Isekai

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Isekai (japanisch 異世界, auf Deutsch etwa „Andere Welt“) ist ein Subgenre japanischer Fantasy-Light Novels, Mangas, Anime und Videospiele, in denen ein normaler Charakter aus der wirklichen Welt in eine Fantasiewelt oder in ein Paralleluniversum transportiert oder wiedergeboren wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Japan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept des Genres Isekai geht auf das im Jahr 1865 veröffentlichten Werk Alice im Wunderland von Lewis Carroll zurück. Auch andere westliche Werke greifen ebendieses Konzept auf, wie etwa Peter Pan, Die Chroniken von Narnia, Die unendliche Geschichte oder Der Zauberer von Oz, welche als westliche Beispiele des Genres angesehen werden. Seither wurde dieses Konzept immer weiter aufgearbeitet.

Die japanische Webroman-Website Shōsetsuka ni Narō auf der viele neuere Isekai-Werke ihren Ursprung haben, bevor sie von Verlagen als Light Novel überarbeitet und dann Manga und Anime adaptiert werden unterscheidet die beiden Kategorien isekai ten’i (異世界転移 ‚Übergang in eine andere Welt‘) und isekai tensei (異世界転生 Wiedergeburt/Reinkarnation in eine andere Welt‘).[1]

Ersteres war üblich bei frühen japanischen Titeln, die in das Genre eingeordnet werden können, wie zum Beispiel El Hazard und Fushigi Yuugi, in denen die Protagonisten lebend in die parallele Welt transportiert wurden. In späteren Werken nach der Jahrtausendwende wie etwa Knight’s and Magic oder Saga of Tanya the Evil starben die Protagonisten in der realen Welt und wurden in einem Paralleluniversum wiedergeboren. Mit Chihiros Reise ins Zauberland wird auch einer der weltweit erfolgreichsten Animefilme dem Genre zugerechnet.[2]

Werke wie Inuyasha und The Vision of Escaflowne griffen dieses Konzept, zwischen der Realität und einer parallelen Welt zu reisen, auf und schafften es dabei eine Bindung zwischen Zuschauer und den Charakteren aufzubauen. In den Jahren kurz nach der Jahrtausendwende gab es kaum Veröffentlichungen in diesem Genre, sodass dieses lange Zeit als tot galt.[3]

Das .hack-Franchise griff als einer der ersten Werke das Konzept des Isekai als virtuelle Welt auf, etwas später folgte Sword Art Online (SAO) diesem Beispiel und erweiterte dieses.[4] Seit der Veröffentlichung von Sword Art Online (SAO) explodierte das Genre mit regelmäßigen Veröffentlichungen und sogar der Schaffung des Isekai-Subgenres Trapped in MMO. Franchises wie Log Horizon oder Overlord wurden phasenweise wegen ihrer anderen Herangehensweise an das Genre als Alternative zu Sword Art Online betrachtet. In Recovery of an MMO Junkie avancierte die virtuelle Welt nach und nach zum Nebenschauplatz und kehrte dabei das eigentliche Konzept des Genres um.[5]

Serien wie Kono Subarashii Sekai ni Shukufuku o!, Re:Zero – Starting Life in Another World und In Another World with My Smartphone greifen Videospieleinflüsse wie verschiedene Klassen, Levelsystem, plötzliches Freischalten neuer Fähigkeiten oder Neuanfang nach dem Tod auf, wobei diese Elemente den Mechaniken typischer Rollenspiele folgen.[5]

Im Jahr 2016, als das Genre seine populärste Phase erreichte, untersagte ein Veranstalter eines Kurzgeschichtenwettbewerbs sämtliche Isekai-Werke.[6] Auch der Verleger Kadokawa verbannte dieses Genre bei seinem Light-Novel-Wettbewerb im Folgejahr.[7]

Im April 2019 wurde der Anime Isekai Quartet ausgestrahlt, der das Genre und bekannte Vertreter wie KonoSuba, Re:Zero, Overlord und Saga of Tanya the Evil parodiert.

Südkorea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Südkorea existiert die Literaturgattung Isegye (이세계), die in den letzten Jahren durch diverse Manhwas und Webromane, die dieselben Thematiken wie Isekai aufgreifen, an Popularität gewinnen konnte. Viele Werke wurden zwischenzeitlich außerhalb Südkoreas veröffentlicht und haben einen ähnlichen Bekanntheitsgrad wie japanische Isekai-Manga- und Animeserien erreichen können.[8]

Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Werke, die dem Isekai-Genre zugeordnet werden können, wiesen weibliche Hauptcharaktere auf, wie etwa Fushigi Yuugi oder The Vision of Escaflowne aus den 1990er-Jahren. Anfang der 2010er-Jahre änderte sich dies und die Protagonisten waren eher männlichen Geschlechts.[3] Die Charaktere, die in ein Paralleluniversum transportiert oder wiedergeboren werden, sind seither zumeist Hikikomori, NEETs, Otakus oder Gamer, die die neue Welt als Wunscherfüllung betrachten. In dieser können sie – im Gegensatz zum Leben in der Realität – durch ihre Videospielerfahrung erfolgreich sein.[9] Häufig werden auch Videospielwelten als Thema für eine Parallelwelt genutzt (z. B. Log Horizon oder Sword Art Online).[10] Auch zielen neuere Werke auf die Erfüllung sexueller Lust ab, sodass viele neuere Isekai-Werke mit anderen Genres wie etwa dem Harem und Etchi kollidieren.[3] Isekai-Anime gewannen in den letzten Jahren an Popularität und haben sich von einer weiblichen Shōjo-Zielgruppe in den 1990er-Jahren mehr für die männliche Shōnen-Zielgruppe entwickelt.[10]

Die Kräfte der Protagonisten reichen dabei von verheerenden magischen Fähigkeiten wie in In Another World with My Smartphone bis zu sehr schwach wie in Re:Zero – Starting Life in Another World, in welchem der Protagonist keine spezielle Power besitzen als die Fähigkeit, den Tod durch Zeitmanipulation zu überleben.[11]

Obwohl der Protagonist in Isekai-Werken üblicherweise als „auserwählter Held“ gilt, stürzten Werke wie Drifters oder That Time I Got Reincarnated as a Slime diese Charakteristik des Genres. In Drifters reisen historische Generäle und andere Krieger, die brutaler sind als die Bewohner der Parallelwelt, in ebendiese während der Protagonist in That Time I Got Reincarnated as a Slime als blobähnliches Monster mit etwas anderen Fähigkeiten als ein normaler Mensch wiedergeboren wird.[12][13] In anderen Werken werden die Protagonisten auch als unbelebte Gegenstände wieder „materiell“.[14]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisiert an dem Genre wird, dass es oft an Ideen, Einfallsreichtum und Kreativität mangelt, da sich viele Elemente wiederholen und mehr Wert auf Fanservice, aktuelle Hypes und bereits Bewährtes für gute Verkaufszahlen gesetzt wird, anstatt mehr Wert auf Qualität und Innovation zu legen. Unterschiede zu anderen Werken wirken dabei teilweise nur geringfügig oder gar absurd.

Da es durch das Internet möglich ist eine Vielzahl an Werken mit geringem Produktionsaufwand zu veröffentlichen, kommt es durch die Masse auch zu einem Qualitätsverfall und Unstimmigkeiten und Logikfehlern in der fiktiven Welt. Dies spiegelt sich dann oft in der Gestaltung der Parallelwelt und Charaktere wieder. Auf der anderen Seiten bleiben viele Ideen und Szenarien ungenutzt.[10]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 「異世界転生」「異世界転移」のキーワード設定に関して. In: Shōsetsuka ni Narou. Abgerufen am 2. Juni 2019 (japanisch).
  2. Mike Toole: Old School Isekai. In: Anime News Network. 21. Januar 2019, abgerufen am 22. Januar 2019 (englisch).
  3. a b c Rachael Lefler: Thoughts on the History of the Isekai Genre. The ReelRundown, 12. November 2018, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  4. Matt Kamen: Anime: the 10 must-watch films and TV shows for video game lovers. The Guardian, 2. Oktober 2017, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  5. a b Sebastian Wienecke. 26. Februar 2018, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  6. "Short Story Contest Bans 'Traveling to an Alternate World' Fantasy". Anime News Network, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  7. "Anime-style novel contest in Japan bans alternate reality stories and teen protagonists". SoraNews24.com, 22. Mai 2017, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  8. Chang Kim: Why Online Mobile Publishing Is the Future. Publishersweekly.com, 22. November 2019, abgerufen am 30. Dezember 2019.
  9. Nick Valdez: Here's What Would Really Happen If You Were Sent Into a Fantasy World. Comicbook.com, 21. November 2017, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  10. a b c Das Isekai-Phänomen ist Fluch und Segen zugleich. In: Sumikai. 22. Dezember 2018, abgerufen am 25. Juni 2019 (deutsch).
  11. Patrick Frye: ‘Re:ZERO – Starting Life In Another World – Death Or Kiss’ Official Trailer For Visual Novel Released: Upcoming PS4 And PS Vita Game’s Screenshots Revealed. Inquisitr, 28. Dezember 2016, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  12. Peter Fobian: FEATURE: Head Space - "Drifters" - An Isekai Gone Wrong. Crunchyroll, 22. Dezember 2016, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  13. "'Tensei Shitara Slime Datta Ken' Anime In 2018 Based On 'That Time I Got Reincarnated As A Slime' Manga-Novel". Inquisitr, 7. März 2018, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  14. "Japanese novel stars boy reincarnated as hot spring that beautiful women want to get inside of". SoraNews24.com, 6. Februar 2017, abgerufen am 26. Dezember 2018.