Kräutergarten

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Kräutergarten ist ein Garten oder Gartenteil, der speziell für Küchenkräuter, Würzkräuter oder Heilkräuter angelegt wurde. Schon der Begriff Kraut ist unspezifisch und entzieht sich einer exakten Definition. Er deckt sich nicht mit der botanischen Definition krautiger Pflanzen. Die meisten Kräutergartenpflanzen sind Stauden oder Zwerggehölze, sie stammen oft, aber nicht notwendigerweise aus dem Mittelmeerraum und sind oft wohlriechend. Aber auch einjährige Pflanzen wie Dill, Borretsch und Bohnenkraut werden als Kräuter bezeichnet.

Da die benötigten Mengen klein waren, wurden die meisten Gewürz-, Heil- und Duftpflanzen in Gärten, nicht auf Feldern angebaut.[1] Es gibt jedoch auch Ausnahmen, wie zum Beispiel den Safran.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paradiesgärtlein, um 1410, mit der Abbildung zahlreicher Kräuter und Rosengewächse

Angaben über das Alter dieses Gartentyps lassen sich ebenso schwer machen. Häufig aufgestellte Behauptungen wie „[…] einige der ältesten Gärten waren Kräutergärten“[2] kaum je belegt. Viele heutige Küchenkräuter sind Archäophyten, sie können aber auch seit dem Neolithikum unabsichtlich mit anderem Saatgut eingeschleppt worden sein.

Für den Kräutergarten des babylonischen Königs Marduk-apla-iddina II. (regierte 721–710 und 703 v. Chr.) ist eine Artenliste erhalten[3]: Die meisten Pflanzennamen können nicht übersetzt werden, der Garten enthielt aber Dill, Koriander, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Kresse, Zwiebeln, Schalotten, Portulak, Rote Beete (?), Minze (?), Oreganum, Thymian, Rauke, Weinraute (?), Rüben, Gurken, Fenchel, Griechisch Heu und eine Tamariske, also eine Mischung aus Gemüse- und Gewürzpflanzen.

Seit der Eisenzeit, vermehrt der Römerzeit, ist in Mittel- und Westeuropa ein Import von Kräutern zu kulinarischen Zwecken belegt.[4] Einige davon wurden auch lokal angebaut.[5] In Longeuil-Sainte-Marie in Frankreich wurde eine große Einhegung ausgegraben, die in kleine Beete unterteilt war, die vielleicht als Gartenbeete dienten. Ein verbrannter Kürbisrest weist auf die angebauten Pflanzen hin.[6] Bohnenkraut, Dill, Fenchel, Koriander, Majoran und Sellerie wurden auch nach dem Abzug der römischen Truppen angebaut.[7]

Viele mittelalterliche Klostergärten waren vor allem Kräutergärten; die Grenze zum Apothekergarten ist fließend. Auch der von dem Abt Benedikt von Aniane nach dem Capitulare de villis vel curtis imperii Karls des Großen angelegte Garten[8] enthält vor allem Kräuter. Der Liber de cultura hortorum des Walahfrid Strabo in 444 Hexametern ist eine weitere wichtige Quelle über den Aufbau mittelalterlicher Kräutergärten. Der St. Galler Klosterplan aus dem frühen 9. Jahrhundert enthält ebenfalls einen Kräutergarten. Aufgelassene Kräutergärten lassen sich manchmal durch Reliktpflanzen nachweisen, wie das Beispiel der Kells Priory in der irischen Grafschaft Kilkenny belegt.[9] Kräuter konnten jedoch auch aus symbolischen oder sentimentalen Gründen angebaut werden, wie der Garten von Thomas Morus in London zeigt. Rosmarin symbolisierte hier Angedenken und Freundschaft.[10]

In modernen Gärten werden Kräuter oft vor allem wegen ihres Duftes angepflanzt. Pflanzen wie Schnittlauch oder Fenchel werden als reine Zierpflanzen eingesetzt. In seinem Daily Telegraph-Garten auf der Chelsea Flower Show 2011 verwendete Cleve West auch blühendes Petersilie als dekoratives Element, was inzwischen zum Beispiel in Dixter nachgeahmt wird.[11] Zurzeit werden Kräutergärten gerne zu Zierzwecken in Form einer Kräuterspirale angelegt. Kräutergärten als Teil von Ziergärten kamen Anfang der 1980er Jahre in Mode. Die Gärtnerei Hollington stellte auf der Chelsea Flower Show einen Kräutergarten aus und gewann eine Silbermedaille, Goldmedaillen folgten.[12] Es werden inzwischen Farbvarietäten traditioneller Kräuter für Zierzwecke gezüchtet, besonders von Salbei und Thymian, aber auch weißblütiger Borretsch und Schnittlauch. Auch geflammte Melisse und Mädesüß und rote Gartenmelde (Atriplex hortensis var. rubra) sind populär.[13]

Historische und rekonstruierte historische Kräutergärten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Originale Kräutergärten aus dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit sind nicht erhalten. Es gibt jedoch eine Anzahl von Gärten, die entweder versuchen, historische Kräutergärten (oder Pläne derselben) nachzugestalten oder Pflanzen, die zu einer bestimmten Zeit bekannt oder in Nutzung waren, zu präsentieren.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gessner-Garten im Alten Botanischen Garten Zürich

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neue Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Dieter Stoffieri, Der Hortulus des Walahfrid Strabo: aus dem Kräutergarten des Klosters Reichenau (mit einem Beitrag von Theodor Fehrenbach). Sigmaringen, Thorbecke 1978.
  • Corrie Bakels, Stefanie Jacomet 2003, Access to Luxury Foods in Central Europe during the Roman Period: The archaeobotanical Evidence. World Archaeology 34/3 (Luxury Foods), 542-557. JSTOR 3560203

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kräutergärten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kräutergarten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marijke van der Veen 2005, Gardens and fields: the intensity and scale of food production. World Archaeology 37/2, S. 157–163
  2. Richard Bird, The Kitchen Garden Book, London, Hermes House, 1999, S. 211
  3. http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details.aspx?objectId=3066115&partId=1&searchText=Merodach-Baladan+II&view=list&page=1
  4. Tom Stobart: Gewürzlexikon. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1990, ISBN 3473432512
  5. Corrie Bakels, Stefanie Jacomet 2003, Access to Luxury Foods in Central Europe during the Roman Period: The archaeobotanical Evidence. World Archaeology 34/3 (Luxury Foods), 552. JSTOR 3560203
  6. Corrie Bakels, Stefanie Jacomet 2003, Access to Luxury Foods in Central Europe during the Roman Period: The archaeobotanical Evidence. World Archaeology 34/3 (Luxury Foods), 554. JSTOR 3560203
  7. Corrie Bakels, Stefanie Jacomet 2003, Access to Luxury Foods in Central Europe during the Roman Period: The archaeobotanical Evidence, World Archaeology 34/3 (Luxury Foods), S. 555. JSTOR 3560203
  8. Claudia Richter: Kräutergarten (der Klöster), in: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte, De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 787
  9. Ingelise Stuijts 2000. A Prior’s Herb Garden, in: Archaeology Ireland 14/3, S. 12–14. JSTOR 20558925
  10. Mavis Batey 1987, Basing House Tudor Garden, Garden History 15/2, S. 96. JSTOR 1586948
  11. http://www.telegraph.co.uk/gardening/gardenstovisit/10130928/Great-Dixter-opens-the-garden-gate-to-wildflowers.html
  12. The Herb Garden – Simon and Judith Hopkinson. In: Celia Haddon, Book of Designer Gardens. Norwich, Jarrold 1989 (Photos von Roy Botterell), 128-137
  13. The Herb Garden – Simon and Judith Hopkinson. In: Celia Haddon, Book of Designer Gardens. Norwich, Jarrold 1989 (Photos von Roy Botterell), S. 130
  14. Der kleine Kräutergarten Karls des Großen in Aachen im Forum Classicum
  15. Hans-Dieter Stoffler, Besprechung von: Klaus-Dietrich Fischer, Der Hortulus des Walahfrid Strabo, aus dem Kräutergarten des Klosters Reichenau; mit einem Beitrag von Theodor Fehrenbach. Sudhoffs Archiv 66/2, 1982, S. 207