Marcus Held

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Marcus Held (2014)

Marcus Held (* 15. Oktober 1977 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Politiker (SPD) und Jurist. Er war von 2004 bis 2018 Stadtbürgermeister von Oppenheim und ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Held wuchs in Mühlheim an der Eis auf ging in Obrigheim und in Worms zur Schule. In Worms besuchte er ab 1987 das Gauß-Gymnasium, wo er 1997 sein Abitur machte.

Zwischen 1995 und 2003 war Held freier Mitarbeiter bei der Wormser Zeitung und der Allgemeinen Zeitung und berichtete aus den Verbandsgemeinden Monsheim, Westhofen und Eich sowie der Stadt Osthofen.

Nach dem Abitur leistete Held seinen Zivildienst im Bereich Umweltschutz in der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land ab. Danach begann er ein Jura-Studium an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Während des Studiums war er studentische Hilfskraft beim Bundestagsabgeordneten Klaus Hagemann. Ab 2000 wechselte er an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitete nebenbei in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz.

Das erste juristische Staatsexamen absolvierte Held 2003 in Mainz. Das zweite wie auch die Zulassung als Rechtsanwalt folgten 2006. 2007 war er persönlicher Referent von Landrat Ernst Walter Görisch bei der Kreisverwaltung Alzey-Worms, von 2009 bis 2018 Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Oppenheim.

Held ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits während seiner Schulzeit trat Held 1994 in die SPD ein und war bei der Gründung der Juso-AG Grünstadt-Land beteiligt.

Bei der Wahl zum Stadtbürgermeister von Oppenheim 2004 konnte sich Held gegen zwei Mitbewerber mit 54,4 Prozent der Stimmen durchsetzen und wurde 2009 sowie 2014 wiedergewählt. Von 2009 bis 2014 war er zugleich Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim. Beide Ämter sind Ehrenämter, für die eine Aufwandsentschädigung gewährt werden kann.[1] Von 2009 bis 2018 gehörte er dem Kreistag Mainz-Bingen an.

Eines seiner Wahlversprechen war die Sanierung der Oppenheimer Emondshalle, die 2006 wiedereröffnet wurde.[2] 2005 veranstaltete Held einen „kommunalen Mautgipfel“ in Oppenheim und lud Bürgermeister ein, deren Kommunen nach der Einführung der LKW-Maut unter Zunahme von LKW-Verkehr litten.[3]

2006 belebte Held die 1935 begründete Tradition der Oppenheimer „Weinpatenschaft“ mit Berlin wieder und schlug den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zum „Weinritter“. Es folgten Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Kardinal Karl Lehmann und 2016 Gregor Gysi.[4]

Held setzte sich erfolgreich für den Bau eines Kunstrasenplatzes[5] und die Einrichtung eines neuen Jugendhauses in Oppenheim ein[6] und war 2010 bis 2018 Gründungsvorsitzender der Oppenheimer Tafel. Held belebte 2008 mit weiteren Bürgermeistern die Veranstaltung „Rheinradeln“ zwischen Oppenheim und Worms auf der alten Bundesstraße 9 wieder.[7][8] Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaften initiierte er regionale Jugendfußballturniere.[9][10][11]

In seiner dritten Amtszeit setzte er sich ab 2014 angesichts der hohen Verschuldung der Gemeinde für die Ausweisung des Wohn- und Gewerbegebietes „Im Krämereck“ ein.[12]

Am 28. Februar 2018 trat Held als Stadtbürgermeister zurück, nachdem dies seit Jahresanfang von Politikern, in der Presse und auf wöchentlichen Demonstrationen in Oppenheim gefordert worden war (siehe auch Abschnitt „Vorwürfe wegen Untreue“).[13] Die Mainzer Allgemeine Zeitung brachte den Rücktritt mit einem Grundstücksgeschäft in Zusammenhang,[14] das Held als Privatmann getätigt hatte.[15] Unter dem Titel „Der verschwundene Bürgermeister“ wurde im September 2019 ein Theaterstück mit deutlichen Anspielungen auf Held in Form eines Krimidinners im Alten Amtsgericht Oppenheim aufgeführt.[16][17]

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte er als Direktkandidat für den Bundestagswahlkreis Worms[18] und zog über die Landesliste in den Bundestag ein.[19] Er gehörte dort dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie als ordentliches Mitglied sowie dem Ausschuss für Umwelt und Bauen als Stellvertreter an. Für die Bundestagswahl 2017 wurde Held zwar wieder auf der Landesliste der SPD aufgestellt, erhielt jedoch mit knapp 77 Prozent die mit Abstand geringste Zustimmung der Delegierten.[20] Im 19. Deutschen Bundestag ist er stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft.[21]

Als Abgeordneter setzte er sich für die Verkehrsentwicklung[22][23] und Kulturförderung[24][25] in seinem Wahlkreis, den Versicherungsschutz für Hebammen[26] sowie für die Liberalisierung von E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung ein.[27]

Von Anfang 2018 bis Mitte 2019 unterbrach Held seine Tätigkeit als Abgeordneter unter Hinweis auf bescheinigte Arbeitsunfähigkeit.[28] Anfang 2018 trat er als Vorsitzender der SPD Rhein-Selz zurück.

Strafverfahren wegen Untreue und anderer Delikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem 2017 anonyme Vorwürfe gegen Held erhoben wurden, er habe als Bürgermeister der Stadt Oppenheim beim Kauf und Verkauf von Grundstücken des Wohn- und Gewerbegebietes „Im Krämereck-Süd“ ohne Grund Immobilienmakler beauftragt, leitete die Staatsanwaltschaft Mainz nach Prüfung durch den Rechnungshof Rheinland-Pfalz[29] Ermittlungen ein, in deren Zuge der Deutsche Bundestag Helds Immunität als Abgeordneter aufhob.[30] Im Juli 2019 erhob die Staatsanwaltschaft gegen Held Anklage wegen Untreue, Betrugs, Vorteilsannahme und Bestechlichkeit sowie Verstoßes gegen das Parteiengesetz[31] im Zusammenhang mit der Veräußerung von Grundstücken im Baugebiet „Krämereck-Süd“ der Stadt Oppenheim sowie in diesem Zusammenhang getätigter und angenommener Spenden.[32] Das Landgericht Mainz ließ die Anklage im Juli 2020 zum weit überwiegenden Teil zu und eröffnete das Hauptverfahren.[32] Der Beginn der Hauptverhandlung ist auf den 1. Dezember 2020 mit elf Fortsetzungsterminen bis zum 25. Februar 2021 terminiert.[33]

Führende SPD-Politiker in der Region und in der SPD-Fraktion des Landtags distanzierten sich von Held[34][35], darunter der rheinland-pfälzische SPD-Landesvorsitzende Roger Lewentz im März 2018 mit den Worten: „Marcus Held hat bei uns keine politische Zukunft mehr“.[36]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marcus Held – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. §§ 12,13 der Landesverordnung über die Aufwandsentschädigung für kommunale Ehrenämter
  2. Einweihung Emondshalle. In: Marcus Held. 11. Juni 2009, abgerufen am 9. März 2020 (deutsch).
  3. Über 10.000 Mautpreller erwischt: Kommunen fordern Mautpflicht für Ausweichrouten. In: RP Online. 22. April 2005, abgerufen am 9. März 2020.
  4. Ulrich Gerecke: Zum Start des Weinfestes: Gregor Gysi zum Oppenheimer Weinritter geschlagen. In: Allgemeine Zeitung. 12. August 2016, abgerufen am 14. März 2020.
  5. Neuer Sportplatz: Es geht los! In: Oppenheimer Stadtnachrichten. SPD Oppenheim, August 2007, abgerufen am 9. März 2020.
  6. Pressemitteilung: Zwischen Kinderkunstaktionen und der Rockband „Point“. In: Jugendhaus Oppenheim. 20. März 2013, abgerufen am 9. März 2020.
  7. Peter Ammann: Rheinradeln ab 2008. In: SPD Oppenheim (Hrsg.): Oppenheimer Stadtnachrichten. August 2007, S. 20 (yumpu.com).
  8. Jens Grethe: 18.05.2008: Rheinradeln. In: SPD Oppenheim (Hrsg.): Oppenheimer Stadtnachrichten. Dezember 2007, S. 9 (yumpu.com).
  9. Im Rathaus glühen schon die Drähte. Stadt Oppenheim plant Mini-EM 2008. Allgemeine Zeitung wieder Medienpartner. In: Allgemeine Zeitung. 7. Juli 2006.
  10. Christine Bausch: Nationaltrikots und Zuckerwatte locken. 48 D-Jugend-Mannschaften aus Rheinhessen spielen am Wochenende um Titel bei Mini-EM. In: Allgemeine Zeitung. 27. Mai 2008.
  11. Der Ball rollt in Rheinhessen – Dritte Auflage der Mini-WM läuft. In: Marcus Held. 31. Mai 2014, abgerufen am 14. März 2020.
  12. Ulrich Gerecke: Haushalt der Stadt Oppenheim: Neuverschuldung soll 2018 geringer ausfallen - Allgemeine Zeitung. In: Allgemeine Zeitung. 1. Dezember 2017, abgerufen am 9. März 2020.
  13. Chronologie im Fall Marcus Held. In: SWR Aktuell. 12. Juli 2019, abgerufen am 1. März 2020.
  14. Markus Lachmann: Held und die fragwürdigen Spenden. In: Allgemeine Zeitung. 16. März 2018, abgerufen am 25. Juni 2020.
  15. Ulrich Gerecke, Kirsten Strasser: Dem Druck nachgegeben: Marcus Held von allen Ämtern in der Stadt Oppenheim zurückgetreten. In: Allgemeine Zeitung. 28. Februar 2018, abgerufen am 1. März 2020.
  16. Der verschwundene Bürgermeister von Oppenheim. In: SWR Aktuell. Abgerufen am 28. Oktober 2019.
  17. Ulrich Gerecke: Ähnlichkeiten gar nicht zufällig. In: Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 22. Mai 2019.
  18. Marcus Held will in den Bundestag - Oppenheimer SPD-Bürgermeister möchte Nachfolge von Klaus Hagemann antreten (Memento vom 29. August 2012 im Internet Archive) von Beate Nietzel auf allgemeine-zeitung.de vom 25. August 2012.
  19. Bundestagswahl 2013: Gewählte Bewerberinnen und Bewerber. (Memento vom 25. September 2013 im Internet Archive) auf wahlen.rlp.de; online im Internet: 23. September 2013.
  20. Landesliste der SPD Rheinland-Pfalz für die Bundestagswahl 2017 - Ergebnisse
  21. Deutscher Bundestag - Marcus Held. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de [abgerufen am 17. September 2018]).
  22. Ulrich Gerecke: „Großer Tag für Region“. In: Allgemeine Zeitung. 17. März 2016, abgerufen am 9. März 2020.
  23. Roland Keth: Weiter kein IC-Stop in Worms. In: Wormser Zeitung. 23. Juni 2017, abgerufen am 9. März 2020.
  24. 4,6 Millionen Euro für das Herrnsheimer Schloss. In: CDU-Kreisverband Worms-Stadt. 11. November 2016, abgerufen am 14. März 2020.
  25. Stefanie Widmann: Viele Zinnpfeifen sind noch original. In: Allgemeine Zeitung. 9. September 2016, abgerufen am 14. März 2020.
  26. Zukunft freiberuflicher Hebammen bleibt für Marcus Held eine Herzensangelegenheit. In: Marcus Held. 20. März 2016, abgerufen am 9. März 2020 (deutsch).
  27. SPD-Vertreter will E-Zigarette in neuem Bundestag unterstützen. In: eGarage. 1. Juli 2017, abgerufen am 9. März 2020 (deutsch).
  28. Persönliche Erklärung vom 30. Januar 2018
  29. Rechnungshof Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Prüfung der Haushalts- und Wirtschaftsführung der Verbandsgemeinde Rhein-Selz und Stadt Oppenheim. 12. Dezember 2017 (vg-rhein-selz.de [PDF]).
  30. Immunität zweier Abgeordneter aufgehoben. bundestag.de, 22. November 2017.
  31. Abschluss der Ermittlungen gegen den früheren Bürgermeister der Stadt Oppenheim und weitere Personen wegen Untreue usw. sowie gegen anonyme Verfasser des so genannten Memorandums. In: Staatsanwaltschaft Mainz. 12. Juli 2019, abgerufen am 27. Februar 2020.
  32. a b Eröffnung der Anklage im Verfahren gegen den früheren Bürgermeister der Stadt Oppenheim u.a.. Pressemitteilung des Landgerichts Mainz vom 13. Juli 2020, abgerufen am 14. Juli 2020.
  33. Terminsankündigung im Strafverfahren gegen den früheren Bürgermeister der Stadt Oppenheim u.a.. Pressemitteilung des Landgerichts Mainz vom 14. Oktober 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  34. Kirsten Strasser, Ulrich Gerecke: Für Oppenheims Stadtbürgermeister Held wird es ungemütlich: Jusos schreiben Brandbrief. In: Allgemeine Zeitung. 23. Januar 2018, abgerufen am 29. März 2020.
  35. Ulrich Gerecke, Markus Lachmann: Oppenheim: SPD Mainz-Bingen fordert Held zum Rücktritt auf. In: Allgemeine Zeitung. 27. Februar 2018, abgerufen am 29. März 2020.
  36. Ulrich Gerecke, Markus Lachmann: Oppenheim: Rechtswidrige Spenden, Vorteilsnahme, Bestechlichkeit - neue Verfahren gegen Marcus Held. In: Allgemeine Zeitung. 15. März 2018, abgerufen am 29. März 2020.