Hubertus Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hubertus Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1971)

Hubertus Friedrich Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (* 14. Oktober 1906 auf Schloss Schönwörth, Tirol; † 28. November 1984 in Bonn) war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Politiker (FDP, ab 1957 DP, ab 1958 CDU).

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hubertus Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (links) mit seiner Frau (1940)
Prinz Löwensteins Grab auf dem Burgfriedhof in Bad Godesberg

Hubertus stammte aus dem Grafengeschlecht der Löwenstein-Scharffeneck, seit 1552 eine Seitenlinie der Grafen Löwenstein. Seine Eltern waren Maximilian Graf von Löwenstein-Scharffeneck (1871–1952) und Constance Freiin von Worms (1871–1963); die Ehe wurde 1912 geschieden. 1915 heiratete Maximilian Adelheid Freiin von Berlichingen (1883–1970). Er hatte zwei Brüder und zwei Schwestern. Später nahm er den Namen Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg an. In Palermo heiratete er am 4. April 1929 Helga Schuylenburg (1910–2004); aus der Ehe stammten drei Töchter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die romantische Kindheit auf Schönwörth und in Gmunden wurde überschattet von der Scheidung seiner Eltern und den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges.[1] Nach Schulbesuch in Gmunden, Bamberg, Würzburg, Pasing und Klagenfurt begann Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg ab 1924 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Rechts- und Staatswissenschaften zu studieren. Er wurde Mitglied der Herminonia im Schwarzburgbund.[2] Als immer mehr Herminonen mit dem Nationalsozialismus sympathisierten, trat er aus.[3] Er wechselte an die Universität Hamburg, die Universität Genf und die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Am 4. April 1929 heiratete er Helga von Schuylenburg. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor.[1] Nach dem Referendariat beim Kammergericht wurde er 1931 zum Dr. iur. promoviert.[4] Der überzeugte Republikaner wies bereits in seiner Doktorarbeit auf die Gefahren Hitlers hin. Nach seiner Promotion wurde Prinz Löwenstein Leitartikler der Vossischen Zeitung, des Berliner Tageblatts und des Berliner Börsen-Couriers.

1933 emigrierte er nach Österreich. Seit 1934 war er Chefredakteur und Herausgeber der Wochenzeitung Das Reich in Saarbrücken. Löwenstein sprach sich gegen die Rückgliederung des Saargebietes in das nationalsozialistische Deutschland und für die Verlängerung des Völkerbund-Mandates aus, mit dem Ziel, in Saarbrücken eine deutsche Exil-Regierung zu bilden. Wegen seines Buches Nach Hitlers Sturz – Deutschlands kommendes Reich wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen. 1935 ging er nach England, 1936 in die USA, wo er eine Professur für Staatsrecht und Geschichte erhielt und bereits 1936 die American Guild for German Cultural Freedom und die ihr angeschlossene Deutsche Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil gegründet hatte. Die Liga setzte sich aktiv für die Republik im Spanischen Bürgerkrieg ein.

Prinz Löwenstein kehrte 1946 nach Deutschland zurück und wurde 1947 Leiter der Caritas-Pressestelle in Bremen. 1947 erhielt er einen Lehrauftrag für Geschichte und Staatsrecht an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1950/51 beteiligte er sich an Aktionen zur Freigabe Helgolands. Anschließend setzte er sich für die Rückkehr des Saarlandes nach Deutschland ein.[2] Er war Mitbegründer des Deutschen Saarbundes und Mitherausgeber der Deutschen Saarzeitung.

Für Die Zeit war er 1951–1953 Leiter der süddeutschen Redaktion. Am 31. Oktober 1956 reiste Löwenstein während des Ungarn-Aufstands nach Budapest, um die Aufständischen zu unterstützen und durch seine Anwesenheit zu bekunden, dass die bundesdeutsche Öffentlichkeit an der Seite der Aufständischen stehe. Er sprach im Rundfunk und traf sich mit Regierungsmitgliedern und dem lange inhaftierten Kardinal József Mindszenty. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen wurde er festgenommen, mehrfach verhört und schließlich abgeschoben. Von 1960 bis 1963 war er Stadtverordneter in Bad Godesberg. 1960 bis 1971 war er Sonderberater des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung. Von 1973 bis 1984 war er Präsident des Freien Deutschen Autorenverbandes.

Mit 78 Jahren gestorben, wurde Prinz Löwenstein auf dem Burgfriedhof (Bad Godesberg) beigesetzt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Weimarer Republik gehörte Löwenstein der Deutschen Zentrumspartei an. In der Nachkriegszeit in Deutschland schloss er sich zunächst der FDP an, für die er von 1953 bis 1957 im Deutschen Bundestag saß. Nachdem die Freie Volkspartei, eine Abspaltung der FDP von 1956, der Deutschen Partei beigetreten war, verließ auch er am 6. Juni 1957 die FDP. Am 25. Juni 1957 wurde Löwenstein selbst Mitglied der DP und deren saarländischer Landesvorsitzender. In späteren Jahren war er Mitglied der Christlich Demokratischen Union Deutschlands.

Außerdem war Löwenstein in der Zeit der Weimarer Republik Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, das dem Stahlhelm entgegenwirken sollte, und baute im Gau Berlin-Brandenburg dessen Kinderorganisation für 10- bis 14-jährige Jungen, den „Vortrupp Schwarz-Rot-Gold“, als Vorstufe zum Jungbanner auf. Er gehörte zur Minderheit des Reichsbanners, die das „charismatische Führerprinzip“ befürwortete, und bezog bündische Elemente intensiv in die Vortrupp-Arbeit mit ein.[5] Auch nach dem Krieg engagierte er sich in dem 1968 neugegründeten Reichsbanner und war von 1979 bis zu seinem Tod Bundesvorsitzender des von Sozialdemokraten dominierten Verbandes.

Von 1953 bis 1957 war Prinz Löwenstein FDP-Bundestagsabgeordneter. Bei der Bundestagswahl 1957 verpasste er den Wiedereinzug in das Parlament, da die DP im Saarland lediglich 0,7 % der Stimmen errang.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel in der Berliner Neuen Kantstraße

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben zahlreichen Büchern und Artikeln zu politischen Fragen und einer mehrfach neu aufgelegten Deutschen Geschichte verfasste Löwenstein auch historische Romane über Personen des römischen Reichs. Das Buch Capri für Kenner resultierte aus seinen jährlichen Besuchen von Capri und seiner Freundschaft zu Roger Peyrefitte.[7]

Historisch-politische Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Tragödie eines Volkes. Deutschland 1918–1934. Steenuil-Verlag, Amsterdam 1934.
  • Deutsche Geschichte. Scheffler, Frankfurt a.M. 1951. 8. Auflage, Herbig, München, 1984, ISBN 3-7766-0920-6.
  • Stresemann. Das deutsche Schicksal im Spiegel seines Lebens. Scheffler, Frankfurt a.M. 1952.
  • Kleine Deutsche Geschichte. Scheffler, Frankfurt a.M. 1953.
  • mit Volkmar von Zühlsdorff: Deutschlands Schicksal 1945–1957. Athenäum, Bonn 1957.
  • mit Volkmar von Zühlsdorff: Die Verteidigung des Westens. Athenäum, Bonn 1960.
  • Botschafter ohne Auftrag. Lebensbericht. Droste, Düsseldorf 1972, ISBN 3-7700-0316-0.
  • Capri für Kenner. Langen-Müller, München 1979, ISBN 3-7844-1724-8.
  • Rom. Reich ohne Ende. Propyläen, Frankfurt/M. 1979, ISBN 3-549-05356-8.

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Lanze des Longinus. Kerle, Heidelberg, 1948.
  • Der Adler und das Kreuz. Legende. Kerle, Heidelberg, 1950.
  • Seneca – Kaiser ohne Purpur. Philosoph, Staatsmann und Verschwörer. Langen-Müller, München 1975, ISBN 3-7844-1573-3.
  • Tiberius. Der Republikaner auf dem Cäsarenthron. Langen-Müller, München 1977.
  • Traianus. Weltherrscher im Aufgang des Christentums. Langen Müller, München 1981, ISBN 3-7844-1905-4.
  • Konstantin der Große. Schöpfer des christlichen Europa. Langen Müller, München 1983, ISBN 3-7844-1994-1.
  • Alabanda oder der deutsche Jüngling in Griechenland. Langen Müller, München 1986, ISBN 3-7844-2092-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Grobe: „Die Saar zu ‚Helgoländern‘“ – Die Saarkonzeption von Hubertus Prinz zu Löwenstein, in: Malettke, Klaus, Oldenhage, Klaus (Hrsg.): Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Bd. 20, Heidelberg 2012, S. 188–222.
  • Eckhart Grünewald: Das Reich und das „wahre Deutschland“. Die Bedeutung Stefan Georges für Hubertus Prinz zu Löwenstein (1900–1984), den Organisator der „Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil“. In: Barbara Schlieben (Hrsg.): Geschichtsbilder im George-Kreis. Wallstein-Verlag, Göttingen 2004, S. 379–389. ISBN 3-89244-727-6
  • Hermann Ehmer: Löwenstein, Hubertus. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 100 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hubertus Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. S. 475.
  2. a b Frank Grobe: Mit korporierter Hilfe. Vor sechzig Jahren wurde das Saarland wieder deutsch. Studentenkurier I/17, S. 4–5
  3. Marc Zirlewagen: Biographisches Lexikon der Vereine Deutscher Studenten, Bd. 1: Mitglieder A–L. Books on Demand, Norderstedt 2014, ISBN 9-783-735722881, S. 516–518
  4. Dissertation: Umrisse und Idee des faschistischen Staates und ihre Verwirklichung
  5. Karl Rohe: Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Düsseldorf 1966, S. 121 f.
  6. Bekanntmachung von Verleihungen des Saarländischen Verdienstordens. In: Chef der Staatskanzlei (Hrsg.): Amtsblatt des Saarlandes. Nr. 38. Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH, Saarbrücken 12. November 1980, S. 986 (uni-saarland.de [PDF; 230 kB; abgerufen am 30. Mai 2017]).
  7. Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. S. 476.