Mehrzweckboot

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Die Rayo der Meteoro-Klasse in Cartagena

Als Mehrzweckboot werden zahlreiche, unterschiedliche Wasserfahrzeuge bezeichnet, die für mehr als einen Aufgabenbereich eingesetzt werden können. Der Begriff ist somit allgemein gehalten. In Deutschland existiert die DIN 14961,[1] in der das Mehrzweckboot als Bootstyp normiert wird.

Allgemeiner Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Palette der Mehrzweckboote beginnt mit Sportbooten wie zum Beispiel dem Klepper Partner, das vom Hersteller als Mehrzweckboot bezeichnet wurde, weil es als Segel-, Ruder- oder Motorboot genutzt werden konnte. Hierauf folgen kleine Einsatzboote der Hilfsorganisationen, die nicht nur einer Aufgabe zugeordnet werden, ebenso wie Schiffe der Wasserschifffahrtsämter, so die Argus. Auch Polizeieinheiten nutzen derartige Boote zu unterschiedlichen Zwecken.[2] Darüber hinaus werden ebenfalls Militärschiffe wie einige Einheiten der Meteoro-Klasse oder das frühere Mehrzweckboot 1943 als Mehrzweckboot bezeichnet.

Mehrzweckboote bei Hilfsorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrzweckboot auf einem WLF

Aufgrund des Bedarf einer einheitlichen Systematisierung und Vergleichbarkeit der Fahrzeuge sowie Versicherungsgründen wurde für die Feuerwehren die DIN 14961 und DIN 1492 erarbeitet. Sie legen genauere Bauvorschriften zu den eingesetzten Booten bzw. Bootstrailern fest.[3] Andere Hilfsorganisationen wie die Wasserwacht, die DLRG und das Technische Hilfswerk nutzen Boote nach dieser Norm ebenfalls. Diese Mehrzweckboote (MZB), im Fachjargon auch Arbeitsboot, kurz A-Boot genannt, sind aus Holz, Aluminium oder glasfaserverstärktem Kunststoff in Knickspant- oder 3- Kielbauweise. Verlastet auf einem nach DIN 14962 genormten slipfähigen Bootsanhänger[3] oder Wechsellader (WLF) kann es überland transportiert werden. Die genaue Ausrüstung und Bauweise variiert jedoch je nach Hilfseinrichtung leicht.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgaben eines Mehrzweckbootes sind mannigfaltig und von der jeweiligen genauen Ausführung abhängig. Grundsätzlich lassen sich folgende Hauptfunktionen festhalten:

  • Rettung und Bergung von Personen, Tieren und Gütern,
  • Transport von Personen und Geräten
  • Schleppen, Schieben und Drücken von Gegenständen,
  • Erkundung und Überwachung von Einsatzstellen und
  • Absicherung von Einsatzkräften.

Alle genannten Aufgaben können auf allen Binnengewässern und küstennahen Bereichen wahrgenommen werden.

THW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrzweckboot beim THW

Heute wird das MZB beim THW stufenweise durch das baulich ähnliche Mehrzweckarbeitsboot (MzAB) ersetzt. Das MzAB ist als eine Art Sonderform des Mehrzweckbootes anzusehen. Das MzAB ist Bestandteil der Fachgruppe Wassergefahren Typ A. Es ist auf seinem Anhänger landgestützt mobil und kann zu überörtlichen und überregionalen Einsätzen verwendet werden.[4] Das MzAB besitzt einen ebenen durchgehenden Laderaum von rund 2 × 3 m und eine absenkbare Bugklappe. Schlepp- und Koppeleinrichtungen ermöglichen den Verbund mit anderen Schiffen und Booten.

Eigenschaft Mehrzweckboot beim THW[5] Mehrzweckarbeitsboot[6]
Besatzung: 2 bis 7 Helfer 1 bis 9 Helfer
Außenbordmotorisierung: 30 kW (ein- oder zweifach) 2 × 36 kW
Geschwindigkeit: ca. 50 km/h über Grund 30 kn (ca. 55 km/h)
Tragfähigkeit: bis zu 2 t oder 10 Personen > 1,5 t oder 10 Personen
Transport: Einachs-Bootsanhänger, 2 t slipfähig Einachs-Bootsanhänger, 2 t slipfähig mit Winde

Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrzweckboot bei Feuerwehren p1
Schiffsdaten
Schiffsart Mehrzweckboot
Schiffsmaße und Besatzung
 
Besatzung 1 Bootsführer, mind. 1 Bootsmann
Maschinenanlage
Maschinen-
leistung
50–100 kW
Höchst-
geschwindigkeit
27 kn (50 km/h)
Details
Tragfähigkeit

1500 kg

max. Personen

9

Sonstiges
Klassifizierungen DIN 14961

Bei Feuerwehren werden die Mehrzweckboote primär zur Tier- und Menschenrettung, zur Bergung von Wasserleichen und Gegenständen und zum Transport von Einsatzmitteln bzw. Personen eingesetzt. Ein MZB kann aber auch im Umweltschutz, z. B. bei Ölunfällen sowie zu Löschangriffen und zum Niederschlagen von Dämpfen verwendet werden. Hierfür besitzen die Boote unter anderem Löscharmaturen, Schwimmwesten und Scheinwerfer.[7] Im Rumpf befindet sich ein fest installierter A-Sauganschluss, über den das Wasser mit einer Tragkraftspritze aus dem Gewässer entnommen werden kann.[8]

MZBs sind Halbgleiter. Bei voller Auslastung erreichen sie allerdings nicht mehr die Gleitfahrt. Einige Mehrzweckboote verfügen über Bugklappen, die zur Menschenrettung abgesenkt werden können. So müssen die zu rettenden Personen nicht mehr über die Reling gezogen werden.

Sonderformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem DIN-genormten Mehrzweckboot und sonstigen herkömmlichen Varianten des MZB existieren bei Hilfsorganisationen auch zahlreiche Sonderformen von Booten, welche zwar dem MZB ähneln, aber nicht durchwegs alle obigen Charakteristika besitzen. Hierzu gehören beispielsweise schlichte Schlauchboote im Einsatz einer Hilfseinrichtung oder von den Ländern beschaffte und bezuschusste Boote für den Katastrophenschutz (Katastrophenschutzboote, kurz K-Boote).[9][10] Diese Wasserfahrzeuge sind allesamt nicht bundesweit einheitlich genormt und sind teilweise auch nicht klar voneinander zu differenzieren, weswegen die Bezeichnungen zunehmend durch eindeutigere Namen ersetzt werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Institut für Normung (Hrsg.): DIN-Norm 14961. Boote für die Feuerwehr. 2012 (beuth.de [abgerufen am 22. Februar 2013]).
  2. Einsatzmittel der Bereitschaftspolizei Niedersachsen. Abgerufen am 18. Februar 2013.
  3. a b Deutsches Institut für Normung (Hrsg.): DIN-Norm 14962. Boote für die Feuerwehr, Einführungsbeitrag. 2005 (beuth.de [abgerufen am 22. Februar 2013]).
  4. Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (Hrsg.): Portrait der Fachgruppen Wassergefahren Typ A. (thw.de [abgerufen am 22. Februar 2013]).
  5. Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (Hrsg.): Fahrzeugbeschreibung Mehrzweckboot (THW). (thw.de [abgerufen am 22. Februar 2013]).
  6. Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (Hrsg.): Fahrzeugbeschreibung Mehrzweckarbeitsboot (THW). (thw.de [abgerufen am 22. Februar 2013]).
  7. MZB der Feuerwehr Hameln feuerwehr.hameln.de, abgerufen 21. Februar 2013
  8. LFKS Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Informationen zu Einsatzbooten und der Bootsführerausbildung in Rheinland-Pfalz. (lfks-rlp.de (PDF; 263 kB) [abgerufen am 21. Februar 2013]).
  9. Wasserwacht Schleiz (Hrsg.): Beispiel für ein K-Boot (Wasserwacht Schleiz). (wasserwacht-schleiz.de [abgerufen am 18. Februar 2013]).
  10. Stadtfeuerwehrverband Bamberg (Hrsg.): Beispiel für ein K-Boot (FF Bamberg). (feuerwehr-bamberg.de [abgerufen am 18. Februar 2013]).