Lluís Companys i Jover

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Porträt von Lluís Companys

Lluís Companys i Jover (* 21. Juni 1882 in El Tarròs; † 15. Oktober 1940 in Barcelona) war ein katalanischer Rechtsanwalt, Politiker, Führer der Esquerra Republicana de Catalunya (ERC, Republikanische Linke Kataloniens) und katalanischer Regierungspräsident. Er wurde durch ein franquistisches Schnellgericht zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Companys stammte aus den katalanischen Pyrenäen. Seine Eltern waren die Landwirte Josep Companys i Fontanet und Maria Lluïsa de Jover.

Companys absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Barcelona und engagierte sich schon früh in der Politik. Ab 1906, nach der von Militärs durchgeführten Verbrennung von katalanischen Zeitschriften und dem neu beschlossenen Gesetz über Rechtsprechung, beteiligte er sich an der Gründung mehrerer für die Autonomie Kataloniens agierender Bewegungen. Im Laufe seines Lebens wurde er fünfzehn Mal verhaftet. Nach der Tragischen Woche (Setmana Tràgica) von Barcelona im Sommer 1909 wurde er in den Protokollen der Polizei als „gefährliches Individuum“ eingestuft.

Zusammen mit Francesc Layret (* 1880) verkörperte Companys den Arbeiterflügel des Partit Republicà Català (Katalanische Republikanische Partei). 1917 wurde Companys ins Stadtparlament von Barcelona gewählt. Im November 1920 wurde er zusammen mit anderen Gewerkschaftsführern verhaftet und ins Gefängnis Castell de la Mola in Maó (Balearische Inseln) deportiert. Als Layret seine Verteidigung übernehmen wollte, wurde er ermordet. In den Parlamentswahlen vom Dezember 1920 wurde Companys an der Stelle des ermordeten Layret zum Abgeordneten für Sabadell gewählt und aufgrund seiner Immunität aus dem Gefängnis entlassen.

Während der Diktatur von Primo de Rivera war er Chefredakteur der Zeitschrift La Terra.

Wegen seiner erneuten Verhaftung konnte er 1931 nicht an der Konferenz der Linken teilnehmen, in der die ERC entstand, wurde jedoch als Vertreter des Partit Republicà Catalàn in das Exekutivkomitee gewählt, wodurch die Esquerra aufgrund der engen Verbindungen Companys mit der Arbeitswelt und der Gewerkschaftsbewegung ihr Profil als linke Partei stärkte.

Zweite Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Kommunalwahlen vom 12. April 1931 wurde er als Mitglied der ERC zum Bürgermeister von Barcelona gewählt. Am 14. April rief er vom Balkon des Rathauses für Katalonien die Spanische Republik aus. 1931 zog er als Abgeordneter für Barcelona ins spanische Parlament ein, wo er sich als Fraktionsvorsitzender der ERC für das Autonomiestatut und für die größtmöglichen Kompetenzen Kataloniens einsetzte. Von Juni bis November 1933 war er Marineminister. Dieses Amt übte er gleichzeitig mit dem des Parlamentspräsidenten von Katalonien aus, zu dem er Ende 1932 gewählt wurde. Gleichzeitig führte er seine journalistische Arbeit fort und war von 1931 bis 1934 Chefredakteur von La Humanitat, dem offiziellen Organ der ERC.

Am 12. Juni 1933 wurde er in Nachfolge von Francesc Macià zum Präsidenten der Generalitat de Catalunya ernannt. 1934 regte er das umstrittene Gesetz für Verträge für Landarbeiter an, das zum Konflikt mit den Großgrundbesitzern und der rechtskonservativen Zentralregierung führte. Als Reaktion auf den Eintritt der rechtsgerichteten CEDA in die spanische Regierung rief er am 6. Oktober 1934 die eigenständige Republik Katalonien innerhalb einer (allerdings nicht existierenden) „Bundesrepublik Spanien“ aus.[1] Hierauf wurde das Autonomiestatut Kataloniens von 1932 aufgehoben und die gesamte katalanische Regierung vom Befehlshaber der 4. Division der spanischen Armee, Generalkapitän Domingo Batet, verhaftet.[2] Batet war selbst Katalane und ließ den Aufstand im Auftrag der Zentralregierung unter Ministerpräsident Niceto Alcalá Zamora binnen etwa zehn Stunden militärisch unterdrücken, obwohl ihn Companys anfänglich für die Zusammenarbeit mit seiner Regierung gewinnen wollte. Batet kämpfte zwei Jahre später im Bürgerkrieg gegen die aufständischen nationalspanischen Kräfte unter Francisco Franco und wurde nach seiner Gefangennahme von diesen erschossen.

Bei der Niederschlagung der katalanischen Republik am 7. Oktober 1934 starben insgesamt 80 Menschen. Die Ereignisse fielen zeitlich mit dem revolutionären Generalstreik im gesamten spanischen Staatsgebiet und dem Aufstand der Bergleute in Asturien zusammen. Die relativ geringe Zahl der Todesopfer ist einerseits dem Vorgehen General Batets, zum anderen auch der Tatsache geschuldet, dass Companys im Vorfeld die Bewaffnung anarchistischer Milizen verweigert hatte, die andere politische Ziele verfolgten als seine Linkspartei. Companys wurde zunächst auf dem Kriegsschiff Uruguay im Hafen von Barcelona inhaftiert und später nach Madrid verlegt, wo er zusammen mit der gesamten katalanischen Regierung zu 30 Jahren verschärfter Haft verurteilt wurde, die er in der Provinz Cádiz verbüßte.

Bürgerkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1936 wurde Companys nach dem Wahlsieg der Volksfront aus der Gefängnishaft entlassen. Von Barcelona aus organisierte er in Katalonien den Widerstand gegen die Erhebung der rechtsgerichteten Militärs vom 17. Juli 1936. Er ernannte Hauptmann Frederic Escofet zum Kommissar für Öffentliche Ordnung in Katalonien und versuchte als Regierungschef der katalanischen Regierung, die Einheit der ihn unterstützenden katalanischen Parteien und Gewerkschaften herzustellen und die Verteidigung gegen die heranrückenden nationalspanischen Kräfte zu leiten. Dies erwies sich jedoch wegen der Spannungen zwischen den in der Partit Socialista Unificat de Catalunya (PSUC) vereinten Kommunisten und Sozialisten einerseits und den Anarchisten der Confederación Nacional del Trabajo (CNT) andererseits, die von der linkssozialistischen POUM unterstützt wurden, als sehr schwierig. Die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Linksgruppierungen in Barcelona, die zeitweise zu einem „Bürgerkrieg im Bürgerkrieg“ eskalierten, schilderte der Augenzeuge George Orwell in seinem bekannten Zeitzeugenbericht Homage to Catalonia (1938).

Die menschliche Seite von Lluís Companys zeigte sich beispielsweise darin, dass er trotz der Anspannung in der von den zahlreichen Morden in den Tagen nach dem missglückten Staatsstreich geprägten Lage 5000 als republikfeindlich geltende Personen mit ausländischen Schiffen aus dem Hafen von Barcelona ausreisen ließ, da er ihre Sicherheit nicht garantieren konnte. Durch seine Fürsprache rettete er auch dem Erzbischof von Tarragona, Francisco de Asís Vidal, das Leben. Vidal war einer der wenigen spanischen Kirchenfürsten, der nicht die aufständischen Nationalspanier unterstützte, aber gleichwohl von anarchistischen FAI-Milizen erschossen werden sollte.

Ab Oktober 1937 hatte Companys eine Reihe von Zusammenstößen mit der in Barcelona residierenden republikanischen Regierung unter Juan Negrín. Nach der Besetzung von Lleida im April 1938 beschwerte er sich beim spanischen Ministerpräsidenten über Willkürmaßnahmen der spanischen Regierung gegenüber Katalonien und die Nichtbeachtung der katalanischen Regierung.

Exil und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für Lluís Companys am Ort seiner Hinrichtung im Castell de Montjuïc

Nach der Besetzung Barcelonas durch nationalspanische Truppen am 5. Februar 1939 floh er über die französische Grenze nach Perpignan und zog später nach Paris, um in der katalanischen Exilregierung mitzuarbeiten. Er blieb trotz der Gefahr, die ihm von der deutschen Besatzung drohte, in Frankreich und verbrachte seine letzte Zeit in Freiheit in La Baule-les-Pins (Loire-Atlantique). Er wollte den Kontakt mit seinem Sohn Lluís Companys i Micó (1911–1956) aufrechterhalten, der an einer psychischen Krankheit litt. Im August 1940 wurde Lluís Companys in der Nähe von Nantes von der Gestapo verhaftet und an das franquistische Spanien ausgeliefert.[2] Nach Gefangenschaft und Folter in Madrid wurde er Anfang Oktober nach Barcelona gebracht und am 14. Oktober 1940 von einem Sondergericht in einem eintägigen Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Am 15. Oktober um 6:30 Uhr wurde er auf dem Montjuïc in Barcelona hingerichtet. Er weigerte sich, eine Augenbinde zu tragen, als er vor das Erschießungskommando geführt wurde. Als letztes rief er aus: „Per Catalunya!“ („Für Katalonien!“).[3]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Olympiastadion von 1992 auf dem Montjuïc trägt heute seinen Namen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josep Benet: Lluis Companys, Presidente de Cataluña, fusilado. Ediciones Península, Barcelona 2005, ISBN 84-8307-707-8 (spanisch).
  • Arnau Gonzàlez i Vilalta: Lluís Companys. Un home de Govern. Editorial Base, Barcelona 2009, ISBN 978-84-92437-26-9 (katalanisch).
  • Josep Sánchez Cervelló: Lluís Companys i Jover. In: Ders. (Hg.): En el combate por la Historia. La República, la guerra civil, el franquismo. Ediciones de Pasado y Presente, Barcelona 2012, ISBN 978-84-939143-9-4. S. 759–772 (spanisch).
  • Enric Vila: Lluís Companys. La veritat no necessita màrtirs. Crònica d'un drama personal i polític. La Esfera de los Libros, Barcelona 2006, ISBN 84-9734-528-2 (katalanisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lluís Companys i Jover – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jorge M. Reverte: Cuando Cataluña fue independiente poco más de diez horas. In: El País, 7. Oktober 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  2. a b El PP blande el Código Penal y recuerda a Puigdemont que puede acabar como Companys. In: La Vanguardia, 9. Oktober 2017, abgerufen am gleichen Tag.
  3. Jimmy Burns: Barca: a people's passion. Bloomsbury, 2000, S. 126.