Lehre der Zeugen Jehovas

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Jehovas Zeugen wird empfohlen, regelmäßig das persönliche Bibelstudium zu pflegen.

Die Zeugen Jehovas leiten ihren Glauben von ihrem Verständnis der Bibel ab.[1][2] Sie denken, dass sie – im Unterschied zur von ihnen als „abtrünnig“ betrachteten sonstigen Christenheit – die Wahrheit lehren. Ihre Exegese der Bibel unterscheidet sich in vielen Punkten von der, die in den meisten anderen christlichen Gemeinschaften anzutreffen ist. So lehnen sie die Dreieinigkeitslehre ebenso ab wie die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, glauben in den letzten Tagen zu leben und erwarten Harmagedon, und lehren sowohl die bevorstehende Wiederherstellung eines Paradieses auf der Erde als auch die Mitherrschaft von 144 000 geistgesalbten Christen mit Jesus im Himmel.[3]

Bibel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wort Gottes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben an die Bibel als inspiriertes, irrtums- und widerspruchsloses Wort Gottes. Sie glauben daher, dass die Bibel durchwegs mit Wissenschaft, Geschichte und Archäologie vereinbar sei, und dass sie die beste Anleitung zu Ethik und Moral enthalte, ebenso wie zuverlässige Prophetie.[4] Sie versuchen, Schriftwort durch Schriftwort zu erklären, wobei sie einräumen, dass nicht alle biblischen Aussagen wörtlich auszulegen seien.[5]

Altes und Neues Testament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie viele reformatorische Kirchen halten Jehovas Zeugen am hebräischen Kanon des Tanach fest, das heißt, sie sehen die Apokryphen nicht als Teil der Bibel.[6] Sie verwenden vorzugsweise die Bezeichnungen „Hebräisch-Aramäische Schriften“ bzw. „Christlich-Griechische Schriften“ anstelle des herkömmlichen „Altes“ bzw. „Neues Testament“, um dem Missverständnis vorzubeugen, dass das Alte Testament durch das Neue ersetzt worden wäre.[7] Allerdings betrachten sie den Sinaibund als seit dem Tod des Messias aufgehoben und die dem Volk Israel gegebenen Gebote daher nicht mehr als bindend.[8]

Gott[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben an einen persönlichen Gott, den allmächtigen und ewigen Jehova, dessen Haupteigenschaften Liebe und Gerechtigkeit seien.[9]

Schöpfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass Gott der Schöpfer der Welt sei. Zur Schöpfung zählen sie den Himmel, die im Himmel lebenden Geistgeschöpfe (auch Jesus in seiner vormenschlichen Existenz), das Universum und die auf der Erde wohnenden Lebewesen wie Menschen, Tiere und Pflanzen. Daher lehnen Jehovas Zeugen alle wissenschaftlichen Lehrmeinungen ab, die diese Schöpferrolle bestreiten, vor allem die Makroevolution.[10] Sie fassen die Schöpfungstage in der Genesis nicht als 24-Stunden-Tage, sondern als Schöpfungszeiträume auf, die unbestimmt lange Zeitspannen umfassten. Sie zählen zu den sogenannten Langzeitkreationisten, da sie der Meinung sind, das Universum und die Erde könnten Milliarden Jahre alt sein. Die Erschaffung des Menschen datieren sie anhand chronologischer Angaben aus der Bibel in das fünfte Jahrtausend v. Chr.[11]

Antitrinitarismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeugen Jehovas lehnen die Lehre der Dreifaltigkeit ab.[12] Das ist einer der Haupteckpfeiler ihres Dogmas und unterscheidet sie grundlegend von den meisten anderen christlichen Glaubensrichtungen. Sie sind davon überzeugt, dass die Bibel bei korrekter Übersetzung und Auslegung die Lehre der Dreieinigkeit nicht stütze. Die Aussage am Anfang des Johannesevangeliums „καὶ Θεὸς ἦν ὁ Λόγος“, welche meist mit „und das Wort war Gott“ übersetzt wird[Siehe 1], deuten sie nicht trinitarisch, da nach ihrem – von anderen Kirchen viel kritisierten[13] – Verständnis die grammatikalisch korrekte Übersetzung „das Wort war ein Gott“ laute. In dem „Wort“, das hier beschrieben wird, sehen sie Jesus Christus als „einen Gott“ im Sinne eines mächtigen Geschöpfs an, der jedoch nicht ohne Anfang und nicht wesenseins mit dem allmächtigen Gott sei. Somit glauben Zeugen Jehovas an die Subordination, also dass der Sohn dem Vater untergeordnet sei.[14]

Den Heiligen Geist betrachten sie weder als Person noch als Teil eines dreieinigen Gottes, sondern als Gottes wirksame Kraft, durch die er schöpferisch wirkte, die Bibelschreiber inspirierte, in biblischer Zeit manche Menschen zu Wundern befähigte, und durch die er heute Christen zu einem Bekenntnis ihres Glaubens befähige.[15]

Name Jehova[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen halten es für passend, Gott mit seinem in der Bibel verwendeten Eigennamen JHWH anzusprechen, statt ausschließlich allgemeine Begriffe wie Herr oder Gott zu gebrauchen. Die von den meisten Bibelwissenschaftlern vertretene Ansicht, der Name werde korrekt Jahwe ausgesprochen, halten Zeugen Jehovas für nicht verifizierbar; sie bleiben in vielen Sprachen bei der Ausspracheform Jehova. Wesentlich ist für sie nicht die Authentizität der Rekonstruktion der Aussprache des Namens, sondern überhaupt einen persönlichen Namen für Gott zu verwenden. Den biblischen Gottesnamen JHWH deuten sie als Zusage Gottes, zu allem zu werden, was zur Erfüllung seiner Vorsätze nötig sei.[16]

Gebet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebete werden von Zeugen Jehovas ausschließlich an Jehova Gott gerichtet, und zwar durch den Mittler Jesus Christus. Das bedeutet, es wird weder zu Jesus gebetet, noch durch Heilige oder Maria.[17]

Jesus Christus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vormenschliche Existenz im Himmel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen betrachten Jesus als das erste und einzige unmittelbar von Gott erschaffene Geschöpf.[18] Er wird als Sohn Gottes seinem Vater untergeordnet angesehen, somit vertreten Jehovas Zeugen den Arianismus und die Subordination.[19]

Mensch, Opfertod, Auferstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben an die Jungfrauengeburt. Als Sohn Gottes sei Jesus als sündenloser Mensch geboren worden, konnte als „Zweiter Adam“ bezeichnet werden, und lebte ohne Sünde. Als er im Alter von 30 Jahren getauft wurde, sei er von Gott mit heiligem Geist zum Hohenpriester gesalbt worden.[20] Jehovas Zeugen glauben, dass Jesus während seines menschlichen Lebens ein herausragender Lehrer und Wundertäter war — aber im Mittelpunkt ihrer Theologie steht nicht das Leben, sondern der Opfertod Jesu. Nur aufgrund der Erlösung der Menschheit durch den Tod Jesu und des persönlichen Glaubens an den Wert dieses Opfers könne der Gläubige Vergebung von Sündenschuld erlangen. Nur durch Jesus sei es möglich, zukünftiges ewiges Leben in Versöhnung mit Gott und in körperlicher sowie psychischer Vollkommenheit zu erlangen.[21] Aufgrund der sühnenden und zwischen den Menschen und Gott vermittelnden Rolle Jesu richten Jehovas Zeugen alle ihre Gebete ausschließlich durch Jesus Christus an ihren Gott Jehova.[22]

Jehovas Zeugen glauben, dass Jesus an einem Pfahl und nicht an einem Kreuz hingerichtet worden sei. In einer Verehrung des Kreuzes erkennen sie Parallelen zu vorchristlichen, heidnischen Bräuchen; sie lehnen daher die Verwendung des Kreuzes oder ähnlicher Gegenstände für religiöse Handlungen oder als Symbol als „Götzendienst“ ab (2 Mos 20,4,5 ELB; 1 Kor 10,14 ELB).[23]

Jehovas Zeugen glauben, Jesus sei am dritten Tag nach seiner Hinrichtung mit einem nichtmateriellen „geistigen Leib“ auferstanden, und habe in den darauffolgenden Wochen nur vereinzelt einen materiellen Leib angenommen, um sich seinen Jüngern nach der Auferstehung zu zeigen. Schließlich sei er in den Himmel aufgefahren, um dort zur Rechten Gottes auf den Herrschaftsantritt als messianischer König zu warten.[24]

König[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass Jesus 1914 von Gott als König im Himmel eingesetzt worden sei, und sie erwarten den Anbruch seiner 1000-jährigen messianischen Königsherrschaft über die Erde.[25]

Michael[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jesus wird von Jehovas Zeugen als höchster der Engel angesehen.[26] In seiner vor- und nachmenschlichen Gestalt als „Geistperson“ sei Jesus mit dem Erzengel Michael identisch, so interpretieren sie Jud 1,9 ELB und 1 Thess 4,16 ELB.[27]

Satan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reale Geistperson[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass Satan eine reale Geistperson sei, ein von Gott vollkommen erschaffener Engel, der sich jedoch gegen den Schöpfer auflehnte, so zum Hauptwidersacher Gottes wurde und andere Engel und Menschen dazu bewog, ihm zu folgen statt dem Schöpfer.[28]

Streitfragen, Theodizee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Bibelbericht aus Genesis Kapitel 3 verstehen Jehovas Zeugen so, dass der Teufel (in Gestalt der Schlange) Gott unterstellte, für den Menschen nicht das Beste zu wollen. Satan soll gemeint haben, es wäre gut für den Menschen, selber Maßstäbe für Gut und Böse festzulegen, statt sich den vom Schöpfer mitgeteilten Normen unterzuordnen.

Das Bibelbuch Hiob deuten Jehovas Zeugen so, dass der Teufel den Menschen vorgeworfen habe, Gott nur dann zu dienen, wenn sie einen persönlichen Vorteil daraus ziehen könnten. Dass Gott die Rebellion Satans und der Menschen – und damit das Leiden – zuließ und noch zulässt, diene gemäß der Ansicht der Zeugen Jehovas zur Klärung dieser beiden Streitfragen. So könnten sowohl der Teufel als auch die Menschen zeigen, ob sie in der Lage wären, ohne Gott ein besseres Leben zu führen. Durch die Menschheitsgeschichte werde bewiesen, dass der Teufel unrecht habe und die Menschen sich nicht erfolgreich selbst regieren können, und dass es Menschen gebe, die trotz Anfeindung treu zu Gott halten.[29][30]

Aus dem Himmel gestürzt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen verstehen Offenbarung Kapitel 12 als Weissagung, dass der mit dem Erzengel Michael gleichzusetzende Jesus den Satan und dessen Anhänger aus dem Himmel vertreibe und sie – vor ihrer endgültigen Vernichtung – in den Bereich der Erde verbanne. Dieses Ereignis soll im Jahr 1914 stattgefunden haben.[31]

Mensch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung des Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass Gott die ersten Menschen – Adam und Eva – erschaffen habe. Sie datieren dieses Ereignis auf das Jahr 4026 v. Chr.[32] Gott setzte demnach den Menschen in den Garten Eden und trug ihm auf, das Paradies auf die gesamte Erde auszudehnen. Gott habe den Menschen für ewiges Leben auf der Erde erschaffen.[33]

Seele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschen haben nach Auffassung der Zeugen Jehovas keine Seele, sondern – so verstehen sie 1 Mos 2,7 ELB – der ganze Mensch als lebendes Wesen ist eine Seele. Die Seele sei demnach kein Teil des Menschen, sondern der ganze Mensch; stirbt der Mensch, sterbe die Seele. Jehovas Zeugen vertreten somit einen annihilationistischen Standpunkt. In diesem Zusammenhang zitieren sie Bibelstellen wie Hes 18,4 ELB und Koh 9,5–10 ELB.[34]

Verlust des Paradieses, Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass der Mensch mit einem freien Willen erschaffen wurde; sie lehnen die Lehre von der Prädestination ab.[35][36] Der Missbrauch des freien Willens habe eine Kluft zwischen Gott und dem Menschen geschaffen: Der Mensch habe das Paradies verlassen müssen und sei sterblich geworden, weil er sich – angestiftet vom Satan – bewusst gegen Gott aufgelehnt hätte, vom Baum der Erkenntnis genommen und dadurch das Recht beansprucht habe, selbst festzulegen, was Gut und Böse sei. Als Folge verlor er das Paradies, wurde unvollkommen und sterblich.[37] Seither vererbe der Mensch die Sündhaftigkeit und Sterblichkeit an alle seine Nachkommen. Der Tod des Menschen sei die Folge seiner Sündhaftigkeit und gleichzeitig auch die Strafe für die Sünde; eine Hölle als Ort der Qual existiert nach dem Glauben der Zeugen Jehovas nicht.[38]

Versöhnung mit Gott, ewiges Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sündenfall der ersten Menschen änderte nichts am Vorsatz Gottes: er wollte, dass Menschen ewig in einem Paradies auf Erden leben. Jehova habe sofort für eine Lösung gesorgt, indem er den Messias ankündigte (1 Mos 3,15 ELB). Durch den Opfertod Jesu würden sündige Nachkommen der ersten Menschen mit Gott versöhnt werden und könnten ewiges Leben erlangen, falls sie an Christus glauben.[39]

Nach Ansicht der Zeugen Jehovas gibt es zwei verschiedene Aussichten auf ewiges Leben: Eine große, zahlenmäßig unbestimmte Anzahl Menschen bekäme ewiges Leben in einem Paradies auf Erden, das bei der Wiederkunft Christi erstehen würde. Hingegen würden 144.000 Menschen ewiges Leben im Himmel erlangen, als Mitkönige Christi im Königreich Gottes.[40]

Königreich Gottes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Himmlische Regierung über die Erde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass das Königreich Gottes eine Regierung sei, die vom Himmel aus das Paradies auf der Erde wiederherstellen werde. Die Regierung bestehe aus Jesus und 144 000 Mitregenten – Menschen, die zu ewigem Leben im Himmel auferweckt würden.[41] Jehovas Zeugen leben in der Erwartung des nahen Anbruchs der 1000-Jahr-Herrschaft des Königreiches Gottes, in diesem Sinn sind sie eine millenaristische Glaubensgemeinschaft.[42]

Auswahl der 144 000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass Jesus mit 144 000 (Off 14,1 ELB) Menschen einen Bund für das Königreich geschlossen habe, durch den diese mit heiligem Geist gesalbt, „Kinder Gottes“ und „Brüder Christi“ würden und die Aussicht haben, mit Christus im Königreich der Himmel zu regieren. Zu den 144 000 sollen die Christen der Apostolischen Zeit sowie viele frühe Bibelforscher der Neuzeit gehört haben, während von den heutigen Zeugen Jehovas nur eine kleine Minderheit am Abendmahl teilnimmt und so ihre Zugehörigkeit zum neuen Bund behauptet.[43]

Die Unterscheidung in Gläubige mit himmlischer und solche mit irdischer Hoffnung beeinflusst nicht das Verhältnis oder den Status der einzelnen Zeugen Jehovas zueinander, da sie sich unabhängig von ihrer Hoffnung als Brüder und Schwestern betrachten. Jene, die sich heute zu der himmlischen Gruppe zählen (etwa 15 000 Personen, also weniger als 2 Promille der Zeugen Jehovas weltweit), bilden keine besondere Kaste in der Religionsgemeinschaft und beanspruchen weder eine besondere Behandlung noch ein besonderes Ansehen.[44]

1914: Reinigung des Himmels, Beginn der Gegenwart Jesu und der Zeit des Endes, Erste Auferstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, 1914 hätten die Zeiten der Nationen geendet und Jesus Christus habe die Herrschaft über das Königreich Gottes im Himmel übernommen. Christus habe als erste Amtshandlung den Satan und seine Dämonen (abtrünnige Engel) aus dem Himmel in die Nähe der Erde verbannt.[45] Seither geschehe im Himmel uneingeschränkt der Wille Gottes. Für die Erde sei damals jedoch die Zeit des Endes angebrochen, gekennzeichnet einerseits durch das Wüten Satans, das sich in Kriegen, Lebensmittelknappheit, Seuchen, Naturkatastrophen, und allgemeiner Gesetz-, Lieb- und Gottlosigkeit äußere, andererseits durch die von Jesus und den Engeln gelenkte weltweite Verkündigung der „Guten Botschaft“ vom Königreich Gottes.[46][47]

Daraufhin habe die Erste Auferstehung begonnen, das heißt, die Auferstehung der zu den 144 000 Mitregenten Christi gehörenden Personen zu himmlischem Leben.[48]

Bevorstehende große Drangsal, Harmagedon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass die „letzten Tage“ in einem globalen, jedoch selektiven und gerechten, von Gott durch Jesus Christus geführten Krieg gipfeln werden. Dieser Krieg sei aus Liebe und Gerechtigkeit gegenüber sanftmütigen Menschen nötig, um diese vor solchen Menschen zu schützen, die sich unverbesserlich gegen die Liebe Gottes, seine Maßstäbe für Gut und Böse und seine Souveränität auflehnen sowie rücksichtslos die göttliche Schöpfung ausbeuten und den Fortbestand der belebten Erde gefährden (Mt 24,22 ELB, Offb 11,17–18 ELB).[49]

Die Endzeit, die 1914 begonnen habe, würde in der großen Drangsal gipfeln: zunächst werde sich die Politik gegen die Religion wenden; so werde Gott sein Gericht an Babylon der Großen, der Gesamtheit der falschen Religion, vollziehen. Zum Schutz der wahren Anbeter Gottes würde Gott in der anschließenden Schlacht von Harmagedon sämtliche menschlichen Regierungen und den Gott ungehorsamen Teil der Erdbevölkerung vernichten. Satan würde handlungsunfähig gemacht werden.[50]

Die Erde als solche würde nie untergehen, sondern Harmagedon überstehen. Anbeter Gottes würden bewahrt bleiben und Harmagedon überleben.[51] Nach ihrer Überzeugung sind Jehovas Zeugen im Endzeitkrieg die einzige Organisation, die unter dem besonderen Schutz Jehovas steht.[52]

Millennium, Paradies wiederhergestellt, allgemeine Auferstehung von den Toten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Harmagedon folge die 1000-jährige Herrschaft des himmlischen Königreiches Gottes („neue Himmel“), das aus Jesus als König und den 144 000 Mitregenten bestehe, über die Erde. Die Erde werde während dieses Millenniums zu einem Paradies umgestaltet werden. Die allgemeine Auferstehung „der Gerechten und Ungerechten“ von den Toten finde im irdischen Paradies statt. Sowohl die Auferstandenen als auch die „große Volksmenge“ der Harmagedon überlebenden Menschen würden auf der Grundlage des Opfers Jesu zur Vollkommenheit und damit zur Möglichkeit, sündenlos, gesund und ewig zu leben, geführt werden („neue Erde“).[53]

Von dieser allgemeinen Auferstehung seien – neben den Teilhabern an der Ersten Auferstehung – jene Menschen ausgenommen, die bereits früher von Gott „gerichtet“ worden seien (z. B. in Harmagedon oder durch die Sintflut) bzw. sich bewusst gegen Gott gestellt hätten. Sie verblieben in der „Gehenna“, das heißt, in ewiger Nichtexistenz.[54]

Nach dem Millennium finde durch den für eine kurze Dauer aus dem „Abgrund“ freigelassenen Satan eine Endprüfung statt (Offb 20,7–10 EU). Wer diese Endprüfung bestehe, erhalte ewiges Leben im Paradies. Diejenigen, die sich während des Millenniums oder danach in der Schlussprüfung gegen die Souveränität Jehovas stellen, würden hingegen sterben, ebenso Satan und seine Dämonen nach der Endprüfung.[55] Danach sei das durch Satans Rebellion und durch Adams und Evas Sündenfall verloren gegangene irdische und geistige Paradies endgültig wieder hergestellt, die Menschheit mit der Schöpfung und dem Schöpfer versöhnt und so zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes gelangt.[56]

Theokratische Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Christenversammlung als Gottes Volk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen glauben, dass zunächst Israel das auserwählte Volk Gottes gewesen sei. Nachdem Israel aber den Messias verwarf, habe Gott die Christenversammlung als sein besonderes Volk erwählt, was durch die Geistausgießung zu Pfingsten 33 offensichtlich geworden wäre.[57] Das Haupt der Christenversammlung sei Jesus.

Nach dem Tod der Apostel sei die Kirche vom wahren Glauben abgewichen und habe Kompromisse mit dem Staat und dem Heidentum eingegangen.[58] Doch für die Endzeit hätte Jesus die Wiederherstellung der wahren Anbetung angekündigt. Jehovas Zeugen verstehen sich als diese wiederhergestellte wahre Christenversammlung;[59] sie sehen sich als Substitution Israels als „Heilsvolk Gottes“.[60]

Leitende Körperschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehovas Zeugen verstehen den Bibelbericht über das Apostelkonzil so, dass die frühe Kirche nicht eine nur lose Vereinigung unabhängiger Versammlungen war, sondern dass es in apostolischer Zeit eine zentrale leitende Körperschaft aus Aposteln und Ältesten gab, die unter der Leitung des heiligen Geistes ernannt worden war, Entscheidungen traf und an Versammlungen übermittelte und die Einsetzung von Aufsehern beaufsichtigte.[61][62]

Dementsprechend sei auch für Jehovas Zeugen heute in Lehrfragen maßgeblich, wie eine Leitende Körperschaft – bestehend aus einer kleinen Gruppe geistgesalbter Männer, die unter dem Gebet um die Leitung durch den heiligen Geist ernannt wurden – die Bibel interpretiere.[63] Dem Selbstverständnis der Leitenden Körperschaft zufolge sei sie von „Gottes heiligem Geist gesalbt und geleitet“, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit.[64] Diese leitende Körperschaft wurde früher mit dem Vorstand der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania gleichgesetzt. Doch seit 1970 wurde zunehmend zwischen der geistlichen Leitung durch die Leitende Körperschaft und der bloß administrativen Tätigkeit von Rechtskörperschaften wie der Watch Tower Society unterschieden; seit 2000 besteht keine Personenidentität mehr zwischen Mitgliedern der Leitenden Körperschaft und dem Vorstand der Watch Tower Society.[65][66]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So zum Beispiel Joh 1,1 ELB

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Besier, Renate-Maria Besier: Zeugen Jehovas/Wachtturm-Gesellschaft. Eine ‚vor-moderne‘ religiöse Gemeinschaft in der ‚modernen‘ Gesellschaft? – Gutachtliche Stellungnahme. 1998, S. 7 ([1] [PDF; abgerufen am 18. April 2011]).
  2. Theologische Realenzyklopädie. Band 36. Walter de Gruyter, New York / Berlin 2004, S. 662.
  3. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 271.
  4. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 18–19.
  5. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 145–146.
  6. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 146.
  7. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 100.
  8. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 248.
  9. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 78–79.
  10. Ulrich Kutschera: Streitpunkt Evolution. LIT Verlag, ISBN 978-3-8258-7286-1, Religiöse Sondergemeinschaften, S. 108.
  11. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 151–153.
  12. Vasilios Makriedes: Kurzinformation Religion: Zeugen Jehovas. In: Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. Abgerufen am 3. August 2009.
  13. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 154.
  14. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 153–154.
  15. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 73–74.
  16. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 78–79.
  17. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 110–111.
  18. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 80–81.
  19. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 154.
  20. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 156–157.
  21. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 80, 115–116.
  22. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 110–111.
  23. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 38–39.
  24. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 80.
  25. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 92–93, 105.
  26. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 154.
  27. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 92.
  28. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 122–123.
  29. Hans-Hermann Dirksen: „Keine Gnade den Feinden unserer Republik.“ Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der SBZ/DDR 1945-1990. Duncker & Humblot, Berlin 2001, S. 859.
  30. David L. Weddle: Jehovah’s Witnesses. In: Hans J. Hillerbrand (Hrsg.): Encyclopedia of Protestantism. Routledge, Abingdon 2014.
  31. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 122–123.
  32. George D. Chryssides: Historical Dictionary of Jehovah's Witnesses. Scarecrow Press, 2008, ISBN 978-0-8108-6074-2, S. LIX.
  33. Royston Pike: Jehovah’s Witnesses. Who They Are. What They Teach. What They Do. Watts & Co, London 1954, S. 54–55.
  34. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 76, 126–127.
  35. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 50.
  36. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 111.
  37. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 4.
  38. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 124–125.
  39. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 115–116.
  40. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 94–96.
  41. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 83, 115–116.
  42. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 93–94.
  43. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 3, 7–8, 91, 118.
  44. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 95, 133, 220.
  45. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 93, 107, 239.
  46. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 1–2.
  47. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 99.
  48. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 118, 122.
  49. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 52.
  50. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 3, 13, 67.
  51. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 10.
  52. Stichwort Zeugen Jehovas Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007.
  53. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 70, 93, 122.
  54. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 60, 82–83, 118.
  55. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 1–2, 63.
  56. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 93, 104–105.
  57. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 32.
  58. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 248.
  59. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 7–8.
  60. Merit Petersen: Der schmale Grat zwischen Duldung und Verfolgung. Zeugen Jehovas und Mormonen im Dritten Reich. In: Manfred Gailus, Armin Nolzen (Hrsg.): Zerstrittene «Volksgemeinschaft». Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, S. 127.
  61. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 131.
  62. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 64.
  63. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 133, 141, 146–147.
  64. Hans Hesse: Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas. Edition Temmen, 1988, ISBN 978-3-86108-724-3, S. 352 (Zitat: „Jehovas Zeugen betrachten weder die leitende Körperschaft, noch irgendeines ihrer Mitglieder als unfehlbar“).
  65. George D. Chryssides: Jehovah's Witnesses. Continuity and Change. Ashgate, Farnham / Burlington 2016, S. 143.
  66. George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 135.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]