Bally (Schuhhersteller)

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Bally-Unternehmenslogo seit 2008
Herrenschuh Bally - Kroko mit CITES Zertikikat - Rahmengenäht

Bally ist ein 1851 von Carl Franz Bally in Schönenwerd im Kanton Solothurn gegründeter Schweizer Schuhhersteller.

Das Unternehmen stellte zunächst Damen- und Herrenschuhe, später auch Accessoires her. Die internationale Luxusmarke Bally (als Hersteller von Schuhen, Bekleidung und Accessoires), deren Eigentümer ab Mitte der 1970er Jahre mehrmals wechselten, war von 2008 bis 2018 im Besitz der österreichischen JAB Holding (ehemals Labelux Group) und gehört seit Anfang 2018 mehrheitlich dem chinesischen Textilkonzern Shandong Ruyi.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und weltweite Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namenaktie über 1000 Franken der C. F. Bally AG vom 3. Oktober 1907
Bally-Filiale in Hongkong (2009)
Bally-Filiale in Bonn (1988)
Bally-Schuhmuseum in Schönenwerd (2011)

1851 wurde von Carl Franz Bally (1822–1899) und seinem Bruder Fritz Bally die Schuhfabrik «Bally & Co.» im schweizerischen Schönenwerd gegründet. Diese Fabrik ging aus dem vom Vater übernommenen Betrieb hervor, einer Gummiband- und Hosenträger-Manufaktur. Fritz schied 1854 aus dem Betrieb aus, woraufhin das Unternehmen in C.F. Bally Co. umfirmiert wurde und Filialen in Bern, Basel und Zürich eröffnete.

1860 beschäftigte Bally bereits mehr als 500 Arbeiter. Nach einem weiteren Jahrzehnt expandierte das Unternehmen auch ausserhalb der Schweiz mit Niederlassungen in Buenos Aires, Montevideo und Paris. Bally-Schuhe wurden dank hervorragender Materialien, Qualität und Verarbeitung zu Luxusprodukten.

Carl Franz Bally starb 1899 und das Unternehmen wurde von seinen Söhnen Eduard und Arthur weitergeführt. Zu diesem Zeitpunkt wurden jährlich ca. 2 Mio Paar Schuhe produziert und in zahlreichen europäischen Ländern sowie Nord- und Südamerika verkauft. Das Unternehmen beschäftigte 3200 Mitarbeiter. 1907 erfolgte der Gang an die Börse, die Familie Bally behielt jedoch die Stimmenmehrheit. Das zusätzliche Kapital erlaubte eine massive Expansion. 1908 wurde erstmals das Bally-Firmenlogo vorgestellt, das von verschiedenen Künstlern kreierte Werbeplakatkampagnen zierte. 1916 beschäftigte das Unternehmen mehr als 7000 Personen und produzierte 3,9 Mio. Paar Schuhe.

Bally überstand die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg, indem man das Portfolio auf sportliche Schuhe und Militärstiefel ausweitete. In der Nachkriegszeit expandierte das Unternehmen und etablierte sich erfolgreich im weltweiten Markt. 1942 wurde das ehemalige Wohnhaus Zum Felsengarten von Carl Franz Bally in Schönenwerd in ein Schuhmuseum umgewandelt, das bis heute als Bally-Schuhmuseum besteht.[2] 1951 lancierte Max Bally, Enkel von C.F. Bally, den Scribe, einen rahmengenähten Herrenschuh, der nach dem Pariser Hôtel Scribe benannt wurde und bis heute gefertigt wird. 1953 trug Edmund Hillary zur Erstbesteigung des Mount Everest Stiefel von Bally.[3] 1976 wurden Bekleidung, Handtaschen und andere Lederaccessoires ins Sortiment aufgenommen.

Schwere Zeiten, Verkauf und Neubeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1976 erlangte der Schweizer Finanzspekulant Werner K. Rey die Aktienmehrheit an Bally, die er auf öffentlichen Druck im Folgejahr veräussern musste.[4][5]

1977 zog sich die Bally-Familie aus dem Unternehmen zurück. Der Rüstungskonzern Oerlikon-Bührle unter Dieter Bührle übernahm 1977 die Aktienmehrheit von Rey. Es folgten harte Zeiten, denn das Unternehmen wurde zunehmend durch Billigimporte aus Entwicklungsländern bedrängt, die den Weltmarkt überschwemmten. Missmanagement, unkluge Lizenzvergaben und zwangsläufige Qualitätsverminderungen in den 1980ern schadeten dem Ansehen der Marke Bally. Aufgrund der dezentralen Organisationsstruktur der Bally International AG hatte Bally je nach Land völlig unterschiedliche, uneinheitliche Profile. Tausende Angestellte wurden in den rezessionsgeprägten Jahren ab 1990 entlassen und zahlreiche Fabriken wurden geschlossen, darunter das Stammhaus in Schönenwerd.[6] Der Betriebsverlust belief sich 1995 auf 6,7 Mio. Franken. Im Herbst 1997 schickte Bally einen Sonderzug durch Deutschland, von welchem aus in den Bahnhöfen mehrerer Grossstädte Restposten-Schuhe aus den Jahren 1992 bis 1996 verkauft wurden.[7][8]

Oerlikon-Bührle verkaufte seine Bally-Anteile 1999 an die US-Investmentgesellschaft Texas Pacific Group (TPG). In dieser Zeit betrieb Bally über 400 eigene Boutiquen.[9] TPG restrukturierte den Betrieb, verkleinerte das Filialnetz, änderte das Distributionskonzept und setzte den Italiener und ehemaligen Gucci-Manager Marco Franchini als CEO sowie den New Yorker Designer und ehemaligen Salvatore Ferragamo-Mitarbeiter Scott Fellows als Kreativdirektor ein.[10][11][12]

Bally repositionierte sich zunehmend erfolgreich als Lifestyle-Marke im Luxus-Segment.[13] Man konzentrierte sich wieder auf das Kerngeschäft Schuhe und seit 2004 schrieb das Unternehmen wieder schwarze Zahlen.[14] 2001 feierte das Unternehmen sein 150-jähriges Bestehen. Der Chef-Designer Fellows verliess das Unternehmen Ende 2002, weil seine Kreationen kommerziell nicht erfolgreich waren;[15] ihm folgte bis 2006 der Designer Luca Ragonese (1969–2006).[16]

Seit 2000 liegt der Hauptsitz des Unternehmens im schweizerischen Caslano, wo dem Unternehmen bereits zuvor eine Produktionsstätte gehörte. Die Verlegung des Firmensitzes von Schönenwerd ins Tessin war mit der Nähe zur Modemetropole Mailand begründet worden. 2007 wurde in Caslano die Fondazione Bally per la Cultura («Bally-Stiftung für die Kultur») zur Förderung von Künstlern aus der Region Ticino gegründet.

JAB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

«Bally-Haus» in Stuttgart (2010)

Im April 2008 wurde das Unternehmen für geschätzte € 370 Mio. erneut verkauft.[17] Die neue Besitzerin, die 2007 in Wien gegründete Labelux Group GmbH (ab 2014: JAB Luxury), gehört der deutschen Johann A. Benckiser SE (JAB Holding), der auch ein Anteil an Reckitt Benckiser gehört.[17][18] Zur Labelux-Gruppe gehörten zum Stand 2011 ausserdem die Marken Belstaff (Bekleidung), Jimmy Choo, Derek Lam und Solange Azagury-Partridge (Schmuck). Die Gruppe verlegte Ende 2011 ihren Sitz von Wien nach Caslano, Standort des Hauptsitzes von Bally.

Ab 2009 war der Deutsche Berndt Hauptkorn (* 1968) Nachfolger von Marco Franchini und damit CEO von Bally. Hauptkorn war bereits ab 2007 am Aufbau der Labelux-Gruppe beteiligt und bekleidete dort bis Ende 2009 die Position des CEO.[19][20] Er verliess das Unternehmen im Dezember 2011. Interimistisch übernahm Reinhard Mieck, seit Anfang 2010 CEO der Labelux Group und ab 1997 Mitarbeiter bei Reckitt Benckiser, die Stelle.[21]

Ab Februar 2007 war der US-Amerikaner Brian Atwood, zuvor Designer bei Versace und Designer seines eigenen Schuh-Labels, Kreativ-Direktor bei Bally.[22][23] Für die Sommerkampagne 2010 verpflichtete Bally das Model Christy Turlington und den Schauspieler Til Schweiger als Testimonials.[24][25]

Im Frühjahr 2010 kündigte die Labelux Group an, dass man sich von Atwood trenne und er durch die ehemaligen Aquascutum-Designer Graeme Fidler und Michael Herz aus Grossbritannien ersetzt werde.[26] Das Design-Studio von Bally (15 Mitarbeiter) befand sich seither in London (2017 geschlossen), die Produktion verblieb in Italien. Marketing, Design und Kommunikation werden von Mailand aus gesteuert. Fidler und Herz kündigten Anfang 2013. Anfang 2014 wurde der Argentinier Pablo Coppola zum neuen Bally-Kreativdirektor ernannt. Coppola verließ das Unternehmen Ende 2016. Seither kümmert sich ein internes Design-Team um die Kollektionen.

Im Juni 2014 löste der Eigentümer Benckiser (JAB Holding) die Labelux-Gruppe auf und bündelte die Marke Bally neben Jimmy Choo und Belstaff in der JAB Luxury Sparte.

Bally heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2018 übernahm der 1972 gegründete, chinesische Textilkonzern Shandong Ruyi die Mehrheit an Bally, während JAB Holding einen Minderheitsanteil behielt. Der unveröffentlichte Kaufpreis wurde von Experten auf 700 Millionen Dollar geschätzt.[27]

Die Bally-Umsätze wurden zuletzt für 2008 mit € 400 Mio. angegeben, seither wurden keine Zahlen mehr veröffentlicht. Die Bally-Erlöse setzten sich Ende der 2000er zusammen aus Schuhen (50 %), Taschen und Accessoires (40 %) sowie Bekleidung (10 %). 2011 beschäftigte das Unternehmen 1560 Mitarbeiter, davon 430 in der Schweiz.[21] 2018 waren es weltweit ca. 1600 Mitarbeiter. Bally unterhielt mit Stand 2018 weltweit 160 Filialen – in Deutschland in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am Main und München sowie Fabrikverkaufstellen in Metzingen und Wertheim – sowie seit 2009 einen Onlineshop und bedient zahlreiche unabhängige Geschäftspartner weltweit.[14][28] In London, Los Angeles, Tokio und New York gibt es sogenannte Bally-Flagshipstores.

Bally in der Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den späten 1980ern erreichten Bally-Schuhe unter Rappern einen Kultstatus. Bekannte Vertreter der Szene erwähnten Bally in ihren Liedern, darunter Jay-Z und Slick Rick. Letzterer rappte 1985 in «The Show/La Di Da Di» folgenden Satz: Put on the Bally shoes and the fly green socks. Der Rapper Rick Ross verwies noch 2010 auf dieses Lied, indem er auf seiner Kollaboration mit P. Diddy Another One rappte: 1.5 for this brand new black Bugatti // jewels like I'm Slick Rick, Bally shoes, La Di Da Di. Bally-Schuhe sind zudem eine Ikone der Old School-Szene.[29]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bally – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bye-bye, Bally! bilanz.ch, 19. Februar 2018
  2. Gemeindes Schönenwerd - Bally-Schuhmuseum, Oltnerstr. 6, schoenenwerd.ch, abgerufen: 15. Juli 2011
  3. Neue Zürcher Zeitung am Sonntag - Bally und die Bergsteiger@1@2Vorlage:Toter Link/www.magazin-z.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., magazin-z.ch, 18. Januar 2010
  4. Werner K. Rey, spiegel.de, 12. September 1988
  5. Dunkle Konsorten, spiegel.de, 18. Juli 1977
  6. Der Ladenhüter@1@2Vorlage:Toter Link/wissen.manager-magazin.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., manager-magazin.de, 1. September 1999
  7. Firma Bally kam mit einem Sonderzug zum Hauptbahnhof berliner-kurier.de, 6. November 1997
  8. Der Schuh-Schuh-Train ist da mopo.de, 4. November 1997
  9. Chronologie: Eine Firma erfindet sich neu. bilanz.ch, 20. September 2005.
  10. Bally: Kleiner und feiner, bilanz.ch, 20. September 2005.
  11. Neuer Besitzer für Bally: Texas Pacific verkauft Traditionsfirma an Labelux.@1@2Vorlage:Toter Link/www.handelszeitung.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. handelszeitung.ch, 23. April 2008.
  12. Luxuriöser Auftritt, bilanz.ch, 22. März 2005.
  13. Interview mit: Scott Fellows, persoenlich.com, Februar 2002.
  14. a b Bally Schuhe laufen wieder. morgenpost.de, 13. Oktober 2007.
  15. Bally: Kleiner und feiner, bilanz.ch, 20. September 2005
  16. Bally-Designer gestorben@1@2Vorlage:Toter Link/www.textilwirtschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., textilwirtschaft.de, 22. Juni 2006.
  17. a b Benckiser: von Calgon bis Bally. manager-magazin.de, 11. August 2008.
  18. Finanzinvestor veräussert Bally-Schuhe (Memento vom 2. August 2012 im Webarchiv archive.is), ft.de, 23. April 2008.
  19. Berndt Hauptkorn kauft still und heimlich Luxusmarken. handelsblatt.com, 26. Juni 2009.
  20. Bally bekommt neuen Chef. textilwirtschaft.de, 30. Oktober 2009.
  21. a b Bally: Déjà vu. In: bilanz.ch vom 13. Januar 2012.
  22. Bally & Brian Atwood: Helvetisch-amerikanische Zusammenkünfte. (Memento des Originals vom 23. Dezember 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.subwasief.de subwasief.de, 28. April 2008.
  23. Bally’s Fashion Turn@1@2Vorlage:Toter Link/www.dnrnews.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., dnrnews.com, 25. Juni 2007 (englisch)
  24. shinyshoes.edelight.de: Til Schweiger für Bally (Memento des Originals vom 27. Mai 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/shinyshoes.edelight.de (22. März 2010)
  25. Bolero: Ballys Neuer. (Memento des Originals vom 23. Januar 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.boleromagazin.ch (12. Januar 2010)
  26. Textilwirtschaft: Bally: Neues Designteam mit Graeme Fidler und Michael Herz.@1@2Vorlage:Toter Link/www.textilwirtschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (19. März 2010)
  27. Bye-bye, Bally! bilanz.ch, 19. Februar 2018
  28. Bally in österreichischer Hand. regiolive.ch, zuletzt aufgerufen: 15. August 2008.
  29. Bally: In Hiphop-Kreisen gern getragen. 20min.ch, 17. Januar 2008.