Krasnodar

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Stadt
Krasnodar
Краснодар
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Südrussland
Region Krasnodar
Stadtkreis Krasnodar
Bürgermeister Wladimir Jewlanow
Gegründet 1793
Frühere Namen Jekaterinodar
Stadt seit 1867
Fläche 840 km²
Bevölkerung 744.995 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 887 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 25 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 861
Postleitzahl 350xxx
Kfz-Kennzeichen 23, 93, 123
OKATO 03 401
Website krd.ru
Geographische Lage
Koordinaten 45° 2′ N, 38° 59′ O45.03333333333338.98333333333325Koordinaten: 45° 2′ 0″ N, 38° 59′ 0″ O
Krasnodar (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Krasnodar (Region Krasnodar)
Red pog.svg
Lage in der Region Krasnodar
Liste der Städte in Russland

Krasnodar (russisch Краснода́р) ist eine russische Großstadt mit knapp 830.000 Einwohnern[2]. Es ist Hauptstadt der Region Krasnodar und eines der wichtigsten Zentren Südrusslands. Krasnodar ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort, beheimatet einige der erfolgreichsten Sportvereine Russlands und ist Sitz mehrerer Universitäten, Theater und Museen. In der Agglomeration Krasnodar leben rund 1,35 Millionen Menschen[3]. Bis 1920 trug die Stadt den Namen Jekaterinodar.

Krasnodar ist ein Verkehrsknotenpunkt an der Fernstraße M4 mit zwei Fernbahnhöfen und einem internationalen Flughafen.

Geografie[Bearbeiten]

Krasnodar liegt knapp 1200 km südlich von Moskau genau auf dem 45. Breitengrad (wie die Halbinsel Krim), zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer. Die südliche Stadtgrenze wird vom Fluss Kuban markiert. Unmittelbar südlich von Krasnodar verläuft die Grenze zur Republik Adygeja, einer autonomen russischen Teilrepublik. Einige Vororte Krasnodars, so etwa Jablonowski oder Tljustenchabl, liegen bereits in Adygeja. Ebenfalls im Süden der Stadt befinden sich vier große Stauseen. Die Luftlinienentfernung zum Schwarzen Meer beträgt rund 85 Kilometer.

Klima[Bearbeiten]

In Krasnodar herrscht subtropisches Klima. Die jährliche Tagesdurchschnittstemperatur beträgt 12,1 °C und liegt damit in etwa auf dem Niveau von Venedig.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Krasnodar
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 3,4 5,2 10,4 18,5 23,6 26,7 29,6 29,3 24,6 17,5 11,3 5,8 Ø 17,2
Min. Temperatur (°C) −4,1 −2,5 0,7 7,1 11,8 15,1 17,6 16,6 12,0 6,3 3,2 −0,7 Ø 7
Niederschlag (mm) 61 41 45 59 64 78 53 53 41 47 67 81 Σ 690
Regentage (d) 9 7 7 8 8 7 5 5 5 6 8 10 Σ 85
T
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m
p
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a
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u
r
3,4
−4,1
5,2
−2,5
10,4
0,7
18,5
7,1
23,6
11,8
26,7
15,1
29,6
17,6
29,3
16,6
24,6
12,0
17,5
6,3
11,3
3,2
5,8
−0,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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61
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78
53
53
41
47
67
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Roshydromet

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts

Krasnodar wurde 1793 unter dem Namen Jekaterinodar (Екатеринодар) von Schwarzmeerkosaken unter der Führung des Atamans Sachari Tschepega zunächst als Festungsstadt gegründet. Die Festung erhielt den Namen Jekaterinodar, d. h. „Geschenk Katharinas“, in Anlehnung an Katharina II., die das Land den Schwarzmeerkosaken übertragen hatte. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war Ukrainisch die meistgesprochene Sprache der Stadt;[4] es ist heute in Folge der sowjetischen Hungerkatastrophe Holodomor in den 1930er Jahren sowie von Assimilation und Migration hier kaum mehr verbreitet.

Jekaterinodar wurde nach seiner Gründung zum zentralen Stützpunkt des Schwarzmeerkosakenheeres und 1860 Hauptstadt des Gebietes Kuban. 1867 erhielt Jekaterinodar den Stadtstatus. Die Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft. Mit dem Bau der Eisenbahn im späten 19. Jahrhundert begann das Wachstum der Stadt, die zu einem bedeutenden Verkehrs- und Handelszentrum wurde, besonders für Tabak, Brot und Leder. 1897 hatte Krasnodar 66.000 Einwohner, 1913 waren es bereits über 100.000[5]. Während des russischen Bürgerkrieges war Krasnodar eines der Zentren der weißen, konterrevolutionären Bewegung. Ihren heutigen Namen trägt die Stadt seit 1920. In den 1920er/30er Jahren begann die industrielle Entwicklung der Stadt (Metallverarbeitung, Erdölförderung und -verarbeitung). Von August 1942 bis Februar 1943 war die Stadt von der Wehrmacht besetzt. In Krasnodar bestand das Kriegsgefangenenlager 148 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[6] In den 1970er Jahren wurde die Marke von 500.000 Einwohnern überschritten. Um das Einwohnerwachstum bewältigen zu können, wurden zahlreiche neue Wohnviertel im Plattenbaustil angelegt.

Historisches Gebäude vor sowjetischen Wohnblocks
Kathedrale der hl. Trinität
Platz in Krasnodar

Im Gegensatz zu vielen anderen russischen Städten wurde Krasnodar vom Zerfall der Sowjetunion kaum getroffen. Durch Transformationsprozesse konnte Krasnodar in den 1990er Jahren seine Position als Industriezentrum ausbauen, Ende des Jahrzehnts überholte es das nahegelegene Rostow am Don bezüglich der Industrieproduktion und wurde der größte Industriestandort im Nordkaukasus. Entgegen dem allgemeinen Trend in der demographischen Entwicklung Russlands hatte Krasnodar auch in den 1990er Jahren einen deutlichen Bevölkerungszuwachs erfahren, was zum Teil auf eine starke Zuwanderung von Flüchtlingen aus den Krisengebieten des Kaukasus und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken zurückzuführen war, zum Teil aber auch auf die günstige wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Der Einwohnerzuwachs setzt sich seitdem fort.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Krasnodar gehört zu den russischen Städten, in welchen die Geburtenrate über der Sterberate liegt. Hinzu kommt eine stetige Zuwanderung aus dem In- und Ausland, sodass Krasnodar in den letzten Jahren ein stetiges Bevölkerungswachstum vorweisen kann. Bei der Volkszählung 2010 gaben über 90 % der Bevölkerung „Russisch“ als ethnische Herkunft an. Größte Minderheiten sind Armenier (3,7 %), Ukrainer (1,5 %) und Adygejer (0,9 %). 54,6 % der Bevölkerung sind weiblich (2010). Bis 2015 stieg die Bevölkerungszahl auf rund 830.000 in der Stadt selbst[2] und 1,35 Millionen in der Agglomeration. Unter den größten Städten Russlands liegt Krasnodar auf Platz 17.

Jahr Einwohner
1897 65.606
1939 203.806
1959 313.110
1970 464.147
1979 560.438
1989 620.516
2002 646.175
2010 744.995
2015 829.677[2]

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Wirtschaft[Bearbeiten]

In den Zeiten der Sowjetunion gezielt als industrielles Zentrum ausgebaut, finden sich hier heute vor allem Raffinerien sowie große Betriebe zur Herstellung von Werkzeugen und Landwirtschaftsmaschinen.
Das Einzelhandelsunternehmen Magnit sowie das mittlerweile europaweit agierende Photovoltaikunternehmen Solar Wind haben ihren Hauptsitz in Krasnodar. Weiterhin sind der Ackerbau, Obst- und Getreideanbau sehr profitabel. Durch die vorhandene Schwarzerde wächst hier fast alles. Getreide, Sonnenblumen und Reis werden in 69 Staaten exportiert. Das Gebiet um Krasnodar ist auch das nördlichste Teeanbaugebiet der Welt.

Noch in den 1980er Jahren wurde geplant, das Kernkraftwerk Krasnodar mit einem WWER-1000 zu errichten. Jedoch wurde der Plan am 1. Januar 1988 aufgegeben.[7]

Der Landmaschinenhersteller „Claas“ betreibt seit 2005 ein Montagewerk, in dem Mähdrescher für den Verkauf in die GUS-Staaten gefertigt werden. Die Baukomponenten kommen hauptsächlich aus Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Ländern.

Die Baubranche ist in Krasnodar im Vergleich zu anderen russischen Städten sehr gut entwickelt. Im russlandweiten Vergleich gehört Krasnodar zusammen mit Moskau und Sankt Petersburg zu den Spitzenreitern bei der Anzahl von Neubauten und dem Bautempo. Allein 2011 wurden in Krasnodar rund 1.750.000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen.[8]

Am 26. Januar 2012 wurde von der Krasnodarer Stadtduma ein Bebauungs- und Entwicklungsplan für die kommenden 40 Jahre beschlossen. Seit Februar 2012 ist der Plan öffentlich einsehbar.[9]

Zentrum der Stadt

Verkehr[Bearbeiten]

Straße und Bahn[Bearbeiten]

Krasnodar ist ein Verkehrsknotenpunkt an der Fernstraße M4 mit zwei Fernbahnhöfen und einem internationalen Flughafen.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Der Öffentliche Personennahverkehr der Stadt wurde bis etwa 1990 praktisch allein durch die Straßenbahn und zahlreiche Oberleitungsbus- sowie Autobuslinien abgewickelt.

Danach blühte ein neues Verkehrsmittel auf – die Marschrutka. Das sind privat betriebene Kleinbusse, die zwar relativ feste Linien abfahren, die auch beantragt werden, aber auf Zuruf oder Winkzeichen auch zwischen zwei üblichen Haltestellen anhalten. Marschrutki haben blitzschnell alle nachgefragten Routen ausprobiert und sind in manchen Gegenden die einzige Alternative zum Taxi oder eigenen Fahrzeug. Es gibt wesentlich mehr Marschrutki als Taxis oder Busse.

Am preiswertesten ist die Fahrkarte der Straßenbahn und der Oberleitungsbusse, auch noch preiswert sind die Autobusse. Für den anderthalbfachen Fahrpreis kann man auch mit privat betriebenen, etwas komfortableren, teilweise sogar klimatisierten Bussen auf denselben Strecken fahren. Mit 17 (nachts allerdings 30) Rubeln nur wenig über dem normalen Buspreis liegt die bequemere Fahrt in der Marschrutka – meist mit sicherem Sitzplatz, in Stoßzeiten aber auch mit der Notwendigkeit, dicht gedrängt und wegen der niedrigen Höhe mit eingezogenem Kopf zu stehen. Seit es Marschrutki gibt, nimmt die Bedeutung von Schwarztaxis im öffentlichen Nahverkehr langsam ab, denn der Aufpreis zum echten Taxi ist nur noch sehr gering. Typisches Fahrzeug der Marschrutki in Krasnodar ist ein an den Ford Transit erinnernder Kleinbus aus Nischni Nowgoroder Produktion, der GAZelle heißt und Motoren verwendet, die auch in die im selben Werk hergestellten PKWs der Marke Wolga eingebaut wurden.

Der „EKOBus“

Seit Juli 2011 gibt es in Krasnodar den „EKOBus“, einen Omnibus mit umweltfreundlichem Hybridantrieb.

Luft[Bearbeiten]

Der internationale Flughafen Krasnodar liegt am östlichen Stadtrand bei der vor einigen Jahren eingemeindeten Siedlung Paschkowka, etwa 12 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

1979 wurden erste Kontakte zwischen Karlsruhe und Krasnodar geknüpft. Seit 1992 verbindet beide Städte ein offizieller Freundschaftsvertrag, seit Dezember 1997 sind sie Partnerstädte. Zahlreiche Aktivitäten und Besuche von beiden Seiten haben die Beziehung gefestigt. Dabei stehen neben dem kulturellen Austausch und persönlichen Begegnungen die materielle und ideelle Hilfe beim derzeitigen Prozess der Umgestaltung Krasnodars im Vordergrund.

Bildung und Kultur[Bearbeiten]

Der hyperbolische Schuchow-Turm in Krasnodar

Die Stadt verfügt über mehrere Theater, Bibliotheken und Museen, sowie über ein breites Angebot von Hochschulen. Sie ist Standort der größten landwirtschaftlichen Universität Russlands.

  • Filiale der Universität für Verbraucherkooperativen Belgorod
  • Filiale der Internationalen Universität
  • Filiale der Staatlichen Handelsuniversität Moskau
  • Filiale der Staatlichen Universität für Verkehrsverbindung Rostow
  • Filiale der Russischen Ökonomischen Akademie
  • Institut für Internationales Business
  • Institut für Internationales Recht, Ökonomie, Geisteswissenschaften und Verwaltung
  • Institut für Internationales Unternehmertum und Management des Kubangebiets
  • Institut für Management und Markt der Internationalen Universität
  • Institut für Marketing und soziale Informationstechnologien
  • Institut für Moderne Technologien und Ökonomie
  • Institut für Ökonomie und Verwaltung der Staatlichen Medizinakademie des Kubangebiets
  • Institut für Wirtschaft, Recht und Naturwissenschaften
  • Juristisches Institut Krasnodar des Innenministeriums Russlands
  • Militärinstitut Krasnodar
  • Militärinstitut für Luftfahrt Krasnodar
  • Städtisches Medizininstitut Krasnodar für Höhere Krankenpflegerausbildung
  • Medizininstitut des Kubangebiets
  • Sozialökonomisches Institut des Kubangebiets
  • Staatliche Agraruniversität des Kubangebiets
  • Staatliche Akademie für Sport des Kubangebiets
  • Staatliche Medizinakademie des Kubangebiets
  • Staatliche Technologische Universität des Kubangebiets
  • Staatliche Universität des Kubangebiets
  • Südliches Managementinstitut
  • Südrussisches Institut für Internationale Beziehungen
  • Universität für Innovationen des Unternehmertums
  • Universität für Kultur und Kunst Krasnodar
  • Universität Megu-Krasnodar

Sport[Bearbeiten]

Im Fußball ist die Stadt durch die Vereine FK Kuban Krasnodar und FK Krasnodar in der Premjer-Liga sowie FK Krasnodar-2000 in der 2. Fußball-Division vertreten. Der Eishockeyklub HK Kuban Krasnodar spielt in der Wysschaja Hockey-Liga. PBK Lokomotive Kuban Krasnodar spielt als Profibasketballverein in der VTB United League und im ULEB Eurocup (2014/15).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b c http://krsdstat.gks.ru/wps/wcm/connect/rosstat_ts/krsdstat/ru/news/rss/487e5a0047f0b4e5b6f6b6ed3bc4492f
  3. http://www.vedomosti.ru/politics/articles/2010/11/16/peredel_rossii
  4. http://demoscope.ru/weekly/ssp/rus_nac_26.php?reg=862
  5. http://www.mojgorod.ru/krasnod_kraj/krasnodar/
  6. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
  7. Power Reactor Details - KRASNODAR-1. iaea.org. Archiviert vom Original am 4. Juni 2011. Abgerufen am 20. Mai 2013.
  8. В Краснодаре в 2011 году ввели в эксплуатацию более 1 млн. кв. метров жилья (russisch) yuga.ru. 16. Januar 2012. Abgerufen am 20. Mai 2013.
  9. Генплан развития Краснодара поместили на электронную карту (russisch) yugopolis.ru. 9. Februar 2012. Abgerufen am 20. Mai 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krasnodar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien