Let’s Play

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Let’s Play (engl. „Lasst uns spielen“; abgekürzt: LP) bezeichnet das Vorführen und Kommentieren des Spielens eines Computerspiels. Meist wird dies ähnlich einem Screencast aufgenommen und auf Videoportalen hochgeladen oder auf Live-Streaming-Portalen übertragen.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu Komplettlösungen steht nicht das Durchspielen eines Spiels im Vordergrund, sondern das individuelle Spielerlebnis des Spielenden.[1] Das Let’s Play wird begleitend kommentiert, was zusätzlich einen unterhaltenden Charakter verleiht. Oft ist dieser durch die Moderation unterhaltende Charakter für Zuschauer sogar wichtiger als die Wahl des Spiels selbst.

Das ursprünglich definierende Element der Interaktivität mit den Zuschauern wird mittlerweile von einigen Let’s Playern nicht mehr gepflegt. Der Großteil jedoch richtet sich nach Themenvorschlägen oder Anregungen der Nutzer in den Videokommentaren auf den Portalen, um die Nutzer aktiv in die Videos einzubinden.

Um eine Abgrenzung zum Commentary-Format zu schaffen, hat es sich eingebürgert, dass ein Video nur dann als Let’s Play bezeichnet wird, wenn die Moderation live während des Spielens aufgenommen wird. Einige Let’s Plays werden „blind“ gespielt, was bedeutet, dass der Spieler das Spiel selbst zum ersten Mal spielt und somit auch den Lösungsweg nicht kennt. Häufig kommt es auch vor, dass eine andere Person mit dem Moderator spielt oder kommentiert. Diese Art des Let’s Plays nennt man Let’s Play Together („Lasst uns zusammen spielen“).

Neben den klassischen Let’s Plays gibt es weiterhin die Variante, den Zuschauern bestimmte Sachverhalte zu zeigen. Dabei werden gezielt meist als problematisch erachtete Spielsequenzen herausgesucht oder komplizierte Handlungsabläufe visuell dargestellt. Diese Art des Zeigens wird als Let’s Show bezeichnet (von engl. show = „zeigen“).

Geschichte und Popularität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Let Us Play“ kam 2006 erstmals auf der Website Something Awful auf. Hierbei wurden Forenthreads erstellt, in denen der Spieler mit seinen Kommentaren versehene Screenshots des Spielverlaufs postete. Die anderen Forenmitglieder konnten direkt darauf antworten und etwa anregen, was der Spieler als nächstes tun sollte.[2] Das erste bekannte Let’s Play in Videoform mit Livekommentar wurde am 5. Januar 2007 vom Something-Awful-User Michael Sawyer gestartet.[2]

In den folgenden Jahren wurde das Konzept populärer und bald etablierte sich YouTube als Plattform für Let’s Plays. Hier machen sie mittlerweile einen nicht unbedeutenden Teil der Videoaufrufe aus. So ist etwa der für seine Horror-Let’s-Plays bekannte PewDiePie aktuell der meistabonnierte YouTube-Kanal weltweit.[3] Zu den bekanntesten Vertretern dieser Szene im deutschsprachigen Raum zählen Erik Range (alias Gronkh)[4], PietSmiet, Valentin Rahmel (alias Sarazar)[5] und Felix von der Laden (alias Dner).[6]

Zu den meistabonnierten deutschen Let’s-Play-Kanälen gehören:[7][8]

Platz Artikel Kanal-Link Abonnenten Videos Video-Aufrufe
1 Gronkh Gronkh 4,78 Mio. 10.530 2.627 Mio.
2 Paluten Paluten 2,81 Mio. 4.354 1.584 Mio.
3 GermanLetsPlay GermanLetsPlay 2,77 Mio. 6.589 1.397 Mio.
4 rewinside rewinside 2,38 Mio. 3.222 1.036 Mio.
5 PietSmiet PietSmiet 2,25 Mio. 19.695 2.095 Mio.
6 Sarazar Sarazar 2,00 Mio. 4.122 556 Mio.
7 Zombey Zombey 1,57 Mio. 4.979 568 Mio.
8 GommeHD GommeHD 1,55 Mio. 2.237 508 Mio.
9 LPmitKev LPmitKev 1,46 Mio. 6.731 537 Mio.
10 Sturmwaffel Sturmwaffel 1,43 Mio. 2.928 340 Mio.

Stand: 1. Juni 2018

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die anfangs vor allem von Fans erstellten Videos werden von Spieleherstellern häufig als kostenlose Werbung für das Produkt betrachtet und von einzelnen Erstellern gezielt mit Testmustern unterstützt. Die Problematik möglicher Urheberrechtsverletzungen wurde hingegen bislang meist ignoriert. Die meisten Spielepublisher geben auf Nachfrage eine Duldungserklärung heraus, womit der Let’s Player das Recht erwirkt, Videos eines bestimmten Spiels hochzuladen und eventuell sogar zu monetarisieren. Diese Duldung ist jedoch noch keine rechtsverbindliche Erklärung, so dass den Publishern jederzeit freigestellt ist, diese zu widerrufen.

Im Rahmen einer Partnerschaft mit einem Gaming-Network wie z. B. machinima oder BroadbandTV Network herrscht die Vermutung, dass eine rechtliche Absicherung bzgl. des Verletzens von Urheberrecht aufgehoben sei, da über die Netzwerke eine Lizenzierung erfolgt. Dies konnte jedoch bisher nicht offiziell bestätigt werden, so dass eine persönliche Nachfrage beim jeweiligen Publisher der zunächst sicherere Weg ist.[9]

Durch Gewinnbeteiligung an Werbeeinnahmen ergibt sich in Einzelfällen mittlerweile die Möglichkeit einer Vollerwerbstätigkeit durch die Produktion von Let’s-Play-Videos.[10]

Im März 2017 argumentierte die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen anhand des von PietSmiet zum Streamen von Let's Plays genutzte YouTube-Kanals, dass solche Angebote als Rundfunkangebot einzustufen seien, da es sich um einen Informationsdienst handle, dessen Inhalte nicht durch die Nutzer beeinflusst werden könne und der einem Sendeplan folge. Als Rundfunkangebot unterliege dieser und vergleichbare Kanäle der Aufsicht der Landesmedienanstalten und seien den Grundsätzen etwa des Jugend- und Verbraucherschutzes unterworfen. [11] In Folge dieser Vorgehensweise wurde etwa von der rheinland-pfälzischen Landesregierung eine Neuregelung der gesetzlichen Grundlage angeregt, welche sowohl „eindeutige Verantwortlichkeiten für die Einhaltung wichtiger Standards – Menschenwürde, Jugendschutz und Werberegeln“ sicherstelle als auch „Medienpluralismus und -vielfalt, die [das] freiheitliches und demokratisches Mediensystem“ ausmachten.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Finniss: What is a "Let’s Play?" In: Yahoo Voices. Yahoo News Network, 18. November 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2014; abgerufen am 14. Januar 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/voices.yahoo.com
  2. a b Michael Sawyer: Did I Start Let’s Play? 30. Januar 2013, archiviert vom Original am 17. Dezember 2013; abgerufen am 20. Januar 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/slowbeef.tumblr.com
  3. Top 50 Youtubers by Subscribed – Socialblade
  4. „Let’s play“-Videos genießen Kultstatus bei ksta.de, 9. März 2012 (abgerufen am 28. Juni 2012).
  5. „Let’s-Play“-Stars Gronkh und Sarazar bei spiegel.de, 22. Oktober 2012 (abgerufen am 22. Oktober 2012)
  6. YouTube-Kanal von Dner
  7. Playnation.de
  8. Top 100 YouTuber aus Deutschland sortiert nach Abonnenten
  9. Kai Seuthe: Das Let’s Play Buch, 2013, Seiten 12–15
  10. „Let’s Play“-Videos: Zocken für Zehntausende bei spiegel.de, 30. Januar 2012 (abgerufen am 28. Juni 2012).
  11. Michael Hanfeld: "Erst die Gamer, dann das ganze Internet" Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. März 2017
  12. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: Rundfunklizenz für Youtuber?: Wir brauchen ein neues Medienrecht. 24. August 2017, abgerufen am 18. September 2017.