Maria Böhmer

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Maria Böhmer (2013)

Maria Böhmer (* 23. April 1950 in Mainz) ist eine deutsche Politikerin (CDU). Im Kabinett Merkel III ist sie seit Dezember 2013 Staatsministerin im Auswärtigen Amt und für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik zuständig.[1] Zuvor war sie von November 2005 bis Dezember 2013 Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Ihre Nachfolgerin in dieser Funktion ist Aydan Özoğuz. Böhmer ist in Frankenthal in der Pfalz zu Hause. Sie ist katholisch, unverheiratet und hat keine Kinder.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1968 studierte Böhmer Mathematik, Physik, Politikwissenschaft und Pädagogik auf Lehramt. 1971 legte sie das Staatsexamen ab; 1974 erfolgte ihre Promotion zum Dr. phil. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit der Dissertation Zur Wahlpflichtfachentscheidung in der Realschule – eine Untersuchung über Entscheidungskriterien der Realschüler in Rheinland-Pfalz. Dort habilitierte sie sich 1982 mit der Arbeit Zentrale und dezentrale Lehrerfortbildung – Entwicklung, Strukturen und Innovationen. Sie verbrachte Forschungsaufenthalte an den Universitäten Cambridge und Augsburg. Von 1982 bis 1990 war sie die erste Landesfrauenbeauftragte in Rheinland-Pfalz. Seit 2001 führt sie den Titel einer außerplanmäßigen Professorin für Erziehungswissenschaften der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, übt dort aktuell aber keine Lehrtätigkeit aus.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmer trat 1985 der CDU bei. Sie ist Mitglied der Frauen Union, der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU und CSU Deutschlands sowie der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Von 1991 bis 1993 war sie stellvertretende Vorsitzende der Grundsatzprogrammkommission der CDU und leitete die Kommissionsgruppe „Ökologische und Soziale Marktwirtschaft“. Sie war Vorsitzende des Bundesfachausschusses Frauenpolitik der CDU.

Böhmer gehört seit 1994 dem CDU-Bundesvorstand an. Von 2006 bis 2009 war sie Mitglied im Präsidium der CDU. Außerdem ist sie kooptiertes Mitglied im Landesvorstand der CDU Rheinland-Pfalz. Von 1991 bis 2001 fungierte sie als Landesvorsitzende der Frauen Union der CDU Rheinland-Pfalz. Von September 2001 bis September 2015 war sie Bundesvorsitzende der Frauen Union der CDU Deutschlands. Beim 31. Bundesdelegiertentag in Kassel wurde sie einstimmig zur Ehrenvorsitzenden gewählt.[2] Nachfolgerin im Amt der Bundesvorsitzenden ist die Parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz.[3]

Seit Dezember 2014 ist Böhmer außerdem Mitglied im Bundesfachausschuss Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik der CDU.

Abgeordnete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1990 ist Böhmer Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst im Wahlkreis Frankenthal und ab 1998 im neu zugeschnittenen Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal. Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 gewann sie den Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal direkt. Zuvor war sie über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag eingezogen. Maria Böhmer war von 2000 bis 2005 stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Böhmer kündigte an, bei der Bundestagswahl 2017 nicht mehr als Abgeordnete zu kandidieren.[4]

Staatsministerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 22. November 2005 bis zum 17. Dezember 2013 war Böhmer Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Ihr Dienstsitz war im Bundeskanzleramt. Von 2011 bis 2013 war sie Vorsitzende des Bundesbeirates für Integration.

Seit Dezember 2013 ist Maria Böhmer Staatsministerin im Auswärtigen Amt, zuständig für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Böhmer war 2014/15 Präsidentin des Welterbekomitees der UNESCO.[5] Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ernannte sie im April 2016 zur Sonderbeauftragten für UNESCO-Welterbe, Kulturkonventionen und Bildungs- und Wissenschaftsprogramme. Im Jahr 2015 war Böhmer Ko-Vorsitzende der Deutsch-Australischen Beratergruppe, die im November 2015 Bundeskanzlerin Angela Merkel und Premierminister Malcolm Turnbull Empfehlungen zur Intensivierung der Beziehungen vorgelegt hat. Als Anerkennung für die hier geleistete Arbeit wurde Maria Böhmer am 7. Dezember 2015 durch den australischen Finanzminister Mathias Cormann der Order of Australia verliehen.[6]

Funktionen und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmer war von 1992 bis 2002 Mitglied des ZDF-Fernsehrates und von 2002 bis 2016 dessen stellvertretende Vorsitzende.

Böhmer initiierte 2006 die Charta der Vielfalt in Deutschland und startete die Kampagne „Vielfalt als Chance“. Von 2010 bis 2013 war sie als Integrationsbeauftragte Mitglied im Trägerverein der Charta der Vielfalt.[7]

Seit 2006 ist Maria Böhmer Kuratoriumsvorsitzende der St. Martinus-Schulstiftung des Bistums Mainz.[8] 2008 wurde sie zur Stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums der Caritas-Stiftung St. Elisabeth im Bistum Speyer gewählt.[9] Von 2009 bis 2013 war Böhmer Mitglied des Vorstandes der Deutschlandstiftung Integration. Heute gehört sie dem Kuratorium der Stiftung an.[10]

Als Integrationsbeauftragte engagierte sich Böhmer 2010 bis 2013 zusammen mit Romani Rose und Barbara John als Schirmherrin bei Show Racism the Red Card-Deutschland e.V.[11][12]

2014 wurde sie zur Senatorin der Leibniz-Gemeinschaft gewählt. Seit November 2014 ist Böhmer Vorsitzende im Akademiebeirat der Kulturakademie Tarabya.[13] Im April 2015 wurde sie zur Ehrenbürgerin der türkischen Stadt Antakya ernannt.[14] Im Juli 2015 wurde Böhmer zur Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung „Institut für Herzinfarktforschung“ gewählt.[15] Ebenfalls seit 2015 ist sie Mitglied im Kuratorium der Stiftung Lesen.[16]

Böhmer ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.[17][18] Im Oktober 2015 ist Böhmer in das Kuratorium der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer berufen worden.[9]

Im Jahr 2016 wurde Maria Böhmer zur Vorsitzenden des Kuratoriums der START-Stiftung gewählt.[19] Außerdem wurde sie ins Kuratorium der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung berufen.[20]

Politische Positionen und Initiativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Bundesvorsitzende der Frauen Union setzte sich Böhmer für die bessere Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der Rente ein. Die seit 1. Juni 2014 geltende Mütterrente[21] setzte Maria Böhmer in den Koalitionsgesprächen 2013 durch. Auf dieser Grundlage erhalten seitdem 9,5 Millionen Mütter eine höhere Rente.

Böhmer wendet sich gegen sexistische bzw. pornografische Darstellungen, Zwangsverheiratung und häusliche Gewalt.[22]

Als Integrationsbeauftragte der Bundesregierung initiierte Böhmer die Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt und den Nationalen Aktionsplan Integration. Mit ihrer Amtszeit verbindet sich zudem das Gesetz zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen.[23]

Sie ist für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit[24] bei Migrantinnen und Migranten, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Ein kommunales Wahlrecht für Ausländer aus Nicht-EU-Staaten lehnt Böhmer ab.

Böhmer wies darauf hin, dass es nach dem „Zweiten Integrationsindikatorenbericht“ für die schulische Entwicklung von Migrantenkindern von erheblicher Bedeutung sei, ob die Umgangssprache in der Familie Deutsch ist. Sie forderte daher, dass die Eltern ihrer Verantwortung diesbezüglich gerecht werden müssten. Sie müssten aber auch stärker in die Bildungsarbeit einbezogen werden.[25]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2004: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • 2009: BAMBINI-GENERATION-AWARD der Europäischen Jungakademikergesellschaft e. V.[26]
  • 2016: Honorary Officer of the Order of Australia (Australischer Verdienstorden)[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maria Böhmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatsministerin Maria Böhmer. In: auswaertiges-amt.de. Auswärtiges Amt, abgerufen am 20. Dezember 2013.
  2. Böhmer neue Vorsitzende der Frauen-Union. In: mopo.de. 30. September 2001, abgerufen am 2. März 2017.
  3. Frauen Union der CDU Deutschlands. In: frauenunion.de. 26. September 2015, abgerufen am 2. März 2017.
  4. afp: Wer alles nicht mehr antritt: Lammert, Ströbele, Jung: Der Bundestag verliert viele bekannte Gesichter. (noz.de [abgerufen am 10. Juli 2017]).
  5. 39. Tagung des Welterbekomitees unter deutscher Präsidentschaft. In: unesco.de. April 2015, abgerufen am 2. März 2017.
  6. a b Auszeichnung für Staatsministerin Böhmer. In: auswaertiges-amt.de. Auswärtiges Amt, 7. Dezember 2016, abgerufen am 2. März 2017.
  7. Unternehmensinitiative Charta der Vielfalt. In: charta-der-vielfalt.de. 21. Januar 2010, abgerufen am 2. März 2017.
  8. Gründung der St. Martinus-Schulstiftung – Maria Böhmer ist Mitglied des Kuratoriums. Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 11. In: bistummainz.de. 22. März 2006, abgerufen am 2. März 2017.
  9. a b Orgelkonzert zur Jahrestagung der Kaiserdom-Stiftung. In: dom-zu-speyer.de. Dom zu Speyer, 6. November 2015, abgerufen am 1. März 2017.
  10. Deutschlandstiftung Integration: Kuratorium. In: deutschlandstiftung.net. Abgerufen am 1. März 2017.
  11. „Show Racism the Red Card“-Schirmherrschaft (Memento vom 4. Dezember 2013 im Internet Archive)
  12. Show Racism the Red Card – Deutschland – Schirmherrschaft. In: theredcard.de. Abgerufen am 1. März 2017.
  13. Kulturakademie Tarabya Istanbul – Beirat. In: tarabya.diplo.de. Abgerufen am 1. März 2017.
  14. Staatsministerin Böhmer besucht die Türkei. Pressemitteilung. In: auswaertiges-amt.de. Auswärtiges Amt, 27. April 2015, abgerufen am 1. März 2017.
  15. Stiftung IHF – Das Kuratorium. In: stiftung-ihf.de. 2015, abgerufen am 1. März 2017.
  16. Erweiterung der Gremien der Stiftung Lesen. In: stiftunglesen.de. Stiftung Lesen, 30. Januar 2015, abgerufen am 1. März 2017.
  17. ZdK – Mitgliederliste. In: zdk.de. Abgerufen am 1. März 2017.
  18. Profil: Über mich In: maria-boehmer.de (Memento vom 16. Mai 2013 im Internet Archive)
  19. Neue Vorsitzende des Kuratoriums der START-Stiftung. In: maria-boehmer.de. Maria Böhmer, 8. November 2016, abgerufen am 1. März 2017.
  20. Maria Böhmer neues Kuratoriumsmitglied der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. In: maria-boehmer.de. Maria Böhmer, 23. November 2016, abgerufen am 1. März 2017.
  21. Ulrike Hospes: Maria Böhmer, Geschichte der CDU. In: kas.de. Konrad-Adenauer-Stiftung, abgerufen am 1. März 2017 (Biografie).
  22. Interview: Schutzwall gegen häusliche Gewalt. In: hurriyet.de. Hürriyet, 29. Dezember 2007, abgerufen am 1. März 2017.
  23. Profil Staatsministerin Maria Böhmer. In: auswaertiges-amt.de. Auswärtiges Amt, abgerufen am 1. März 2017.
  24. Wege zur Einbürgerung – Wie werde ich Deutsche – wie werde ich Deutscher? (Broschüre). In: bundesregierung.de. Bundesregierung, 2. Juli 2008, abgerufen am 1. März 2017.
  25. Pressemitteilung 9/2012: Staatsministerin Maria Böhmer: „Der Zweite Integrationsindikatorenbericht zeigt maßgebliche Fortschritte bei der Integration. In zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens hat sich die Teilhabe der 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund verbessert.“ (Memento vom 8. September 2013 im Internet Archive)
  26. Die Preisträger: Verleihung 2011. In: bambini-preis.de. Europäische Jungakademiker Gesellschaft e.V., 2011, abgerufen am 1. März 2017.