Margarita Simonowna Simonjan

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Margarita Simonowna Simonjan, 2017

Margarita Simonowna Simonjan (russisch Маргари́та Симо́новна Симонья́н, armenisch Մարգարիտա Սիմոնի Սիմոնյան Margarita Simoni Simonjan; * 6. April 1980 in Krasnodar) ist eine russische Fernsehjournalistin und Chefredakteurin der Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja (russisch Россия сегодня Russland heute)[1].

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Simonjan wurde am 6. April 1980 als Kind armenischer Eltern in Krasnodar geboren.[2] Sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen, ihr Vater reparierte Kühlschränke, die Mutter war Hausfrau.[3] Ihre Eltern waren beide Nachkommen armenischer Flüchtlinge aus dem Osmanischen Reich. Die Familie ihres Vaters stammt aus Trabzon und wanderte während des Völkermords an den Armeniern 1915 auf die Krim aus. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie mit anderen Hemschin-Armeniern in die Ural-Region deportiert. Ihre Mutter stammt aus Sotschi und war Nachkomme einer armenischen Familie, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert vor den Massakern an Armeniern geflüchtet waren.[4]

Während der Schulzeit, in der sie nachmittags auf dem Markt beim Verkauf von Kleinartikeln half,[3] legte sie den Schwerpunkt auf Fremdsprachen. Sie gewann während der 10. Klasse ein Stipendium des State Department für das Schüleraustauschprogramm Future Leaders Exchange[5] und lebte ein Jahr lang in Bristol, New Hampshire, USA. Sie berichtete später, das schulische Niveau in Krasnodar sei so hoch gewesen, dass man sie an der High School sofort um zwei Noten besser bewertet habe. Die Lehrer hätten sie für viel älter gehalten, da man in Russland ihrer Meinung nach früher erwachsen wurde. Den Wunsch ihrer Eltern, in den USA zu bleiben und Pflegeeltern zu finden, um dem Elend Russlands zu entgehen, habe sie empört zurückgewiesen. Die Erfahrungen in den USA hätten ihre vom Fernsehen vermittelten Illusionen über den American way of life zerstört. „Wahrscheinlich zum ersten Mal begann ich darüber nachzudenken, wie Information, Medien und Filme die Meinungen der Menschen beeinflussen. (…) Im Grunde fing ich an zu erkennen, dass wir belogen worden waren.“ Ihre positive Einstellung gegenüber den USA habe sie erst 1999 nach der Bombardierung Belgrads aufgegeben. Sie schätze aber immer noch viele Dinge, etwa die Kultur und das Essen. Sie erinnerte sich an die Begeisterung für alles Amerikanische in den 1990er-Jahren, als man Amerika als Erlöser betrachtete. Sie habe die Unabhängigkeitserklärung auswendig gelernt.[3]

Simonjan entschied sich früh für eine journalistische Laufbahn, arbeitete erst für eine russische Lokalzeitung und dann für einen örtlichen Fernsehsender, während sie an der Staatlichen Kuban-Universität Krasnodar Journalistik studierte.[6] Zusätzlich studierte sie an der von Wladimir Posner gegründeten „Fernseh-Elite-Schule“ (Школа телевизионного мастерства).

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Simonjan mit Präsident Medwedew (2010)

Während des Zweiten Tschetschenienkrieges arbeitete Simonjan als Fernsehkorrespondentin eines kleineren Senders. Simonjan berichtete über den Krieg und die Flutkatastrophe im Süden Russlands und bekam dafür die Auszeichnung des Journalistenverbands für Tapferkeit im Beruf («За профессиональное мужество»). 2002 wurde sie auch Regionalkorrespondentin für den Fernsehkanal Rossiya und berichtete dabei 2004 über die Geiselnahme von Beslan.[7] Simonjan war eine der ersten am Ort des Geschehens und wurde Augenzeugin der Ermordung von 334 Menschen, 186 davon Kinder.

Sie zog später nach Moskau um und wurde Teil der Kremlreporter.[6][8] Sie wurde erste Vizepräsidentin der russischen Vereinigung von Radio- und Fernsehreportern und 2005 Mitglied der russischen Behörde Gesellschaftliche Kammer Russlands.

2005 wurde Simonjan außerdem Chefredakteurin des Fernsehsenders RT.

2010 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, Heading to Moscow![9]

Von Vertretern der Medien Echo Moskwy, RIA Novosti und Ogonjok wurde Simonjan 2012 auf die Liste der 100 einflussreichsten Frauen Russlands gewählt.[10]

Im Dezember 2013 wurde sie von Dmitri Konstantinowitsch Kisseljow, dem Vorsitzenden der neuen Staatsagentur Rossija Sewodnja, zu deren Chefredakteurin ernannt, parallel zu ihrer Stelle als Chefredakteurin von RT.[11]

Politische Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Präsident Putin bei RT (2015)

Auf Vorwürfe einer gefärbten Berichterstattung antwortete sie: „Wir machen kein Geheimnis aus der Tatsache, dass wir ein russischer Sender sind – selbstverständlich sehen wir die Welt vom russischen Standpunkt aus. Wir sind in dieser Hinsicht sehr viel ehrlicher“.[12]

In einem Spiegel-Interview von 2013 äußerte Simonjan, RT habe während des Kaukasuskrieges von 2008 als einziger englischsprachiger Sender auch über die russische und südossetische Perspektive berichtet. Sie sagte, der Westen sei niemals über seine Stereotype des Kalten Kriegs hinausgekommen, die Journalisten wären daran interessiert, Russland als moralisch verwerflichen Aggressor darzustellen.[13]

Auf den Vorwurf der Einseitigkeit und des Whataboutism erwiderte sie, die Darstellung Russlands in den westlichen Medien sei viel einseitiger als umgekehrt die Darstellung der USA in den russischen. „Wir sind gegenüber der westlichen Politik viel weniger kritisch als die westlichen Medien gegenüber Russland. Wann haben Sie zum letzten Mal etwas Gutes über Russland gelesen? (…) Deshalb bringt mich dieses Klischee zum Lachen, RT sei ein antiwestlicher Kanal.“[3]

Im Zuge der Berichterstattung über die Krimkrise 2014 schrieb Simonjan, dass ein „tatsächlicher Krieg“ stattfände: „… ein Medienkrieg“. Zudem wies sie unter besonderer Erwähnung der amerikanischen Moderatorin Abby Martin darauf hin, dass in den USA die RT-Journalisten massiven Schikanen und Verleumdungen ausgesetzt seien.[14] Sie nannte RT eine Waffe und erklärte, es gehe langfristig darum, dass sich die Konsumenten an RT gewöhnten, um dann im Ernstfall zu zeigen, „was nötig ist“.[15]

Bei einer Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Ende Mai 2017 beschuldigte Frankreichs neu gewählter Präsident Emmanuel Macron russische Nachrichtenportale "Sputnik" und "Russia Today", im Vorfeld der französischen Präsidentschaftswahlen "falsche Propaganda" über seinen Wahlkampf verbreitet zu haben.[16] Die Reaktion von Simonjan als Chefredakteurin von RT ließ nicht lange auf sich warten. In einer Talkshow im russischen Fernsehsender NTV kündigte sie an, eine Klage gegen das Wahlkampfteam von Macron wegen dieser "Verleumdung" einreichen zu wollen.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Simonjan ist mit dem Fernsehproduzenten Andrei Blagodyrenko verheiratet und Mutter einer Tochter[18] sowie eines Sohnes.[19]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Margarita Simonjan wird Chefredakteurin der neuen Nachrichtenagentur Rossija Segodnja, RIA Novosti, 31. Dezember 2013
  2. „МАРГАРИТА СИМОНЬЯН“. Echo Moskwy. 4. März 2013
  3. a b c d Max Seddon: Lunch with the FT: Kremlin media star Margarita Simonyan. In: Financial Times. 29. Juli 2016, abgerufen am 8. April 2017 (britisches Englisch): „In any case the experience had shattered TV-fostered illusions about the American way of life and its superiority to Russia’s economic turbulence. „That was probably the first time that I started thinking about how information, media and movies affect people’s opinions about things. For some reason, we in Russia think an entire country is different from what it’s really like. I basically started to feel that we’d been lied to.““
  4. Armenians of the World-Margarita Simonyan. Shant TV, 6. Februar 2012, abgerufen am 23. März 2014 (armenisch).
  5. „20 years of FLEX“ (PDF). Future Leaders Exchange. 2012.
  6. a b Julia Ioffe: „What is Russia Today?“, Columbia Journalism Review, September / Oktober 2010
  7. Artjom Sagorodnow: Today's woman who needs to be heard. In: The Moscow Times. 25. September 2008, abgerufen am 2. November 2017 (englisch).
  8. Kara Rowland: Russia Today: Youth served. The Washington Times, 27. Oktober 2008.
  9. Margarita Simonyan book event photographs, Ria Novosti media library.
  10. 100 влиятельных россиянок, Kommersant, 23. Januar 2012
  11. Главным редактором «России сегодня» стала Маргарита Симоньян, Новости Mail.Ru, 31. Dezember 2013
  12. „Russia Today: Youth served“, The Washington Times, Kara Rowland, 27. Oktober 2008
  13. Benjamin Bidder: Wenn Russland Krieg führt, ziehen wir mit in die Schlacht (Spiegel online, 14. August 2013, abgerufen 26. Januar 2016)
  14. About Abby Martin, Liz Wahl and media wars, rt.com, Margarita Simonyan, 6. März 2014
  15. Der Kreml auf allen Kanalen: Wie der russische Staat das Fernsehen lenkt. Reporter ohne Grenzen, Oktober 2013, S. 32 ff.
  16. n-tv Nachrichtenfernsehen: Macron greift russische Medien scharf an. In: n-tv.de. (n-tv.de [abgerufen am 2. November 2017]).
  17. Как врет телеканал Russia Today. Ответ Маргарите Симоньян. (kompromat1.info [abgerufen am 2. November 2017]).
  18. Маргарита Симоньян родила дочь Марьяну, Сусанна Альперина, Rossijskaja gaseta, 12. August 2013
  19. Тигран Кеосаян и Маргарита Симоньян назвали сына Багратом, Komsomolskaja Prawda, 27. September 2014