Metallplastik

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Die Metallbildhauerei (auch Metallgestaltung) ist eine spezielle Form der Bildhauerei zur Erstellung von Metallplastiken und hat eine lange Tradition, die über das Alte Ägypten, der Antike, dem Mittelalter bis zur heutigen Zeitgenössischen Kunst reicht.

Metallplastiken haben nichts mit Metallgießerei zu tun, sondern werden als eigenständiges künstlerisches Handwerk betrachtet, da hier meist verformt wird.

Sie unterscheiden sich vom subtraktiven Gestalten einer Skulptur, bei dem Material, z. B. Sandstein abgetragen wird – und weitgehend auch von der hauptsächlich mit Fundstücken arbeitenden Objektkunst. Andererseits gibt es auch Mischformen.

Die Arbeiten werden als Halb- oder Vollplastik, Silhouette, Relief durch Treiben, Schweißen oder Schmieden ausgeführt. Als Metall meist Kupfer, Silber, Gold oder Bronze und Messing. Zeitgenössisch, vor allem bei großen Metallplastiken häufig Stahl (aus der Historie umg. Eisen) und Edelstahl.

Nicht zu viele Menschen wählten die Metallbildhauerei als Kunstform für ihre Werke, da grundsätzliche Fertigkeiten zur Metallbearbeitung und Kreativität Voraussetzung sind. Daher wurden und sind gerade Kunstschmiede exelente Metallbildhauer.

Die Anfänge und deren Technik[Bearbeiten]

Die Anfänge des Treibens in Metall, als Grundvoraussetzung zur Schaffung von Metallplastiken lagen vor ca. 6000 Jahren in Sumer[1], Mittel- und Südbabylonien – im heutigen Irak. Ein beeindruckendes Zeugnis früher figuraler Treibkunst aus der Zeit um 2250 v. Chr.  ist die lebensgroße Plastik des ägyptischen Pharao Pepi_I., zusammengefügt aus vernieteten Kupferblechen.

Beim Treiben wird Blech manuell oder seltener industriell mittels Maschineneinsatz gestreckt oder gestaucht. Beim künstlerischen Treiben von Plastiken, Bildern bzw. Reliefs aus weichem Metall geht es im Wesentlichen darum, eingeschlagene Vertiefungen und die aus der Materialverdrängung folgenden Erhebungen exakt „auszuarbeiten“ und in die gewünschte Form zu bringen.

Metallplastik in der modernen Kunst[Bearbeiten]

In der modernen Kunst begann sich die Metallplastik von der ausschließlich figurativen Kunst zu lösen und öffnete sich parallel der abstrakten Kunst. Es fand ein Entwicklungsprozess vom plastischen Volumen zur konstruierten Raumgestaltung statt. Erst seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts ist sie als vollgültige Ausdrucksmöglichkeit etabliert, wo neben anderen der spanische Kunstschmied Julio González Pionierarbeit leistete, der ab 1923 mit Pablo Picasso zusammengearbeitet hat und ihn 1928 auch in die Techniken der Metallverarbeitung unterwies. Der Amerikaner David Smith ließ sich durch die Arbeiten González inspirieren. Auch die Russische Avantgarde beschäftigte sich mit den Möglichkeiten der Metallplastik, wie Tatlin (Tatlin-Turm) und vor allem Naum Gabo. Als Wegbereiter der zeitgemäßen Metallplastik zählen auch namhaften Vertreter des katalanischen Modernisme, wie Antoni Gaudí und dessen Schüler und Mitarbeiter Jujol (z. B.  mit den außergewöhnlichen Balkongittern der Casa Milà 1908).

In den 1940er und 1950er Jahren setzten Bildhauer, wie Hans Uhlmann, Fritz Kühn oder der Gründungsrektor der Kunsthochschule Berlin Otto Sticht Maßstäbe. Eduardo Chillida wurde mit seinen ursprünglich in Schmiedetechnik entstandenen Eisenplastiken weltberühmt.

Seit dieser Zeit haben sich weltweit eine Vielzahl von Bildhauern mit dieser künstlerischen Ausdrucksform auseinandergesetzt, deren große Werke häufig als Kunst im öffentlichen Raum zu sehen sind.

Metallbildhauer (Metallplastiker) des 20. und 21. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Neben den oben genannten weitere Beispiele bekannter Persönlichkeiten, alphabetisch:

  • Toni Benetton
  • Simon Benetton
  • Manfred Bergmeister
  • Claudio Bottero
  • Karel Bures
  • Ingolf Eschenbach
  • Tom Joyce
  • Takayoshi Komine
  • Albert Paley
  • Rudolf Reinhart
  • Christian Roehl
  • Wladimir Sokhonovitsch
  • Pavel Tasovsky
  • Torsten Theel

Werkzeuge eines Metallbildhauers[Bearbeiten]

Treib-, Sicken-, Polier- und Kugelhammer, Treib- und Schrotpunzen, sandgefüllte Ledersäcke, Sattelhölzer, Schmiedefeuer, Ambosse mit Stauch- Stöckelhörnern, Schmiedehämmer und passende Hilfshämmer, Blech-, Loch-, Durchlauf- und Figurenscheren, Lötzubehör und je nach Technik weitere.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietrich Mahlow 100 Jahre Metallplastik, 2 Bände, Metallgesellschaft AG, Frankfurt 1981; ISSN 0369-2345
  • Irmtraud Ohme und Schüler: Metallgestaltung, Ausstellungskatalog mit Einführung zum Thema Metallplastik, Berlin, Galerie Unter den Linden. 1987. 70 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harald Hauptmann und Ernst Pernicka (Hrsg.) Beiträge von Barbara Helwing, Joachim Lutz, Uwe Müller und Michael Müller-Karpe: "Die Metallindustrie in Mesopotamien von den Anfängen bis zum 2. Jahrtausend v. Chr.", Deutsches Archäologisches Institut, 2004, ISBN 3-89646-633-X

2. http://www.reinhart-der-metallbildhauer.at/index.php/galerie