Kölner Rudergesellschaft 1891

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Kölner RG 1891
Logo Kölner RG 1891
Voller Name Kölner Rudergesellschaft 1891 e. V.
Abkürzung KRG
Vereinssitz Uferstraße 16
50996 Köln
(Rheinkilometer 682,3)
Gegründet 15. Mai 1891 in Köln
Vereinsfarben blau, weiß, rot
Trainingsgewässer Rhein (Weißer Bogen)
Otto-Maigler-See
Vorsitzender Ulrich Bartelt
Wolfram Pohler (Stellvertreter)
Mitglieder 135
Homepage www.krg1891.de

Die Kölner Rudergesellschaft 1891 (kurz KRG) ist der zweitälteste Ruderverein der Stadt Köln. Das Bootshaus und Vereinsgelände der traditionsreichen und gegenwärtig im Breitensport engagierten KRG liegt unmittelbar am linksrheinischen Ufer des Kölner Stadtteils Rodenkirchen. Darüber hinaus nutzt die KRG als Trainingsgewässer den ursprünglich für Regatten angelegten Otto-Maigler-See und unterhält Riegen in weiteren Sportarten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das letzte schwimmende Bootshaus der KRG, vor 1925.[1]

Hervorgegangen ist die heutige KRG vermutlich aus einem bereits 1886 gebildeten Ruderverein um den ehemaligen Rheinschwimmer Bernhard Potthast, der seine Mitstreiter nicht nur aus dem akademischen Milieu oder dem Bürgertum rekrutierte, sondern auch (für die damalige Zeit äußerst untypisch) aus der Arbeiterschaft. So war 1891 eines der Gründungsmitglieder ein Handwerker, der Malermeister Conrad Ahl. Weitere aktive Ruderer stammten vom kurz zuvor aufgelösten RK Union Köln 1875.

Mit sechs oder sieben Gründungsmitgliedern, zwei eigenen Vierern ohne Ausleger und einem überbauten Floß als Bootshaus am rechtsrheinischen Ufer des Kölner Stadtteils Deutz gestartet, hatte die KRG bereits 1898 bei der Aufnahme in den Deutschen Ruderverband rund 20 aktive Ruderer. Als 1907 endlich die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte, gehörten der KRG über 100 Mitglieder an. Schon 1906 fuhr die KRG unter der Führung des Leistungsträgers Jupp Krüll erste sportliche Erfolge ein. 1913 war sie eines der Gründungsmitglieder des Kölner Regattaverbandes. Dank des Mitgliederzuwachses zog der Ruderverein zunächst in den innerstädtischen Kölner Rheinauhafen und anschließend in ein neues schwimmendes Bootshaus am linksrheinischen Ufer des Kölner Stadtteils Marienburg. Eine sportliche Rivalität entwickelte sich außerdem zu den neu gegründeten Rudervereinen RTK Germania Köln und Kölner CfW, die zunehmend aktive Ruderer abwarben und aufgrund ihres elitäreren Auftritts ohnehin eine Konkurrenz für die KRG darstellten.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfang des deutschen Meisterachters der KRG von 1927 am Kölner Hauptbahnhof.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem viele Mitglieder ihr Leben gelassen hatten oder aus Köln geflohen waren, versuchte man vor allem durch den Umzug in ein größeres Bootshaus neuen Zuwachs zu gewinnen. Hierzu hatte man unter dem Vorsitzenden Adolf Küas eine ehemalige Badeanstalt erworben, vollständig umgebaut und mit einer Bootsmeisterei, einer Kegelbahn und einem Festsaal ausgestattet (um während der Vereinssitzungen für Stimmung zu sorgen, unterhielt die KRG ab 1925 ein eigenes Orchester samt Vokalisten mit bis zu 50 Mitgliedern). Damit besaß die KRG zu jener Zeit nicht nur eines der größten Bootshäuser Deutschlands, sondern konnte mit Gustav Gehrmann erstmals auch einen eigenen Trainer verpflichten, der den Bootspark umfangreich modernisieren ließ und ein erstes vereinseigenes Motorboot anschaffte.

Unter der neuen sportlichen Leitung holte die KRG auf Regatten bis 1928 zahlreiche Siege in verschiedenen Bootsklassen und avancierte so neben dem Berliner RC, dem Bremer RV 1882 und dem Mainzer RV 1878 zu den führenden leistungssportlichen Rudervereinen der Zwischenkriegszeit. 1925 gewann man erstmals den sogenannten Kölner Stadtachter, die regionale Regatta aller in der Kölner Bucht ansässigen Rudervereine (insgesamt fuhr die KRG sieben Siege ein). Im gleichen Jahr bildete man mit Schülern aus verschiedenen Kölner Gymnasien eine erste Schülerriege, für die im Beisein des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer zwei neue Rennboote getauft wurden. Die seit 1910 in der KRG aktiven Frauen gründeten 1927 außerdem unter der Leitung von Emmy Rockstroh ihre eigene Damenriege, die Jahre später auf 59 Mitglieder anwachsen sollte (jedoch vorerst nur am Stilrudern teilnehmen durfte).

Vorderes Bootshaus der KRG an der Uferstraße, mit Gastronomie im Obergeschoss.

Insgesamt erlebte die KRG im wirtschaftlichen Aufschwung der Goldenen Zwanziger ihre erfolgreichsten Rennjahre. Im Vierer ohne Steuermann holte die KRG bei der Deutschen Meisterschaft 1925 in Hannover den Silberpokal, während im Jahr darauf bei der Deutschen Meisterschaft in Schweinfurt der Gesamtsieg gefeiert werden konnte. Der Achter der KRG erreichte in seiner Disziplin im selben Jahr zunächst den zweiten Platz. Den Gesamtsieg der Deutschen Meisterschaft und damit Gold holte 1927 in Schwerin schließlich ein mit Martin Schwingeler, Jürgen Stange, Hermann Wassenberg, Alfred Preuß, Max Horster, August Berges, Hans Großmann, Fritz Streck und dem Steuermann Carl Braschoß besetzter Achter. Ein gemeinsam mit dem Kölner RV 1877 gebildeter Achter verpasste 1928 das Podium bei der Deutschen Meisterschaft. Diese war gleichzeitig als Qualifikation für die Olympischen Spiele in Amsterdam ausgerichteten worden.

Die Weltwirtschaftskrise bereitete dem sportlichen Höhenflug der KRG ein baldiges Ende. Mittel für neues Material, die Entlohnung der Ausbilder und die dringende Sanierung des marode gewordenen Bootshauses fehlten. 1931 musste die KRG einen Großteil ihres Eigentums veräußern und zog mit ihren Ruderbooten in eine provisorische Baracke. Hatte die KRG 1926 stolze 358 aktive Mitglieder vorzuweisen, waren es 1935 nur noch 79, die sich den Luxus einer Mitgliedschaft in einem Ruderverein leisten konnten. Um dem drohenden Niedergang der KRG entgegen zu wirken, fusionierte man 1937 unter der Führung von Max Sutter mit dem jungen Kölner RK 1931, womit auch der Einzug in das bis heute bestehende Vereinsgelände im Kölner Stadtteil Rodenkirchen verbunden ist.[2]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruderblätter in den Vereinsfarben der KRG.[3]

Während des Zweiten Weltkrieges fiel das Bootshaus nicht nur Plünderungen, sondern aufgrund seiner Nähe zur Rodenkirchener Brücke, auch Bombenangriffen zum Opfer. Darüber hinaus hatte die KRG an den Kriegsfronten elf seiner aktiven Ruderer verloren. 1945 wurde der Ruderverein zudem nach Besatzungsstatut von den Alliierten kurzzeitig verboten.

In den Nachkriegsjahren glückte der KRG allerdings unter dem Vorsitzenden Jupp Zorn, der mit Ido Franke erstmals auch eine Frau in den Vorstand holte, ab 1947 eine rasche Reaktivierung des Vereinslebens. Es wurden nicht nur erneut eigene Trainer engagiert, sondern zwischen 1949 und 1960 das Bootshaus schrittweise restauriert und um weitere Gebäude ergänzt (der Einweihung wohnte unter anderem Franz Meyers bei, damals Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen). Die neuen Bedingungen brachten der KRG 1954 den Sieg der Deutschen Meisterschaft in Hannover im Leichtgewichtsvierer, mit Steuermann Herbert Höner und den Ruderern Günter Wallerstein, Rudolf Keller, Heinrich Haeckel und Herbert Schilling. In den Folgejahren errang die KRG bei Deutschen Meisterschaften im Leichtgewichtsachter 1956 den dritten, im Leichtgewichtsvierer mit Steuermann 1959 den zweiten, im Leichtgewichtsvierer ohne Steuermann 1960 den dritten und 1961 den zweiten, sowie im Doppelzweier 1968 den zweiten Platz.

1968 erlaubte der neu gewählte Vorstand unter Richard Gassen schließlich auch Frauen die aktive Vollmitgliedschaft, obwohl die Ruderinnen der KRG bereits in den zwei Jahrzehnten zuvor beachtliche Erfolge auf Regatten gefeiert hatten. Erwähnenswert sind dabei der zweite Platz im Doppelzweier und der dritte Platz im Doppelvierer bei der Deutschen Meisterschaft in Hannover 1961. Letztere Formation errang bei der Deutschen Meisterschaft in Mainz im Jahr darauf zudem den dritten Platz im Doppelvierer. Dank der Reform besaßen die Frauen nun volles Stimmrecht, konnten alle vereinseigenen Ruderboote nutzen und an gemischten Ausfahrten teilnehmen. Einen bedeutenden dritten Platz konnte die Damenriege der KRG bei der Deutschen Meisterschaft jedoch erst wieder 1999 holen (im Leichtgewichtsvierer ohne Steuerfrau, bestehend auch aus Ruderinnen der Kettwiger RG 1906 und des Neusser RV).

Ab 1970 konzentrierte sich die KRG vor allem auf die Nachwuchsförderung und nutzte bis 1978 neben dem Rhein auch die Regattabahn im Kölner Stadtteil Fühlingen für ihr Training. Neue aktive Ruderer kamen dabei aufgrund einer eigens gebildeten Schülerriege vornehmlich vom 1965 gegründeten Rodenkirchener Gymnasium. Dort unterrichtene Lehrer wie Hans-Martin Siebert oder Jürgen Borkowski, die zugleich Mitglieder in der KRG waren, wirkten bei der Ausbildung mit. Sowohl die Senioren als auch der Nachwuchs holten insbesondere unter der Obhut des renommierten Trainers Helmut Lohbeck in über drei Jahrzehnten fast 1000. Siege bei Rennen auf Regatten im In- und Ausland.[4] Für die in langjährigem Wirken erworbenen und besonderen Verdienste um die Pflege und Entwicklung des Ruderns in Deutschland wurde die KRG vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker 1992 mit der Sportplakette ausgezeichnet. Die Nachwuchsruderer der KRG feierten ihre größten Siege schließlich um die Jahrtausendwende, so unter anderem 1998 mit zwei Deutschen Meisterschaften, im Vierer und Doppelvierer, sowie einer Europameisterschaft im Ergorudern.[5]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bootshallen mit Werkstatt im Vereinsinnenhof der KRG.

Aufgrund gestiegener personeller sowie finanzieller Anforderungen im leistungssportlichen Bereich, widmet sich die KRG seit 2012 ausschließlich dem Rudern als Breitensport. Dank einer Partnerschaft mit der Hürther RG nutzt die KRG hierzu neben ihrer Hausstrecke auf dem Rhein,[6] die entlang des Weißer Bogens zum Sürther Bootshaus führt, auch den Otto-Maigler-See in Hürth im dortigen Stadtteil Alstädten für ihre Trainingseinheiten. Vor allem hier findet das regelmäßige Training für Ruderanfänger statt.[7]

Zum 125-jährigen Vereinsjubiläum organisierte die KRG erstmals auf Vorschlag ihres damaligen Vorsitzenden, Ulrich Bartelt, den sogenannten Kölnvierer, eine lokale Regatta für gemischtgeschlechtliche Mannschaften aller Rudervereine auf Kölner Stadtgebiet links und rechts des Rheins.[8] Neben dem Wanderrudern, das innerhalb der KRG seit der Gründung 1891 betrieben wird, gewinnt seit einigen Jahren ferner das Ergorudern zunehmend an Popularität. Beim jährlich vom Kölner RV 1877 und teils in Zusammenarbeit mit dem ASV Köln ausgetragenen Ergocup ist die KRG regelmäßig erfolgreich vertreten.

Dank des auf dem Vereinsgelände bestehenden Tenniscourts besitzt die KRG über dies eine seit 1967 aktive Tennisabteilung mit eigenem Trainer, dem Sportpädagogen Wolff Wienands, und eine in der vereinseigenen Sporthalle spielende sowie gelegentlich an Freizeitturnieren teilnehmende Basketballabteilung. Seit 1983 existiert innerhalb der KRG des Weiteren eine lose Paddelriege, die mit privaten Kajaks die Villeseen und verschiedene Nebengewässer des Rheins nutzt. Kraftsport und Gymnastik runden dank entsprechender Räumlichkeiten auf dem Vereinsgelände das Angebot der KRG ab.[9]

Sporthalle der KRG an der Mettfelder Straße.

Die im eigenen Bootshaus in Rodenkirchen untergebrachte Gastronomie sowie zwei Seminarräume werden über externe Drittanbieter betrieben. Die von der KRG jahrelang beherbergten Rudervereine RV Schwarzer Adler und RK Preußen Köln sowie die akademische Ruderverbindung ARV Borussia zu Köln haben sich zwischen 2017 und 2020 aufgelöst.[10]

Erfolge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelistet werden nur Podiumsplatzierungen bei offiziellen Deutschen Meisterschaftsrennen ohne Juniorenwettbewerbe.[11]

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Clubmitteilungen, einer bis zu 50 Seiten umfassenden Mitgliederzeitschrift rund um das Vereinsgeschehen und das Rudern als Breitensport, die ab 1988 quartalsweise erschien und seit 2003 halbjährlich herausgegeben wird,[12] hat die KRG folgende Festschriften publiziert:

  • Jupp Zorn (Hrsg.): Festschrift zum 60-jährigen Jubiläum der Kölner Rudergesellschaft 1891, 34 Seiten, Nordland, Lüneburg 1951
  • Hans Großmann (Hrsg.): 75 Jahre Kölner Rudergesellschaft 1891, 128 Seiten, Schertgens, Köln 1966
  • Heinrich Witt (Hrsg.): Zum 90-jährigen Jubiläum der Kölner Rudergesellschaft 1891, 43 Seiten, EV, Köln 1981
  • Richard Gassen (Hrsg.): 100 Jahre Kölner Rudergesellschaft 1891, 124 Seiten, DKD, Hürth 1991
  • Hans-Martin Siebert (Hrsg.): 125 Jahre Kölner Rudergesellschaft 1891, 75 Seiten, EV, Köln 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kölner Rudergesellschaft 1891 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus-Michael Schneider: Hissflagge der Kölner Rudergesellschaft 1891, Eintrag im Fahnenregister für Rudervereine, 10. Mai 2006 (abgerufen 9. März 2020)
  2. Ute Schmidt: 120 Jahre Kölner Rudergesellschaft 1891 – Ein kurzgefasster Überblick, Vereinsporträt im Internetportal Kölner Stadtteilliebe, 15. Mai 2011 (abgerufen 31. Januar 2019)
  3. Doug Rathburn: Blades of the World, Eintrag in der internationalen Ruderblattdatenbank, 12. April 2004 (abgerufen am 28. Oktober 2019)
  4. Thomas Kosinski: Kölner Rudergesellschaft 1891 – Tradition auf der Kippe, Vereinsporträt im Magazin Rudersport, S. 26–29, Ausg. 11/2016 (abgerufen am 5. Juli 2019)
  5. Susanne Rohlfing: Annäherung an den fernen Traum, Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger, 19. Januar 2004 (abgerufen am 25. Februar 2020)
  6. Ulrike Süsser: Ruderverein lädt zum Frühjahrsputz, Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger, 7. März 2019 (abgerufen am 10. Februar 2020)
  7. Steffen Heyde: Die Ruderer in Rodenkirchen, Erwähnung im Magazin Prinz, 10. Mai 2020 (abgerufen am 27. Mai 2020)
  8. Michael Fiedler: Erst Ruder- dann Feuerwerkspektakel, Artikel im Internetportal Kölnsport, 3. Juli 2019 (abgerufen am 5. Juli 2019)
  9. Elmira Togliatti: Rowing Clubs and Boathouses in Cologne, Eintrag auf den Seiten des Rower’s Almanac, 3. Mai 2000 (abgerufen am 25. Juni 2020)
  10. Wilhelm Hummels: Farewell Schwarze Adler, Artikel auf den Seiten des nordrhein-westfälischen Ruderverbandes, 26. Dezember 2017 (abgerufen am 15. Mai 2019)
  11. Wilfried Hoffmann: Deutsches Meisterschaftsrudern der Frauen und Männer von 1882 bis heute, Chronik im Internetportal RRK Online, 31. Dezember 2018 (abgerufen am 9. Mai 2019)
  12. Georg Petzl: Clubmitteilungen, Eintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, 1. Juni 2003 (abgerufen am 18. Februar 2020)

Koordinaten: 50° 53′ 32″ N, 7° 0′ 8,1″ O