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Max Planck

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Max Planck

Max Planck (* 23. April 1858 in Kiel; † 4. Oktober 1947 in Göttingen; vollständiger Name Max Karl Ernst Ludwig Planck) war ein bedeutender deutscher Physiker und Nobelpreisträger für Physik. Er wird als Begründer der Quantenphysik betrachtet.

Leben und Werk

Herkunft und Jugend

Planck stammte aus einer traditionsreichen Gelehrtenfamilie. Sein Urgroßvater Gottlieb Jakob Planck (1751–1833) und sein Großvater Heinrich Ludwig Planck (1785–1831) waren beide Theologieprofessoren in Göttingen, sein Vater Wilhelm Johann Julius von Planck (1817–1900) war Juraprofessor in Kiel und München, sein Onkel Gottlieb Planck (1824–1907) war ebenfalls Jurist in Göttingen, er war einer der wesentlichen Begründer des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Max Planck wurde am 23. April 1858 als Sohn von Johann Julius Wilhelm von Planck und dessen zweiter Ehefrau Emma Patzig (1821–1914) in Kiel geboren und hat entsprechend der handschriftlichen Eintragung im Kirchenbuch der St.-Nikolai-Gemeinde in Kiel ursprünglich den Vornamen Marx erhalten (eine veraltete Variante von Markus oder vielleicht ein Schreibfehler).[1] Er hatte vier Geschwister (Hermann, Hildegard, Adalbert und Otto), sowie zwei Halbgeschwister (Hugo und Emma) aus der ersten Ehe des Vaters. In Kiel verbrachte er die ersten Jahre seines Lebens, bis die Familie 1867 nach München umzog. Dort besuchte er das Maximiliansgymnasium; unter seinen Mitschülern war der spätere Gründer des Deutschen Museums, Oskar von Miller. Bereits mit 16 Jahren machte Planck seinen Schulabschluss.

Studium

Planck als Student (1878)

Planck war musikalisch sehr begabt, er spielte Klavier, Orgel und Cello und erhielt Gesangsunterricht. Er komponierte Lieder und (für seine Studentenverbindung, den Akademischen Gesangverein München) eine Operette (1876). Anstelle eines Musikstudiums entschied er sich aber für die Physik.

Der Münchner Physikprofessor Philipp von Jolly kommentierte Plancks Interesse an der theoretischen Physik mit der Bemerkung, dass „in dieser Wissenschaft schon fast alles erforscht sei, und es gelte, nur noch einige unbedeutende Lücken zu schließen“ – eine Ansicht, die zu dieser Zeit von vielen Physikern vertreten wurde. Planck nahm daher eine bescheidene Haltung ein: „Ich hege nicht den Wunsch, Neuland zu entdecken, sondern lediglich, die bereits bestehenden Fundamente der physikalischen Wissenschaft zu verstehen, vielleicht auch noch zu vertiefen“[2]

Bei Jolly führte Planck die einzigen Experimente seiner gesamten wissenschaftlichen Tätigkeit durch (zur Diffusion von Wasserstoff durch erhitztes Platin), aber bald wandte er sich der Theoretischen Physik zu.

Von 1877 bis 1878 wechselte Planck für ein Jahr nach Berlin und studierte bei den berühmten Physikern Hermann von Helmholtz und Gustav Kirchhoff sowie dem Mathematiker Karl Weierstraß. Über Helmholtz notierte er: „… nie richtig vorbereitet, spricht stockend, verrechnet sich ständig, langweilt seine Hörer“, über Kirchhoff: „… sorgfältig ausgearbeitete Vorlesung, jedoch trocken und eintönig“. Dennoch verband ihn mit Helmholtz bald eine herzliche Freundschaft. Hauptsächlich bildete er sich aber im Selbststudium aus den Schriften von Rudolf Clausius; diesem Einfluss war es zu verdanken, dass die Wärmetheorie sein Arbeitsgebiet wurde.

Im Oktober 1878 legte Planck in München das Lehramtsexamen ab, im Februar 1879 reichte er seine Dissertation ein, betitelt „Über den zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie“.[3] Im Juni 1880 folgte die Habilitationsschrift, „Gleichgewichtszustände isotroper Körper in verschiedenen Temperaturen“.

Akademische Karriere

Im Anschluss an die Habilitation war Planck unbesoldeter Privatdozent in München und wartete auf einen Ruf. Obwohl ihn die Fachwelt zunächst ignorierte, setzte er seine Arbeit auf dem Gebiet der Wärmetheorie fort und entwickelte nach und nach denselben thermodynamischen Formalismus wie Josiah Willard Gibbs, jedoch ohne von diesem zu wissen. Der von Clausius eingeführte Begriff der Entropie nahm eine zentrale Rolle in seiner Arbeit ein.

Im April 1885 berief die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Planck als Extraordinarius für Theoretische Physik. Sein Jahresgehalt lag zunächst bei 2000 Mark. Weitere Arbeiten zur Entropie und ihrer Anwendung, hauptsächlich auf Fragen der physikalischen Chemie, folgten. Er lieferte eine thermodynamische Begründung für die elektrolytische Dissoziationstheorie von Svante Arrhenius, welcher sich aber ablehnend verhielt. Bereits in dieser Kieler Zeit erfolgte seine Arbeit in kritischer Auseinandersetzung mit der Atomhypothese.

Planck beteiligte sich an einem 1884 von der philosophischen Fakultät der Universität Göttingen für das Jahr 1887 ausgeschriebenen Wettbewerb zum Thema „Über das Wesen der Energie“. Seine Monographie Das Princip der Erhaltung der Energie errang den zweiten Preis, ein erster Preis wurde nicht vergeben.[4] Im April 1889 wurde Planck zum Nachfolger Kirchhoffs nach Berlin berufen, wohl durch Helmholtz' Vermittlung; ab 1892 war er Ordinarius. Sein Jahresgehalt lag nun bei 6200 Mark (plus etwa 1000 Mark Honorare und Tantiemen). 1894 wurde Planck zum Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt. 1907 wurde Planck auf Boltzmanns Lehrstuhl in Wien berufen; er lehnte jedoch ab und blieb in Berlin, wofür ihm die Berliner Studentenschaft eigens mit einem Fackelzug dankte. Am 1. Oktober 1926 wurde er emeritiert, sein Nachfolger war Erwin Schrödinger.

Familie

Im März 1887 heiratete Planck die Schwester eines Münchner Mitschülers, Marie Merck (1861–1909). Die junge Familie wohnte in Kiel in der Wilhelminenstraße 43 zur Untermiete im Hause eines Zimmermanns. Vier Kinder gingen aus der Ehe hervor: Karl (1888–1916), die Zwillinge Emma (1889–1919) und Grete (1889–1917) und Erwin (1893–1945).

Nach der Berufung nach Berlin wohnte die Familie Planck in einer Villa in der Wangenheimstraße 21, Berlin-Grunewald. In der unmittelbaren Nachbarschaft wohnten noch zahlreiche weitere Professoren der Berliner Universität. Das plancksche Anwesen entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen und musikalischen Zentrum; zu den regelmäßigen Gästen gehörten auch weitere bekannte Wissenschaftler wie Albert Einstein, Otto Hahn und Lise Meitner. Die Tradition des gemeinsamen Musizierens ging schon auf das Helmholtzsche Haus zurück.

Die Familie seiner ersten Frau, der Tochter eines Münchener Bankiers, besaß am Tegernsee bei Bad Wiessee einen herrlich gelegenen Hof, wo Planck regelmäßig mehr als 50 Jahre lang die ersten beiden Wochen der Semesterferien im Sommer verbrachte. Eine Gedenktafel an der B 318 links beim Grundner vor Bad Wiessee erinnert noch heute daran. Für die Kinder wurde dieser Besitz fast zur zweiten Heimat.

Nach einer Reihe glücklicher Jahre wurde das Familienleben Plancks jedoch von schweren Schicksalsschlägen getroffen: Am 17. Oktober 1909 starb Marie Planck, möglicherweise an Tuberkulose. Im März 1911 heiratete Max Planck seine zweite Frau Margarethe (Marga) von Hößlin (1882–1948), im Dezember wurde sein dritter Sohn, Hermann, geboren.

Während des Ersten Weltkrieges fiel Plancks Sohn Karl bei Verdun, Erwin geriet schon 1914 in französische Kriegsgefangenschaft. 1917 starb Tochter Grete bei der Geburt ihres ersten Kindes; der Witwer heiratete darauf ihre Schwester Emma, welche jedoch zwei Jahre später auf dieselbe Weise ums Leben kam. Planck ertrug alle diese Unglücke mit stoischer Schicksalsergebenheit und Gottvertrauen. Die Enkeltöchter überlebten und trugen ihrerseits wieder die Namen Grete und Emma.

Am 23. Januar 1945 wurde Erwin Planck wegen Beteiligung am missglückten Attentat auf Hitler von den Nazis ermordet. Als Planck die Nachricht von der Hinrichtung seines Sohnes erfährt, ist der 87-Jährige fast ein gebrochener Mann. Somit überlebte Planck alle seine vier Kinder aus erster Ehe.

Hochschullehrer in Berlin

In Berlin trat Planck der Berliner Physikalischen Gesellschaft bei; über diese Zeit schrieb er später: „Ich war eigentlich damals der einzige Theoretiker und hatte es daher nicht so ganz leicht, weil ich mit meiner Entropie hervorkam, und die war damals nicht sehr beliebt, weil sie ein mathematisches Gespenst war“. Auf seine Initiative hin wandelte sich die Gesellschaft 1898 in die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) um.

Planck las eine sechssemestrige Vorlesung zur Theoretischen Physik, „nüchtern, etwas unpersönlich“ nach Lise Meitner, „using no notes, never making mistakes, never faltering; the best lecturer I ever heard“ nach einem englischen Hörer (James R. Partington). Seine Hörerzahl wuchs von 18 (1890) auf 143 (1909). „There were always many standing around the room. As the lecture-room was well heated and rather close, some of the listeners would from time to time drop to the floor, but this did not disturb the lecture“ (Partington). Er begründete keine eigentliche „Schule“, insgesamt hatte er nur etwa 20 Doktoranden, darunter

Max Abraham 1897 (1875–1922)
Moritz Schlick 1904 (1882–1936), Begründer des „Wiener Kreises
Walther Meißner 1906 (1882–1974)
Max von Laue 1906 (1879–1960), Nobelpreisträger 1914
Fritz Reiche 1907 (1883–1960)
Walter Schottky 1912 (1886–1976)
Ernst Lamla (1888-1986)
Walther Bothe 1914 (1891–1957), Nobelpreisträger 1954

Das Strahlungsgesetz

Um 1894 wandte sich Planck dem Problem der Schwarzkörperstrahlung zu, das Kirchhoff bereits 1859 formuliert hatte: Wie hängt die Leistung der elektromagnetischen Strahlung, die ein Schwarzer Körper (also ein ideal absorbierender Körper, oft auch Hohlraumstrahler genannt, da ein Loch zu einem Hohlraum sehr schwarz erscheint) im thermodynamischen Gleichgewicht abstrahlt, von der Frequenz der Strahlung (beispielsweise der Farbe des Lichtes) und von der Temperatur des Körpers ab? Die Frage wurde an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt experimentell untersucht, aber das aus der klassischen Physik folgende Rayleigh-Jeans-Gesetz versagte darin, die Messergebnisse für hohe Frequenzen zu erklären. Wilhelm Wien hatte ein Gesetz aufgestellt, das die Ergebnisse bei hohen Frequenzen richtig wiedergab (das wiensche Strahlungsgesetz), aber bei niedrigen Frequenzen versagte.

Planck interpolierte beide Gesetze unter Verwendung eines Entropieansatzes und fand dadurch das plancksche Strahlungsgesetz, welches die Messergebnisse sehr gut beschreibt; es wurde erstmals in einer Sitzung der DPG am 14. Dezember 1900 vorgestellt.

Bereits am 14. Dezember 1900 konnte er eine theoretische Herleitung des Strahlungsgesetzes geben; dazu musste er allerdings die von ihm bisher abgelehnte statistische Mechanik des österreichischen Physikers Ludwig Boltzmann verwenden. Jede rein statistische Auffassung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik (demzufolge die Entropie im Laufe der Zeit nie abnehmen kann) war ihm zuwider, da er ihn axiomatisch betrachtete: „… ein Akt der Verzweiflung … ich war zu jedem Opfer an meinen bisherigen physikalischen Überzeugungen bereit …“. Im Vergleich dazu war die Annahme, dass Energie nur in Form unteilbarer Energieelemente (Quanten)

emittiert würde (worin das plancksche Wirkungsquantum und die Frequenz der Strahlung bezeichnet) fast nebensächlich, „… eine rein formale Annahme, ich dachte mir eigentlich nicht viel dabei …“. Heute wird diese Annahme, welche im Widerspruch zur klassischen Physik steht, als Geburtsstunde der Quantenphysik und als größte wissenschaftliche Leistung Plancks betrachtet (es muss aber erwähnt werden, dass Ludwig Boltzmann in theoretischen Arbeiten schon um 1877 ganz selbstverständlich davon ausging, die Energieniveaus eines physikalischen Systems könnten diskret sein).

In der Folgezeit versuchte Planck vergeblich, den Sinn der Energiequanten zu erfassen. „Meine vergeblichen Versuche, das Wirkungsquantum irgendwie der klassischen Theorie einzugliedern, erstreckten sich auf eine Reihe von Jahren und kosteten mich viel Arbeit.“ Andere Physiker, wie Rayleigh, Jeans und Lorentz setzten noch Jahre später das Wirkungsquantum zu null, um nicht in Widerspruch zur klassischen Physik zu geraten, aber Planck wusste genau, dass das Wirkungsquantum einen sehr präzisen Wert verschieden von null hat. „Jeans' Hartnäckigkeit ist mir unverständlich – er ist das Beispiel eines Theoretikers, wie er nicht sein soll, dasselbe, was Hegel in der Philosophie war. Um so schlimmer für die Tatsachen, wenn sie nicht stimmen.

Max Born schrieb über Planck: „Er war von Natur und nach der Tradition seiner Familie konservativ, revolutionären Neuerungen abgeneigt und skeptisch gegen Spekulationen. Aber sein Glaube an die zwingende Kraft des auf Tatsachen gestützten logischen Denkens war so groß, daß er nicht zauderte, eine Behauptung, die aller Tradition widersprach, auszusprechen, weil er sich überzeugt hatte, daß kein anderer Ausweg möglich war.“

In seinen Arbeiten zur Strahlungsformel führte er auch die Boltzmannkonstante ein, die Boltzmann selbst in seinen Arbeiten nicht explizit eingeführt hatte. Plancks Verhältnis zu Boltzmann selbst war zeitweise dadurch getrübt, dass Plancks Schüler und Assistent Ernst Zermelo einen scharfen Disput mit Boltzmann über dessen H-Theorem führte.

Die Relativitätstheorie

Planck
Siehe → Geschichte der speziellen Relativitätstheorie

Im Jahre 1905 erschienen die drei bahnbrechenden Arbeiten des bis dahin völlig unbekannten Albert Einstein in den Annalen der Physik; Planck war einer der wenigen, die sofort die Bedeutung der speziellen Relativitätstheorie erkannten. Dank seines Einflusses setzte sich die Relativitätstheorie in Deutschland bald durch. Planck leistete selbst auch wesentliche Beiträge zur Ausarbeitung der speziellen Relativitätstheorie.

Die einsteinsche Hypothese der Lichtquanten, vorbereitet durch den 1887 von Heinrich Hertz und Wilhelm Hallwachs entdeckten und 1902 von Philipp Lenard entscheidend weiter untersuchten Photoeffekt, lehnte Planck dagegen ab. Er war nicht bereit, auch noch die maxwellsche Elektrodynamik aufzugeben. „Die Theorie des Lichtes würde nicht um Jahrzehnte, sondern um Jahrhunderte zurückgeworfen, bis in die Zeit, da Christiaan Huygens seinen Kampf gegen die übermächtige newtonsche Emissionstheorie wagte …“ 1902 war Planck von der Existenz eines Lichtäthers noch sehr überzeugt und bezog diesen bei seinen Überlegungen, beispielsweise auch zu thermodynamischen Erscheinungen, stets ein.[5]

1910 wies Einstein auf das anomale Verhalten der spezifischen Wärme bei tiefen Temperaturen als ein weiteres klassisch unverständliches Phänomen hin. Zur Klärung der angehäuften Widersprüche organisierten Planck und Nernst den ersten Solvay-Kongress (Brüssel 1911), auf welchem Einstein Planck schließlich überzeugen konnte.

Inzwischen war Planck Rektor der Universität Berlin geworden, wodurch es ihm möglich war, Einstein nach Berlin zu holen und für ihn eine neue Professur einzurichten (1914). Sie wurden bald gute Freunde und musizierten zusammen.

Weltkrieg und Weimarer Republik

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war Planck nicht frei von der damaligen allgemeinen Begeisterung: „… neben vielem Schrecklichen doch auch viel ungeahnt Grosses und Schönes: Die glatte Lösung der schwierigsten innenpolitischen Fragen durch die Einigung aller Parteien, … die Höherbewertung alles Tüchtigen und Echten …“ Zwar enthielt er sich jedes übersteigerten Nationalismus; so prämierte die Preußische Akademie der Wissenschaften (Planck war einer ihrer vier ständigen Vorsitzenden) auf sein Wirken hin 1915 eine italienische Arbeit, obwohl Italien sich gerade dem Feinde anschloss. Dennoch trägt das umstrittene „Manifest der 93 Intellektuellen“, ein Teil der Kriegspropaganda, auch Plancks Unterschrift, während Einsteins strikt pazifistische Haltung ihn fast ins Gefängnis brachte (vor dem ihn nur seine Schweizer Staatsbürgerschaft bewahrte). Bereits 1915 widerrief Planck aber nach mehreren Treffen mit Lorentz Teile des Manifestes, 1916 unterschrieb er eine Erklärung gegen deutschen Annexionismus.

Im letzten Kriegsjahr, 1918, erhielt Planck den Nobelpreis für die Entdeckung des planckschen Wirkungsquantums. Der Preis wurde ihm erst 1919 verliehen.

In den Wirren der Nachkriegszeit gab Planck, inzwischen oberste Autorität der deutschen Physik, die Parole „Durchhalten und weiterarbeiten“ an seine Kollegen aus. Im Oktober 1920 gründeten Fritz Haber und er die „Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“, die sich gezielt der Förderung der notleidenden Forschung annahm; die Mittel stammten zu einem erheblichen Teil aus dem Ausland. Er bekleidete auch führende Positionen in der Berliner Universität, der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und war seit April 1916 Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG; die spätere Max-Planck-Gesellschaft).

Planck wurde Mitglied der DVP, der Partei Stresemanns, die liberale innenpolitische Ziele und eher revisionistische in der Außenpolitik verfolgte. Das allgemeine Wahlrecht lehnte er ab und führte später die Nazi-Diktatur auf das „Emporkommen der Herrschaft der Masse“ zurück.

Die Quantenmechanik

Die Ende der 1920er Jahre von Bohr, Heisenberg und Pauli erarbeitete Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik lehnte Planck ab, zusammen mit Schrödinger und Laue; auch Einstein war jetzt zum Konservativen geworden. Die heisenbergsche Matrizenmechanik fand Planck „abscheulich“, die Schrödinger-Gleichung begrüßte er wie eine Erlösung. Er erwartete, die Wellenmechanik werde die Quantentheorie, sein eigenes Kind, bald überflüssig machen. Die Wissenschaft ging über seine Bedenken hinweg. Auch für ihn selbst galt, was er in jungen Jahren im Kampf mit dem Alten festgestellt hatte: „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“ Wissenschaftliche Selbstbiographie, Leipzig 1948.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Bei der Machtergreifung der Nazis 1933 war Planck 74 Jahre alt. Unbedingte Loyalität dem Staate gegenüber war für Max Planck, der in der preußischen Tradition aufgewachsen war, eine Selbstverständlichkeit. Als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) richtete er daher am 14. Juli 1933 an Innenminister Wilhelm Frick ein Schreiben, in dem er mitteilte, dass die Gesellschaft gewillt sei, „sich systematisch in den Dienst des Reiches hinsichtlich der rassenhygienischen Forschung zu stellen“.[6] Der Missbrauch der Staatsmacht zwang ihn aber, auch hier seine bisherigen Denkkategorien aufzugeben und neue Maßstäbe zu gewinnen. Er musste erleben, wie jüdische Freunde und Kollegen durch das Berufsbeamtengesetz aus ihren Ämtern gedrängt und gedemütigt wurden und wie Hunderte von Wissenschaftlern Deutschland verließen. Wieder versuchte er es mit „Durchhalten und weiterarbeiten“ und bat emigrierwillige Physiker, nicht zu gehen, womit er teilweise erfolgreich war.

Hahn fragte Planck, ob man nicht eine Anzahl anerkannter deutscher Professoren für einen gemeinsamen Appell gegen die Behandlung jüdischer Professoren zusammenbringen könne, worauf Planck antwortete: „Wenn Sie heute 30 solcher Herren zusammenbringen, dann kommen morgen 150, die dagegen sprechen, weil sie die Stellen der anderen haben wollen.“ Im Falle Fritz Habers versuchte Planck vergebens, direkt bei Hitler zu intervenieren. Haber starb 1934 im Exil. Ein Jahr darauf veranstaltete Planck in seiner Funktion als Präsident der KWG (seit 1930) dennoch eine Gedächtnisfeier für Haber. Er ermöglichte es auch einer Reihe von jüdischen Wissenschaftlern, für einige Zeit weiter an Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu arbeiten. 1936 endete Plancks KWG-Präsidentschaft, auf Drängen der Nazis verzichtete er darauf, sich zur Wiederwahl zu stellen.

Allmählich verschärfte sich das politische Klima. Johannes Stark, Vertreter der „Deutschen Physik“ und Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, beschimpfte in einer SS-Zeitschrift Planck, Sommerfeld und Heisenberg als „weiße Juden“ und polemisierte gegen die gesamte Theoretische Physik. Das „Hauptamt Wissenschaft“ untersuchte Plancks Herkunft, erzielte aber nur das Ergebnis, er sei zu einem Sechzehntel jüdisch.

1938 feierte Planck seinen achtzigsten Geburtstag: Während des offiziellen Festaktes der DPG wurde dem französischen Physiker Louis de Broglie die Max-Planck-Medaille verliehen, mitten im Vorfeld eines neuen Krieges. Planck erhielt etwa 900 Gratulationen, die er alle persönlich und individuell beantwortete.

Ende 1938 wurde die Akademie gleichgeschaltet, Planck trat aus Protest zurück. Er unternahm trotz seines hohen Alters immer noch zahlreiche Vortragsreisen, so 1937 ins Baltikum mit dem berühmten Vortrag „Religion und Naturwissenschaft“, und noch 1943 bestieg er im Urlaub in den Alpen mehrere Dreitausender.

Während des Zweiten Weltkrieges musste Planck aufgrund des Luftkrieges Berlin verlassen. Am 1. März 1943 fand er Quartier beim Industriellen Carl Still, dessen Gutshaus auf dem ehemaligen Gelände der Burg Rogätz heute noch steht. 1942 schrieb er: „Mir ist der brennende Wunsch gewachsen, die Krise durchzustehen und so lange zu leben, bis ich den Wendepunkt, den Anfang zu einem Aufstieg werde miterleben können“. Ende Oktober 1943 sollte er einen Vortrag in Kassel halten; deshalb übernachtete er bei Verwandten vom 22. auf den 23. Oktober, als Kassel Ziel eines verheerenden Luftangriffs wurde. Er musste miterleben, wie seine Verwandten ausgebombt wurden. Im Februar 1944 wurde sein Haus in Berlin durch einen Luftangriff völlig zerstört.

Am 23. Juli 1944 wurde schließlich sein Sohn Erwin Planck, ein Beteiligter des Aufstandes vom 20. Juli 1944, verhaftet und in das Hauptquartier der Gestapo gebracht. Erwin Planck wurde vom Volksgerichtshof am 23. Oktober 1944 zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

In den letzten Kriegswochen gerieten Max Planck und seine Frau auch an der Elbe zwischen die Fronten der vorrückenden Alliierten. Schließlich wurde er nach Kriegsende zu einer Nichte nach Göttingen gebracht.

Späte Jahre

Plancks Grab auf dem Städtischen Friedhof in Göttingen

Nach dem Kriegsende wurde von Göttingen aus unter der Führung von Ernst Telschow die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft wieder aufgebaut, deren kommissarischer Präsident Max Planck wurde. Nach seiner Rückkehr aus der englischen Internierung trat Otto Hahn am 1. April 1946 die Nachfolge an. Da die britische Besatzungsmacht auf einem anderen Namen bestand, erfolgte am 11. September 1946 in Bad Driburg die Umbenennung in Max-Planck-Gesellschaft. Max Planck wurde zu ihrem Ehrenpräsidenten ernannt.

Trotz zunehmender gesundheitlicher Probleme unternahm Planck wieder Vortragsreisen. Im Juli 1946 nahm er als einziger eingeladener Deutscher an den Feierlichkeiten der Royal Society zum 300. Geburtstag Isaac Newtons teil. Am 4. Oktober 1947 starb Max Planck an den Folgen eines Sturzes und mehrerer Schlaganfälle. Sein Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof Göttingen, auf dem außer ihm eine Reihe weiterer Nobelpreisträger bestattet sind.

Auszeichnungen und Ehrungen

Noch heute gibt es viele Schulen und auch Universitäten, die nach Max Planck benannt sind. Siehe dazu die Liste der Max-Planck-Gymnasien.

Werke (Auswahl)

Schriften und Vorträge

Zeitschriftenartikel

  • Über eine Verbesserung der Wienschen Spektralgleichung. Verhandl. Dtsch. phys. Ges. 2, 1900, S. 202–204 [9]
  • Zur Theorie des Gesetzes der Energieverteilung im Normalspektrum. Verhandl. Dtsch. phys. Ges. 2, 1900, S. 237–245 [10]
  • Über das Gesetz der Energieverteilung im Normalspektrum. Ann. Phys. 4, 1901, S. 553–563 [11]

Literatur

  • Dieter Hoffmann: Max Planck. Die Entstehung der modernen Physik. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56242-6.
  • Ernst Peter Fischer: Der Physiker. Max Planck und das Zerfallen der Welt. Siedler, München 2007, ISBN 3-88680-837-8.
  • John Lewis Heilbron: Max Planck. Hirzel, Stuttgart 2006.
  • Astrid von Pufendorf: Die Plancks. Eine Familie zwischen Patriotismus und Widerstand. Propyläen, Berlin 2006, ISBN 3-549-07277-5.
  • Armin Hermann: Max Planck in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. rororo, Reinbek 2005, ISBN 3-499-50198-8.
  • Jules Leveugle: La Relativité, Poincaré et Einstein, Planck, Hilbert. Paris 2004.
  • Petra Hauke: Literatur über Max Planck : Bestandsverzeichnis. Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Berlin 2001, ISBN 978-3-927579-14-9. (Veröffentlichungen aus dem Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft 14).
  • Max Planck: Wissenschaftliche Selbstbiographie. Mit einem Bildnis und der von Max von Laue gehaltenen Traueransprache. Barth 1948. (online)

Medien

Max Planck in Bild und Ton

Dokumentarfilme

  • Max Planck: Umsturz mit Melancholie. Dokumentation, Deutschland, 2008, 45 Min., Buch und Regie: Jürgen Miermeister, Erstsendung: 9. April 2008, Inhaltsangabe von 3sat, Besprechung in der FAZ
  • nano extra: Max Planck – Die körnige Welt. Dokumentation, Deutschland, 2008, 30 Min., Buch und Regie: Malte Linde, Erstsendung: 9. April 2008, Inhaltsangabe

Vorlesung auf DVD

Siehe auch

Weblinks

Commons: Max Planck – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Max Planck – Quellen und Volltexte

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Einzelnachweise

  1. „Namens-Überraschung. Gestatten, Marx Planck“, Spiegel online, 24. April 2008
  2. Planck, Vom Relativen zum Absoluten, Naturwissenschaften Bd. 13, 1925, S. 52–59
  3. Max Plancks Dissertation „Über den zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie“
  4. Wettbewerb „Über das Wesen der Energie“ 1887
  5. Max Planck: Ueber die Verteilung der Energie zwischen Aether und Materie, Annalen der Physik 1902, Band 314, Heft 11, S. 629-641
  6. zit. nach Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt, 2003, S. 463, ISBN 3-10-039309-0
  7. Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1918 an Max Planck (englisch)
  8. „Neue 10-Euro-Gedenkmünze zu Ehren von Max Planck“, Pressedienst Numismatik, 3. April 2008
  9. Über eine Verbesserung der Wienschen Spektralgleichung (englische und russische Übersetzung)
  10. Zur Theorie des Gesetzes der Energieverteilung im Normalspektrum (englische und russische Übersetzung)
  11. Über das Gesetz der Energieverteilung im Normalspektrum (englische und russische Übersetzung)
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