JAB Holding

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JAB Holding Company s.à r.l.
Rechtsform Société à responsabilité limitée
Gründung 2012
Sitz Luxemburg
Leitung Olivier Goudet (Senior Partner & CEO)
Peter Harf (Senior Partner)
Bart Becht (Senior Partner & Chairman)
Website jabholco.com

Die JAB Holding Company s.à r.l. ist eine Holding der deutschen Unternehmerfamilie Reimann, zu der unter anderem ein Anteil von knapp sechs Prozent an Reckitt Benckiser,[1] eine Beteiligung von 38 Prozent am Parfümhaus Coty[2] und 51 % des Kaffeeherstellers Jacobs Douwe Egberts gehören.

Die heutige Holding entstand aus dem Nachfolgeunternehmen des von Johann Adam Benckiser und Karl Ludwig Reimann 1851 gegründeten Chemieunternehmens Joh. A. Benckiser GmbH mit Sitz in Ludwigshafen, dessen Reinigungsmittelsparte Benckiser N.V. mit Sitz in den Niederlanden 1999 mit der britischen Reckitt & Coleman zu Reckitt Benckiser fusionierte.

Investitionsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

JAB Holding Company ist per 2018 in die folgende Investitionsbereiche aufgeteilt:[3]

Geschichte bis 1999[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge von Benckiser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Adam Benckiser gründete 1823 in Pforzheim eine Salmiakhütte, in der aus Ammoniak und Salzsäure Salmiak hergestellt wurde.[4] In den darauf folgenden Jahren erwirbt Benckiser eine Goldwarenfabrik in Pforzheim und gründet eine Fayencen-Fabrik in Durlach.[5] Später lernt er den Chemiker Ludwig Reimann in Durlach kennen, mit dem er zusammen im Jahre 1851 eine Chemiefabrik gründet. Die Chemiefabrik stellt Wein-, Zitronen- und Genusssäuren her.[6] Im Jahre 1858 zieht die Firma nach Ludwigshafen um und produziert dort Phosphate. 1854 werden erste Geschäftsbeziehungen zu Jeremiah Colman aus dem britischen Norwich geknüpft, der mit Reckitt & Sons Wäschestärke nach Ludwigshafen verkauft. Der Einstieg in die Produktion von Phosphorsalzen fand im Jahr 1916 statt.[5]

Aufbau unter Albert Reimann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstellung des Produktes Calgonit auf der DLG-Landwirtschaftsausstellung 1955 in München

Mitte der 1930er Jahre übernimmt Albert Reimann senior (1868–1954), der Enkel von Ludwig Reimann, die Leitung des mittelständischen Chemieunternehmens Johann A. Benckiser GmbH in Ludwigshafen. Der Jurist und Richter Reimann war von 1937 bis 1941 Präsident der IHK Pfalz, später Mitglied des Beirates der Wirtschaftskammer Ludwigshafen[7] sowie Ehrenmitglied des ansässigen Ludwigshafener Rudervereins.[8]

Das Chemieunternehmen Benckiser entwickelt ab 1956 Haushalts- und Industriereiniger. Die Marken Calgon (1956), Calgonit (1964), Clearasil, Sagrotan und Quanto (1966) werden entwickelt.[9] Im Jahre 1963 wurde Martin Gruber zum Einkaufsleiter des Chemieunternehmens verpflichtet; Mitte der 70er Jahre ernannte Reimann Gruber zum Hauptgeschäftsführer. Bei seinem Tod 1984 erbten neun Geschwister das Unternehmen. Jedem der Kinder wurde der gleiche Erbanteil an Joh. A. Benckiser zugesprochen.[10]

Expansion, Umbau und Fusion mit der Reckitt & Colman[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsführer Martin Gruber holte Anfang der 1980er-Jahre von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group Peter Harf. Dieser baute das Chemieunternehmen radikal um und beschränkte sich dabei auf die Sparten Waschen, Spülen, Reinigen und Kosmetik.[6] Er stieß einige Sparten ab und kaufte über 25 Firmen in den USA, Italien, Spanien und Großbritannien auf. Während der Umsatz Anfang der 1980er-Jahre gerade einmal bei rund 250 Millionen Deutschen Mark lag, wurde er innerhalb eines Jahrzehnts auf das Zehnfache gesteigert. Anfang der 90er Jahre holte Peter Harf den späteren Coty-Chef Bernd Beetz ins Unternehmen.

Ende 1989 wurden die Sparten Benckiser Deutschland GmbH als Vertriebsgesellschaft in Ludwigshafen am Rhein und Ladenburg und Benckiser Produktions GmbH gebildet. 1992 erwarb Benckiser den Kosmetik-Hersteller Coty Inc. für 440 Millionen Dollar von Pfizer.[11] Peter Harf spaltete das Unternehmen im Jahre 1996 in zwei Teile auf: Benckiser für Reinigungsmittel und Coty für den Kosmetikbereich.[12] Im Jahre 1997 ging die Benckiser N.V. an die Amsterdamer Börse.[6] Mitte 1999 fusionierte die börsennotierte Benckiser N.V. mit dem britischen Konzern Reckitt & Colman und wurde zu Reckitt Benckiser.[12] Die Gesellschaft erwirtschaftet im Jahre 2000 schon rund 3,2 Milliarden Pfund (gut 4,2 Milliarden Euro).[6]

Finanzholding Johann A. Benckiser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Johann A. Benckiser GmbH mit ihren Beteiligungen an Coty und Reckitt Benckiser ist heute die Finanzholding JAB s.à.r.l. mit Sitz in Luxemburg von vier Mitgliedern der Familie Reimann mit ihren zehn Kindern. Die Adoptivkinder des Familienzweiges Reimann-Dubbers verkauften in den 1990er Jahren ihre Anteile. Ein Teil der Dubbers-Linie gründete das Family Office Reimann Investors sowie die Deutsche Kontor Privatbank AG.[13] Zwei von ihnen brachten ihr Kapital in Stiftungen ein: die Günter Reimann-Dubbers Stiftung im Bereich Familie, Bildung und Gesundheit und eine Stiftung im Bereich der erneuerbaren Energien, beide mit Sitz in Heidelberg.[14][15][16][17]

Das Vermögen der Familie Reimann wurde im Herbst 2012 auf etwa 11 Milliarden Euro geschätzt,[18] laut Handelsblatt lag es 2017 bei geschätzten 18 Milliarden Euro.[19] Der Familie Reimann gehören rund 90 Prozent[20] von JAB, die restlichen Anteile liegen bei den Seniorpartnern Peter Harf, Bart Becht und Olivier Goudet.[21][22][23] Die Familie hat ihre Beteiligungen an der JAB Holding in der Agnaten SE und Lucresca SE, jeweils mit Sitz in Wien, gebündelt.

Zukäufe im Bereich Genussmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 erwarb JAB für eine Milliarde Dollar die kalifornische Kaffeehaus-Kette und Rösterei Peet's Coffee & Tea und für 340 Millionen Dollar die Kaffeehaus-Kette Caribou Coffee Company.[24] Im Juni 2013 erfolgte der Börsengang von Coty in New York; nach erfolgreichem Börsengang hält JAB heute 38,1 Prozent[25] der Anteile.

2013 übernahm ein Konsortium unter Führung von Benckiser den niederländischen Kaffee- und Teeproduktehersteller D.E Master Blenders 1753 (u. a. Douwe Egberts, Pickwick).[26] Ende 2015 übernahm JAB zusammen mit anderen Investoren für rund 12,8 Milliarden Euro den US-amerikanischen Kaffeekapsel- und Kaffeemaschinenhersteller Keurig Green Mountain.[27]

Im Jahr 2017 übernahm JAB für 7,5 Milliarden US-Dollar die US-amerikanische Bäckereikette Panera Bread.[28]

Aktivitäten im Bereich Luxusgüter (JAB Luxury)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2007 wurde von JAB die Labelux Group (seither umbenannt in JAB Luxury) als Holding für neue Akquisitionen der Luxusgüterbranche in Wien gegründet und darin durch Firmenaufkäufe neben der Londoner Schmuckdesignerfirma Solange Azagury-Partridge (2008 erworben) die Schweizer Luxus-Modemarke Bally (2008), die US-amerikanische Modemarke Derek Lam (2008),[29] der italienische Lederwarenhersteller Zagliani (2009) und die britisch-italienische Modemarke Belstaff (2011) gebündelt.[30] Als CEO wurde Bernd Hauptkorn eingesetzt, der 2009 als Geschäftsführer von Bally bestellt wurde. Sein Nachfolger als Leiter der Labelux Group war Reinhard Mieck. Im Mai 2011 kam für 576 Millionen Euro der US-Schuhhersteller Jimmy Choo zum Labelux-Portfolio hinzu.[31]

Im Jahr 2012 wurden die Marken Solange Azagury-Partridge und Derek Lam von Labelux an die jeweiligen Firmengründer zurückverkauft.[32] Im Juni 2014 löste JAB die Labelux Group auf, sodass die zu Labelux gehörenden Marken wie Bally, Jimmy Choo oder Belstaff von da an als JAB Luxury Teil der JAB Holding waren. Mieck verließ das Unternehmen Ende 2014. Im Oktober 2014 brachte das Unternehmen seine Marke Jimmy Choo an die Londoner Börse und verkaufte sie Mitte 2017 für 1,2 Milliarden US-Dollar an Michael Kors. Im Frühjahr 2015 wurde die 1947 gegründete Marke Zagliani in das Unternehmen Bally integriert und somit faktisch aufgelöst.[33] Im Juli 2017 verkaufte JAB die Schuhmarke Jimmy Choo an Michael Kors[34], Ende 2017 verkaufte JAB die Modemarke Belstaff an Ineos.[35] Anfang Februar 2018 verkaufte JAB die Anteilsmehrheit von Bally für 700 Millionen US-Dollar an den chinesischen Textilkonzern Shandong Ruyi, dem nach Unternehmensübernahmen unter anderem die Marken Cerruti und Aquascutum gehören, behielt allerdings einen Minderheitsanteil.[36]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Website der JAB Holding Company (JAB Holdings)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Scheherazade Daneshkhu: JAB cuts Reckitt Benckiser stake. In: ft.com. Financial Times, 15. September 2017, abgerufen am 3. Januar 2018 (englisch).
  2. Familienholding JAB: Die Macht der Reimann-Manager. (handelsblatt.com [abgerufen am 13. März 2018]).
  3. JAB Holding Company | Long Term Investments | Privately Held Group. Abgerufen am 13. März 2018 (default).
  4. Klaus Sippel, Ulrich Stiehl: Archäologie im Wald (Memento vom 17. Januar 2013 im Internet Archive). Landesbetrieb Hessen-Forst, Kassel 2005 (PDF; 4,7 MB), S. 38.
  5. a b reckittbenckiser.de: Struktur in Deutschland (Memento vom 2. März 2009 im Internet Archive)
  6. a b c d brainstorms42.de: Aus dem Milliardärsclub: Die Familie Reimann
  7. Industrie- und Handelskammer für die Pfalz: Präsidenten seit Gründung am 30. April 1843
  8. Ludwigshafener Ruderverein: Die Historie des Ludwigshafener Rudervereins
  9. Reckitt Benckiser: RB Germany – Über uns
  10. Michael Gassmann: Diese Reimanns – WamS vom 13. Juli 2014 / Ausgabe 28 / Seite 5
  11. Pfizer agrees to sell Coty unit for 440 million nytimes.com, 5. Mai 1992
  12. a b manager-magazin.de: Benckiser: Von Calgon bis Bally
  13. Über uns: Deutsche Kontor. Abgerufen am 13. März 2018.
  14. Günter Reimann-Dubbers Stiftung
  15. bildungsstiftungen.org: Günter Reimann-Dubbers-Stiftung (Memento vom 20. Juli 2012 im Internet Archive)
  16. rp-karlsruhe.de: VRD Stiftung für Erneuerbare Energien (PDF; 14 kB)
  17. bioenergiehof.de: Nachrichten und Aktuelles: Ein Projekt der VRD Energie Stiftung (Mannheim) (Memento des Originals vom 28. Oktober 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bioenergiehof.de
  18. spiegel.de: Reichenliste des manager magazin: Aldi-Clan dominiert Liste
  19. Reimann-Holding-Chairman Bart Becht: „Kaffee bietet eine einmalige Chance“. (handelsblatt.com [abgerufen am 13. März 2018]).
  20. Reimann: Holding JAB verwaltet 70 Milliarden Dollar – manager magazin. In: manager magazin. (manager-magazin.de [abgerufen am 26. Dezember 2017]).
  21. Familie Reimann – Deutschlands geheimnisvollste Milliardäre. Handelsblatt, 2. April 2015, abgerufen am 18. August 2015.
  22. Beetz, Bernd » Aktuelle News und Exklusiv-Meldungen. Abgerufen am 26. Dezember 2017.
  23. JAB Holding Company | Long Term Investments | Privately Held Group. Abgerufen am 26. Dezember 2017 (default).
  24. D.E Master Blenders: Milliardärsfamilie will Senseo-Hersteller kaufen. In: Handelsblatt. 28. März 2013.
  25. Familienholding JAB: Die Macht der Reimann-Manager. (handelsblatt.com [abgerufen am 13. März 2018]).
  26. Mark Scott: Benckiser to Buy D.E Master Blenders for $9.8 Billion. In: DealBook. 12. April 2013 (nytimes.com).
  27. JAB Holding Company-Led Investor Group Completes Acquisition of Keurig Green Mountain, Inc. In: keuriggreenmountain.com. 3. März 2016, abgerufen am 5. April 2017 (englisch).
  28. JAB Holding kauft Panera: Milliardärsfamilie Reimann landet den nächsten US-Coup. In: Handelsblatt. 5. April 2017.
  29. fashionunited.de: Labelux: Mehrheitsbeteiligung an Derek Lam@1@2Vorlage:Toter Link/www.fashionunited.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  30. alacrastore.com: Labelux Group acquires Bally International AG from Texas Pacific Group Inc (Memento vom 10. April 2012 im Internet Archive)
  31. rp-online.de: Kult-Schuhmarke aus „Sex and the City“: Deutscher Milliardär kauft Jimmy Choo
  32. Will Labelux sell another brand?, ft.com, 8. November 2012
  33. Dominique Muret: Leather goods brand Zagliani shelved; workshop taken over by Bally. In: FashionNetwork.com. 12. März 2015, abgerufen am 30. August 2017 (englisch).
  34. Luxus an den Füßen: Eine Schuhmarke für eine Milliarde Euro. In: FAZ.NET. 25. Juli 2017, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 13. März 2018]).
  35. JAB verkauft Belstaff an britischen Chemiekonzern, fashionunited.de, 1. November 2017
  36. Traditionsunternehmen: Chinesen kaufen Schweizer Luxusfirma Bally. In: FAZ.NET. 9. Februar 2018, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 13. März 2018]).