Ermatingen

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Ermatingen
Wappen von Ermatingen
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Kreuzlingen
BFS-Nr.: 4646i1f3f4
Postleitzahl: 8272
UN/LOCODE: CH EMG
Koordinaten: 723264 / 281142Koordinaten: 47° 40′ 10″ N, 9° 4′ 48″ O; CH1903: 723264 / 281142
Höhe: 400 m ü. M.
Höhenbereich: 395–613 m ü. M.
Fläche: 10,46 km²
Einwohner: 3455 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 259 Einw. pro km²
Website: www.ermatingen.ch
Ermatingen, von Fruthwilen aus gesehen

Ermatingen, von Fruthwilen aus gesehen

Lage der Gemeinde
Mühlweiher (BW)Bommer WeierEmerzer WeierBiessenhofer WeierUntersee (Bodensee)BodenseeMainauBodenseeDeutschlandBezirk ArbonBezirk FrauenfeldBezirk WeinfeldenAltnauBottighofenErmatingenGottliebenGüttingenKemmentalKreuzlingenLangrickenbachLengwilMünsterlingenRaperswilenSalensteinTägerwilenTägermoosWäldiKarte von Ermatingen
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Ermatingen ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft[4] im Bezirk Kreuzlingen des Kantons Thurgau in der Schweiz. Die Einheitsgemeinde Ermatingen entstand 1975 durch Vereinigung der ehemaligen Munizipalgemeinde Ermatingen mit deren Ortsgemeinden Ermatingen und Triboltingen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermatingen liegt am Südufer des Untersee genannten Teils des Bodensees gegenüber der Insel Reichenau und besteht aus den Ortsteilen Ermatingen und Triboltingen. Der tiefstgelegene Punkt des Gemeindegebiets ist das Seeufer im Norden und liegt auf ca. 396 m ü. M., der höchstgelegene liegt auf dem Seerücken an der Südgrenze der Gemeinde auf 613 m ü. M.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein grosser Teil des Dorfes wurde auf einem Bachdelta erbaut, das seit der letzten Eiszeit (Würmeiszeit) durch den Dorfbach aufgeschüttet wurde. Es handelt sich um das grösste Delta des Untersees. Der Dorfbach entsteht durch den Zusammenfluss zweier Bäche, deren Oberläufe typische Molassetobel erodiert haben. Die Molasse ist hier grösstenteils aus Glimmersand und Nagelfluh zusammengesetzt. Die Glimmersande wurden durch ein Stromsystem aus Bayern herangeführt. Früher wurde dieser Sand abgebaut, heute zeugt davon noch die Kiesgrube Cholhoo. Die Nagelfluh wurde aus den Alpen herangeführt und ist Teil des Hörnlischuttfächers, der durch den Ur-Rhein aufgeschüttet wurde. Darüber liegt Moränenmaterial aus der letzten Eiszeit. Dieses wurde vor allem als Grundmoräne abgelagert, allerdings sind auch einige Seitenmoränenwälle vorhanden. Auf dem Gemeindegebiet liegt der Findling Grauer Stein, der durch den Rheingletscher hierher getragen wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinzeitliche Funde lassen darauf schliessen, dass sich die ersten Siedler hier um etwa 3000 v. Chr. niederliessen. Sie errichteten ihre Pfahlbauten in den geschützten Buchten bei Ermatingen.[5] Die steinzeitlichen Ufersiedlungen Westerfeld und Büge wurden 1861 erstmals und 1981 bis 1983 umfassend untersucht, wobei Funde aus der Pfyner-, Horgener- und Schnurkeramik-Kultur (4000–2500 v. Chr.) zum Vorschein kamen.[6]

Reichenauer und Konstanzer Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kehlhof Ermatingen aus dem Jahr 1694 enthält eine Gerichtsstube.

Die Frühmittelalterliche Besiedlung ist durch ein alemannenische Gräberfeld belegt. Erstmals erwähnt wird Erfmotingas im Jahre 724 in einer Urkunde, in der Karl Martell das Dorf dem Kloster Reichenau schenkte. Ermatingen gehörte zur Grundausstattung des Klosters Reichenau, dessen Abt Kollator, Grundherr und Gerichtsherr war. Zur Ausübung der Niedergerichtsbarkeit wurde ein Klostermeier und später ein Ammann eingesetzt. Das Meieramt (Vogtei) war oft verpfändet, unter anderem bis 1446 den Herren von Klingenberg. Im 13. Jahrhundert sowie 1518 sind Offnungen belegt.[6]

Auch nach der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen 1460 blieb die niedere Gerichtsbarkeit beim Abt. Im Schwabenkrieg wurden 1499 grosse Teile des Dorfes durch das schwäbische Bundesheer vernichtet. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert hatte Ermatingen nach städtischem Vorbild einen Kleinen und Grossen Rat, ein eigenes Gericht – jeweils unter dem Vorsitz des Ammanns – und verschiedene Privilegien. 1660 erhielt Ermatingen von den regierenden eidgenössischen Orten das Marktrecht. Nach der Inkorporation der Abtei Reichenau ins Hochstift Konstanz 1540 gehörte das Niedergericht Ermatingen bis 1798 als sogenannte neustiftische Herrschaft dem Bischof (Obervogtei Reichenau).[6]

1756 erwarb die Gemeinde sämtliche Ehaften, abgesehen von Mühlen und Wasserrechten, 1763 entstand die Meisterzunft der Schuster. Ende 18. Jahrhundert besass Ermatingen unter anderem Zölle und Schifffahrtsrechte.[6] Am 17. April 1799 marschierten französische Truppen in Ermatingen ein. Die endgültige Ablösung von Konstanz erfolgte 1839.

Pfarrei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paritätische Kirche St. Albin

Die Pfarrei Ermatingen reichte ursprünglich vom See bis über den Seerücken. Im Hochmittelalter entstanden die Kaplaneien Mannenbach und Triboltingen. 1359 wurde die Kirche Ermatingen der Abtei Reichenau inkorporiert. 1528 wurde fast das ganze Dorf unter der Leitung des Konstanzer Pfarrers Alexius Bertschi evangelisch, wobei die Abtei, bzw. ab 1540 der Bischof von Konstanz, in der mehrheitlich reformierten Pfarrei bis 1804 die Kollatur behielt. Nach dem Zweiten Kappelerkrieg zogen einige katholische Familien wieder nach Ermatingen zurück. Die Dorfkirche wird seit 1546 paritätisch genutzt. 1723/24 trennte sich Wäldi von der reformierten Kirchgemeinde Ermatingen ab, 1949 gingen auch Gunterswil und Hohrain an Wäldi über.[6]

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermatingen und die Insel Reichenau im Jahre 1962

Nach der Niederlage Napoleons I. liessen sich viele französische Adelige am Untersee nieder. So gründete der Ermatinger Hartmann Friedrich Ammann zusammen mit Prinz Louis Napoleon im Restaurant «Hirschen» 1835 den Kantonalen Schützenverein.

Im 19. Jahrhundert bildeten Fischerei (Gangfisch­erei), Getreide-, Obst-, Hanf- und Rebbau (Weinhandel) die Grundlage der dörflichen Wirtschaft. Mit dem Ausbau der Seestrasse 1823, dem Dampfschifffahrtsbetrieb auf dem Untersee ab 1825 und der Eröffnung der Bahnanlinie Etzwilen–Konstanz 1875 verbesserte sich die verkehrstechnischen Lage, worauf nach 1870 der Fremdenverkehr einsetzte. Am Ende des 19. Jahrhunderts fassten in Ermatingen mechanische Stickereien und Schifflistickereien Fuss. 1848 liessen sich mit einer Schreinerei (ab 1936 Jacques Goldinger AG) und 1875 mit der nachmaligen Blechdosen- und Aluminiumwarenfabrik Louis Sauter AG weitere Firmen in Ermatingen nieder, die im 20. Jahrhundert die Landwirtschaft zunehmend verdrängten.

Obwohl eine Fischbrutanstalt und die traditionelle Groppenfasnacht an die gewerbliche Fischerei erinnern, ist Ermatingen seit 1975 mit dem UBS-Ausbildungszentrum Schloss Wolfsberg und seit 1989 mit dem Unternehmerforum Lilienberg vor allem als Ausbildungsort bekannt. 2000 waren fast zwei Drittel der Arbeitsplätze im dritten Wirtschaftssektor.[6]

Seit dem 1. Juni 1975 bilden die beiden ehemaligen Ortsgemeinden Triboltingen und Ermatingen die Einheitsgemeinde Ermatingen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

→ Abschnitt Geschichte im Artikel Triboltingen

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermatingen-blazon.svg

Blasonierung: In Schwarz ein weisser Rüde mit gelbem Halsband und gelber Zunge.[7]

Das Wappen lässt sich auf einer Wappenscheibe aus dem Jahr 1596 nachweisen. Die Gemeinde verwendete weiter, nachdem 1979 aus Ermatingen und Triboltingen die Einheitsgemeinde gebildet worden war.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung der Munizipal- und Einheitsgemeinde Ermatingen[8]
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1900 1950 1970 1980 1990 2000 2010 2018
Einheitsgemeinde[8] 1992 2171 2427 2874 3454
Munizipalgemeinde[8] 1708 1728 2029 2089
Ortsgemeinde[6] 1363 1414 1787

Von den insgesamt 3454 Einwohnern der Gemeinde Ermatingen im Jahr 2018 waren 1087 bzw. 31,5 % ausländische Staatsbürger. 1383 (40,0 %) waren evangelisch-reformiert und 949 (27,5 %) römisch-katholisch. Die Ortschaft Ermatingen zählte zu diesem Zeitpunkt 3012 Bewohner.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 bot Ermatingen 843 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 4,2 % in der Land- und Forstwirtschaft, 28,7 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 67,1 % im Dienstleistungssektor tätig.[2]

Fischerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Gewerbe und Handel war die Fischerei in Ermatingen ein wichtiger Erwerbszweig. Von dieser Zeit zeugen z. B. das stattliche Haus der ehemaligen Fischhandlung Läubli im Oberstaad und drei grosse Fischerboote aus der Zeit der Schleppnetzfischerei, die früher am Ufer am Horn ausgestellt waren.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermatingen Schiffslände

Die Schweizerische Nationalbahn eröffnete am 17. Juli 1875[9] den Betrieb auf der Bahnstrecke Etzwilen–Konstanz/Kreuzlingen Hafen, Teil der Seelinie. Damit war Ermatingen ans Schienennetz angeschlossen. Im Sommer ist das Dorf auch per Kursschiff erreichbar (Linie Schaffhausen–Kreuzlingen der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein).

Ermatingen und die nahe Umgebung werden durch die Swisscom Broadcast von der deutschen Bodenseeinsel Reichenau aus über den Füllsender Reichenau mit Rundfunkprogrammen versorgt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dörfer Ermatingen und Triboltingen sowie die Schlosslandschaft Untersee sind im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt.

Paritätische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paritätische Kirche Ermatingen

Die Ursprünge der Paritätischen Kirche Ermatingen, auch bekannt als Paritätische Kirche St. Albin, gehen ins 12. oder 13. Jahrhundert zurück. Im Schwabenkrieg 1499 wurde sie gebrandschatzt. Im Zuge der Reformation wurden die Bilder und Altäre aus der Kirche geschafft. Nach dem zweiten Landfrieden wurde das paritätische Verhältnis wiederhergestellt, seitdem wird sie von der römisch-katholischen und der evangelischen Gemeinde gemeinsam benutzt. 1649 erfolge eine große Renovation. 1749/1750 gab es einen grossen Umbau unter dem Baumeister Johann Michael Beer, die Altarbilder und das Chorgewölbe wurden von Franz Ludwig Hermann gemalt.

Gasthaus «Adler»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hotel «Adler» Ermatingen

Der «Adler» ist eines der ältesten Gasthäuser im Kanton Thurgau. Erstmals wurde er 1270 erwähnt. Der heutige stattliche Riegelbau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Er diente auch dem eidgenössischen Landvogt als Audienzort.

Berühmte Gäste waren u. a. Prinz Louis Napoleon, François-René de Chateaubriand, Alexandre Dumas, Thomas Mann, Graf Zeppelin, Hermann Hesse, Hugo Ball, Leonhard Frank, René Schickele, Ferdinand Hardekopf, Alfred Neumann oder General Guisan.

Schloss Wolfsberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Wolfsberg bei Ermatingen

Weit über dem Dorf erbaute 1571 Wolf Walter von Gryffenberg ein würfelförmiges Schlossgebäude.[10] Johann Friedrich Geldrich von Sigmarshofen, der es 1595 kaufte, erhielt für sein Gut die niedere Gerichtsbarkeit und Wolfsberg wurde Freisitz.[11]

1731 kaufte es Junker Johannes Zollikofer, der es in der Form umbaute, wie sich Wolfsberg noch heute zeigt. 1795 erwarb der St. Galler Bankier Jean Jacques Hoegger (1747–1812) das Schloss und liess wahrscheinlich 1797 das südwestlich des Schlosses gelegene Parquinhaus errichten. Nach Hoeggers Tod erbte es seine Tochter Juliane Wilhelmine (1776–1829), welche das Anwesen 1815 an den Baron Ignaz von Wechingen aus Feldkirch verkaufte. 1824 gelangte das Schloss in den Besitz des französischen Oberst Charles Parquin. Dieser liess Schloss Wolfsburg umbauen und richtete hier eine Pension ein, die 1839 einging. Weitere Besitzer waren der Engländer Joseph Martin Parry, der das Gut in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb umwandelte, und Karl Bürgi, der um 1865 ein Kurhaus einrichtete, das bis 1918 bestehen blieb.

Unter dem Kriminalschriftsteller Wolf Schwertenbach war Wolfsberg 1942/1943 Gesprächsort von SS-Brigadeführer Walter Schellenberg (1910–1952) und Oberstbrigadier Roger Masson.[12] 1970 wurde das Schloss von der Schweizer Bank UBS erworben, die es renovieren und auf dem Areal mit weiteren Gebäuden zu einem Ausbildungszentrum ausbauen liess.[11] An der Westwand des Bibliotheksgebäudes befindet sich ein eisernes Turmuhrwerk aus dem alten Schloss, das um 1540 von Laurentius Liechti angefertigt wurde.

Villa Lilienberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lilienberg

Der Lilienberg wurde um 1840 von der preussischen Baronesse Caroline von Waldau erbaut. 1848 kaufte sie Baronin Betty von Fingerlin; ihr Mann, Graf Johann Baptist Zappi, war ein Freund von Napoleon III. Die herrschaftliche Villa im Stil des späten Klassizismus ging 1897 an die Winterthurer Firma Gebrüder Volkart, 1935 an die Familie Reinhart. Werner Reinhart renovierte die Villa und beherbergte u. a. Wilhelm Furtwängler und Othmar Schoeck. Auch der Kunstmäzen Oskar Reinhart lebte hier. Das Areal wurde 1985 von der Stiftung Lilienberg Unternehmerforum erworben, es ist heute ein Begegnungszentrum für Unternehmer.

«Villa am See» (Villa Sauter)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Villa im Stil eines Appenzellerhauses wurde 1798 vom Appenzeller Baumeister Grubenmann auf dem Gelände der früheren und 1782 abgerissenen Badstube errichtet.
Das Haus wurde bekannt als «Toblerhaus» und war seit 1918 im Besitz des Unternehmers Louis Sauter (Villa Sauter).[13] Der deutsche Textilunternehmer Uwe Holy erwarb 2005 das Gebäude und renovierte es gemeinsam mit dem Denkmalschutz.[14]

Schloss Hard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1520 baute Sebastian Muntprat das Schloss Hard wieder auf, nachdem der Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert im Schwabenkrieg zerstört worden war. Es handelte sich um ein herrschaftliches Gebäude mit Satteldach und einem überkuppelten Türmchen. Das Schloss wurde 1982 abgebrochen.

Rellingsches Schlösschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rellingsches Schlössli

Das schätzungsweise aus dem 12./13. Jahrhundert stammende Haus brannte im Schwabenkrieg nieder, wurde 1501 wieder aufgebaut und diente ab 1579 als Freisitz des Junkers Jechonias Rellingen von Feder. Der östliche Teil des Hauses steht als quadratischer Turm auf hohen Mauersockeln, er wurde 1686 um das Treppenhaus erweitert. Der westliche Teil des Hauses wurde später als Trotte angebaut. Noch heute stehen die Eichenpfosten in der ehemaligen Trotte, die den Brand von 1499 überstanden haben. Dank den Anpassungen der Besitzer für ihre Bedürfnisse konnte dieses Gebäude erhalten und gepflegt werden. Es ist vermutlich das älteste noch gut erhaltene Gebäude von Ermatingen.

Kapelle St. Niklaus Triboltingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

→ siehe Abschnitt Kapelle St. Niklaus im Artikel Triboltingen

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Konzils von Konstanz (1414–1418) soll einer der drei Gegenpäpste, Johannes XXIII., heimlich aus Konstanz geflohen und nach Ermatingen gekommen sein. Gemäss Überlieferung soll der Papst als Dank für die Verpflegung den Ermatingern erlaubt haben, zu dieser Zeit nochmals Fasnacht zu feiern. Die Ermatinger führen daher die Groppenfasnacht, die alle drei Jahre am Sonntag Laetare, drei Wochen vor Ostern stattfindet, auf diesen Papstbesuch zurück.

Ein weiterer wichtiger Brauch neueren Datums ist das «Gangfischschiessen». Dieses wurde 1937 das erste Mal durchgeführt und ist das grösste Winterschiessen in der Schweiz. Es lockt jährlich im Dezember hunderte Schützen nach Ermatingen. Dabei wird auch der nach einem speziellen Rezept zubereitete Gangfisch gegessen.[15]

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Winter lebten die Ermatinger Fischer von der Wasservogeljagd. Natur- und Vogelschutzverbände lancierten nach stetem Anprangern dieser Jagd eine Volksinitiative zu deren Abschaffung. Im folgenden Abstimmungskampf wurde viel Polemik betrieben um diese Jagd, die von Naturschützern «Belchenschlacht» genannt wurde. Die Initiative wurde 1984 als erste Volksinitiative im Kanton Thurgau überhaupt mit einem Mehr von ca. 1'000 Stimmen angenommen.

Seit dem Winter 1984/1985 ist die Patentjagd, die sog. «Jagd des kleinen Mannes», verboten. Entgegen Versprechungen der Naturschützer wurde daraufhin das Wasservogel-Reservat Ermatinger Becken gefordert und auch geschaffen. Seither begeben sich jeden Winter Tausende von Ornithologen an den Untersee. Ein kulturgeschichtliches Stück der Jagd ist in Form geschnitzter Lockenten erhalten geblieben.[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marie Espérance von Schwartz (1818–1899), deutsch-englische Schriftstellerin (hatte ihren letzten Wohnsitz hier)
  • Konrad Ilg (1877–1954), Schweizer Gewerkschafter (geboren in Ermatingen)
  • Hermann Fehr, (1909–1992), Schweizer Politiker (SP), (Ehrenbürger von Ermatingen)
  • Ferenc Fricsay (1914–1963), österreichischer Dirigent (hatte von 1952 an seinen Wohnsitz hier, ist auf dem Friedhof in Ermatingen begraben)[17]
  • Ernst Graf (1909–1988) Maler und Grafiker (Ehrenbürger von Ermatingen)
  • Ernst Mühlemann (1930–2009), Schweizer Politiker (FDP) und Nationalrat
  • Roberto Blanco (* 1937), deutscher Entertainer (lebt in Ermatingen)[18]
  • Uwe Holy (* 1940), Gründer und Inhaber der Holy Fashion Group (lebt in Ermatingen im von Herzog & de Meuron erbauten Neubau neben der Villa Ulmberg)
  • Hermann Fehr (* 1941), ehem. Stadtpräsident von Biel/Bienne,[19] Regierungsrat des Kantons Bern, Nationalrat (ist in Ermatingen aufgewachsen); sein Vater Hermann Fehr[20] (1909–1992), war Ortsvorsteher und Ehrenbürger von Ermatingen.
  • Thomas Ammann (1950–1993), Schweizer Kunstsammler und -händler
  • Bas de Leeuw (* 1959), niederländischer Ökonom, World Resources Forum, Club of Rome (lebt in Ermatingen)
  • Marco Werner (* 1966), deutscher Automobilrennfahrer (lebt in Ermatingen)
  • Dani Felber (* 1972), Schweizer Musiker, Bandleader und Komponist (lebt in Ermatingen)
  • Toto Wolff (* 1972), österreichischer Investor und Automobilrennfahrer (lebt in Ermatingen)
  • Dirk Müller (* 1975), deutscher Automobilrennfahrer (GT 2) (lebt in Ermatingen)
  • Lucas Luhr (* 1979), deutscher Automobilrennfahrer (DTM) (lebt in Ermatingen)
  • Edward Sandström (* 1979), schwedischer Automobilrennfahrer (lebt in Ermatingen)
  • Katherine Legge (* 1980), britische Automobilrennfahrerin (DTM) (lebt in Ermatingen)
  • Alexandre Prémat (* 1982), französischer Automobilrennfahrer (DTM) (lebt in Ermatingen)
  • Susie Wolff (* 1982), britische Automobilrennfahrerin (Formel 1, DTM) (lebt in Ermatingen)
  • Oliver Jarvis (* 1984), britischer Automobilrennfahrer (DTM) (lebt in Ermatingen)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arnold Bosshard, Peter Funk, Alfons Raimann: Ermatingen und Triboltingen TG. (Schweizerische Kunstführer, Band 413/414). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1988, ISBN 978-3-85782-413-5.
  • Regine Abegg, Peter Erni, Alfons Raimann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band VIII: Rund um Kreuzlingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 125). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2014, ISBN 978-3-03797-116-1, S. 66–152.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

→ siehe auch Abschnitt Bilder im Artikel Triboltingen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ermatingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  3. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  4. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  5. Vorarlberger Landesmuseum Bregenz, in: Aufgelistet! Funde von Pfahlbauten am Untersee. In: Südkurier vom 9. September 2011.
  6. a b c d e f g Verena Rothenbühler: Ermatingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  7. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  8. a b c Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 und Wohnbevölkerung der Gemeinden und Vorjahresveränderung. Kanton Thurgau, 1990–2018. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabellen; jeweils 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  9. Schienennetz Schweiz. Hrsg. vom Generalsekretariat SBB, Bern 1980, S. 23.
  10. Cornelia Stäheli: Schloss Wolfsberg bei Ermatingen. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 687, Serie 69). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2001, ISBN 978-3-85782-687-0.
  11. a b Erich Trösch: Wolfsberg. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  12. Pierre-Th. Braunschweig: Geheimer Draht nach Berlin. Zürich 1990, 3. Aufl., S. 228
  13. Die frühere Badstube in Ermatingen
  14. Villa am See
  15. Gangfischessen in der Datenbank von Kulinarisches Erbe der Schweiz
  16. René E.Honegger: Lockenten vom Untersee – zur Kulturgeschichte der ehemaligen Wasservogeljagd. (Memento vom 17. Juli 2015 im Internet Archive) (PDF; 3,5 MB)
  17. Harald Borges: Bitte, seid’s so lieb und macht’s das noch mal. Über den Dirigenten Fricsay in Ermatingen. In: seemoz, 5. August 2014
  18. Peter Exinger: WELTBÜRGER: Roberto Blanco: «Die Schweiz ist mein Schlafzimmer» auf tagblatt.ch, abgerufen am 5. Juli 2018
  19. DIJU – Lexikon des Jura – Biel (Stadtpräsidenten). Abgerufen am 28. März 2017 (französisch).
  20. Hermann Fehr – Vinorama Museum Ermatingen. Abgerufen am 14. März 2017.