Joseph von Keller

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Joseph von Keller
Geburtshaus von Joseph von Keller
Joseph von Keller und seine Frau Berta, geborene Schulgen (1816–1900), auf einem Gemälde von Franz Ittenbach

Joseph von Keller (* 31. März 1811 in Linz am Rhein; † 30. Mai 1873 in Düsseldorf) war ein deutscher Kupferstecher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keller stammte aus einer alteingesessenen Linzer Familie, der Vater war Kolonialwarenhändler, der Großvater Ratsherr und Schöffe. Er wuchs im Kreis seiner neun Geschwister in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater wollte ihm eine gute schulische Bildung als Einstieg in das Berufsleben geben und meldete ihn daher im preußischen Progymnasium (heute Martinus-Gymnasium Linz) an.

Ein Geschäftsfreund des Vaters aus Bonn entdeckte die Begabung des Jungen und vermittelte eine Lehrstelle in der Bonner Kupferdruckerei C. Schulgen-Bettendorff. So erlernte Joseph von Keller unter den damals harten Bedingungen eines Lehrlings den Beruf eines Kupferdruckers und Kupferstechers.

Früh entwickelte Keller sein Interesse an dem künstlerischen Bereich und er verstand die Lehre nur als handwerkliche Grundausbildung. Folgerichtig schlug er auch das Angebot aus, nach der Lehre als Gehilfe im Haus des Meisters zu bleiben, und das obwohl er sich in die Tochter des Meisters Bertha Schulgen (1816–1900) verliebt hatte und diese Anfang Juli 1841 heiratete.[1][2]

Mühsam hielt sich Joseph von Keller zunächst mit schlecht bezahlten Auftragsarbeiten und Studentenporträts über Wasser. Als er die Wandmalerei der Aula der Bonner Universität in Kupfer stach, wurde Wilhelm von Schadow, der Direktor der Kunstakademie Düsseldorf und Begründer der Düsseldorfer Malerschule, auf ihn aufmerksam. An dessen Akademie, in welche er 1835 eintrat, vervollkommnete er zehn Jahre lang seine Technik, gefördert von dem Lehrer und Künstler Hübner, von dem er auch Aufträge erhielt und dessen Werke er u. a. reproduzierte. 1838 studierte Keller in Paris bei Desnoyers und François Forster.[3]

Auf Kellers Anregung hin erhielten die Kupferstecher in der Akademie eigene Räume, und so schuf er die Grundlage für die spätere Kupferstecherschule an der Düsseldorfer Akademie. Er selbst wurde dort Lehrer. 1839 wurde Keller Nachfolger von Ernst Carl Thelott für Kupferstichkunst.[4] „Keller ist der eigentliche Begründer der Düsseldorfer Kupferstecherschule, aus deren reicher Schülerzahl [Adam Goswin] Glaser, Nüsser, [Franz Paul] Massau, Th. Janssen, F. Dinger, Barthelmess, R. [Rudolf] Stang, Kohlschein genannt sein mögen. Alle haben für den Kunstverein gearbeitet, und ihre Blätter haben nicht wenig dazu beigetragen, den Ruhm der Düsseldorfer Bilder, namentlich in der älteren Zeit, zu verbreiten.“[3] Weitere Schüler seiner Kupferstecherklasse waren unter anderen Xaver Steifensand, Ludwig Heitland[5], Julius Allgeyer, Anton Eitel, Karl Friedrich Seifert (* 1829), Heinrich Kipp (* 1826)[6], Friedrich August Ludy und Carl Wilhelm Overbeck (1820–1860).

Auf Kellers Betreiben wurde die C. Schulgen-Bettendorffsche Kupferdruckerei 1849 nach Düsseldorf gelegt[7], um der wachsenden Nachfrage an Bildreproduktionen, vor allem durch den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen und durch den Verein zur Verbreitung religiöser Bilder, welcher 1841/1842 unter dem Patronat Johannes von Geissel gegründet war, nachzukommen. Die Kupferstichklasse von Joseph Keller und seine zahlreichen Schülern arbeitete zu diesem Zweck mit den Malern Hand in Hand. Innerhalb von 25 Jahren wurden acht Millionen Andachtsbilder international in Umlauf gebracht.

Die Disputa

Kellers Renommee basierte früh darauf, dass er nicht nur das Vorbild kopierte, sondern bemüht war, die Aussage des Künstlers nachzuempfinden und in Grafik zu übersetzten. 1841 erhielt er vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen den Auftrag, Raffaels Disputa zu reproduzieren. Hierzu begab er sich mit seiner Frau Bertha und seinem Bruder und mittlerweile Schüler Franz Keller (1821–1896) nach Rom. Drei Jahre später kehrte er zurück, doch dauerte es weitere 13 Jahre, bis die ersten Drucke der Disputa vorlagen, die in ganz Europa Aufsehen und Bewunderung erregten. Das bescheidene Gehalt, seit September 1846 als Professor der Kupferstecherkunst, veranlassten Keller, sich um Nebenverdienste zu bemühen, so etwa mit dem Versuch, seine Disputa als Druck zu verkaufen. Auch unterrichtete er die Sonntagsklassen für Handwerker in freier Handzeichnung an der Akademie. Doch blieben seine wirtschaftlichen Verhältnisse weit hinter seiner künstlerischen Akzeptanz zurück.

Sixtinische Madonna

Dank einiger Bonner Mäzene konnte er einen weiteren größeren Auftrag durchführen, den Stich der Sixtinischen Madonna nach dem Gemälde von Raffael. Dieses Werk, das er auf Grund seiner stark angegriffenen Gesundheit erst 1871 mühsam fertigstellte, wurde in Kunstkreisen hoch geschätzt. Es trug ihm neben zahlreichen Ehrungen auch den Adelstitel ein.

Kellers Plan, jene im Victoria and Albert Museum befindlichen „Teppichkartons“, die Raffael als Vorlage für Teppiche in der Sixtinischen Kapelle geschaffen hatte, mit seinen Schülern zu stechen und diese dann den Schulen als Bildungsmittel zur Verfügung zu stellen, blieb unvollendet. Kellers Nachfolge auf dem Düsseldorfer Lehrstuhl trat 1879 Carl Ernst Forberg an, einer seiner vielen Schüler.

Die Stadt Linz am Rhein ehrte Keller durch Benennung der Joseph-von-Keller-Schule.

Illustrationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Reinick: Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde. Schulgen-Bettendorff, Düsseldorf 1838. (Digitalisat der farbigen Mappen-Ausgabe)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joseph von Keller – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Totenzettel: Bertha Keller
  2. Civilstand. Heirathen: Den 3. Juli, der Lehrer an der hiesigen Kunst-Akademie Anton Joseph Keller zu Düsseldorf., mit J. E. B. H. Schulgen, in der Neustadt., in Düsseldorfer Kreisblatt und Täglicher Anzeiger (No. 190) vom 16. Juli 1841
  3. a b Friedrich Schaarschmidt: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert, Verlag des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, 1902, S. 244
  4. Moritz Blanckarts: Keller, Josef von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 583 f.
  5. Ludwig Heitland: 1853 erste Erwähnung in Bestandssignatur der Kunstakademie Düsseldorf: BR 0004 Nr. 1560, Blatt 22V: 1850, 17 Jahre alt, 2. Klasse Kupferstecherschule von Joseph Keller; Blatt 187V: 1860 im Lehrerkollegium (seit Juni 1860 Hilfslehrer in der Elementarklasse); Blatt 250V: 1863 Leitung Meisterklasse Kupferstecher.
  6. Heinrich Kipp: Vetter des damals zukünftigen Direktor des Hetjens-Museums, Laurenz Heinrich Hetjens; Kipp, der an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hatte und kurzzeitig dort als Lehrer tätig war, brachte den jungen Hetjens vermutlich mit der Kunst in Berührung, bevor er selbst nach Paris übersiedelte.
  7. Die Kupferdruckerei der Königlichen Kunst-Akademie zu Düsseldorf von C. Schulgen-Bettendorff hat ihre Anstalt in Nr. 118, verlängerte Breite Straße (über dem Köln-Mindener Bahnhöfe) verlegt, in Düsseldorfer Journal und Kreisblatt (No. 21), vom 25. Januar 1849