Microsoft Windows 3.1

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Windows 3.1
Das alte Windows-Logo als stilisiertes Fenster mit Fensterkreuz und sehr dicken Linien, die Butzenscheiben in Rot, Grün, Blau und Gelb flächig gestaltet, der linke Rand sich mosaikartig auflösend und die ganze Grafik in wehend-geschwungenen Querlinien gestaltet; darunter übereinander die Schriftzüge „Microsoft (R)“ und „Windows (TM)“ in serifenbetonter Schrift (Kapitälchen-Stil)
Screenshot
Bildschirmfoto Windows für Workgroups 3.11 (deutsch) mit Datei-Manager, im Hintergrund Programm-Manager mit geöffneten und geschlossenen Programmgruppen, der im Editor geöffneten Datei WIN.INI (mit Einträgen, die damals noch nicht Teil der Systemregistrierung waren) und unten links auf Symbolgröße minimierte Windowsanwendungen
Basisdaten
Entwickler Microsoft
Lizenz(en) Microsoft EULA (Closed Source)
Aktuelle Version 3.11
(November 1993)
Abstammung \ MS-DOS \ Windows
Chronik Windows 1.0
Windows 2.0
Windows 3.0
Windows 3.1
Windows 95
Windows 98
Windows Me
Sonstiges Entwicklung am 31. Dezember 2001 eingestellt
Website www.microsoft.com

Microsoft Windows 3.1 (Arbeitsname: Janus)[1][2] ist eine grafische Benutzeroberfläche von Microsoft, die auf MS-DOS aufsetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windows 3.0 war zwar sehr erfolgreich, blieb aber nicht von Kritik verschont. Im Praxiseinsatz zeigte sich, dass das Betriebssystem anfällig gegenüber Abstürzen war.[3] Zudem galt das Betriebssystem immer noch als zu langsam für den produktiven Einsatz.[4] Bill Gates kündigte eine verbesserte Version von Windows 3.0 für die Mitte des Jahres 1991 an. Außerdem sollte eine Portierungsbibliothek erscheinen, um Windows-Programme auf IBM OS/2 zu portieren,[5] das viele Anwender Windows wegen seiner Stabilität weiterhin vorzogen. Zwar war eine verbesserte Stabilität für Windows 3.1 angekündigt, aber die Unternehmen warteten vergebens auf das neue Betriebssystem, sodass viele gezwungenermaßen weiterhin bei IBM OS/2 blieben.[6]

In die Beta-Version von Windows 3.1 wurde ein Softwaretest eingebaut, um Kompatibilitätsprobleme bei der Verwendung alternativer DOS-Versionen zu erkennen.[7] Statt MS-DOS setzten etliche Kunden DR DOS ein. Dieser Test war auch in der Verkaufsversion von Windows 3.1 enthalten, allerdings deaktiviert.[8]

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windows 3.1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „graphische Betriebssystemerweiterung“[9] Windows 3.1 wurde am 1. März 1992 veröffentlicht und war erstmals als Update für ein früheres Windows erhältlich.

Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die Unterstützung von TrueType-Schriften und der OLE-Schnittstelle, zudem wurde Drag and Drop eingeführt.

Darüber hinaus bot Windows 3.1 eine standardmäßige Multimediaunterstützung an, die zuvor nur als Bestandteil des wenig verbreiteten Windows 3.0 with Multimedia Extensions 1.0 erhältlich war. Grafikmäßig wurden mit dieser Version Farbtiefen bis zu 32 Bit und große Bildschirmauflösungen unterstützt. Trotz der Namensähnlichkeit sind viele Programme für Windows 3.0 zu Windows 3.1x inkompatibel (und umgekehrt).

Gleichzeitig wurde erstmals eine hierarchische Systemdatenbank integriert, die sogenannte Windows-Registrierungsdatenbank, die umgangssprachlich häufig auch Registry genannt wird. Im Gegensatz zu späteren Windows-Versionen beschränkt sich ihre Verwendung unter Windows 3.1 noch auf Dateinamenserweiterung und einige Windows-Einstellungen. Programmeinstellungen und umfangreichere Konfigurationen werden noch wie bisher über ini-Files (Initialisierungsdateien) realisiert, die die Parameter und Werte im Klartext enthalten. Diese Dateien sind mit einem Texteditor änderbar und lassen sich einfach kopieren, wodurch System- und Programmkonfigurationen einfach auf andere Rechner übertragen werden können.

Windows 3.1 war in zahlreichen Sprachen erhältlich, neben Englisch waren dies Arabisch, Chinesisch (vereinfacht und traditionell), Dänisch, Deutsch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Japanisch, Katalanisch, Koreanisch, Niederländisch, Norwegisch, Persisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Schwedisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch und Ungarisch.[10] Es existierten zahlreiche von Herstellern angepasste OEM-Varianten, teilweise sogar mit DOS und Treiberanpassungen als Skriptinstallation auf CDs statt auf Diskette.

Windows 3.11[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windows 3.11 wurde im Februar 1994 veröffentlicht.[11] Es unterscheidet sich von der vorherigen Version praktisch nur durch aktualisierte Treiber. Microsoft stellte ein kostenloses Update bereit, um ein bestehendes Windows 3.1 auf diese Version zu aktualisieren. Mit dieser Version wurde erstmals ein Echtheitszertifikat eingeführt; ein schwer zu fälschendes Hologramm erlaubt es dem Laien, eine Kopie von einem Original zu unterscheiden.

Windows 3.2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windows 3.2 erschien im Dezember 1994 ausschließlich in der Volksrepublik China.[10] Dabei handelt es sich um eine aktualisierte Version von Windows 3.1, die neue Eingabemethoden (IME) sowie weitere Verbesserungen bot.[12]

Windows für Workgroups 3.1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windows für Workgroups 3.1 wurde am 27. Oktober 1992 veröffentlicht.[13] Es enthielt als erstes Windows zusätzliche Möglichkeiten für das rudimentäre Peer-to-Peer-Netzwerk zwischen Windows-Computern über das MS-eigene NetBEUI-Protokoll. Das TCP/IP-Protokoll wurde mit dieser Version noch nicht unterstützt. Die Programme Microsoft Mail, ein netzwerkbasiertes Mailprogramm, und Schedule+, ein Kalenderprogramm zur gemeinsamen Benutzung durch mehrere Anwender standen zur Verfügung. Windows für Workgroups 3.1 unterstützte den Standardmodus (80286-Prozessor), allerdings war in diesem Modus die gemeinsame Datei- und Druckernutzung nicht möglich.

Windows für Workgroups 3.1 war allerdings kein Erfolg; es wurden monatlich rund 30.000 Exemplare dieses Betriebssystems verkauft, im Vergleich zu monatlich mehr als einer Million Exemplare des regulären Windows 3.1. Das Betriebssystem war größtenteils inkompatibel zu Netzwerksoftware von Drittanbietern, zudem konnten die Netzwerkfunktionen nicht ausgeschaltet werden, was dafür sorgte, dass Unternehmen dieses Betriebssystem mieden.[14]

Windows für Workgroups 3.11

Windows für Workgroups 3.11[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windows für Workgroups 3.11 wurde am 8. November 1993 veröffentlicht.[15] Es ist eine erweiterte Fassung von Windows für Workgroups 3.1 mit verbesserter 32-Bit-Netzwerksoftware und TCP/IP-Protokoll (als Aktualisierung nachzuinstallieren), das die Kommunikation mehrerer Rechner in einem lokalen Netzwerk erlaubt. Mit einem Paket kleinerer Programme („Winsocks“) ist nun auch der Internetzugriff über ein Standardmodem mit AT-Befehlssatz (Hayes) und den Bitraten 4,8 / 9,6 / 19,2 kBit/s möglich. Auch kann man per ISDN oder mit DSL ins Internet. Die letzten Browser für WfW 3.11 sind: Internet Explorer 5.0 Deutsch, Internet Explorer 5.01 Englisch, Opera 3.62 Englisch und Netscape Navigator 4.08. Gerätehersteller konnten noch bis Anfang November 2008 das Betriebssystem Windows für Workgroups 3.11 lizenzieren.[16]

Erweiterungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Windows 3.1 existieren zahlreiche Erweiterungen, die vor allem die vergleichsweise einfachen Programm- und Dateimanager ergänzen oder durch völlig neue Oberflächen ersetzen, darunter PC Tools für Windows, Norton Desktop, Calmira oder Plug-In for Windows.

Win32s-API[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Erweiterung für neuere Programme ist die Win32s-Schnittstelle für Windows 3.1x. Diese erlaubte das Ausführen von 32-Bit-Programmen[17] unter dem sonst 16-bittigen Windows. Dabei wurden allerdings die Funktionsbibliotheken aus Windows NT nicht komplett übernommen, sondern lediglich eine Auswahl daraus, so ist beispielsweise MS Office 97 unter Windows NT 3.51 lauffähig, nicht jedoch unter Windows 3.1x / WfW 3.x. In Kombination mit Grafikschnittstellen wie OpenGL oder Video for Windows sollte damit jedoch bis zum Erscheinen von Windows 95 ein ausreichender Standard für Heimanwender gesetzt werden.

Windows für Pen Computing 1.0[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windows für Pen Computing ist eine Erweiterung von Windows 3.1x, die auf die Eingabe mittels Lichtgriffel ausgelegt war und auf Tablet-PCs ausgeführt wurde. Die Bedienung zeichnete sich hauptsächlich dadurch aus, dass sie Funktionen wie trainierbare Handschrifterkennung und Gesten einführte. Nachdem Compaq 1994, also vor dem Erscheinen von Windows 95, seine Pläne, einen PDA auf Grundlage dieses Betriebssystems herauszubringen eingestellt hatte,[18] entschied Microsoft, die nachfolgende Version für Windows 95 ohne Beteiligung von Kooperationspartnern zu entwickeln.

Systemvoraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windows 3.1 erforderte mindestens einen 80286-Prozessor. Der Real Mode, der noch in der Vorgängerversion enthalten war und 8086/8088-Prozessoren unterstützte, war in dieser Version nicht mehr vorhanden. Zum Betrieb von Windows für Workgroups 3.11 war ein 80386-Prozessor notwendig[19]

Windows 3.1 unterstützte, zumindest theoretisch, bis zu 512 MB Arbeitsspeicher im Standard-Modus, allerdings mussten Anwendungen explizit für diese Arbeitsspeichergröße kompiliert werden. Die meisten Anwendungsprogramme, und Windows 3.1 im 386-erweiterten Modus, unterstützen bis zu 256 MB Arbeitsspeicher.[20]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Einführung von Windows 95 nahm die Unterstützung von Windows 3.1 seitens Microsoft sowie Drittherstellern ab. Unterstützt wurden MS Office bis Version 4.3, StarOffice bis 4.0, CorelDraw bis 5.0, MicroGrafx Designer/Picture Publisher 5, PaintShopPro 3.12. Aufgrund des Browserkriegs wurde noch 1999 Internet Explorer 5.0 als 16-Bit-Version herausgegeben. Insgesamt ist die Hardwareunterstützung für SCSI besser als für IDE/Atapi.

Das System konnte sich in der Welt der Embedded-PCs, etwa in Registrierkassen, aufgrund der niedrigen Hardwareanforderungen bei gleichzeitiger Unterstützung des TCP/IP-Protokolls bis in die zweite Hälfte der 2000er Jahre halten, Microsoft lizenzierte für Gerätehersteller Windows for Workgroups 3.11 bis zum 1. November 2008.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pierre Dandumont: LNDCDJ : Janus / Windows 3.1 (French) In: Tom's Hardware. 7. Oktober 2009. Abgerufen im 13. Juli 2014.
  2. Microsoft Windows 3.1. In: Old Computer Museum. Abgerufen im 13. Juli 2014.
  3. Ingo T. Storm: Bill Gates' Joker: Microsoft Windows 3.1. In: c't. Nr. 5, 1992, S. 102ff.
  4. Michael Fitzgerald: Current needs, future promises: Windows users' wish list of improvements includes faster speed and font technology. In: Computerworld. 25, Nr. 9, 4. März 1991, S. SR5.
  5. James Daly: Current needs, future promises: With a quantum leap years away, Microsoft schedules incremental changes for Windows. In: Computerworld. 25, Nr. 9, 4. März 1991, S. SR5.
  6. Kristi Coale: Windows, OS/2: Tale of unequal partners: Windows may be the current development darling, but OS/2 still carries all the weight. In: InfoWorld. 14, Nr. 4, 27. Januar 1992, S. 45–46.
  7. Dan Goodin: Microsoft emails focus on DR-DOS threat. CNET News, 28. April 1999, abgerufen am 31. August 2008.
  8. Andrew Schulman: Untersuchung des Windows AARD Detection Code (englisch) vom 1. September 1993 (Zugriff: 31. August 2008)
  9. Windows-3.1-Handbuch
  10. a b MSDN Library - Developing International Software - Appendix P Localized Editions of Microsoft Windows. Abgerufen am 23. März 2013.
  11. Willem Knibbe: Microsoft releases Windows 3.11. In: InfoWorld. 16, Nr. 8, 21. Februar 1994, S. 3.
  12. Referenzseite auf der Microsoft-Homepage
  13. Microsoft Windows for Workgroups 3.1 Makes Information Sharing Easier. 27. Oktober 1992. Abgerufen am 13. August 2013.
  14. Frederic Paul: Reworking Windows for Workgroups. In: Network World. 10, Nr. 29, 19. Juli 1993, S. 4-5.
  15. Microsoft Ships Windows for Workgroups 3.11 with Broad Industry Support: OEMs to Preinstall Windows for Workgroups 3.11 on Millions of Personal Computers. 8. November 1993. Abgerufen am 13. August 2013.
  16. a b https://www.heise.de/newsticker/meldung/Das-Ende-von-Windows-3-11-185892.html
  17. How to download and install Win32s using Windows 3.1 File Manager (englisch) – MIT, mit „Win32s is an extension for the Windows 3.1 and Windows 3.11 operating systems, which allows them to run some 32-bit applications.“; letzte Änderung am 18. Februar 1999
  18. Anna-Martina Kröll: Interorganisationale Netzwerke: Nutzung Sozialen Kapitals für Markteintrittsstrategien. Springer-Verlag, 2013. ISBN 3322811174, ISBN 9783322811172 (Ausschnitt online)
  19. If Windows 3.11 required a 32-bit processor, why was it called a 16-bit operating system?, abgerufen am 11. Juli 2012
  20. Microsoft Knowledge Base - Windows 3.1 Memory Limits. Abgerufen am 9. Juli 2012.