Ilbenstadt

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Ilbenstadt
Stadt Niddatal
Koordinaten: 50° 16′ 47″ N, 8° 47′ 58″ O
Höhe: 121 (116–149) m ü. NHN
Fläche: 9,15 km²[1]
Einwohner: 3070 (31. Dez. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 336 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 61194
Vorwahl: 06034

Ilbenstadt ist ein Ortsteil von Niddatal im Wetteraukreis in Hessen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilbenstadt liegt in der Wetterau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Ilbenstadt erfolgte 818 unter dem Namen Eluistat im Lorscher Codex, nach dem das Kloster Lorsch eine Schenkung in Ilbenstadt erhielt.[1]

Im Heiligen Römischen Reich gehörte das Dorf zum Freigericht Kaichen, das im 15. Jahrhundert unter die Herrschaft der Burggrafschaft Friedberg kam. Als Teil des Freigerichts Kaichen fiel Ilbenstadt 1806 an das Großherzogtum Hessen.

In Ilbenstadt galt das Partikularrecht des Freigerichts Kaichen, die Friedberger Polizeiordnung. 1679 wurde sie erneuert und gedruckt. Damit ist sie zum ersten Mal schriftlich fassbar. Sie behandelte überwiegend Verwaltungs-, Polizei- und Ordnungsrecht. Insofern blieb für den weiten Bereich des Zivilrechts das Solmser Landrecht die Hauptrechtsquelle.[3] Das Gemeine Recht galt darüber hinaus, wenn all diese Regelungen für einen Sachverhalt keine Bestimmungen enthielten. Diese Rechtslage blieb auch im 19. Jahrhundert geltendes Recht, nachdem Ilbenstadt an das Großherzogtum Hessen übergegangen war. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch vom 1. Januar 1900, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte dieses alte Partikularrecht außer Kraft.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Räuber Johann Georg Gottschalk, auch der Schwarze Jung oder Veltens Heinrich genannt, stammte aus Ilbenstadt. Der Name seines Vaters sei Johann Goerg und der der Mutter Lies gewesen. Er war ein Mitglied der Wetterauer Bande. Ihm wurden 23 Verbrechen nachgewiesen. Am 14. September 1810 wurde er in Ulrichstein verhaftet. Belastet wurde er u. a. durch den berüchtigten Odenwälder Räuber Hölzerlips. Am 24. März 1813 wurde er mit Johann Justus Dietz aus Aßlar, Ludwig Funk aus Sellnrod und weiteren Mitgliedern der Wetterauer Bande, Johann Adam Frank, Conrad Anschuh, dem Heidenpeter und Johannes Borgener, zum Tode durch das Schwert verurteilt und in Gießen hingerichtet.[4]

Im September 1966 wurde ein Bunker als Kommandozentrale für den Zivil- und Katastrophenschutz Frankfurts gebaut und am 5. Mai 1970 übergeben. Der Bunker liegt zwischen den Gemeinden Ilbenstadt und Kaichen, etwa 300 m außerhalb von Ilbenstadt. Im Bunker Ilbenstadt sollte für 30 Tage das Überleben ermöglichen.[5]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Dezember 1970 fusionierten die Stadt Assenheim und die bis dahin selbständigen Gemeinden Bönstadt und Ilbenstadt im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur neuen Stadt Niddatal[6][7] und mit ihr kam Bönstadt am 1. August 1972 zum Wetteraukreis. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Ilbenstadt lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][8][9]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1668: 09 Herdstätten mit 52 Personen
• 1770: 18 Haushaltungen
• 1961: 329 evangelische (= 16,75 %), 1608 katholische (= 81,87 %) Einwohner
Ilbenstadt: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2020
Jahr  Einwohner
1834
  
615
1840
  
856
1846
  
905
1852
  
928
1858
  
914
1864
  
893
1871
  
859
1875
  
857
1885
  
936
1895
  
962
1905
  
908
1910
  
971
1925
  
1.067
1939
  
1.074
1946
  
1.674
1950
  
1.795
1956
  
1.838
1961
  
1.964
1967
  
2.213
1970
  
2.320
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2007
  
2.679
2011
  
2.772
2016
  
2.836
2020
  
3.070
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Stadt Niddatal[10]; Zensus 2011[11]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ilbenstadt 2772 Einwohner. Darunter waren 186 (6,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 525 Einwohner unter 18 Jahren, 1209 zwischen 18 und 49, 594 zwischen 50 und 64 und 444 Einwohner waren älter.[11] Die Einwohner lebten in 1134 Haushalten. Davon waren 288 Singlehaushalte, 324 Paare ohne Kinder und 417 Paare mit Kindern, sowie 84 Alleinerziehende und 21 Wohngemeinschaften. In 171 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 804 Haushaltungen lebten keine Senioren.[11]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ilbenstadt gibt es die katholische Pfarrgemeinde St. Maria, Petrus und Paulus und die evangelische Kirchengemeinde Ilbenstadt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basilika Ilbenstadt

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Kloster Ilbenstadt wurde von dem Grafen Gottfried von Cappenberg hier 1123 als ein Männer- und ein Frauenkloster (Ober- und Nieder-Ilbenstadt) gestiftet. Dieses Prämonstratenserkloster ist die älteste geistliche Niederlassung in der Wetterau. Der erste Propst war Antonius, ein Schüler des heiligen Norbert. 1657 wurde das Kloster zur Abtei. Einer Sage zufolge soll es zwischen dem Männer- und dem Frauenkloster einen unterirdischen Gang gegeben haben.
  • Das Kloster beherbergte von 1946 bis 1979 ein Erziehungsheim für Mädchen.
  • Die alte Ilbenstädter Abtei- und heutige Pfarrkirche St. Maria, Petrus und Paulus wird auch Dom der Wetterau genannt. Sie wurde 1929 von Papst Pius XI. zur Basilica minor erhoben.
  • Der im Jahre 1721 erbaute Gottfriedsbogen
  • Atomschutz-Bunker Ilbenstadt (zu besichtigen), 300 m außerhalb des Ortes in Richtung Kaichen

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Betreuungsschule Schatzinsel e. V.
  • VfR 1920 Ilbenstadt e. V.
  • Freiwilliger Feuerwehrverein
  • Tischtennis Club Ilbenstadt 1976 e. V.
  • Turnverein „Vorwärts“ 1910 Ilbenstadt e. V.
  • Bunker Ilbenstadt e. V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort treffen sich die Landesstraße 3351 und die Bundesstraße 45.

Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholischer Kindergarten „Sankt Peter und Paul“ Ilbenstadt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ilbenstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Ilbenstadt, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 5. Oktober 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadtportrait. In: Webauftritt. Stadt Niddatal, abgerufen im Dezember 2021.
  3. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 107, beiliegende Karte.
  4. Friedrich Ludwig Adolph Grolman: Actenmäßige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandenen Verbrecher. Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber. Mit einer Kupfertafel, welche die getreuen Bildnisse von 16 Haupt-Verbrechern darstellt. Gießen 1813, S. 66, 273 ff., 300 f., 563.
  5. Bunker Ilbenstadt die Infoseite
  6. Zusammenschluss der Stadt Assenheim und die Gemeinden Bönstadt und Ilbenstadt im Landkreis Frieberg zur Stadt „Niddatal“ vom 11. November 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 48, S. 2252, Punkt 2242 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,6 MB]).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 360.
  8. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  9. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (google books).
  10. Einwohnerzahlen aus Webarchiv: 2007, 2016, 2020
  11. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 54 und 108;.