Leonrod (Dietenhofen)

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Leonrod
Wappen von Leonrod
Koordinaten: 49° 24′ 17″ N, 10° 40′ 13″ O
Höhe: 347 (349–377) m ü. NHN
Fläche: 2,13 km²[1]
Einwohner: 190 (2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 90599
Vorwahl: 09824
Vorgelagerter Turm der Burgruine Leonrod
Kapelle St. Georg

Leonrod ist ein Gemeindeteil des Marktes Dietenhofen im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt im Biberttal. Im Ort mündet der Kiengraben als rechter Zufluss der Bibert und der Hutweihergraben als Zufluss in den Hutweiher. Des Weiteren entspringt hier der Wiesengraben, der in Dietenhofen als rechter Zufluss in die Bibert mündet. Im Westen liegt das Bayreuther Holz, 0,5 km südlich liegt die Flur Koller, 0,75 km nördlich das Sandfeld.

Die Kreisstraße AN 24 führt an der Stolzmühle vorbei nach Ebersdorf (1,8 km nordwestlich) bzw. nach Dietenhofen (1,4 km östlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Neudorf (1,4 km nördlich), nach Rüdern (1,2 km südlich) und nach Dietenhofen (1,4 km östlich).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leonrod (möglicherweise von althochdeutsch hleo, hlewes, Grabhügel[4]) wurde erstmals 1218 als „Lewenrode“ urkundlich erwähnt und war das Dorf bei der Ganerbenburg. Leonrod entwickelte sich aus drei ursprünglich eigenständigen Orten, die zu Leonrod zusammengewachsen sind. Das waren das nördlich der Bibert gelegene „Heylingsdorff“, „Heiligendorf“ oder „Seeligendorff“ sowie das südlich der Bibert gelegene „Moosdorf“. Heylingsdorff wurde um 1700 erstmals urkundlich erwähnt, allerdings tauchten im 18. Jahrhundert immer wieder Urkunden mit der Ortsbezeichnung Seeligendorf auf. In einer Urkunde von 1739 wurde von einer Ortskapelle berichtet. Moosdorf müsste sich dort befunden haben, wo heute das Gasthaus steht. Im Gasthaus wurde bis 1923 auch Bier gebraut.[5]

Am südwestlichen Ortsrand steht die Ruine Leonrod, eine Ganerbenburg der Familie von Leonrod. Die im 13. Jahrhundert erbaute Wasserburg überstand den Dreißigjährigen Krieg unbeschadet und brannte im Jahr 1651 ab, als Gestrüpp im Burggraben verbrannt werden sollte.[6] Die Burg befindet sich im Besitz einer Erbengemeinschaft, die auf das seit 1951 ausgestorbene Geschlecht zurückgeht.

Leonrod unterstand ursprünglich zwei Halsgerichtsbarkeiten, der Teil südlich der Bibert gehörte nach Ansbach, der nördliche nach Markt Erlbach.[7]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Leonrod 25 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Markt Erlbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Dietenhofen inne. Grundherren waren das Kastenamt Dietenhofen (24 Anwesen: 1 Brauhaus, 1 Hof, 15 Güter, 7 Häuser) und das Rittergut Neudorf (Ruine Leonrod mit Jägerhaus).[8][9] Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justizamt Markt Erlbach und Kammeramt Neuhof. Das Jägerhaus unterstand von 1797 bis 1806 dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.[10]

Im Jahre 1810 kam Leonrod in das neue Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde es dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Dietenhofen und der 1813 gebildeten Ruralgemeinde Ebersdorf zugeordnet. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Leonrod.[11] Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Markt Erlbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ipsheim. Ein Anwesen unterstand bis 1833 dem Patrimonialgericht Neudorf.[10] Ab 1862 gehörte Leonrod zum Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) und ab 1856 zum Rentamt Markt Erlbach (1920–1929: Finanzamt Markt-Erlbach, 1929–1972: Finanzamt Fürth, seit 1972: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Markt Erlbach (1880 in Amtsgericht Markt Erlbach umbenannt), von 1959 bis 1972 war das Amtsgericht Fürth zuständig, seitdem ist es das Amtsgericht Ansbach. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 2,130 km².[1]

Am 1. Juli 1969, also noch vor der Gebietsreform in Bayern, wurde Leonrod nach Dietenhofen eingemeindet.[12]

Zwischen dem 1. Juni 1915 und dem 26. September 1971 verkehrte die Bibertbahn durch das Ortsgebiet, zum Winterfahrplan 1931/32 wurde ein Haltepunkt im Ort eingerichtet.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burgruine Leonrod: Wasserburg, Hauptburg, vier Gebäude um einen Bergfried, 13.–16. Jahrhundert; Vorburg, ehemalige Kapelle St. Georg, kleiner Saalbau, um 1327.
  • Haus Nr. 1: Jägerhaus, Walmdachhaus mit Fachwerkobergeschoss, 17./18. Jahrhundert
  • Haus Nr. 19: Gasthaus Weinländer, zweigeschossiges, verputztes Mansarddachhaus, 18. Jahrhundert
  • Haus Nr. 25: eingeschossiges Wohnstallhaus des 18. Jh.; 1820 umgebaut; Erdgeschoss teilweise Quader, ausgewechselt laut Inschrift 18 Johann Georg Schwart 20; Scheune in konstruktivem Fachwerk 18. Jh., im zweigeschossigen Giebel zwei bzw. eine rundbogige Ladeluke; an einem Pfeiler der Toreinfahrt Wappen und Inschrift IMEM/1798[13]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2005 2016
Einwohner 146 177 175 189 175 156 148 151 143 143 131 128 116 104 123 122 121 118 126 175 177 169 178 174 202 187 190
Häuser[14] 27 29 30 29 27 25 29 32 49
Quelle [15] [16] [17] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [17] [17] [24] [17] [17] [17] [25] [17] [17] [17] [26] [17] [1] [27] [28] [29] [2]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 20. Mai 1948 führt Leonrod ein Wappen, das 1940 entworfen wurde. Die Blasonierung lautet: In Silber über blauen Wellen eine rote Burg mit Zinnenmauer und zinnenbekröntem Torturm zwischen zwei Giebelhäusern; im Tor ein silberner Schild mit rotem Balken.

Die heraldisch vereinfachte Wasserburg und das Schildchen mit Adelswappen deuten auf das mit dem Ort durch den Namen und unvordenklichen Besitz verflochtene Geschlecht der Freiherren von Leonrod hin, das später zur fränkischen Reichsritterschaft gehörte.

Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Frickendorf verlaufen die Fernwanderwege Deutschherrenweg und Zollernweg sowie der Bibertrundweg.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation protestantisch. Die Bewohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Andreas (Dietenhofen) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach St. Bonifatius (Dietenhofen).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Leonrod (Dietenhofen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 806 (Digitalisat).
  2. a b www.dietenhofen.de
  3. Leonrod im BayernAtlas
  4. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 2., unveränderte Auflage. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 12, Anm. 19 (Erstausgabe: 1950).
  5. J. Kollar: Markt Dietenhofen, S. 164 ff.
  6. So J. Kollar: Markt Dietenhofen, S. 164. Nach H. Sponholz (Hrsg.): Landkreis Neustadt an der Aisch, S. 106, soll sie 1616 – also vor dem Dreißigjährigen Krieg – abgebrannt sein.
  7. J. Kollar: Markt Dietenhofen, S. 165.
  8. H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 110.
  9. Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1801) wird der Ort folgendermaßen beschrieben: „Leonrod, ein im Ritterorte Altmühl gelegenes Dorf und Schloß, das Stammhaus der Grafen von Leonrod an der Biebert, oberhalb Dietenhofen, wohin auch die Einwohner pfarren, im Jurisdiktionsbezirke des Oberamtes Ansbach. Das Schloß ist verfallen.“ J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Band 3, Sp. 331.
  10. a b H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 202 f.
  11. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 33 (Digitalisat).
    H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim S. 223.
  12. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 535.
  13. R. Strobel: Landkreis Neustadt an der Aisch, S. 100. Denkmalschutz mittlerweile aufgehoben, Objekt ggf. abgerissen.
  14. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  15. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 54 (Digitalisat).
  16. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 97 (Digitalisat).
  17. a b c d e f g h i j k Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 179, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  18. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1061, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  19. Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S. 169 (Digitalisat).
  20. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1227, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  21. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Hergestellt auf Grund der neuen Organisation der Regierungsbezirke, Bezirksämter und Gerichtsbezirke. Nachtrag zum Heft 36 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1879, S. 67 (Digitalisat).
  22. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Heft 35 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1882, S. 191 (Digitalisat).
  23. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1161 (Digitalisat).
  24. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1234 (Digitalisat).
  25. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1272 (Digitalisat).
  26. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1098 (Digitalisat).
  27. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 168 (Digitalisat).
  28. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 325 (Digitalisat).
  29. Statistik der Einwohnerzahlen in den Ortsteilen. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.today) auf: dietenhofen.de