Kindernothilfe

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Kindernothilfe e. V.
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Rechtsform eingetragener Verein (gemeinnützig, mildtätig)
Gründung 1959
Sitz Duisburg
Personen * Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende
  • Christoph Dehn, Vorstand Programme, stellv. Vorstandsvorsitzender
  • Jürgen Borchardt, Vorstand Verwaltung
Aktionsraum 31 Länder weltweit
Schwerpunkt Entwicklungszusammenarbeit, Kinderrechte
Budget 60 Mio. € (2016)
Angestellte 160[1]
Motto Gemeinsam wirken.
Website www.kindernothilfe.de

Die Kindernothilfe ist eines der größten christlichen Hilfswerke in Deutschland. Sie setzt sich seit 1959 für Not leidende Kinder ein, mittlerweile in 31 Ländern Asiens, Afrikas, Osteuropas und Lateinamerikas. Sie fördert fast zwei Millionen Kinder und ihre Familien mit nachhaltigen Entwicklungsprojekten und leistet humanitäre Hilfe. Auch in Österreich, der Schweiz und Luxemburg existieren gleichnamige Organisationen.

Kindernothilfe Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kindernothilfe gehört zu den größten Nichtregierungsorganisationen für Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Mittlerweile engagiert sie sich in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen in 31 Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas und fördert rund zwei Millionen Kinder und ihre Familien. Dabei leistet die Kindernothilfe neben Entwicklungsprojekten und Humanitärer Hilfe in den Projektländern auch Kampagnen- und Lobbyarbeit in Deutschland. Das Spendenwerk wird von über 245.000 Spendern, 1.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern, der Kindernothilfe-Stiftung sowie den Kindernothilfe-Organisationen in Österreich, der Schweiz und Luxemburg unterstützt.[2] Für den seriösen Umgang mit Spendengeldern erhält die Kindernothilfe seit 1992 jährlich das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, das ihr seitdem jährlich verliehen wird.[3]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel der Kindernothilfe ist, weltweit die Umsetzung der Rechte von Kindern und Jugendlichen voranzutreiben, um ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen, ohne Armut, Gewalt und Missbrauch. Die Kindernothilfe unterstützt vor allem Kinder, die von besonders gravierenden Kinderrechtsverletzungen betroffen und bedroht sind: Straßenkinder, arbeitende Jungen und Mädchen, Aids-Waisen, sexuell missbrauchte und ausgebeutete Kinder und Kinder mit Behinderung.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1959 wurde die „Aktion Hungernde“ von Christen in Duisburg gegründet, um Not leidenden Kindern in Indien zu helfen. Anfang der 1960er Jahre stieg die Anzahl der geförderten Jungen und Mädchen von anfangs fünf auf 255 an. Diese rapide Entwicklung führte dazu, dass die „Aktion Hungernde“ am 7. Januar 1961 zu dem eingetragenen Verein „Kindernothilfe“ weiterentwickelt wurde. In den 1960er und 1970er Jahren weitete der Verein seine Arbeit auf andere Länder aus, unter anderem auf Äthiopien, Indonesien und Brasilien.[5] Vier Jahre später wurde die Kindernothilfe Österreich gegründet. 1999 wurde die Kindernothilfe-Stiftung gegründet, deren Stiftungsratsvorsitzender Ewald-Peter Lachmann ist. 2004 folgte die Kindernothilfe Schweiz, 2013 die Kindernothilfe Luxemburg.

Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kindernothilfe arbeitet mit unterschiedlichen Instrumenten, um die Verwirklichung der Kinderrechte voranzutreiben. Dazu baut der Verein zum einen auf die sogenannte Hilfe zur Selbsthilfe, Gemeinwesenentwicklung, Humanitäre Hilfe, Sozialarbeit und Kampagnen- und Lobbyarbeit. Für die Verwirklichung von Kinderrechten arbeitet das Kinderhilfswerk mit lokalen Partnerorganisationen[6] und orientiert sich mit ihrem Kinderrechtsansatz vor allem an der UN-Kinderrechtskonvention.[7] Im Zuge ihrer Inlandsarbeit setzt sich die Kindernothilfe mit Kampagnen und Bündnisarbeit für die Belange von Kindern und Jugendlichen in Entwicklungsländern ein. Dazu wirkt der Verein auf deutsche und internationale Entwicklungspolitiker ein, tauscht sich mit ihnen aus, betreibt öffentlichkeitswirksame Aktionen und Pressearbeit. So nimmt die Kindernothilfe Einfluss auf politische Konzepte und Gesetzgebungen und auf die Finanzierung entwicklungspolitischer Vorhaben.[8] Außerdem liegt ein großer Schwerpunkt der Inlandsarbeit in der Betreuung der Spender, Paten und ehrenamtlichen Helfer sowie der Zusammenarbeit mit Medien. Dazu verleiht die Kindernothilfe seit 1999 jährlich den Medienpreis „Kinderrechte in der Einen Welt“ an Journalisten, die sich in ihren Beiträgen mit den Themen Kinderrechte und Kinderrechtsverletzungen befassen. Schirmherrin des Preises ist Christina Rau.[9] Darüber hinaus richtet sich die Kindernothilfe mit der Kampagne „Action!Kidz – Kinder gegen Kinderarbeit“ an Schüler in Deutschland.[10]

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kindernothilfe unterstützt in Afrika, Asien und Lateinamerika vor allem Mädchen und Jungen, die von besonders gravierenden Kinderrechtsverletzungen betroffen sind, und bekämpft die Ursachen. Zu den thematischen Schwerpunkten der In- und Auslandsarbeit der Kindernothilfe zählen daher unter anderem: Soziale, wirtschaftliche und politische Ungleichheiten, Kinderarbeit, Straßenkinder, Kinder mit Behinderung, Gewalt, Missbrauch, Frühverheiratung, Flüchtlinge, Armut, Diskriminierung, HIV/Aids, Hygiene und Umweltschutz.[11]

Kindesschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kindernothilfe fördert zahlreiche Programme zum Schutz von Kindern vor Missbrauch und Misshandlungen. Basis dafür ist ihre Kindesschutz-Policy, mit der beispielsweise alle Mitarbeitenden im In- und Ausland dafür sensibilisiert werden, wie man Missbrauch und Misshandlung vorbeugen kann, wie Verdachtsfälle transparent gemeldet werden und wie mit Missbrauchs- und Misshandlungsfällen umgegangen wird. Zudem engagiert sich die Kindernothilfe in den internationalen Kindesschutz-Bündnissen Ecpat und Keeping Children Safe.[12]

Unterstützungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kindernothilfe hat vier Hauptförderformen. Zum einen kann bei dem Kinderrechtswerk eine Patenschaft für ein Kind oder ein Projekt übernommen werden.[13] Ende 2014 führte das Hilfswerk eine neue Form der Dauerförderung ein, die nicht an ein bestimmtes Projekt oder Patenkind gebunden ist. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer einmaligen Spende in beliebiger Höhe.[14] Unter dem Dach der Kindernothilfe-Stiftung können Spender zudem eine eigene Stiftung, einen Stiftungsfonds oder eine Förderstiftung gründen.[15] Außerdem unterstützen deutschlandweit rund 1000 Ehrenamtliche die Arbeit der Kindernothilfe, indem sie beispielsweise als Übersetzer arbeiten oder sich in so genannten Arbeits- oder Freundeskreisen engagieren. Bei der Kampagne Action!Kidz – Kinder gegen Kinderarbeit können sich Kinder und Jugendliche für arbeitende Jungen und Mädchen in den ärmsten Teilen der Welt einsetzen.[16]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Projekten, die anfangs von der Kindernothilfe unterstützt wurden, wurden hauptsächlich Kindertagesstätten und Schülerwohnheime gebaut und unterhalten. Sie sollten einzelnen Kindern sowohl eine Schul- als auch eine Berufsausbildung ermöglichen. In den späten 1970er Jahren kam es vermehrt zu Kritik an solchen Patenschaftsmodellen in der Entwicklungszusammenarbeit. 1977 gab die Kindernothilfe bei dem Soziologen Alexander Thomas eine Studie in Auftrag, um das Modell der Patenschaft für die Förderung Not leidender Kinder zu überprüfen. Als Reaktion auf die Studienergebnisse beschloss das Hilfswerk, breitenwirksamere Programme zu entwickeln und zu unterstützen. Dies geschieht seitdem unter anderem mit Selbsthilfegruppen und Gemeinwesenentwicklungsprojekten, mit denen ganze Dörfer und Regionen zum Wohle der Kinder unterstützt werden.[5]

Kodizes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit der Kindernothilfe ist von verschiedenen Richtlinien und Kodizes geleitet:[17]

  • Diakonischer Corporate-Governance-Kodex
  • Anti-Korruptions-Kodex
  • Kodex der entwicklungsbezogenen Öffentlichkeitsarbeit.
  • VENRO-Verhaltenskodex „Transparenz, Organisationsführung und Kontrolle“.
  • VENRO-Kodex „Schutz von Kindern vor Missbrauch und Ausbeutung in der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe“
  • www.Transparente Zivilgesellschaft

Die Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 wurde die Kindernothilfe-Stiftung ins Leben gerufen. Vorsitzender des Stiftungsrates ist Ewald-Peter Lachmann.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein ist dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland angeschlossen. Sie wird finanziell zu rund 90 Prozent durch Spender getragen. Eine ausführliche Übersicht über die Finanzierung, Erträge und Aufwendungen gibt der jeweils aktuelle Jahresbericht des Vereins.[18]

Bündnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kindernothilfe engagiert sich in folgenden Kampagnen und Bündnissen:[19]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jahresbericht des Vereins[20]
  • Jahresbericht der Stiftung[21]
  • Kindernothilfe-Magazin[22]
  • Zeitschrift „Kinder, Kinder“[23]
  • Positionspapiere[24]
  • Unterrichts- und Kindergartenmaterial[25]
  • Kirchen- und Gemeindematerial[26]
  • verschiedene Studien, Broschüren, Newsletter und Flyer[27]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2007 Transparenzpreis der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften PricewaterhouseCoopers (PwC)[28]
  • 2015 Gewinner Kategorie Coaching CLEVIS-Praktikantenspiegel[29]
  • 2015 Human Resources Excellence Award[30]
  • 2015 AT Kearney Family Award als familienfreundlichste Organisation Deutschlands[31]
  • 2016 Phineo Transparenz-Test der Phineo gAG, im Auftrag von Spiegel Online [32]
  • 2017 Star-Award CLEVIS Praktikantenspiegel[33]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kindernothilfe Österreich

Die Kindernothilfe Österreich wurde 1996 gegründet. Sie arbeitet eng mit der Kindernothilfe Deutschland zusammen. Im Oktober 2002 wurde das Büro Wien eröffnet. Heute unterstützen jährlich etwa 40.000 Spender die Projekte der Kindernothilfe Österreich, weitere 3.000 mit einer Patenschaft für ein Kind und seine Gemeinschaft.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresbericht 2015. Abgerufen am 19. Dezember 2016 (PDF; 2,6 MB).
  2. Jahresbericht 2015. Abgerufen am 19. Dezember 2016 (PDF; 2,6 MB).
  3. Lamers & Christoph Engel: Das Gesicht des Kindes. Das ist das Geheimnis. (1999)
  4. Kindernothilfe Homepage: Informieren – Themen – Kinder schützen. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  5. a b Veronika Kölle: Kindernothilfe – Die Entfaltung einer Idee. (1986)
  6. Kindernothilfe Homepage: Wie wir helfen. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  7. Kinderrechtskonvention der Kindernothilfe. Abgerufen am 24. Januar 2017 (PDF; 2,6 MB).
  8. Kindernothilfe Homepage: Wie wir helfen – Kampagnenarbeit. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  9. Kindernothilfe Homepage: Medienpreis. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  10. Action!Kidz-Homepage. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  11. Kindernothilfe Homepage: Unsere Projekte im Überblick. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  12. Kindernothilfe-Homepage: Kindesschutz. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  13. Kindernothilfe-Homepage: Patenschaft. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  14. Kindernothilfe-Homepage: Spenden. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  15. Kindernothilfe-Homepage: Großspenden und Stiften. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  16. Action!Kidz-Homepage. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  17. Kindernothilfe-Homepage: Selbstverpflichtungen der Kindernothilfe. Abgerufen am 21. März 2017.
  18. Jahresbericht 2015. Abgerufen am 19. Dezember 2016 (PDF; 2,6 MB).
  19. Kampagnenarbeit. Abgerufen am 21. Juni 2017.
  20. Jahresbericht des Vereins. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  21. Jahresbericht der Stiftung. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  22. Kindernothilfe-Magazin. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  23. "Kinder, Kinder". Abgerufen am 21. Juli 2017.
  24. Positionspapiere. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  25. Unterrichts- und Kindergartenmaterial. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  26. Kirchen- und Gemeindematerial. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  27. , https://www.kindernothilfe.de/Informieren/Infothek+und+Benefizshop/Benefiz.html verschiedene Studien, Broschüren, Newsletter und Flyer. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  28. Presseportal. Abgerufen am 24. August 2017.
  29. ABSOLVENTA. Abgerufen am 24. August 2017.
  30. HR Excellence Award. Abgerufen am 24. August 2017.
  31. Presseportal. Abgerufen am 24. August 2017.
  32. SPIEGEL Online: Transparenz-Test. Abgerufen am 24. August 2017.
  33. CLEVIS Consult. Abgerufen am 24. August 2017.

Koordinaten: 51° 22′ 34″ N, 6° 45′ 30″ O