Wildbiene

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Pärchen der Gehörnten Mauerbiene

Als Wildbienen bezeichnet man sämtliche Bienenarten der Überfamilie Apoidea mit Ausnahme der Honigbienen und nicht etwa wildlebende Urformen oder verwilderte Stämme der Honigbiene. Der Begriff hat in der Biologie keinerlei systematische Relevanz, er trägt lediglich der Tatsache Rechnung, dass bei der umgangssprachlichen Bezeichnung Biene fast ausschließlich die bekannteste Bienenart, die Westliche Honigbiene gemeint ist. Um in Publikationen für die breite Öffentlichkeit, etwa Tipps zum Naturschutz, zu verdeutlichen, dass die gesamte Gruppe der Bienen gemeint ist und beispielsweise die Anlage von Nisthilfen nichts mit Bienenzucht im Sinne von Imkerei zu tun hat, wird deshalb meist der Terminus Wildbiene verwendet. In der Zoologie war auch schon der Name Blumenwespen als Bezeichnung für diese Gruppe der Bienen geläufig. Damit drückte man die Ähnlichkeit mancher Bienengruppen, z. B. Maskenbienen oder Blutbienen mit den verwandten Grabwespen aus. Für größere, pelzigere Arten, etwa Pelzbienen oder Hummeln, ist diese Bezeichnung aber gar nicht passend. Inzwischen wird diese Benennung auch kaum noch verwendet.

Lebensräume der Wildbienen[Bearbeiten]

Es gibt etwa 30.000 unterschiedliche Wildbienenarten auf der Erde, in Deutschland sind laut Ronald Burger, Bienenexperte der Pfälzer Naturforschungs-Organisation Pollichia, über 570 bekannt.[1] In Baden-Württemberg leben dabei etwa doppelt so viele Arten wie in Schleswig-Holstein.[2]

Die Arten unterscheiden sich optisch oft nur in winzigen Merkmalen voneinander, so z. B. durch die Färbung oder Musterung der Insektenkörper. Sie zeigen Längen zwischen 1,3 Millimetern und drei Zentimetern.

Gravierend verschieden sind hingegen die bevorzugten Nahrungspflanzen und Nistplatzanforderungen. Viele solitär lebende Wildbienen sind auf eine einzige Pflanzenart symbiotisch angewiesen: Wenn sie diese nicht mehr bestäuben, verschwindet unter Umständen auch die ganze Population der betreffenden Pflanzenart; so kommen beispielsweise fünf Arten ausschließlich im Zusammenhang mit Spitzwegerich vor.[2]

Die Existenz verschiedener Bodenarten fördert das Vorkommen von Wildbienen, da sie unterschiedliche Materialien zum Nestbau benutzen; 75 % nisten am Boden.[2]

Unterstützung der Ansiedlung in Feld, Acker und Garten[Bearbeiten]

Die Bestäubung durch Wildbienen und Hummeln setzt bereits im März ein, in der Regel also einige Zeit vor der Befruchtung durch Honigbienen. Sie findet dabei auch bei Kälte und bedecktem Himmel statt. So zählen diese Insekten im Garten wie mittlerweile auch im Erwerbsobstbau (ein Exemplar bestäubt bis zu 5.000 Blüten pro Tag!)[3] zu den erwünschten Nützlingen. (Dies gilt auch für die Schadinsektenvertilgung durch Grab- und Solitärwespen [nicht zu verwechseln mit den staatenbildenden Echten Wespen]).

Durch Artenarmut und Neigung zu maschinengerechter „Aufgeräumtheit“ in der industriellen Land- und Forstwirtschaft, d. h. durch die schnelle Beseitigung von Totholz, Trockenhalmen, Reisighaufen und Lesesteinhaufen selbst in optisch nicht störenden, sogenannten „toten Winkeln“ und am Ackerrand sind die natürlichen Lebensräume der Nutztiere in der Regel beseitigt oder stark eingeschränkt.

Gut belegte Baumscheibe

Um ihre längerfristige Ansiedlung und Vermehrung zu gewährleisten, kann man als teilweisen Ersatz geeignete Wohnstätten und Nistgelegenheiten schaffen z. B. durch die Anlage von Trockenmauern für erdbewohnende Arten und aufgehängte Baumscheiben für Totholzbewohner. Dabei werden die Baumscheiben mit einer Bohrmaschine mit vielen unterschiedlich dicken Löchern versehen und dann in einen sonnigen Winkel eines Baumes aufgehängt. Die meisten Wildbienen brauchen viel Wärme. Unbedingt erforderlich ist eine kleine Regenschutz-Vorrichtung, ein windgeschützter Platz ist von Vorteil. Manche Arten benutzen markhaltige Holzstückchen als Nistplatz (Holunder), entfernen das Mark und nutzen den Hohlraum als Kinderstube. Darüber hinaus gibt es Arten, die vergrautes Holz benötigen, in frischem Holz nisten sie nicht. Verlassene Röhren von Käferlarven, ehemals bewohnte Gallwespenblasen oder Schneckenhäuser werden ebenfalls als Wohnstätten von einzelnen Spezies genutzt. Als Niststätten können ebenso Bambusstäbe von 3 bis 8 mm Durchmesser angeboten werden. An einem Ende muss aber der Knoten noch erhalten sein. Die Bambusstäbe mit Draht bündeln, stehengebliebene Sägesplitter entfernen. Siehe auch Insektenhotel.

Gefährdung[Bearbeiten]

Mehr als 230 der deutschen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten, 26 sind als „extrem selten“ eingestuft, womit deutschlandweit jeweils noch maximal zehn Exemplare der betreffenden Art vorkommen.[2]

Arten-Unterteilung nach Sozialität der Lebensweise[Bearbeiten]

Man kann die Wildbienenarten nach ihrer Lebensweise in drei Großgruppen einteilen:

Bienen mit kollektiver Lebensweise[Bearbeiten]

Apoidea

Die bekannteste Gruppe, bestehend aus Hummeln und den teilweise (nur wenige Arten) domestizierten Honigbienen, sind die Bienen mit kollektiver Lebensweise. Diese Bienen betreiben im Gegensatz zu Solitärbienen Brutpflege; sie versorgen und füttern ihren Nachwuchs, wenn dieser schlüpft und treten mit ihm in Wechselwirkung. Mehrere Weibchen nutzen eine gemeinsame Nestanlage und schließen sich zu größeren Bienenvölkern zusammen. In diesen neu gebildeten Staaten herrschen unter einer Königin eine strenge Hierarchie und die Einteilung der Bienen in Kasten.

Ein Honigbienenvolk besteht kontinuierlich über mehrere Jahre, ganz im Gegenteil zu den anderen sozialen Bienen, den Hummeln. Hier ist dieses Verhalten nur in einem bestimmten Zeitraum, in der Vegetationszeit zu finden. Danach löst sich der Staat auf und alle Tiere sterben ab, bis auf die jungen, bereits begatteten Königinnen. Diese fliegen aus und suchen sich geschützte Verstecke zum Überwintern, um dann im nächsten Frühjahr wieder ein neues Volk zu gründen.

Insbesondere bei Furchenbienen (Gattungen Halictus und Lasioglossum) gibt es verschiedene Stadien der sozialen Lebensweise: manche Arten bilden Nestaggregationen (d. h. mehrere Weibchen nisten nahe beieinander) und bei anderen Arten benutzen mehrere Weibchen ein gemeinsames Nest, wieder andere Arten versorgen im gemeinsamen Nest ihre Brut gemeinsam (wie zum Beispiel die o. g. Hummeln und die Honigbiene). Ein Beispiel hierfür sind die Waben der Vierbindigen Furchenbiene (Halictus quadricinctus). Dieses Sozialverhalten nennt man, wenn dann auch unfruchtbare Tiere vorkommen, eusozial.

Solitär lebende Bienen[Bearbeiten]

Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva)
Weibchen einer Hosenbiene Dasypoda altercator (= D. hirtipes) mit auffällig behaarten Hinterbeinen

Die solitär lebenden Bienen, so genannte Einsiedlerbienen, sind mit einem Anteil von 95 %[2] die größte dieser drei Gruppen; sie sind Einzelgänger und sowohl Weibchen und Männchen, die als Larve überwintert haben, kommen im Frühjahr des nächsten Jahres aus der Brutröhre heraus, um für Nachkommen zu sorgen. Da die Individuen dieser Arten nur wenige Wochen zu leben haben, beginnt das Weibchen nach der Paarung sofort mit dem Nestbau und mit der Sammlung von Nektar und Pollen. Die eingeholte Nahrung dient nur zu einem kleinen Teil der Deckung des eigenen Bedarfes. Vielmehr lagert die Biene die Nahrung in einer Brutzelle an, in die sie, wenn ausreichend Nektar und Pollen angesammelt sind, ein Ei ablegt. Daraufhin verschließt die Biene das Gelege mit einer Trennwand aus Lehm u. a., um im Folgenden weitere Brutröhren anzulegen. Dieses Verhalten wird als Brutfürsorge bezeichnet. Die später schlüpfende Larve kann sich dann von dem angesammelten Proviant ernähren und entwickelt sich weiter zur ausgewachsenen Biene.

Kuckucksbienen[Bearbeiten]

Die dritte und letzte Gruppe sind die Kuckucksbienen. Ihren Namen haben sie deswegen, da sie, anders als ihre Verwandten aus den vorherigen Gruppen, keine Nester bauen. Vielmehr haben sie sich darauf spezialisiert, fremde Nester für die Aufzucht ihrer eigenen Brut zu nutzen. Sie nutzen die Gelegenheit, wenn die Nestbauerin (meist eine Solitärbiene) gerade auf Pollensuche ist, aus und legen ihre Eier in die fremde Brutzelle, die schon teilweise mit Vorrat gefüllt ist. Die fremden Eier oder Larven werden dabei teilweise ebenfalls zu Futtervorräten. Nehmen die schmarotzenden Bienen in einer Wirtspopulation überhand, so bricht diese im nächsten Jahr bei ungünstigen Verhältnissen zusammen, da nun die Anzahl der Schmarotzer die der Wirte übersteigt. Folgerichtig verschwinden dann auch alle Schmarotzer. Einzelne überlebende oder eingewanderte Solitärbienen bauen nach und nach von neuem eine Wirtspopulation auf, und bald ist auch wieder die Schmarotzerart zu finden. Interessanterweise bevorzugen Kuckucksbienen oft die gleichen Pflanzen als Nahrungsquellen wie ihr Wirt.

Gefahr für den Menschen[Bearbeiten]

Wildbienen greifen von sich aus Menschen nicht an. Während Honigbienen und manche Hummelarten in der Nähe des Nestes einen Störenfried gezielt angreifen und zu vertreiben versuchen, kommt es bei den anderen heimischen Bienen nur dann zu einem Stich, wenn sich die Weibchen individuell bedroht fühlen, etwa wenn man die Tiere zwischen den Fingern drückt, mit bloßen Füßen auf sie tritt oder sie zwischen Bekleidung und Haut geraten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Weiß: Bienen und Bienenvölker. C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-41867-8.
  • Andreas Müller, Albert Krebs, Felix Amiet: Bienen: Mitteleuropäische Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. Naturbuch-Verlag, München 1997, ISBN 3-89440-241-5.
  • Paul Westrich: Die Wildbienen Baden-Württembergs. 2 Bände. Ulmer, Stuttgart 1989, 1990, ISBN 3-8001-3307-5.
  • Helmut und Margrit Hintermeier: Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft. Obst- und Gartenbauverlag, München 2005, ISBN 3-87596-099-8.
  • Wolf R. Günzel, Margret Schneevoigt (Illustrationen): Das Insektenhotel. Naturschutz erleben. Bauanleitungen - Tierporträts - Gartentipps. 5. Auflage. Pala, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-89566-234-8.
  • Wolf R. Günzel, Margret Schneevoigt (Ill.): Das Wildbienenhotel: Naturschutz im Garten. 1. Auflage. Pala, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-89566-244-7.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Pollichia-Kurier 23 (4) – 2007 - 3 Seiten
  2. a b c d e Badische Zeitung, 5. Oktober 2013, Birgit Vey: badische-zeitung.de, Fast die Hälfte aller Wildbienen ist bedroht (7. Oktober 2013)
  3. http://www.badische-zeitung.de/wildbiene-bestaeubt-besser--27295761.html

Weblinks[Bearbeiten]