Kösener Corps in Österreich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Blaues Kartell: Athesia, Saxonia Wien, Teutonia Graz, Austria Prag

Die Kösener Corps in Österreich kennen nicht die Trennung von akademischen und technischen Corps. Der Weinheimer Senioren-Convent ist in Österreich nicht vertreten. Die „deutschen Corps in Österreich“ sind über ihre Senioren-Convente (SC) Mitglieder des Kösener Senioren-Convents-Verbandes. Heute gibt es in Österreich 6 SC mit 15 Corps.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vormärz waren Studentenverbindungen in Österreich-Ungarn verboten. Erst durch Ministerialerlaß vom 31. März 1848 war die Gründung von Korporationen möglich. Bereits mit der Disziplinarordnung für Universitäten vom 13. Oktober 1849, dessen § 11 lautete: Studentenverbindungen sind nicht gestattet, kehrten jedoch die alten Zustände wieder ein. Das Verbot wurde unterschiedlich stark durchgesetzt. So gab es im seinerzeit österreichischen Prag bis 1859 keinerlei studentische Korporationen, in Wien konnte die 1850 gegründete Saxonia Wien nur heimlich existieren. Erst nach der Schlacht von Solferino sah sich die Obrigkeit zum Nachgeben genötigt. Das erklärt zahlreiche Stiftungsdaten in den 1860er Jahren.

Erste Corps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herulia Wien wurde 1861 gegründet. Sie war weder das erste Wiener noch das erste österreichische Corps; denn die 1858 als polytechnische Burschenschaft gegründete (blaue) Teutonia Wien hatte sich im Jahr zuvor zum Corps erklärt und als pennales Corps gab es Cheruscia Graz bereits 1858. Unter den erloschenen Corps konkurrieren in der Anciennität noch Teutonia Wien (Corps 1860) und Teutonia II zu Innsbruck (1848). Älter als Herulia ist auch Rugia Prag.[1] Zeitweise rekrutierten die Corps den Nachwuchs aus bestimmten Gegenden, so Athesia aus Südtirol, Saxonia Wien aus Siebenbürgen und Posonia aus Kärnten. In Graz gab es vier, in Innsbruck zwei und in Wien neun Corps. Sie suspendierten nach wenigen Jahren, 13 noch in den 1860er Jahren. Zwei Wiener Corps wurden erst in den 1870er Jahren gegründet. Amelungia suspendierte 1893, Borussia (die einzige in Österreich!) 1873 nach nur einem Jahr. Die Corpserklärung der älteren Saxonia Wien erfolgte erst 1866, als Preußen in der Schlacht von Königgrätz gesiegt und den Deutschen Bund unter Österreichs Führung aufgelöst hatte. Zusammenschlüsse von Verbindungen gab es bereits früher, z. B. Die vereinigten akademischen Verbindungen Wiens von 1862/63. Zu diesem Verband gehörten Danubia, Germania, Saxonia, (rote) Teutonia, Hilaria und Moravia.[2]

Kleindeutscher Rückschlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melker Congress (1881)

1867 werden die Kösener Aufnahmeanträge von Saxonia Wien und Teutonia Graz wohl deshalb abgelehnt, weil Corpsstudenten im Deutschen Krieg gegeneinander gekämpft hatten und die Mehrheit der deutschen Corps zur Kleindeutschen Lösung neigte.[3]

Vom 15. bis 20. Dezember 1874 tagte in Linz eine Deputierenversammlung von elf Corps. Ergebnis ist die spontane Gründung des Verbands der Corps der österreichischen Hochschulen. Der Verband tagte erneut vom 24. bis 30. März 1877 in Linz und wird deswegen auch Linzer Deputierten-Convent genannt.[4] Vertreten sind aus Brünn Marchia, aus Graz Joannea, Teutonia und Gothia, aus Innsbruck Rhaetia, Corps Athesia Innsbruck und Gothia, aus Leoben Schacht und Montania, aus Prag Austria und Frankonia und aus Wien Alemannia. Dazu kommen aus Brünn Austria, aus Graz Norica, aus Prag Suevia, Constantia und Moldavia und aus Wien Saxonia, Danubia und Cimbria.

1878 trat der 1. Congress aller österreichischen Corps in Melk zusammen. 1879 kommen 26 Corps, darunter die drei Czernowitzer, zum 1. Congress der Corps der österreichischen Hochschulen in Melk. Vor allem Theodor Christomannos und Viktor Kaspar verhindern die Trennung von akademischen und technischen Corps wie in Deutschland.[5] 1887 löste sich der Melker Congress auf; denn unter dem Einfluss von Georg von Schönerer wendete sich die zunehmend deutschnational und antisemitisch orientierte Jugend von den monarchisch-liberalen Corps mit ihren jüdischen Mitgliedern ab. Sie strömte zu den Burschenschaften und wehrhaften Vereinen, die u. a. im Waidhofener Verband zusammengeschlossen waren.[6]

Im Dreikaiserjahr zog der SC zu Innsbruck den vom Kösener Congress bereits genehmigten Aufnahmeantrag zurück. 1898 und 1901 werden Gothia Innsbruck und Athesia als erste Corps in den KSCV aufgenommen. 1902 folgt Innsbruck als erster SC. 1914 beantragen Joannea, Vandalia Graz und Suevia Prag die Aufnahme in den KSCV. Rhaetia folgt erst 1919.

Großdeutsche Lösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„GeGe“ Winkel

Nach dem Ersten Weltkrieg erklärte die Nationalversammlung Deutschösterreich zum Bestandteil des Deutschen Reiches. Als die Triple Entente-Mächte (vor allem Frankreich) diesen Beschluss hintertrieben, machte der KSCV seinen „kleindeutschen Fehler“ wieder gut und nahm die übrigen österreichischen sowie die böhmischen und mährischen Corps auf. Ihre Wegbereiter waren Felix Busson (Joannea, Schacht), Alfred Wieser (Rhaetia, Austria Prag, Chattia Innsbruck, Frankonia Prag, Suevia Prag, Frankonia Brünn, Marchia Brünn) und Walther Hemmeter (Suevia München, Vandalia Graz, Alemannia Wien, Gothia). Ihr Kösener Fürsprecher war vor allem Gustav Gotthilf Winkel. Zum Dank erhielt er die Bänder von Rhaetia, Suevia Prag, Frankonia Brünn und Marchia Brünn.

1919 wurden der SC zu Graz (Joannea, Vandalia, Teutonia) und die jetzt „tschechischen“ SC zu Prag (Suevia, Austria) und zu Brünn (Marchia, Austria, Frankonia) in den KSCV aufgenommen. 1920 folgten der SC zu Leoben (Montania, Schacht) und der SC zu Wien (Saxonia, Alemannia, Posonia, Symposion). Der Aufnahmeantrag der Czernowitzer Corps wurde 1926 abgelehnt.

1922 wurde das im Jahr zuvor rekonstituierte Corps Frankonia Prag in den SC zu Prag und gleichzeitig in den KSCV durch Neustiftung rezipiert. 1923 erfolgte die Aufnahme der Corps Hansea und Cheruscia Wien. Ab diesem Jahr umfasste der KSCV 24 reichsdeutsche, 4 deutschösterreichische und 3 ausländische SC (Prag, Brünn, Zürich). 1935 traten noch das Corps Erz und das Corps Hilaritas Wien den jeweiligen SC bei.

Ständestaat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Bedeutung der Corps im Ständestaat (Österreich) ist wenig bekannt.[7] Nach dem Anschluss Österreichs am 12. März 1938 mussten sie wie die deutschen Corps suspendieren.

Senioren-Convente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joannea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Corps Joannea

Teutonia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vandalia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Unterstützung von sechs Joanneern wurde Vandalia am 28. Februar 1894 gestiftet. Vom 13. März 1898 bis zum 13. Februar 1902 war sie im Hohensalzburger Senioren-Convent, vom 12. April bis zum 12. Juli 1902 im Senioren-Convent der Ostmark und vom 3. April 1909 bis zum 11. Februar 1911 im Dürnsteiner Senioren-Convents-Verband. Sie wurde am 5. Juni 1919 in den KSCV recipiert. Nach dessen Auflösung am 28. September 1935 blieben die „deutschen Corps in Österreich“ in der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Corps verbunden. Vandalia suspendierte vor dem Anschluss Österreichs am 7. Januar 1936. Ab 1938 betreute sie mit dem Corps Joannea, dem Corps Teutonia und der Landsmannschaft Viruna die Kameradschaft „Wilhelm Gustloff“.[8] Im besetzten Nachkriegsösterreich wurde der Altherrenverein am 14. Juni 1952 reaktiviert. Vandalia rekonstituierte am 22. Oktober 1954. Vom 4. Oktober 1976 bis zum 28. Februar 1977 war sie suspendiert.[8] Sie gehört zum schwarzen Kreis. Burghard Breitner, Jakob Fellin, Robert von Fleischhacker, Andreas Mölzer, Wendelin Mölzer, Anton Steyrer, Karl von Terzaghi, Wolfgang Zanger, Falk Zipperer und Hans von Zwiedineck-Südenhorst sind Grazer Vandalen.

Danubia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den legitimistischen Corps hat im KSCV nur Danubia Graz überdauert.

Innsbruck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste österreichische SC im KSCV

Rhaetia, Athesia und Chattia gründeten 1862 den SC zu Innsbruck.[9] Dem KSCV traten Gothia 1898 und der SC 1902 bei. Rhaetia verlegte 2002 nach Augsburg. Dem Münchner Senioren-Convent angegliedert, ist Rhaetia das einzige österreichische Corps in Deutschland.

Leoben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Corps Schacht Leoben und Corps Erz

Montania I und Tauriscia gründeten 1862 den SC an der Montanuniversität Leoben. Mit Montania (1872) und Schacht (1874) wurde er erst nach dem Ersten Weltkrieg in den KSCV aufgenommen. 1935 kam das bis dato freie Corps Erz durch Beitritt zum SC hinzu.

Linz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1980 SC zu Linz.

Salzburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1965 SC zu Salzburg.

Wien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saxonia und Teutonia II begründeten 1866 – im Jahr des Deutschen Krieges – den SC zu Wien. Mit Saxonia (1850), Alemannia (1862), Posonia (1869) und Symposion (1886) wurde er 1919 in den KSCV recipiert.[10] Für die Aufnahme sorgten Gustav Gotthilf Winkel und Josef Neuwirth. Hinzu kamen:

Österreichische Vororte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Vororte des KSCV
  • 1960 Wien – Alemannia stellt beim oKC in Würzburg mit Dieter Waibel sp. Gothiae den ersten österreichischen Vorortsprecher.
  • 1969 Graz – Arnulf Huber Saxoniae Wien, Teutoniae Graz ist Vorsitzender des oKC. Dabei ist auch der Steirische Landeshauptmann Josef Krainer senior.
  • 1972 Innsbruck – mit den Innsbrucker Corps und dem Vorortsprecher Christoph Rittler (Corps Athesia Innsbruck) reist der Rektor der Universität, der Jesuit Emerich Coreth, zum oKC.
  • 1975 Leoben – Lambert Prohaska-Hotze Vandaliae Graz, Montaniae ist oKC-Vorsitzender. Begleitet wird er vom Rektor und vom Chor der Montanuniversität.
  • 1984 Wien – Hellas stellt mit Adalbert Cramer den Vorortsprecher.
  • 1995 Graz – Dietmar Preinstorfer Teutoniae Graz leitet die Kösener Vorortpremiere nach der deutschen Wiedervereinigung.
  • 2001 Leoben – Erz stellt mit Peter Berger erstmals den Vorsitzenden des oKC.
  • 2011 Wien – Wolf-Rüdiger Mölzer Vandaliae Graz, Saxoniae Wien ist Vorortsprecher.

Die Arbeitsgemeinschaft österreichischer Corps richtete 1984 die Kösener Arbeitstagung in Eberbach aus.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Bayer: Das Blaue Kartell in Österreich (1864–1877–1884–1901). Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 32 (1987), S. 11–55.
  • Kurt Bräunlich: Die Verbände der österreichischen Corps in den Jahren 1874–1887. Einst und Jetzt, Bd. 10 (1965), S. 83–101.
  • Kurt Bräunlich: Die österreichischen Corps 1887–1902. Einst und Jetzt, Bd. 14 (1969), S. 76–88.
  • Alexander Graf: „Los von Rom“ und „heim ins Reich“ – das deutschnationale Akademikermilieu an den cisleithanischen Hochschulen der Habsburgermonarchie 1859–1914. Lit Verlag 2015, ISBN 978-3-643-12834-8. Online-Version
  • Robert Hein: Die österreichischen Studentenverbindungen und die Deutsche Frage 1859–1866. Einst und Jetzt, Bd. 8 (1963), S. 36–44.
  • Walter Rabe: Österreichs kaisertreue Corps der Ersten Republik. Einst und Jetzt, Bd. 23 (1978), S. 11–47.
  • Walter Rabe: Das Wiener Corps Herulia 1861/62. Einst und Jetzt, Bd. 26 (1981), S. 89–109.
  • Fritz Ranzi: Die SC-Verbände der vorkösener Zeit in Österreich. Einst und Jetzt, Bd. 1 (1956), S. 61–76.
  • Fritz Ranzi: Übersicht über die bestehenden und suspendierten Kösener und vorkösener Corps in Österreich. Einst und Jetzt 5 (1960), S. 114–117.
  • Fritz Ranzi: Corps und Burschenschaft in Österreich im Wandel der Ideen. Einst und Jetzt, Bd. 6 (1961), S. 73 ff.
  • Adolf Siegl: Die Schillerfeier in Prag vor 100 Jahren, die Wiege der Corps in Österreich. Deutsche Corpszeitung 1959, Nr. 6, S. 183.
  • Adolf Siegl: Der Corpsphilister-Verband im tschechoslowakischen Staat. Einst und Jetzt, Bd. 14 (1969), S. 160–162.
  • Ernst Stade: Die sudetendeutschen Corps. Handbuch des Kösener Corpsstudenten, 4. Ausgabe (1953), S. 119–124.
  • Rudolf Wagner: Die corpsstudentische Wurzel des Czernowitzer Korporationslebens, in: Deutsches Pennälertum in Czernowitz. Regensburg 1991.
  • Alfred Wieser: Die deutschen Corps in Österreich. Deutscher Corpsverlag, Innsbruck 1919.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. Bauer: Nochmals Berhard Stall. Einst und Jetzt, Bd. 9 (1964), S. 185 f.
  2. Spulak von Bahnwehr: Geschichte der aus den Jahren 1859–1884 stammenden Wiener Couleurs. Wien 1914.
  3. E. Bauer (1968)
  4. J. Herrlein: Corps Austria. Corpsgeschichte 1861–2001. Frankfurt am Main 2003, S. 65.
  5. Viktor Kaspar (Athesia, Montania, Saxonia Wien, Vandalia Graz): KCL 1930, 78, 61; 98, 66; 135, 190.
  6. Walter Rabe, in: Kösener Handbuch 1985, S. 82–90.
  7. Innsbrucks Korporationen im Ständestaat (Memento vom 30. April 2014 im Internet Archive)
  8. a b Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps: Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-24-9.
  9. SC zu Innsbruck in der DNB
  10. Die in Klammern angegebenen Gründungsjahre stimmen nicht mit den Stiftungsdaten überein, weil die Corpserklärung des jeweiligen Bundes als Stiftungsdatum gilt und keines der Wiener Corps als solches gegründet worden ist; siehe Kösener Corpslisten 1960.