Insektenhotel

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Verschiedene kleine qualitativ hochwertige Insektenhotels mit Schilf oder Pappröhrchen, aus Ton oder Hartholz
Nisthilfe für Solitärbienen
„Ohrwurmbungalow“ (umgedrehte Blumentöpfe mit Stroh oder Heu)
Insektenhotel aus gebranntem Ton
Mauerbienen bei der Arbeit, Baumharz als Verschluss gehört zur Löcherbiene.
Zwei Nistblöcke
Lage eines Nistblocks. Teils intakte Kammern, teils Kammern mit Parasitenbefall.
Eine Niströhre mit Bienen, Kokons und Maden, die einen Parasitenbefall der Mauerbienen-Taufliege darstellen

Ein Insektenhotel oder Insektenhaus, seltener auch Insektenasyl, Insektenwand oder Insektenkasten (in Österreich häufig auch als Nützlingshotel bezeichnet[1]), ist eine künstlich geschaffene Nist- und Überwinterungshilfe für Insekten, die seit den 1990er Jahren vor allem bei naturnahen Gärtnern und in der Schulbiologie zunehmend Verbreitung findet. Als praktisch von jedermann mit geringem Aufwand umsetzbare Insektenschutzmaßnahmen wurden die Einrichtungen insbesondere von zahlreichen europäischen Naturschutzverbänden bekannt gemacht, eine wichtige Rolle spielen sie auch im Rahmen der Permakultur. Erste Wildbienenkästen wurden von Privatleuten in England bereits um 1840 gebaut. Diese dienten damals vorwiegend Beobachtungszwecken, können aber als Vorläufer der heute für mehrere Insektengruppen geeigneten Insektenhotels gelten.

Es gibt Insektenhotels in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen Ausstattungen. Zumeist sind sie auf – aus Gärtnersicht – nützliche Insekten ausgerichtet. Die Formenvielfalt umfasst sowohl kleine kreative Einzelbauten als auch große, meist wandartige und vorgefertigte Bausätze, die in der Regel von Herstellern angeboten werden, die auch Nistkästen und Vogelhäuschen gleichen. Große und individuell gestaltete Insektenhotels werden von Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus errichtet. Es gibt sowohl an Bäumen oder vorhandenen Gebäudewänden angelehnte bzw. vorgebaute als auch freistehende Insektenhotels. Der Begriff Insektenhotel entstand umgangssprachlich in Anlehnung an das hausartige Erscheinungsbild moderner Anlagen, die durch freistehende mehrstöckige Bauweise und – zum Schutz vor Witterungseinflüssen – ausgeprägte Dachkonstruktionen auffallen.

Motivation und Nutzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch intensive menschliche Eingriffe in die Naturlandschaft – unter anderem durch umfangreichen Pestizideinsatz im Acker- und Gartenbau sowie durch die auch in Privatgärten vorhandene Tendenz zur „aufgeräumten“ Landschaft – sind nur noch wenige natürliche Insektenlebensräume vorhanden, wie z. B. offene Lehmtrockenhänge oder Totholz. Diese Vorgänge werden als Habitatvernichtung bezeichnet.

Nicht nur in der freien Natur, auch in Gärten helfen viele Nützlinge wie zum Beispiel Hummeln, Wildbienen, Schlupf-, Falten-, Grab- und Wegwespen, Florfliegen oder Ohrwürmer durch Bestäubung und als kostenlose biologische „Schädlingsbekämpfer“, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. Darüber hinaus werden Insektenhotels auch zu Lehrzwecken errichtet, etwa für die breite Öffentlichkeit bei Gartenschauen und in Parkanlagen oder von Schulen, die Kindern die Biologie der Insekten und praktischen Naturschutz anschaulich nahebringen wollen. Insektenhotels leisten einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung, weil das Beobachten der Wildbienen beim Nestbau einfacher möglich ist, als Bienennester in der Natur zu finden.

Artenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insektenhotels tragen nicht dazu bei, Rote-Liste-Arten zu schützen und können daher nicht als direkter Artenschutz verstanden werden.[2] Sie werden überwiegend von häufig vorkommenden Kulturfolgerbienen (zum Beispiel Rote Mauerbiene (Osmia bicornis)) besiedelt. Selten vorkommende Bienenarten leben meist in Abhängigkeit von besonderen Pflanzenarten, teilweise auch in Verbindung mit besonderen Lebensraumstrukturen, wie zum Beispiel Steilwänden. Um das Vorkommen von seltenen Bienenarten zu fördern, ist es wichtig, auf Pestizide zu verzichten und vorhandene monotone Rasenflächen in Wildblumenwiesen umzuwandeln, indem man die Flächen nur noch ein- bis zweimal im Jahr mäht. Trampelpfade, die durch die Wiesen führen, sind wünschenswert, weil die meisten Bienenarten im Boden nisten. Zusätzlich kann man diese Flächen mit Totholz und Steinhaufen aufwerten.

Materialien und Bauweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insektenhotels bestehen fast ausschließlich aus Naturmaterialien, unter anderem aus Hartholz Holzblöcke (keine Baumscheiben), Holzwolle, Stroh, Schilfrohr, Bambusstäben, Reisig, Torf und Lehm. Daneben werden lediglich poröse, durchlöcherte Backsteine, Terrakotta-Blumentöpfe und manchmal Plastikrohre zur Befüllung, Metalle für Befestigungen und eventuell als vorgespanntes Drahtgitter zum Schutz vor Vögeln (3–4 cm überstehend), Dachpappe oder ähnliche Abdeckungen, sowie witterungsbeständige Lasur beim verwendeten Bauholz oder zur bunten Gestaltung einiger Holzteile häufiger eingesetzt. Wichtig ist dabei, dass die Füllmaterialien trocken und alle Hölzer frei von chemischen Holzschutzmitteln sind.

Die Grundkonstruktion der verbreitetsten Bausätze für freistehende Insektenhotels besteht aus langen Kanthölzern, aus denen das einem rechteckigen Schaukasten ähnelnde Gerüst gebildet wird, und aus Querlatten, die den Mittelbereich in Gefache unterteilen. Die Ständer werden fest im Erdreich verankert und als oberer Abschluss der Konstruktion wird ein Schrägdach aufgesetzt. Die Gefache werden mit unterschiedlichen, hohlraumreichen Materialien gefüllt. Größere Hohlräume, zum Beispiel in oder zwischen Ziegeln, werden mit Bambusrohren, Schilfhalmen oder ähnlichem gefüllt, kleinere Öffnungen, zum Beispiel Bohrlöcher in getrockneten Hartholzblöcke, quer zur Maserung (meist unterschiedliche Durchmesser zwischen 2 und 10 mm), werden offen gelassen. Diese Löcher dienen als Brutröhren. Ihre Einflugöffnungen müssen sauber herausgearbeitet sein, damit die Insekten sie annehmen. Weiterhin ist es üblich, Brutröhren nicht ganz durch ein Holzstück zu bohren, sondern eine feste Rückseite stehen zu lassen. Einige Arten nehmen nur Röhren in schon abgelagertem, „vergrautem“ Holz an. Spezielle Nischen für bestimmte Insektengruppen benötigen verstärkte Aufmerksamkeit, so werden zum Beispiel Florfliegenkästen häufig mit roter Farbe angestrichen, denn diese lockt die Tiere an. Entstehen Lücken zwischen den verschiedenen Füllmaterialien, werden diese am besten mit Heu, gebündelten Stöcken, kleinen Steinen oder Lehm gefüllt. So bleibt keine Stelle im Gefache ungenutzt, und die Durchzugsauskühlung einzelner Elemente im Winter wird stark verringert.

Zum Einsatz im Obstbau werden von einem Anbieter auch standardisierte, modulare Nisthilfen für die Rote und die Gehörnte Mauerbiene angeboten.[3]

Bei dem Bau von Wildbienen-Nisthilfen ist nach dem Wildbienen-Experten Paul Westrich zu beachten, dass nicht alle gebauten Objekte mit Löchern darin tatsächlich als Nisthilfen geeignet sind, das gilt teilweise sogar für aufwändige Konstruktionen an Naturschutz-Einrichtungen und Schutzgebieten.[4] Besonders Nisthilfen aus Weichholz und mit unsauber gebohrten Löchern sind kontraproduktiv, da die Flügel der Bienen von spitzen Holzsplittern zerstört werden. Auch in frischen Holzscheiben gebohrte Löcher können die Nachkommen vernichten, wenn sich Trocknungsrisse bilden und so die verschlossenen Brutkammern öffnen.[5]

Ungeeignete Nisthilfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

a) Lochsteine werden nicht besiedelt, sie können höchstens in den Fächern Lehm oder Strohhalmen einen Halt geben.
b) Nisthilfe nicht brauchbar, da die Durchmesser der Röhrchen zu groß sind und keinen Abschluss haben. Weder Tannenzapfen, Holzspäne noch Bauklötze werden von Insekten als Versteck angenommen.
c) Weichholz und Schichtholz, das sich bei Feuchtigkeit auflöst, die Bohrungen sind unsauber gearbeitet und die Splitter zerstören die Flügel der Insekten.
d) Nisthilfe unbrauchbar, die Durchmesser der Röhrchen sind zu groß und weder Tannenzapfen, Holzspäne noch Bauklötze werden von Insekten als Versteck angenommen.
e) Nisthilfe ungeeignet, da stirnseitig angesetzte Bohrungen aufreißen, so dass Feuchtigkeit und Pilze von außen eindringen. Die Larven sterben durch den Pilzbefall vor dem Schlüpfen ab.
f) Im Baumarkt angebotenes Hotel, oberstes Fach ausgefranstes Schilf, zweites Fach Bohrlöcher in Weichholz, auch unsauber gebohrt. Florfliegenfach zu klein, unterstes Fach Schilf quer eingelegt, keine Besiedlung möglich.
g) unbrauchbare Schmetterlingsüberwinterungskammer und Niströhren über 10 mm

Der Florfliegenkasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Richtiger“ Florfliegenkasten

In den 1980er Jahren erforschte Professor Çetin Şengonca von der Universität Bonn die Florfliegen, im Besonderen die Chrysoperla-Arten. Die Florfliegen, oder besser ihre Larven, gelten als biologischer Helfer in der Landwirtschaft, da sie während der zweiwöchigen Larvenzeit zwischen 200 und 500 Blattläuse sowie andere weichhäutige kleine Insekten vertilgen. Als geschlechtsreife Fliegen überwintern sie in Garagen, Scheunen, Schuppen oder anderen Gebäuden die zugänglich sind.[6]

Im Rahmen dieser Forschung gab es Versuche über das Überwinterungsverhalten der Florfliegen. Herbei stellte sich heraus, das rote oder braune Florfliegenhäuschen am häufigsten angenommen wurden. Es zeigte sich im Feldversuch, dass angebotene Überwinterungsquartiere mit einer Seitenlänge von 30 cm angenommen wurden.[7] Verschiedene Fachleute bezweifeln, dass kleine Nistmöglichkeiten für Florfliegen überhaupt Sinn haben. Auch seien die im Handel angebotene Nisthilfen im Wirkungsgrad sicherlich niedrig einzuschätzen, sie unterscheiden sich massiv von den für den Obst- oder Hopfenanbau sowie Sonderkulturen angebotenen Überwinterungshilfen für Florfliegen, wie sie von Professor Sengonca in seinen Studien entwickelt wurden. Während die Kästen aus dem Handel nur ein paar Öffnungsschlitze haben, bestehen die professionellen Kästen aus Lamellen an der Seite und dem Boden. Sie sind mit Holzwolle gefüllt, rundum rot angestrichen und haben eine Seitenlänge von mindestens 30 cm × 30 cm × 30 cm.[8]

Marienkäferkasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungeeignete Marienkäfer- und ausgefranste Röhrchennisthilfe

Viele Marienkäferarten überwintern an der Bodenoberfläche, unter Laub, Nadelstreu, Moos- und Graspolstern. Die Arten, die Aggregation bilden, sammeln sich sehr oft in den Hohlräumen zwischen und unter Steinen. Warme Lokalitäten werden bevorzugt. Andere Marienkäfer überwintern unter der Rinde lebender und toter Bäume, sowie in Baumstümpfen. Manche Arten suchen Häuser auf und sammeln sich in Bodenräumen und Fensterspalten

Überwinterungsquartiere für Marienkäfer sind nach Meinung des Entomologen Bernhard Klausnitzer kein artlimitierender Faktor für Marienkäfer, genauso wenig wie irgendwelche „Versteckmöglichkeiten“. Die Behauptung, solche Kästchen oder irgendwelche Fächer in „Insektenhotels“, die mit Kiefernzapfen, Borkenschuppen, Holzklötzchen oder ähnlichem organischen Müll gefüllt sind, hätten auch nur die geringste Anziehungskraft oder praktischen Nutzen für Insekten, ist ein reiner Marketing-Gag der Hersteller solcher Produkte.

Als adäquate Verstecke brauchen Insekten miteinander vernetzte, reich strukturierte Schlupfwinkel, in Form von Hecken, Säumen, Trockenmauern, Reisighaufen, Holzstapeln und ähnlichem. Hier etablieren sich komplexe Feuchtigkeits- und Temperaturgradienten, in denen sich das Insekt dann die optimalen Rahmenbedingungen auswählen kann.[9]

Schmetterlingskasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untaugliche Überwinterungsmöglichkeiten

Im Handel angebotene Insektenhotels haben oft ein Fach als Schmetterlingsüberwinterungsquartier oder werden als eigenständiger Schmetterlingskasten angeboten. Es handelt sich dabei um einen geschlossenen kleinen Kasten mit einem senkrechten ovalen Loch/Schlitz in der Mitte. Diese angebotenen Überwinterungsmöglichkeiten werden nicht von Schmetterlingen angenommen, da nur 6 der ca. 180 Tagfalterarten (Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Zitronenfalter, C-Falter, Trauermantel und der Große Fuchs) als Schmetterlinge überwintern. Diese finden in Höhlen, hohlen Bäumen, Scheunen, Garagen, Speichern, Unter- und Überständen genug geschützte Stellen zum Überwintern.

Der drastische Rückgang der Schmetterlinge liegt nach Aussage vieler Fachbiologen nicht an den fehlenden Überwinterungsmöglichkeiten für die Falter oder Raupen, sondern am Fehlen der Futterpflanzen und Lebensräume besonders für die Raupen und später der Schmetterlinge.[10]

Standortwahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Informationszentrum Biosphärenreservat Mittelelbe

Der ideale Standort für ein Insektenhotel ist gleichzeitig vollsonnig und witterungsgeschützt. Hierdurch wird einerseits sichergestellt, dass die für die Brut benötigte Wärme vorhanden ist, andererseits ist ausreichender Schutz vor Wind und Niederschlägen vorhanden, so dass die Insekten das künstliche Quartier annehmen. Ein Nebeneffekt ist, dass die verbauten Naturmaterialien so möglichst lange halten. Des Weiteren sollten in relativer Nähe möglichst viele Kräuter, blütenreiche Wildpflanzen sowie einheimische Sträucher und Bäume vorkommen, um den Nahrungsbedarf der Insekten abzudecken. Die Einflugschneise für die Tiere sollte an der wetterabgewandten Seite liegen und für die Tiere gut sichtbar sein. Ideal ist es für einige Arten zudem, wenn entweder in einem der Gefache oder in der Nähe am Boden ausreichend Lehm, Sand und Wasser angeboten wird.

Lage der Nistmöglichkeiten zu den Nahrungspflanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parasiten und Schimmelbefall an einem Nistbrett. Neben den Kokons in der oberen Reihe, die mittlere mit Pilzbefall und die untere mit Parasiten.

Wildbienen legen verschiedene Flugdistanzen zwischen der Nistmöglichkeit und den Nahrungspflanzen zurück. Es wurden bei Studien Flugdistanzen zwischen 150 m bis zu 2000 m dabei festgestellt. Große Wildbienenarten legen in der Regel größere Entfernungen zurück als kleinere Arten. Der Großteil der Wildbienenarten fliegt maximal 300 m bis 1500 m.

Eine weite Entfernung bedeutet einen höheren Energie- und längeren Zeitaufwand für die Nistpflege was gleichzeitig die Anzahl der Brutzellen verkleinert. Auch ermöglicht die längere Abwesenheit der Biene vom Brutplatz Parasiten mehr eigene Eier zu platzieren, was den Bestand stark dezimieren kann. Der höhere energetische Aufwand wird durch geringere Pollenmenge in der einzelnen Brutzelle kompensiert, was sich auf die Überlebensrate der Larven auswirkt. Liegen Nistmöglichkeit und Nahrungspflanzen 150 m weiter weg, sinkt die Anzahl der Brutzellen auf 75 % und diese wurden zu 70 % parasitiert.

Im Idealfall sollte zwischen Nisthilfen und Nahrungspflanzen nicht mehr als 200 bis 300 m betragen. Es kommt auf die Bereitstellung von Nahrungspflanzen auf eine kontinuierliche und artenreiche Auswahl an Blütenpflanzen während der ganzen Vegetationsperiode an.[10]

Leere Schneckenhäuser als Nistmöglichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leere Schneckenhäuser im Garten

Einige Arten der Mauerbienen (z.B. Osmia andrenoides, Osmia aurulenta und Osmia bicolor) benutzen leere Schneckenhäuser – allerdings in speziellen Rahmenbedingungen, es macht daher keinen Sinn leere Schneckenhäuser zu sammeln und sie in einem Fach des vorhandenen Nistkastens zu legen.

Die leeren Schneckenhäuser müssen frei beweglich auf dem Boden liegen, weil die Wildbiene das Schneckenhaus in die für sie geeignete Lage dreht. Auch der Untergrund muss passen. Einige Arten bevorzugen sandigen oder feuchten Humus andere versteckte Schneckenhäuser in Gras, Gestrüpp oder Hecken.

Osmia bicolor zum Beispiel nutzte leere Häuser von Schnirkelschnecken oder Weinbergschnecken, die in einem Steingarten am besten unter hohlaufliegenden Steinen verteilt sind – allerdings nur in kalkreichen Regionen, in dem die Osmia bicolor natürlicherweise vorkommt.[10]

Hartholz als Nistmöglichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein alter Holzbalken als Nistmöglichkeit
Im Fachhandel angebotener Nistblock, auch zum selber Bohren

Folgende Harthölzer eignen sich für die Verwendung als Nistblöcke:

  • Pflaume (750)
  • Apfel (730)
  • Hainbuche (720)
  • Birne (680)
  • Eiche (660)
  • Kastanie (650)
  • Esche (640)
  • Birke (640)
  • Hasel (610)
  • Ahorn (600)

Esche (Darrdichte 640) ist wegen geringer Rissbildung besonders gut geeignet ist.

Weitere Eigenschaften
  • Wichtig ist die Darrdichte von über 550 g/m³ bzw. 0,55 g/cm³ bei einer Feuchtigkeit von 0 %.
  • Das Holz sollte mindestens zwei Jahre abgelagert und sorgfältig getrocknet sein.
  • Auch alte Dachstuhlbalken können aufgearbeitet werden.
  • Mindestmaße der Tiefe von 10 cm für die Bohrtiefe sollte eingehalten werden, die Breite und Länge ist beliebig.
  • Die Holzblöcke müssen unbehandelt sein.
Dachüberstand

Zu beachten ist außerdem, dass der Holzblock vor Witterungseinflüssen geschützt wird, damit kein Regen, oder Spritzwasser die Bohrlöcher und damit die Nistverschlüsse benetzten und aufweichen kann. So wird auch einer Verpilzung vorgebeugt.

Nicht geeignet sind alle Nadelhölzer wie Fichte oder Tanne, da die Harz- und die Splitterbildung die Insekten gefährdet bzw. tötet.[10]

Beschaffenheit der Nistgänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lochdurchmesser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Grabwespe vor den 3–5 mm großen Nistlöchern
Gut zu erkennen, die kleinen Durchmesser der Nistmöglichkeiten sind besetzt

Solitäre Wildbienen und auch Wespen haben verschiedene Körpergrößen und damit auch verschiedene Bedürfnisse an den Durchmesser der Nistmöglichkeiten. Sie bevorzugen Löcher, in denen sie gerade noch hineinschlüpfen können. Grund dafür ist die Minimierung des Materialverbrauches beim Bau der einzelnen Brutzellen.

Durchmesser der einzelnen Wildbienen und Wespenarten
  • 2–4 mm Maskenbienen und solitäre Wespen
  • 3–5 mm Löcherbienen
  • 5–7 mm Mauerbiene
  • 5–7 mm Blattschneiderbienen
  • 6–9 mm Gehörnte Mauerbiene
Anzahl der Durchmesser
  • 3–6 mm 75 %
  • 6–9 mm 25 %

Diese Werte sind Richtwerte, in der Praxis zeigt sich, dass die Bienen und Wespen auch auf größere Durchmesser ausweichen, wenn kleinere Nistmöglichkeiten nicht vorhanden sind. Die Durchmesser von 3 bis 6 mm sollten in jedem Fall dominieren, weil in diesem Bereich immer ein Engpass besteht. Lochdurchmesser von 10 mm oder sogar größere Durchmesser werden hingegen kaum bzw. über 10 mm gar nicht von Wildbienen angenommen. Sie dienen höchstens als nächtlicher Ruheplatz für andere Insekten.[10]

Lochlänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gangtiefe richtet sich aus rein praktischen Gründen beim Bau von künstlichen Nistmöglichkeiten nach den vorhandenen Werkzeugen. Wichtig ist, dass die Löcher nicht durchgebohrt werden und im Bereich von 8 bis 10 cm liegen sollten. Diese Längen haben sich bei den qualitativ hochwertigen Nistmöglichkeiten aus Holz, Ton oder als Pappröhrchen durchgesetzt.

Hat der Hartholzblock ein größeres Maß, können auch die anderen Seitenflächen bearbeitet werden, wenn sich die Bohrungen nicht kreuzen.

Werden Nistbretter gefräst, können diese Gänge zwar eine Länge von bis zu 20–25 cm haben, allerdings zeigen Versuche, dass hier die optimale Länge ca. 15 cm beträgt. Somit sind professionelle Nistbretter mit einem Seitenmaß von 16×16 cm bei einer Höhe von ca. 18 mm am Markt weit verbreitet.

Wildbienen benutzen selbst kleinste Löcher, um ihren Nachkommen eine Nistmöglichkeit zu geben. Bei einigen Wildbienenarten, wie der Mauerbiene oder der Blattschneiderbiene, ändert sich das Verhältnis der Geschlechter zu Gunsten der Weibchen, je tiefer der Gang ist.[10]

Hohle Pflanzenstängel als Nistmöglichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schilf und Pappröhrchen in einer alten Mandantenkreise und mit Kleintierdraht gesichert
Selbstgebauter Nistplatz aus Japanischem Knöterich

In der Natur suchen sich die Wildbienen verschiedenste Pflanzenstängel, beim Bau eines Insektenhotels können ebenfalls viele verschiedene Pflanzenstängel ihre Anwendung finden. Wichtig ist auch hier, dass die Durchmesser von 2 bis 9 mm gewählt werden, dass die Stängel einen Abschluss und eine Länge von ca. 7 cm bis 20 cm haben.

Bambus ist eine der unkompliziertesten Möglichkeiten, da die Stängel sehr hart sind und beim Sägen nicht zum Splittern neigen. Durch den Knoten bildet sich automatisch ein Abschluss, so dass die Röhrchen nur auf die gewünschte Länge gekürzt werden müssen. Fressfeinde wie Vögel oder andere Insekten, die ihre Larven als Parasiten in die Brutkammern legen wollen, habe durch die Härte der Stängel kaum eine Chance.

Schilfrohr /-matten, Stroh (besonders geeignet ist Roggenstroh), Japanischer Knöterich oder andere Pflanzenstängel sind wesentlich weicher und benötigen daher mehr Sorgfalt. Hier zeigt es sich, dass die Problematik im Schneiden liegt. Zerquetschte oder ausgefranste Halme werden nicht besiedelt und gefährden die Insekten. Feine Band- oder Dekupiersägen sowie sehr scharfe Gartenscheren können hier zum Erfolg führen.

Wichtig ist auch hier der Wetterschutz, ob nun ein Holzgestell oder eine Blechdose, die Möglichkeiten sind vielfältig, wichtig ist dass die Halme mit Gips, Spachtelmasse oder Wachs fixiert werden und mit Vogeldraht gegen Fressfeinde gesichert werden.[10]

Markhaltige Pflanzenstängel als Nisthilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markhaltige Pflanzenstängel mit Kabelbinder an Leisten gespannt

Einige Wildbienenarten benutzen keine vorhandenen Hohlräume, verlassene Käferfraßgänge, abgeknickte Schilfhalme mit Hohlkammern oder alte Niströhren anderer Wildbienen, sondern nagen ihrer Brutgänge jedes Mal neu. Sie besiedeln dabei Stängel, die senkrecht oder schräg stehen und bei denen das Pflanzenmark frei liegt. Dieses meist weiße Mark besteht aus abgestorbenen mit Luft gefüllten Zellen und ist für die Bienen sehr einfach zu bearbeiten, denn bis auf die Dreizahn-Mauerbiene sind die Bienen nicht in der Lage, Löcher in härtere Materialien zu nagen. Da in der Natur keine Häufung von senkrechten abgebrochenen Stängel vorkommt, werden gebündelte Stängel nicht angenommen, sondern nur wenn sie einzeln stehen.

Jeder markhaltige Pflanzenhalm kann dabei verwendet werden. Einfach ist es, z.B. getrocknete Pflanzenstängel der markhaltigen Arten wie eine abgeblühte Königskerze stehen zu lassen und sie auf einer Höhe von 50 cm bis ca. 2 m zu beschneiden, um das Mark frei zu setzten. Beifuß, Disteln, Heckenrosen, Him- oder Brombeeren, Holunder, Kletten oder Sonnenblumen können eine Nisthilfe sein, wobei Brombeeren im Gegensatz zum Holunder besonders schnell besiedelt werden.

Möchte man markhaltige Pflanzenstängel als künstliche Nisthilfen verwenden, lohnt sich besonders der Einsatz von Brombeerstängeln. Schneidet man sie auf 50 cm bis einem Meter Länge und hängt sie einzeln auf, werden sie sogar von beiden Seiten besiedelt. Als Halterung können Zäune, Leisten oder Spannte oder Leinen dienen, direkt in der Erde gesteckte Stängel verrotten schnell und können die Brut zerstören.[10]

Pappröhrchen als Nistmöglichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insektenhotel aus Pappröhrchen

Eine weitere Möglichkeit zum Bau von Nisthilfe für Insekten bieten Pappröhrchen aus Altpapier. Diese Pappröhrchen wurden speziell für diesen Zweck entwickelt. Auf dem Markt gibt es verschiedene Variationen, unbehandelte oder mit Paraffin imprägnierte in den Durchmessern von 4, 5, 6, 7, 8 und 9 mm sowie Längen zwischen 7 und 15 cm. Wichtig ist auch hier, da die Röhrchen auf beiden Seiten offen sind, dass sie einen Abschluss bekommen, dies kann durch eine glatte Oberfläche oder aber durch die Fixierung mit Ton, Gips oder Wachs erfolgen.

Vögel können versuchen, diese Röhrchen aus der Nistmöglichkeit zu ziehen, daher ist hier ebenfalls eine Sperre angebracht. In der Regel werden die Röhrchen in kurzer Zeit sehr gut angenommen, so dass sie schon in der ersten, spätestens in der zweiten Saison vollständig besetzt sind. Ist dies nicht der Fall, gibt es störende Faktoren wie die Platzwahl, einen fehlenden Abschluss oder ausreichende andere Nistmöglichkeiten.[10]

Strangfalzziegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Möglichkeit Nistplätze zu schaffen, sind Strangfalzziegel. Diese Dachziegel aus gebranntem Ton haben längs eine ebene oder gewölbte Form und röhrenförmige Hohlkammern, die an beiden Enden in einem runden Loch nach außen münden. Der Durchmesser dieser zehn Gänge beträgt ca. 6 bis 8 mm und ist somit besonders für die Rostrote Mauerbiene sowie die Gehörnte Mauerbiene geeignet. Auch die Natterkopf-Mauerbiene sowie verschiedene Blattschneiderbienen beziehen diese Nistmöglichkeit.[11]

Da die Dachziegel ebenfalls an beiden Seiten offen sind, sollte die abgewandte Seite mit Gips, Wachs oder Mörtel verschlossen werden. Da die Ziegel mit ca. 40 cm sehr lang sind, die Mauerbienen aber diese Länge nicht in der vollen Länge annehmen – es wird vermutet, dass sie bei ca. 25–30 cm nicht genug Helligkeit haben und daher dort eine Wand einbauen – sollten die Ziegel mit einem Trennschleifer halbiert und die Löcher entgratet werden.[10]

Insektennisthilfe aus gebrannten Ton[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bienenstein mit über 331 Nistgängen

1998 entwickelte der Diplombiologe Volker Fockenberg seine erste Insektennisthilfe aus gebranntem Ton und nannte sie Hotel zur Wilden Biene. Diese Nisthilfe hatte 180 Nistgänge mit den Durchmessern von 2-11 mm. Aus diesem ersten Produkt entwickelte sich der Bienenstein mit über 331 Nistgängen. Geht man von vier Brutzellen pro Nistgang und einer Vollbelegung aus, so hätten über 1300 Insekten auf sehr kleinem Raum die Möglichkeit zur Entwicklung.

Die Produktion dieser Steine erfolgt nach einem über 300 Jahre alten Vorbild in einer Ziegel-Trockenscheune, da die behutsame und langsame Trocknung Trocknungsrisse verhindert, die die Brut der Insekten vernichten würde. Die sehr aufwendige Herstellung und eine Brenntemperatur von ca. 996 °C bewirken einen offenporigen und atmungsaktiven Ton, der die Verpilzung der Brutkammern verhindert und somit eine sehr langlebige Nisthilfe bildet. Der gebrannte Ton verwittert nicht und bietet selbst dem Specht, der eine Gefahr für viele Insektenhotels darstellt, ein unüberwindbares Hindernis.

Im Laufe der letzten Jahre haben sich einige Künstlerinnen[12] der Idee ebenfalls angenommen und bieten eine Kollektion aus verschieden gestalteten Tonfiguren und Tonobjekten an.[10][13]

Totholz als Nisthilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein über Jahre verwitterter Balken als Nisthilfe

Nur sehr wenige Wildbienen nagen ihre Nistgänge selber, zu ihnen gehören die Blauschwarze Holzbiene, Wald-Pelzbiene, die Schwarzbäuchige Blattschneidebiene, die Garten-Blattschneidebiene sowie die solitärlebenden Wespen der Gattung Symmophus. Wenn dann bevorzugen sie schon leicht morsches aber noch relativ festes Holz. Dabei spielt fast nur weißfaulendes Holz von Laubbäumen eine Rolle. Pilze bauen bei der Weißfäule die drei Komponenten des Holzes ab. Diese drei Komponenten Zellulose, Lignin und Hemizelluose zersetzten sich nur bei den Laubbäume in der Reinfolge, das zum Schluss wie weiße Zellulose vorherrscht. Daher der Name Weißfäule. Nadelbäume mit der Braunfäule sind nicht geeignet, da das Holz brüchiger ist und schnell zerfällt.

Totholz ist aber nicht nur für Wildbienen eine große Bereicherung, für viele Insekten ist es ein unschätzbarer Lebensraum, daher sollte angestrebt werden tote oder sterbende Bäume, die keine Gefahr für die Umgebung darstellen, am Ort zu belassen bzw. zumindest ein längeres Stück des Stammes stehen zu lassen. Künstliche Nisthilfen für Totholzbewohner sollten unter anderem aus den Laubhölzerarten Esche, Eiche, Ahorn, Papeln und Weiden sowie aus allen Obstbaumarten bestehen. Im Gegensatz zu anderen Nisthilfen, in dem die Gänge ca. 10 bis 15 cm lang sein sollten, können die Gänge im Totholz über 30 cm Länge betragen. Daher ist es sinnvoll, lange Stämme, dicke Äste, Balken oder auch Holzklötze zu verwenden. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie lose aufgeschichtet, als Beet- oder Wegeinfassung oder Hochbeetumrandung verwendet werden. Wichtig ist dabei, dass das Holz einen Schutz vor direktem Wassereinfluss bekommt. Die Stämme sollten auf feuchtem festen Boden durch Steine, Kiese, Gehwegplatten o.ä. vor dem schnellen Verfaulen geschützt werden. Ein kleines Dach aus den verschiedensten Materialien schützt ebenfalls deutlich vor dem schnelleren Verfall.[10]

Pflege der Insektenhotels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kennzeichnung der Löcher im Holz
Bei Pappröhrchen

Angebotene Nistmöglichkeiten verlieren mit der Zeit ihre Attraktivität, da je nach Insektenart benutzte Röhrchen nicht mehr angenommen werden oder aber, was die größere Wahrscheinlichkeit darstellt, die Brut in den Röhrchen verendet ist. Zwar kämpfen sich die Insekten auch durch besetzte Nistkammern, aber es werden, bis auf eine Ausnahme, keine geschlossenen Nistkammern im rückwärtigen Teil geöffnet um sie neu zu belegen.

Bereits Ende August ist die Entwicklung der Mauerbiene abgeschlossen, sie warten in Tarsen auf den nächsten Frühling und werden durch Bewegungen der Nistmöglichkeit, bzw. selbst das Berühren und Reinigen der Kokons nicht nachhaltig gestört. So ist es möglich Nistbretter zu reinigen um die abgestorbenen Larven zu entfernen, den Gang zu säubern und so für die nächste Periode wieder saubere Gänge anbieten zu können. Bei Nistmöglichkeiten aus Pappröhrchen, Bambus, Hartholz oder Ton besteht die Möglichkeit, im Herbst geschlossene Gänge mit ungiftiger Farbe zu markieren. Ist diese Maskierung im nächsten Herbst immer noch vorhanden, ist kein Leben mehr in diesem Strang. Die Reinigung mit einem kleinen Bohrer, gefolgt von Flaschenbürste oder Pfeifenreiniger biete so die Möglichkeit vorhandene Nistmöglichkeiten attraktiver zu machen.

Diese Möglichkeit bietet sich aber nur, wenn die Nisthilfe gegen Vögel geschützt ist. Vögel und nicht nur Spechte versuchen an das Innere der Gänge zu kommen und zerstören so den ersten Verschluss. Somit ist nicht gewährleistet, dass ein geöffnetes Röhrchen unbelegt ist, es kann sich dahinter sowohl lebende als auch abgestorbene Brut befinden. Daher ist eine weitere und sichere Methode zur Wartung von Nisthilfen, sie für eine Brutsaison nicht anzubieten. Sie zum Beispiel in der Nähe der verbleibenden Nistmöglichkeiten, es sollte immer nur ein kleiner Teil abzogen werden, um den Bestand nicht zu gefährden, in eine dunklere Umgebung mit einem Ausgang zum Entfliegen zu stellen, oder sie abzudecken um sie unattraktiv zu machen. Kein Bewohner einer Nisthilfe bleibt länger als eine Saison dort. Schilf und Knöterich sind zu fein, um sie mechanisch reinigen zu können.[10]

Allgemeine Belegung der Röhrchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abschluss eines Röhrchens mit Leerkammern

Im Allgemeinen werden die Gänge immer gleich belegt. Am tiefsten im Gang sind die Weibchen, dann folgen die Männchen, den Abschluss bildet eine verschieden große Leerkammer, um Fressfeinde abzuhalten. Das können Vögel aber auch Insekten mit langen Stacheln zur parasitären Eiablage sein.[10]

Nistbretter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gekaufte Nistbretter mit den Maßen 16×16 cm

In vielen Ländern werden Wildbienen gezielt bei der Bestäubung von Obstplantagen eingesetzt. In Japan werden zum Beispiel über 75 % der Anbauflächen von Mauerbienen bestäubt. Durch die Varroamilbe und fehlenden Imker wird auch in Europa verstärkt auf die Rostrote Mauerbiene als Bestäuberin gesetzt. Hierbei werden in Holzfaserplatten Nistgänge mit 8 mm gefräst und per Spanngurt zu einem Block zusammengepresst. Im Herbst werden diese Blöcke wieder vereinzelt und die Kokons aus den Nistgängen entfernt, gereinigt und kühl gelagert. Die Bretter werden ebenfalls von Milben und Nistresten gereinigt. Kurz vor der Obstblüte werden die Kokons und Nistblöcke wieder in den Plantagen in Unterständen platziert. Dabei hat sich gezeigt, dass die Rostrote Mauerbiene die lichtabgewandt angebotenen Nistmöglichkeiten bevorzugt.[10]

Beobachtungsnistkästen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Lehmwespe
Zugeklappter Beobachtungskasten

Im Handel gibt es zur Beobachtung verschiedene Beobachtungsnistkästen, da die Entwicklung von dem Einbringen der Pollen über die Eiablage, die Entwicklung der Larve bis zur Verpuppung und Schlupf ja in einer dunklen verschlossenen Kammer stattfindet. Versuche des Biologen Fritz Brechtel habe 1986 gezeigt, das nur atmungsaktive Beobachtungsnistplätzen verwendet werden sollten, da bei Plastikröhrchen durch fehlenden Luftaustausch eine Mortalitätsrate bei der Natterkopf-Mauerbiene bei gut 14 % bei der Gewöhnlichen Maskenbiene aber bei über 93 % durch Schimmelbildung beträgt. Auch wenn bei der Gewöhnlichen Mauerbiene, durch den Lehmverschluss ein leichter Gasaustausch stattfindet, sollte darauf verzichtet werden.

Bewährt habe sich auf zum Beispiel Nistbretter, die nur auf einer Seite mit einer Plastikfolie oder Acrylglasplatte und einer beweglichen Abdeckplatte versehen sind. Das Hartholz oder auch die MDF-Platten ermöglichen auf den restlichen drei Seiten den Gasaustausch und die Entwicklung wird nicht gestört.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner David: Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen Leitfaden für Bau und Praxis – so gelingt’s. Pala, Darmstadt 2017, ISBN 978-3-89566-358-1.
  • Monika Biermaier: Nützlingsquartiere für naturnahe Gärten. Cadmos, Schwarzenbek 2012, ISBN 978-3-8404-8105-5.
  • Wolf Richard Günzel: Das Insektenhotel. Naturschutz erleben. – Bauanleitungen, Tierporträts, Gartentipps. Erweiterte Neuauflage. Pala, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-89566-300-0.
  • Wolf Richard Günzel: Das Wildbienenhotel. Naturschutz im Garten. Pala, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-89566-244-7.
  • Martin Hallmen: Wildbienen beobachten und kennen lernen. Ausarbeitung für praktischen Unterricht in Biologie – Mit Kopiervorlagen. Klett, Stuttgart 1997, ISBN 3-12-043140-0.
  • J. Scott MacIvor, Laurence Packer, Fabio S. Nascimento: ‘Bee Hotels’ as Tools for Native Pollinator Conservation: A Premature Verdict? In: PLOS ONE. 10, 2015, S. e0122126, doi:10.1371/journal.pone.0122126.
  • Paul Westrich: Wildbienen Die anderen Bienen. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2015, ISBN 978-3-89937-136-9.
  • zusammen mit Hertha Klausnitzer: Marienkäfer. Coccinellidae. Die Neue Brehm-Bücherei (Band 451), Wittenberg Lutherstadt 1972 (4., überarbeitete Auflage Magdeburg 1997, ISBN 3-89432-812-6).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Insektenhotels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nützlingshotel bei der Umweltberatung.at abgerufen am 22. Dezember 2014
  2. Anja Grabs: Insektenhotels sind kein Artenschutz. In: blogspot.de. 13. Oktober 2012, archiviert vom Original am 2. Juni 2013, abgerufen am 18. Mai 2014 (Betrachtung zu Nisthilfen in Bezug auf Artenschutz und Erläuterung eines Hilfsangebotes für Freizeitforscher zur Bestimmung von Wildbienen).
  3. Einsatz von Mauerbienen zur Bestäubung von Obstkulturen
  4. Faszination Wildbienen: Untaugliche Nisthilfen abgerufen am 31. März 2016
  5. Manfred Radtke: Gefährdete Wildbienen. Nisthilfen bauen und Lebensräume schaffen. 2. Auflage 2015. Herausgegeben vom BUND, Kreisgruppe Rotenburg (PDF)
  6. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 13. Juni 2016.
  7. Bauanleitung Florfliegenkasten
  8. Zusammenfassung Florfliegenkasten
  9. Marienkäfer. Coccinellidae. Zusammen mit Hertha Klausnitzer Bernhard Klausnitzer Die Neue Brehm-Bücherei (Band 451), Wittenberg Lutherstadt 1972 (4., überarbeitete Auflage Magdeburg 1997, ISBN 3-89432-812-6)
  10. a b c d e f g h i j k l m n o p David, Werner, 1959-: Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen Leitfaden für Bau und Praxis - so gelingt's. pala Verlag, Darmstadt 2016, ISBN 978-3-89566-358-1.
  11. Hier sind Strangfalzziegel von vorn als Insektennistplatz abgebildet.
  12. Garten und Keramik. Abgerufen am 29. September 2017 (de-de).
  13. Willkommen bei Wildbiene.com. Abgerufen am 29. September 2017.