Humanitäre Hilfe

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Als humanitäre Hilfe (von lat. Humanitas: Menschlichkeit, Wohltätigkeit) bezeichnet man Maßnahmen zum Schutz und zur Versorgung von Menschen in einer humanitären Notlage, die über eine Erstversorgung hinausgehen.

Allgemeines[Bearbeiten]

Diese Notlagen können durch unterschiedliche Ursachen wie medizinische Katastrophen (zum Beispiel durch eine Pandemie), Naturkatastrophen (zum Beispiel der Tsunami vom 26. Dezember 2004 in Südost-Asien), bewaffnete Konflikte (zum Beispiel Ogaden-Konflikt zwischen Somalia und Äthiopien), aber auch politische Veränderungen (zum Beispiel Boat-People aus Südvietnam) entstehen. Eine der Grundregeln der meisten humanitären Hilfsorganisationen ist die Unparteilichkeit und Neutralität. So fokussieren sich die humanitären Aktionen in der Regel auf die kurz- bis mittelfristige Beseitigung des Leidens der betroffenen Bevölkerung z. B. durch Erkundung, Rettungsmaßnahmen, Erstversorgung, Medizinische Versorgung, Sicherstellung von Trinkwasser, Verteilung von Nahrungsmittel, Zelte, Decken, Gefangenenbesuche und Kontrolle der Haftbedingungen, sowie allgemein auf materielle und logistische Bereitstellung und Verteilung von Hilfsmitteln. Sie umfasst in der Regel nicht die Konfliktbeseitigung.[1] Insbesondere durch den Zeitrahmen grenzt sich die humanitäre Hilfe von der Entwicklungshilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit ab.

Für humanitäre Aktionen ziviler Hilfswerke reicht die Zustimmung des Gaststaates. Die Entsendung von Truppen zur Konfliktverhinderung, Konflikteindämmung, zur Friedenserzwingung, zum Schutz humanitärer Organisationen oder zur Konfliktnachsorge ist völkerrechtlich nur mit Mandat des UNO-Sicherheitsrates statthaft.[1] Dies grenzt die humanitäre Hilfe von der humanitären Intervention ab.

Meistens findet humanitäre Hilfe in der dritten Welt statt und wird von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen durchgeführt und finanziert.

Organisationen und Netzwerke[Bearbeiten]

Internationale Organisationen[Bearbeiten]

Die Vereinten Nationen versuchen mit bestimmten Unterorganisationen wie dem UNHCR, UNICEF oder dem UNCDF die Bestrebungen der Hilfsorganisationen zu koordinieren und auch teilweise zu finanzieren. Dabei kommt UNOCHA die zentrale Rolle bei der Koordination zu. Die Europäische Union leistet über ihr Amt für humanitäre Hilfe (ECHO) wesentliche Beiträge. Die amerikanische Behörde USAID, die dem Außenministerium unterstellt ist, leistet seit 1961 humanitäre Hilfe im Ausland.

Nationale Organisationen[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Die Hilfsorganisationen sind zum Teil sehr spezialisiert. In Deutschland gibt es etwa Aktion Deutschland Hilft, als Bund von Hilfsorganisationen, Ärzte der Welt und Ärzte ohne Grenzen als medizinische Hilfe, Bündnis Entwicklung hilft zur Bündelung der humanitären Hilfe im weiteren Sinne, SEEBA- und SEEWA-Einheiten des Technischen Hilfswerks für Logistik, Verkehr und Infrastruktur und World Vision Deutschland und Save the Children speziell für Kinderversorgung.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gibt es die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung als Informationsvermittlungsstelle zu Fragen der Entwicklungsländer, der Entwicklungszusammenarbeit und der Entwicklungspolitik, World Vision Österreich als Kinderhilfswerk, den Österreichischen Auslandsdienst, Jugend Eine Welt als Kinder- und Jugendhilfswerk, die Caritas Österreich, Nachbar in Not, die Österreichische Albert Schweitzer-Gesellschaft (medizinische Geräten) und Team Österreich als Netzwerk von Hilfswilligen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Henzschel: Internationale humanitäre Hilfe - Bestimmungsfaktoren eines Politikfeldes unter besonderer Berücksichtigung der Bundesrepublik Deutschland. Books on Demand, Norderstedt 2006, ISBN 978-3-8334-5061-7.
  • Linda Polman: Die Mitleidsindustrie. Hinter den Kulissen internationaler Hilfsorganisationen. Campus-Verlag, Frankfurt/M. 2010, ISBN 978-3-593-39233-2.
  • Michaela Schneider-Enk: Der völkerrechtliche Schutz humanitärer Helfer in bewaffneten Konflikten. Die Sicherheit des Hilfspersonals und die ,neuen' Konflikte. Kovač, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3561-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Humanitäre Hilfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Rösli Bruno: Zivil-militärische Zusammenarbeit in Friedensoperationen. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift (ASMZ), Juni 2006, S. 17. Online