Transparency International

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Transparency International e.V.
(TI)
Transparency International.svg
Zweck: Korruptionsbekämpfung, Kriminalprävention[1]
Vorsitz: José Carlos Ugaz, Elena A. Panfilova[2]
Geschäftsführer: Cobus de Swardt[2]
Gründungsdatum: 15. Juni 1993[3]
Mitgliederzahl: über 100 National Chapter[4] sowie Einzelpersonen[5]
Sitz: Berlin[3]
Website: https://www.transparency.org/

Transparency International e.V. (kurz TI) ist eine Internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin, die 1993 gegründet wurde.[3] Zweck des gemeinnützig tätigen Idealvereins ist die weltweite Bekämpfung von Korruption sowie die Prävention von Straftaten, die mit Korruption im Zusammenhang stehen.[1] Transparency International ist ein Dachverband. Mitglieder des Vereins sind neben wenigen[5] Einzelpersonen mehr als 100[4] National Chapter, Organisationen auf nationaler Ebene, die sich in ihren Heimatländern der Korruptionsbekämpfung widmen.[1] Das für Deutschland zuständige National Chapter ist Transparency International Deutschland e.V., gegründet 1996 und ebenfalls mit Sitz in Berlin.[3]

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigener Aussage arbeitet TI schwerpunktmäßig zu folgenden Themen:[6]

  • Politische Korruption
  • Korruption bei öffentlichen Ausschreibungen
  • Privatsektorkorruption
  • Internationale Konventionen gegen Korruption
  • Armut und Entwicklung

Bildung von Koalitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Komplexität von Korruption zu begreifen, musste man die Gründe und Mechanismen durchschauen und verstehen lernen. Daher wollte TI nicht, wie z. B. Amnesty International, Einzelfälle verfolgen, sondern die Schwachstellen in Gesetzen, Institutionen oder Systemen in den betroffenen Ländern aufdecken und für Reformen sorgen. Transparency International versucht, sich nicht aufzudrängen, sondern die Vernunft der Beteiligten in Zusammenarbeit und sachlichem Disput zu erreichen, Koalitionen zu bilden im klaren Wissen, dass Umdenken nicht in ein paar Stunden geschieht, sondern hart erarbeitet werden muss durch ständiges Nachhaken mit Kontrolle und Konsequenzen bei Nichtbeachtung der Regeln.[7]

Als gutes Beispiel für die freiwillige Selbstkontrolle wird die in Amerika praktizierte sentencing guideline angeführt. Diese setzt auf die Selbstverpflichtung der Unternehmen, sich der Kontrolle einer unabhängigen Institution anzuvertrauen und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Angesichts der hohen Strafen für nachgewiesene Korruption ist dies für Unternehmen in den USA billiger und praktischer – zumal sie nicht fürchten müssen, auf „schwarzen Listen“ angeprangert oder von Ausschreibungen ausgeschlossen zu werden.

Indizes und Analysen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Annual Report (Jahresbericht) fasst Transparency International aktuelle Analysen und Forschungsergebnisse zum Thema Korruption zusammen. Daneben veröffentlicht die Organisation regelmäßig Indizes, Studien und Handbücher zu speziellen Themen (Bribe-Payers-Survey, Korruptions-Sonderbroschüre). Die Indizes und Statistiken werden regelmäßig aktualisiert. Wichtig für die Arbeit ist der ständige Kontakt sowohl zu Betroffenen als auch zu Tätern. Transparency International geht davon aus, dass korrupte Regierungen und Konzerne die Zusammenarbeit mit TI zur Verschleierung ihrer Aktivitäten missbrauchen können. Diese Kooperation wird gerade von anderen NGOs immer wieder kritisiert, macht aber aus Sicht von TI den eigenen Erfolg aus.

Transparency International veröffentlicht regelmäßig drei Indizes zum Thema Korruption:

  • Corruption Perceptions Index (CPI): Der bekannteste Index von Transparency International. Er listet jährlich Länder danach auf, wie korrupt Politik und Verwaltung im Vergleich wahrgenommen werden. Dabei reicht der Indexwert von 0 (völlig korrupt) bis 100 (völlig unkorrupt). 2013 umfasste der CPI 177 Staaten. Erstellt wurde der Index bis zum Jahr 2008 von Johann Graf Lambsdorff, Professor an der Universität Passau, der dazu eine Vielzahl bestehender Umfragen auswertete.[8] Seitdem wird der Index durch Transparency International erstellt. Befragt werden in erster Linie jeweils ausländische Länderanalysten und Geschäftsleute.
  • Bribe Payers Index (BPI): Der BPI listet auf, aus welchen Ländern die höchsten Korruptionszahlungen kommen.
  • Globales Korruptionsbarometer: Für das Korruptionsbarometer werden Privatleute befragt, welche Lebensbereiche von Korruption wie stark betroffen sind.

Im Transparency International’s Quarterly Newsletter (TI Q) sind die Zwischenergebnisse zusammen mit anderen Nachrichten, Ereignissen und Ergebnissen rund um die Welt der Korruption auf der Homepage einzusehen oder als Heft kostenlos von TI zu beziehen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nationalen Mitgliedsorganisationen von TI (national chapters) untergliedern sich in Regionalgruppen und Arbeitsgruppen, die fallbezogen auch selbstständig agieren können. Transparency International vermeidet es, sich direkt in die Belange ihrer national chapters einzumischen, und richtet sich in ihrer internationalen Arbeit ausschließlich nach deren Anweisungen („Dezentralismus“). So sollen die lokalen zivilgesellschaftlichen Kräfte mobilisiert und gefördert werden. „Missionarische“ Tendenzen, mit denen bereits existierende oder gerade langsam anwachsende „gesunde“ Gesellschaftsethiken überrollt oder gar erstickt werden könnten, möchte man möglichst unterbinden.

Transparency International legt Wert darauf, dass die nationalen Mitgliedsorganisationen so autark wie möglich in ihren jeweiligen Heimatländern bzw. Einsatzgebieten aktiv werden können, da von Land zu Land und von Kultur zu Kultur andere Regeln beachtet werden müssen und sollen. Auch die Definition von Korruption wird in jedem Lande individuell vorgenommen; Transparency International ist daran gelegen, die Sensibilität vor Ort zu beachten.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TI verfügte 2011 nach eigenen Angaben über ein Budget von 20,306 Mio. Euro.[9] Die nationalen Mitgliedsorganisationen unterliegen bilateraler und multilateraler Finanzierung und Organisation.

Transparency International ist als gemeinnützig anerkannt und bemüht, sowohl politisch als auch wirtschaftlich und zivil unabhängig zu bleiben. Eine umfassende Liste sämtlicher finanziellen Ströme veröffentlicht TI auf der Homepage.[10] Das Budget von TI setzt sich aus folgenden Quellen zusammen:[9]

in Mio. € 2011 2010 2009 2008 2007
Staatliche Organe 17,110 13,649 10,260 7,555 7,097
Internationale Organisationen 0,805 0,366 0,622 0,919 0,686
Stiftungen 1,936 2,749 2,214 0,789 0,705
Privatsektor 0,396 0,690 0,654 1,120 0,242
Einzelpersonen 0,021 0,082 0,045 0,046 0,047
Andere 0,282 0,491 0,442 0,453 0,316
Gesamt 20,550 18,027 14,237 10,882 9,093

Zu den größten Spendern im Jahr 2009 zählten von Regierungsseite die Europäische Kommission (1,19 Millionen Euro), das britische Department for International Development (1,25 Millionen Euro), das Auswärtige Amt (0,55 Millionen Euro), das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (0,48 Millionen Euro) sowie USAID (0,46 Millionen Euro).

Größter Spender auf Stiftungsebene war die Bill & Melinda Gates Foundation (1,37 Millionen Euro), gefolgt von der William and Flora Hewlett Foundation (0,32 Millionen Euro). Die meisten Gelder von Seiten internationaler Organisationen kamen vom Stockholm International Water Institute (0,24 Millionen Euro) und der GIZ (0,07 Millionen Euro). Größter privatwirtschaftlicher Spender war mit 0,2 Millionen Euro Ernst & Young.[11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlass zur Gründung der Organisation waren die negativen Erfahrungen des Gründers Peter Eigen mit Korruption während seiner langjährigen Arbeit für die Weltbank, zuletzt als Direktor der Regionalmission für Ostafrika in Kenia. Eigen sah Korruption als Haupthemmnis für den Erfolg von Entwicklungsprojekten. Er gelangte zu der Überzeugung, dass Entwicklungshilfe nicht funktionieren könne, wenn korruptive Strukturen zwischen reichen und armen Ländern sowie innerhalb der einzelnen Staaten nicht aufgebrochen und transparent gemacht würden.[12] Als er begann, sich in seiner Position gegen Korruption zu engagieren, erhielt er eine Abmahnung seines Arbeitgebers. Die Weltbank teilte ihm mit, dass „jedwede politische Aktivität und Einmischung in die ’inneren Angelegenheiten’ eines Landes verboten“ sei.[13]

Daraus entstand die Idee, eine unabhängige NGO zu gründen, die sich ausschließlich der Bekämpfung der Korruption widmet. Im Juni 1993 gründeten Eigen und zehn Mitstreiter TI in Den Haag. Die Gründung von TI als eingetragener Verein deutschen Rechts erfolgte am 5. Oktober 1993.[14] Sitz von TI wurde zunächst die Borsig-Villa in Berlin. Maßgeblich unterstützt wurde die Gründung von TI durch die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) (inzwischen verschmolzen zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)), die zu Beginn unter anderem eine Mietbürgschaft über 70.000 DM unterschrieb. Zwischen 1998 und 2008 erhielten verschiedene Einrichtungen von TI etwa 590.000 Euro von der GTZ.[15]

Zum Zeitpunkt der Gründung von TI waren neben Eigen die folgenden Personen im Vorstand vertreten: Hansjörg Elshorst, Joe Githongo, Fritz Heimann, Michael Hershman, Kamal Hossain, Dolores L. Español, George Moody Stuart, Jerry Parfitt, Jeremy Pope und Frank Vogl.[16][17][18] Eigen wurde Vorsitzender und Pope Geschäftsführer von TI.[18]

OECD-Konvention[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein wichtiger Kritikpunkt in der Anfangsphase von TI war seine konservative Korruptionsbekämpfungs-Philosophie. Als nämlich die OECD 1989 das Thema internationale Korruption auf Betreiben der USA auf der Agenda hatte und mit der Gründung des Europäischen Binnenmarkt (Vertrag von Maastricht 1993) eine entsprechende „Working Group“ ins Leben rief, schickte sie sich an, für ihre Mitgliedsstaaten eine „Recommendation on Combating Bribery in International Business Transactions“[19][20] auf den Weg zu bringen. Schon damals ging es der OECD um die Idee, die Korruption gegen den Widerstand der Betroffenen an der Quelle zu bekämpfen. Korruption gegen andere Staaten sollte in Zukunft in den Geberländern mit der inländischen Korruption juristisch gleich behandelt werden. Dies hätte einen wesentlichen Einschnitt in die unternehmerischen Freiheiten europäischer Konzerne bedeutet und bedurfte einer angemessenen Reaktion. Während also die OECD-Konvention dazu aufrief, vor allem die bekannten riesigen Schmiergeldquellen in den hochentwickelten Exportländern zu bekämpfen,[20] propagierte Transparency International den umgekehrten Weg. Trotz einschlägiger Erkenntnisse aus deren Entwicklungshilfe für Ostafrika empfahl TI, die Korruption lediglich in den Empfängerländern, nicht an den Quellen in Europa, zu bewerten und zu bekämpfen.

CPI[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dadurch ausgelöste Kontroverse zwischen Kritikern und Befürwortern des seitdem häufig zitierten CPI war bis heute Anlass zahlreicher kritischer Abhandlungen. Z.B. verweist 2012 Yuliya V. Tverdova in einer vergleichenden Studie (“Perceptions or Experiences: Using Alternative Corruption Measures in a Multilevel Study of Political Support”, University of California, Irvine) auf Fehlinterpretationen des CPI, auch durch TI-Experten, bis hin zu “numerous concerns ranging … to systematic biases in the expert estimates”, und charakterisiert den CPI als subjektiv und “poll of polls that draws on multiple sources of elite and mass opinions”.[21]

Zwar zog später TI mit der OECD gleich, indem sie erstmals 1999 den ebenfalls umstrittenen sog. Bribe Payers Index (BPI) publizierte. Trotzdem dauerte es noch Jahre, bis die OECD-Konvention von allen Staaten unterschrieben, in den Parlamenten ratifiziert und letztendlich in die Praxis umgesetzt wurde, sodass man erst nach 2003 begann, diese Praktiken in den Exportstaaten juristisch zu verfolgen. Erst jetzt sprach die TI offen von einem „Netz der Korruption“[22] und klagt ausdrücklich auch die Drahtzieher in den Geberländern an.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2011 wurde Transparency International mit dem Sozialwissenschaftspreis A.SK Social Science Award 2011 des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert.[23][24]

Die Journalisten David Schraven und Frederik Richter von CORRECT!V warfen TI 2005 intransparente Buchführung bei einer mit öffentlichen Mitteln geförderten Antikorruptionskonferenz in Brasilien vor.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Transparency International – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Transparency International Charter. Transparency International e.V., 14. November 2006, abgerufen am 5. April 2016 (Vereinssatzung).
  2. a b Impressum. Transparency International e.V., abgerufen am 5. April 2016.
  3. a b c d Unternehmensträgerdaten. In: Gemeinsames Registerportal der Länder. Abgerufen am 5. April 2016.
  4. a b Our chapters. Transparency International e.V., abgerufen am 5. April 2016.
  5. a b Individual members. Transparency International e.V., abgerufen am 5. April 2016.
  6. transparency.org
  7. Transparency International In: planet-wissen.de
  8. Lebenslauf von Professor Dr. Johann Graf Lambsdorff an der Universität Passau (PDF; 157 kB)
  9. a b International 2011 Annual Report, S. 79
  10. Homepage transparency.org
  11. Transparency International Financial Information at 31 December 2009
  12. Anke Martiny: Transparency International – Die Koalition gegen Korruption, Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 73 (2004), 2, S. 330–338
  13. Eigen (2003), Das Netz der Korruption, S. 35.
  14. transparency.de
  15. spiegel.de Spiegel Online am 4. August 2009
  16. When and why was Transparency International (TI) founded? FAQ Archive, Transparency International
  17. Hicks, Bill (2010). „Transparency International“. Pinkindustry.com.
  18. a b Peter Larmour: Global standards of market civilization. Routledge, September 2006, S. 95–106.
  19. oecd.org (PDF).
  20. a b oecd.org (PDF).
  21. Using Alternative Corruption Measures (PDF) ipsa.org
  22. Eigen (2003), Das Netz der Korruption, S. 35.
  23. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung: A.SK Social Science Award 2011 für Transparency International, Pressemitteilung vom 14. Oktober 2011
  24. www.transparency.de: Transparency International erhält A.SK Social Science Award 2011, Pressemitteilung vom 18. November 2011
  25. correctiv.org
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!