Ingvild Richardsen

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Ingvild Richardsen, Kuratorin der Ausstellung "Evas Töchter"

Ingvild Richardsen ist eine deutsche Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Ausstellungskuratorin[1].

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingvild Richardsen studierte von 1982 bis 1983 zunächst Musikwissenschaft an der LMU in München zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik Würzburg, wo sie dann von 1985 bis 1988 Klavier als instrumentales Hauptfach belegte. Im Anschluss begann sie ein Studium in den Fächern Germanistik, Philosophie, Kommunikationsforschung und Anglistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nach einem Wechsel an die LMU schloss sie ihr Magisterstudium 1992 in den Fächern Neuere deutsche Literatur, Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit sowie Philosophie ab. Sie promovierte im Jahr 2000 mit der interdisziplinären Dissertation Antichrist-Polemik in der Zeit der Reformation und der Glaubenskämpfe bis Anfang des 17. Jahrhunderts: Argumentation, Form und Funktion.

Seither ist Ingvild Richardsen als Dozentin an den Universitäten München[2] und Augsburg[3], als Buchautorin, als Autorin von Fernsehfilmen, sowie als Ausstellungskuratorin tätig.

Seit 2017 ist Richardsen zusammen mit Waldemar Fromm (Arbeitsstelle für Literatur in Bayern[4]) Herausgeberin der im Volk Verlag erscheinenden Reihe „Vergessenes Bayern“[5]

Als Autorin zahlreicher Publikationen zur Erinnerungskultur und zu vergessenen Schriftstellerinnen gelang ihr die Wiederentdeckung ehemals renommierter Autorinnen wie Carry Brachvogel, Emma Haushofer-Merk und Marie Haushofer[6]. Im Zuge ihrer Recherchen und Funden von bereits verloren geglaubten biographischen Materials kristallisierte sich deren Bedeutung für die Münchner und Deutsche Frauenbewegung heraus. Erste Ergebnisse stellte Ingvild Richardsen 2018 in der von ihr kuratierten Ausstellung Evas Töchter[7] in der Münchner Monacensia[8] vor, die von der 2018 im Volk Verlag erschienenen Publikation „Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung. 1894-1933“ begleitet wurde. 2019 konnte sie mit ihrem im S. Fischer Verlag erschienenen Sachbuch „Leidenschaftliche Herzen, feurige Seelen“. Wie Frauen die Welt veränderten über das ungewöhnliche Zusammenwirken der frauenbewegten Münchner Schriftstellerinnen und vielen Männern der damaligen Münchner Avantgarde, unter ihnen namhafte Vertreter des Jugendstils, für ein neues Geschlechterverhältnis eine breitere Öffentlichkeit[9] für das Thema erschließen. Dies gelang ihr auch mit Filmbeiträgen für das Bayerische Fernsehen. 2014 gemeinsam mit Michael Appel über die Schriftstellerin jüdischer Herkunft Carry Brachvogel: Im Weiß-Blauen Land. Die Schriftstellerin Carry Brachvogel.[10], sowie 2016 in Zusammenarbeit mit Martin Otter mit dem Dokumentarfilm Die Vergessenen. Emma Haushofer-Merk, Marie Haushofer, Max Haushofer[11].

Im Allitera Verlag (edition monacensia) gab sie mehrere Werke von Carry Brachvogel und Emma Haushofer-Merk neu heraus[12].

Seit 2019 führt Ingvild Richardsen gemeinsam mit Klaus Wolf und Peter Czoik das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanzierte Projekt TELITO[13] (Tegernseer LiteraTouren) durch, das die kulturelle Vielfalt und Erinnerungskultur der Region besser erschließen soll und auf dem Literaturschloss Edelstetten angesiedelt ist. Im Auftrag der Münchner Volkshochschule recherchiert Richardsen derzeit die Geschichte des "Hauses Buchenried" am Starnberger See, dessen Wiederentdeckung als einstiger Künstlertreffpunkt ihr zu verdanken ist. Heute wird das Haus von der Volkshochschule als Seminarzentrum genutzt.[14]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antichrist-Polemik in der Zeit der Reformation und der Glaubenskämpfe bis Anfang des 17. Jahrhunderts: Argumentation, Form und Funktion. Frankfurt/M., Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien: Peter Lang, 2003. [zugleich Diss. LMU München 2000] ISBN 978-3-631-39653-7.
  • Die Fraueninsel. Auf den Spuren der vergessenen Dichterinnen von Frauenchiemsee. München: Volk Verlag, 2017 (Vergessenes Bayern. Hrsg. von Ingvild Richardsen und Waldemar Fromm). ISBN 978-3-86222-222-3
  • Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung (1894–1933). Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung in der monacensia vom 14. März 2018 bis zum 15. September 2018. München: Volk Verlag ISBN 978-3-86222-271-1
  • »Leidenschaftliche Herzen, feurige Seelen«. Wie Frauen die Welt veränderten. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2019. ISBN 978-3-10-397457-7
  • »Frei und gleich und würdig«. Die Frauenbewegung und der Erste bayerische Frauentag 1899. München: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 2019.

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingvild Richardsen, Michael Appel: Im Weiß-Blauen Land. Die Schriftstellerin Carry Brachvogel. Bayerisches Fernsehen (BR), 30 min, EST: 20. Januar 2014
  • Ingvild Richardsen, Martin Otter: Die Vergessenen. Emma Haushofer-Merk, Marie Haushofer, Max Haushofer. Bayerisches Fernsehen (BR), EST: 25. März 2016

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005 jung: de. Vierjährige weltweite Wanderausstellung des Goethe-Instituts über Jugendliche in Deutschland (2005–2009). Goetheinstitut / Zentrale München 2005. Konzeption, Recherche, wissenschaftliche Erarbeitung und Texttafeln »Medien«, »Film und Buch«, »Computer«, »Jugendsprache«, »Werte«, »Familie«, »Sich engagieren«.
  • 2009 Edelsteine des Mittelalters. Interdisziplinäre Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Mineralogischen Staatssammlung München und dem Museum Reich der Kristalle. München 2009/2010. Konzeption, Recherche, Texte.
  • 2018 Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung. 1894–1933. Ausstellung in der Monacensia im Hildebrandhaus vom 14. März bis 16. September 2018. Kuratorin, Konzeption und Texte.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2020 Medienpreis des Zonta-Club[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://volkverlag.de/autoren/richardsen-ingvild/%7C Autorenseite des Volk Verlages, abgerufen am 30. Juni 2020
  2. https://www.literatur-in-bayern.germanistik.uni-muenchen.de/personen/weitere-mitarbeiter/richardsen/index.html
  3. https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/philhist/professuren/geschichte/europaische-kulturgeschichte/team/ingvild-richardsen/
  4. https://www.literatur-in-bayern.germanistik.uni-muenchen.de/index.html
  5. https://volkverlag.de/themen/die-buchreihe-vergessenes-bayern/
  6. Ingvild Richardsen: „Die Fraueninsel. Auf den Spuren der vergessenen Dichterinnen von Frauenchiemsee“ Volk Verlag, München 2017
  7. Fotos zur Ausstellung hier http://www.christophsauter.net/portfolio/evas-toechter/
  8. https://www.muenchner-stadtbibliothek.de/veranstaltungen/details/evas-toechter-muenchner-schriftstellerinnen-und-die-moderne-frauenbewegung-1894-1933-1651
  9. https://www.br.de/mediathek/video/es-lebe-die-freiheit-wie-muenchner-frauen-die-welt-veraenderten-av:5dcafe968d0ddc001a46ae90 online bis 11. November 2020
  10. https://www.br.de/mediathek/video/geschichten-carry-brachvogel-bayerische-schriftstellerin-und-frauenrechtlerin-av:5d9a6459517c4a001a9c360babgerufen am 30. Juni 2020
  11. https://www.br.de/mediathek/video/geschichten-emma-haushofer-merk-frauenrechtlerin-und-muenchner-schriftstellerin-av:5d9a64953dacde001aa497e6%7Cabgerufen am 30. Juni 2020
  12. Suchergebnisse Allitera-Verlag Carry Brachvogel
  13. http://www.literaturschloss-edelstetten.de/?s=Ingvild+richardsen
  14. Astrid Amelungse-Kurth: Ein Spiegel der deutschen Geschichte. Dr. Ingvild Richardsen erforscht die Historie des heutigen Hauses Buchenried. Münchner Merkur, 29. Januar 2021, abgerufen am 29. Januar 2021.
  15. https://zonta-fuenfseenland.de/project/medienpreis/ ; https://zonta-fuenfseenland.de/