abgerufen am 22. Dezember 2017.
  16. Das wird aus dem Grandhotel Astoria in Leipzig, Leipziger Volkszeitung vom 4. Mai 2018
  17. Geschafft: Hotel Astoria ist entkernt, Leipziger Volkszeitung vom 11. Mai 2019
  18. GENIOS - Genios - Dokumente. Abgerufen am 13. Mai 2019.
  19. Film über das Hotel Astoria soll 2020 fertig sein In: Leipziger Volkszeitung vom 22. Januar 2018
  20. Andre Stasius: ASP - erwecken das Leipziger Hotel Astoria zum neuen Leben. Tombstone-Webzine, 2. August 2015, archiviert vom Original am 20. Februar 2016; abgerufen am 10. Mai 2017.

Koordinaten: 51° 20′ 42,9″ N, 12° 22′ 41,8″ O