Alexander-Newski-Orden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Alexander-Newski-Orden ist eine Auszeichnung, die zunächst im kaiserlichen Russland und später erneut in der Sowjetunion verliehen wurde. 2010 wurde sie in der Russischen Föderation erneut gestiftet.

Der Kaiserliche Orden[Bearbeiten]

Ordensstern
Kaiserlicher Newski-Orden (19. Jh.)

Der erste Kaiserliche Orden des Heiligen und Rechtgläubigen Großfürsten Alexander Newski (russisch Iмператорский Орденъ Святого Благовѣрного Великого Князя Александра Невского/ Imperatorskij Orden Swjatowo Blagowernowo Welikowo Knjasja Alexandra Newskowo) war ein kaiserlich-russischer Zivil- und Militärverdienstorden, im Rang der Zweite nach dem Andreasorden, und hatte nur eine Klasse. Er wurde nur an Personen verliehen, die mindestens im Rang eines Generalmajors standen. Fürsten Kaiserlichen Blutes bekamen den Orden automatisch beim Erreichen der Volljährigkeit, Russische Großfürsten und Zarensöhne gleich nach der Taufe. Gestiftet wurde er am 21. Mai 1725 von Katharina I., nach dem Tod ihres Gemahls Zar Peters des Großen.

Das Ordenszeichen ist ein goldenes, rot emailliertes, achtspitziges Kreuz, in der Mitte mit dem Bild des hl. Alexander Newski im goldenen Harnisch zu Pferd und auf der Rückseite mit der gekrönten Chiffre des Heiligen. In den vier Winkeln sind vier goldene gekrönte zweiköpfige Adler. Der Orden konnte bei herausragenden Verdiensten mit Brillanten und bei militärischen Verdiensten mit goldenen Schwertern verliehen werden. Bei der Dekoration mit Brillanten sind auf dem Kreuz die Adler, die Umrahmung des Mittenmedaillons und die Schwerter (falls vorhanden) mit diesen Edelsteinen verziert, beim Ordensstern ist der ganze Stern mit Brillanten belegt. Bei der Dekoration mit Schwertern sind diese beim Kreuz den Adlern unterlegt und beim Stern in gekreuzter Form unter das Mittenmedaillon gelegt. Nichtchristen bekamen den Orden mit dem Zarenadler statt der Heiligenfigur im Mittenmedaillon des Kreuzes und des Sterns.

Getragen wurde der Orden an einem ponceauroten, 10 cm breiten, über der linken Schulter nach der rechten Hüfte zu hängenden Band nebst einem achtspitzigen silbernen Ordensstern mit der gekrönten Chiffre des hl. Alexander: S. A. (Sanctus Alexander, dies in lateinischen Buchstaben) umgeben von der Ordensdevise "Für Arbeit und das Vaterland" (russisch "За Труды и Отечество", „Za trudy i otjetschestwo“) in goldener Inschrift auf rotem Reifen. Die Inhaber des Andreasordens trugen den Newskiorden als Halsdekoration. Das Ordensfest war der 30. August (11. September).

Während der kurzlebigen bürgerlichen Republik unter Alexander Kerenski wurde der Orden weiterverliehen, jedoch mit ungekrönten Doppeladlern in den Winkeln des Kreuzes. Ab Oktober 1917 wurde er nicht mehr verliehen. Die Romanow-Dynastie im Exil behielt den Orden als Hausorden.

Der heutige, 1994 von Boris Jelzin gestiftete vierklassige Verdienstorden der Republik Russland (орден За заслуги перед Отечеством, Orden Sa saslugi pered Otetschestwom) enthält viele Elemente (Aussehen, Ordensband) des kaiserlichen Alexander-Newski-Ordens, besonders der Ausgabe für Nichtchristen.

Der sowjetische Orden[Bearbeiten]

Sowjetischer Newskiorden

Der zweite Alexander-Newski-Orden (Орден Александра Невского, Orden Aleksandra Newskowo) war ein Militärverdienstorden und wurde am 29. Juli 1942 von der Regierung unter Josef Stalin gestiftet. Der Orden durfte an sowjetische und ausländische Offiziere verliehen werden, die sich im Krieg durch persönlichen Mut auszeichneten oder bei Kriegsoperationen ihrer Truppen Erfolge bei minimalem Verlust von Menschenleben erzielen konnten. In der Reihenfolge sowjetischer Auszeichnungen stand er zwischen dem Bogdan-Chmelnizki-Orden III. Klasse und dem Orden des Großen Vaterländischen Krieges I. Klasse.

Wie alle höheren sowjetischen Orden hatte der Newski-Orden nur eine Klasse. Das Ordenszeichen war ein fünfarmiger rot emaillierter Stern mit silbernen Strahlen zwischen den Armen, unter dem Stern sind zwei gekreuzte Streitäxte platziert. Das Mittenmedaillon zeigt ein Brustbild des Alexander Newski in Silber und unter ihm eine silberne Plakette mit dem Staatsemblem Hammer und Sichel. Unter dem Mittenmedaillon sind ein Bogen und ein Köcher mit Pfeilen platziert, die mit einem Schwert gekreuzt sind. Der Orden wird auf der rechten Brust getragen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Orden rund 40.000 Mal verliehen.[1]

Auf Beschluss des Obersten Sowjets der Russischen Föderation Nr. 2557-I vom 20. März 1992 blieb der Orden als staatliches Ehrenzeichen der Russischen Föderation erhalten, jedoch wurde er im post-sowjetischen Russland zunächst nicht verliehen.

Der Orden der Russischen Föderation[Bearbeiten]

Auf Anordnung des Präsidenten der Russischen Föderation Dmitri Medwedew vom 7. September 2010[2] wurde der Alexander-Newski-Orden neu gestiftet, nun wieder als Zivil- und Militärverdienstorden. Seine Gestaltung entspricht weitgehend der des kaiserlichen Ordens. Die erste Verleihung erfolgte am 15. Dezember 2010.

Träger des Alexander-Newski-Ordens der Russischen Föderation[Bearbeiten]

Verleihung des Alexander-Newski-Ordens an Alexei Sokolow durch Dmitri Medwedew (2011)

(vollständige Liste bis März 2014)

  1. Boris Gryslow (Vorsitzender der Staatsduma; Ordensverleihung am 15. Dezember 2010)
  2. Kyrill I. (Patriarch von Moskau und der ganzen Rus, Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche; 7. Januar 2011)
  3. Alexei Sokolow (Oberst, * 1911, Ehrenvorsitzender des Veteranenrates des 104. Garde-Fallschirmjägerregiments, Teilnehmer des Winterkrieges und des Deutsch-Sowjetischen Krieges; 8. Februar 2011)
  4. Juri Ossipow (Mathematiker, Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften; 22. April 2011)
  5. Sergei Sokolow (Marschall der Sowjetunion, * 1911; 23. Juni 2011)
  6. Walentin Rasputin (Schriftsteller; 1. September 2011)
  7. Wassili Petrow (Marschall der Sowjetunion; 24. Februar 2012)
  8. Wladimir Dmitrijew (Vorstandsvorsitzender der Wneschekonombank; 4. April 2012)
  9. Wladimir Tschurow (Vorsitzender der Zentralen Wahlkommission der Russischen Föderation; Orden am 3. Mai 2012 überreicht; der entsprechende Erlass wurde nicht veröffentlicht)
  10. Stanislaw Wawilow (stellvertretender Vorsitzender der Zentralen Wahlkommission der Russischen Föderation; Orden am 3. Mai 2012 überreicht; der entsprechende Erlass wurde nicht veröffentlicht)
  11. Nikolai Kutjin (Leiter des Föderalen Dienstes für ökologische, technologische und Atomüberwachung; 30. Mai 2012)
  12. Franz Klinzewitsch (Stellvertretender Vorsitzender des Duma-Komitees für Verteidigung; 31. Juli 2012)
  13. Wladimir Michalkin (Marschall der Artillerie, Generalinspekteur des Verteidigungsministeriums; Ordensverleihung am 27. November 2012 bekanntgegeben)
  14. Walentin Masikin (stellvertretender Gouverneur der Oblast Kemerowo; 29. Dezember 2012)
  15. Wladimir von Sankt Petersburg und Ladoga (Ständiges Mitglied der Heiligen Synode der Russisch-Orthodoxen Kirche; 30. Dezember 2012)
  16. Alexander Chloponin (stellvertretender Ministerpräsident der Russischen Föderation – Bevollmächtigter Vertreter des Präsidenten im Föderationskreis Nordkaukasus; 2012; genaues Datum der Ordensverleihung unbekannt)
  17. Anatoli Korotejew (Generaldirektor des Keldysch-Forschungszentrums; 2. Februar 2013)
  18. Iwan Mironow (Stellvertretender Vorsitzender der Regierung der Oblast Samara; 11. Februar 2013)
  19. Leonid Moskwin (Lehrstuhlinhaber an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg; 4. März 2013)
  20. Oganes Wartanow (Mitglied des Veteranenrates der Hauptverwaltung für Kfz-Wesen und Panzer des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation; 19. März 2013)
  21. Pjotr Builow (Trainer für Leichtathletik an der spezialisierten Sportschule der olympischen Reserve für Kinder und Jugendliche Nr. 7, Ufa, Baschkortostan; 25. März 2013)
  22. Igor Twerjakow (Direktor der spezialisierten Sportschule der olympischen Reserve für Kinder und Jugendliche Nr. 18, Ufa, Baschkortostan; 25. März 2013)
  23. Tatjana Pokrowskaja (Cheftrainerin der russischen Synchronschwimm-Nationalmannschaft; 12. April 2013)
  24. Sergei Lebedew (Vorsitzender des Exekutivkomitees–Exekutivsekretär der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten; 22. April 2013)
  25. Walentina Tereschkowa (Stellvertretende Vorsitzende des Komitees der Staatsduma für internationale Angelegenheiten; 12. Juni 2013)
  26. Wladimir Etusch (Künstlerischer Leiter der Schtschukin-Theaterschule beim Wachtangow-Theater, Moskau; 29. Juni 2013)
  27. Dmitri Michailik (Generalleutnant a. D., Hauptspezialist des Nationalen Leitungszentrums in Krisensituationen; Orden am 3. Juli 2013 überreicht; der entsprechende Erlass wurde nicht veröffentlicht)
  28. Wladimir von Kiew und der ganzen Ukraine (Vorsteher der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche; 11. Juli 2013)
  29. Filaret von Minsk und Sluzk (Patriarchenexarch von ganz Weißrussland; 11. Juli 2013)
  30. Igor Schuwalow (Erster stellvertretender Regierungschef der Russischen Föderation; 25. Juli 2013)
  31. Gerassim Nasarenko (Direktor des medizinischen Zentrums der Zentralbank der Russischen Föderation; 2. September 2013)
  32. Junus-bek Jewkurow, Republik Inguschetien (2. September 2013)
  33. Georgi Poltawtschenko (Gouverneur von Sankt Petersburg; 10. September 2013)
  34. Alexander Bastrykin (Vorsitzender des Ermittlungskomitees der Russischen Föderation; 13. September 2013)
  35. Alexander Schilow (Vollmitglied der Russischen Akademie der Künste, künstlerischer Leiter der staatlichen Moskauer Bildergalerie des Volkskünstlers der UdSSR A. Schilow; 13. September 2013)
  36. Wladimir Tschernawin (Leitender Analytiker der Verwaltung der Generalinspekteure des Verteidigungsministeriums; Orden am 10. Dezember 2013 überreicht; der Erlass wurde nicht veröffentlicht)
  37. Wladimir Fortow (Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften; 21. Dezember 2013)
  38. Daniil Granin (Schriftsteller, Vorstandsvorsitzender der Internationalen D. S. Lichatschow-Wohltätigkeitsstiftung, Sankt Petersburg; 21. Dezember 2013)
  39. Wassili Lanowoi (Künstler am Wachtangow-Theater, Moskau; 21. Dezember 2013)
  40. Wiktor Kolodjaschny (Leiter der Verwaltung des Föderalen Dienstes für staatliche Regiestrierung, Kataster und Kartographie für die Region Krasnordar; 14. Januar 2014)
  41. Michail Kijko (stellvertretender Leiter des Föderalen Dienstes für Drogenkontrolle; Datum der Verleihung unbekannt)
  42. Wladimir Schewtschenko (Ordentlicher Staatsrat der Russischen Föderation 1. Klasse, Moskau; 13. Februar 2014)
  43. Nikolai Sortschenko (Kapitän des Segelschulschiffes „Sedov“; 13. Februar 2014)
  44. Wladimir Koschin (Leiter der Immobilienverwaltung des Präsidenten der Russischen Föderation; 5. März 2014)
  45. Wiktor Sadownitschi (Rektor der Moskauer Lomonossow-Universität; 5. März 2014)
  46. Alexander Schukow (Erster stellvertretender Vorsitzender der Staatsduma, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Russlands; Orden am 24. März 2014 überreicht; der Erlass wurde nicht veröffentlicht)

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Ohm Hieronymussen: Orders, Medals and Decorations of Britain and Europe in Colour. Blandford Press u. a., London u. a. 1975, ISBN 0-7137-0445-4.
  • Иван Георгиевич Спасский: Иностранные и русские ордена до 1917 года. Дорваль и другие, Санкт-Петербург 1993, ISBN 5-8308-0042-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexander-Newski-Orden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Sergej Matwejewitsch Schtemenko: Im Generalstab. Deutscher Militärverlag, Berlin 1969, S. 386
  2. Указ № 1099 «О мерах по совершенствованию государственной наградной системы Российской Федерации» (Anordnung Nr. 1099 Über Maßnahmen zur Vervollkommnung des staatlichen Auszeichnungssystems der Russischen Föderation)