Niederhöchstadt

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Niederhöchstadt
Stadt Eschborn
Wappen von Niederhöchstadt
Koordinaten: 50° 9′ 31″ N, 8° 32′ 48″ O
Höhe: 153 m ü. NHN
Fläche: 3,84 km²[1]
Einwohner: 6322 (1993)
Bevölkerungsdichte: 1.646 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65760
Vorwahl: 06173

Niederhöchstadt ist ein Stadtteil von Eschborn im Main-Taunus-Kreis in Hessen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher lag das Dorf nur an einer Straße und seine Größe wurde noch „vom aane bis zum anere Kreuz“ angegeben. Am Anfang der Hauptstraße steht ein Kreuz ('aane') und am Ende Richtung Kronberg ein weiteres ('anere') Kreuz. Später ist das Dorf über den ehemaligen Kern hinaus gewachsen. Der frühere Charakter ist heute trotzdem noch gut erkennbar.

Nachbargemeinden

Niederhöchstadt grenzt im Norden an Kronberg und Oberhöchstadt, im Osten an Steinbach (sämtlich Hochtaunuskreis), im Südosten an Eschborn, im Westen Schwalbach (Main-Taunus-Kreis).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 782 wurde (Nieder)höchstadt (Eichenstat) das erste Mal im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Kloster Lorsch im sogenannten Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) urkundlich erwähnt:

Im Namen Gottes beabsichtigen wir, Sigebert und meine Frau Balduiz, eine Zuwendung an den heiligen Märtyrer (Nazarius). Sein Leib ruht im Lorscher Kloster, dessen leitender Abt der verehrungswürdige Helmerich ist. Die Übergabe erfolgt nach unserem Wunsch für immer und, wie wir ausdrücklich betonen, aus freien Stücken. Wir schenken in pago Nitachgowe (im Niddagau), in Aschenbrunnen (Eschborn w. Frankfurt/M.) und in Eichenstat (Höchstadt) drei Huben, eine Wiese mit einem Ertrag von 15 Fuder Heu, einen Wald und zwölf Leibeigene. In diesem Sinne erfolgt feierliches Handgelöbnis.

Geschehen im Lorscher Kloster am 12. Juni im 14. Jahr (782) des Königs Karl.[2].

Im gleichen Jahr im August lesen wir in einer anderen Urkunde von der Heichsteter marca, der Höchstädter Mark (Gemarkung).

Erst im Jahre 1048 wird unterschieden zwischen Hekestat inferiori (Niederhöchstadt) und Hekestat superiori (Oberhöchstadt). Im Jahr 1328 belehnte Kune von Falkenstein, Herr zu Münzenberg, den Ritter Hartmut von Kronberg mit dem Dorf Niederhöchstadt.

Am 17. August 1497 erhielt Ritter Johann (VII.) von Kronberg am Hofe in Worms aus der Hand des Königs und späteren Kaisers Maximilian I. die Verleihungsurkunde über ein Marktrecht für Niederhöchstadt. In der Urkunde versicherte der Kaiser alle Besucher des Marktes seines „Schutz und Schirmes“, außerdem gewährte er ihnen freies Geleit auf ihrer Reise zum Markt, ebenso auf der Rückreise. Mit 20 Mark in Gold solle derjenige bestraft werden, der die königlichen Gebote missachte und den Markt oder seine Besucher stört. Inwiefern der Markt stattgefunden hat, ist nicht überliefert. Niederhöchstadt gehörte ursprünglich, wie z. B. Eschborn, zum Reichslehen Kronberg (Cronberg), vgl. Eschborn.

Mit dem Tode des letzten Kronbergers fiel es als Teil dieses Lehens im Jahre 1704 an das Kurfürstentum Mainz.

Eine alte Wassermühle am Westerbach wird erstmals 1715 in den Akten erwähnt. Durch ein sog. Mühlbannrecht wurden die Bauern aus Niederhöchstadt und Schwalbach gezwungen, ihr Getreide ausschließlich in der Niederhöchstädter Mühle mahlen zu lassen. 1856 wird dieses Mühlbannrecht aufgehoben und die Mühle stillgelegt. Es gab immer wieder Probleme mit dem niedrigen Wasserstand des Westerbachs, der die Funktion des Mühlenbetriebes beeinträchtigt hatte. Heute steht diese Mühle nicht mehr, sie wurde abgerissen, um Platz für ein anderes Gebäude zu machen.

1803 ging Niederhöchstadt an Nassau-Usingen und gehörte zur Zeit des Herzogtums Nassau zum Amt Königstein. Nach der Annexion durch Preußen wurde es 1867 dem Obertaunuskreis und 1928 dem neugebildeten Main-Taunus-Kreis im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Am 31. Dezember 1971 erfolgte anlässlich der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung der Gemeinde Niederhöchstadt in die Stadt Eschborn.[3]

Die Einwohnerzahl von Niederhöchstadt hat, von 376 Personen im Jahr 1843, über 1393 im Jahr 1939, ca. 2.000 im Jahre 1950, auf etwa 4.500 im Jahre 2000 zugenommen.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche Sankt Nikolaus ist seit 1447 nachweisbar (heutiger Bau von 1952); sie ist heute katholische Pfarrkirche. Konfessionell war Niederhöchstadt – nach mehrfachen Konfessionswechseln in der Reformations- und Nachreformationszeit – anders als die Nachbarorte Kronberg und Eschborn überwiegend katholisch; dies änderte sich erst durch die Zuzüge von Heimatvertriebenen und Pendlern nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine evangelische Kirche wurde erstmals um 1980 errichtet. Die Andreasgemeinde Niederhöchstadt[4] praktiziert einen modernen Gottesdienst und veranstaltet regelmäßig größere Gottesdienste auch außerhalb der eigenen Einrichtung.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Niederhöchstadt lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1987 sind:[1]

• 1688: 0024 Familien
• 1704: 0030 Haushalte
• 1765: 0037 Märker
• 1771: 0038 Haushalte
Niederhöchstadt: Einwohnerzahlen von 1817 bis 1987
Jahr  Einwohner
1817
  
239
1834
  
328
1840
  
258
1846
  
373
1852
  
396
1858
  
386
1864
  
437
1871
  
419
1875
  
456
1885
  
462
1895
  
502
1905
  
714
1910
  
861
1925
  
1.131
1939
  
1.393
1946
  
1.884
1950
  
2.052
1956
  
2.279
1961
  
2.832
1967
  
3.634
1970
  
4.393
1987
  
6.548
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 22 evangelische (= 4,76 %), 440 katholische (= 95,24 %) Einwohner
• 1961: 1236 evangelische (= 43,64 %), 1437 katholische (= 50,74 %) Einwohner

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1950 wurde der Gemeinde Niederhöchstadt durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulpturenpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2010 besteht in Niederhöchstadt ein Skulpturenpark, der unter anderem seit 2011 drei Bronzeskulpturen von Dietrich Klinge enthält.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Niederhöchstadt gibt es ein reges Vereinsleben, zu nennen sind u. a.

  • Tura 1893 e. V. Niederhöchstadt[7]
  • twe – tennis westerbach eschborn e. V.[8]
  • TC Grün-Weiss Eschborn-Niederhöchstadt[9]
  • Kleingartenverein Niederhöchstadt e. V.[10]
  • Kappen-Club-Niederhöchstadt e. V.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Gegensatz zur Kernstadt Eschborn, welche durch viele Bürohäuser und Gewerbebetriebe auffällt, trägt Niederhöchstadt noch einen mehr dörflichen Charakter und ist Wohnort von Pendlern, die im Rhein-Main-Gebiet arbeiten. Die weitaus meisten Einwohner leben in Ein- oder Zweifamilienhäusern.
  • Relativ bedeutend ist der Anbau und das Keltern von Apfelwein.
  • In Niederhöchstadt gibt es kein Rathaus, sondern nur eine Verwaltungsstelle des Rathauses der Stadt Eschborn. Das ehemalige Bürgermeisteramt wurde in den 2000er Jahren abgerissen und durch ein privates Gebäude ersetzt.
  • Obwohl Niederhöchstadt ein Stadtteil von Eschborn ist, hat es eine selbstständige Freiwillige Feuerwehr.[12]
  • Es findet sich ein großes Sportgelände, die Westerbachsportanlage, mit mehreren Fußballfeldern, Sporthallen und Trainingsmöglichkeiten in Niederhöchstadt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die zentrale Lage zwischen Frankfurt am Main-Rödelheim und Kronberg bekam Niederhöchstadt mit der im Jahre 1873 mit dem Bau begonnenen Kronberger Bahn ab dem 1. November 1874 einen eigenen Bahnhof für den Personenverkehr. Ab dem 1. Februar 1875 kam der Güterverkehr noch hinzu.

Seit 1978 ist Niederhöchstadt, ebenso wie Eschborn, an die S-Bahnlinien des Rhein-Main-Verkehrsverbundes von Darmstadt–Frankfurt–Kronberg (S 4) bzw. Darmstadt–Frankfurt–Bad Soden (S 3) angeschlossen. Weiterhin bestehen Busverbindungen nach Oberursel und Hofheim am Taunus.

Der Straßenverkehr zog sich noch bis in die 1960er Jahre durch die schmale Hauptstraße (mit einem beschrankten Bahnübergang) zwischen Eschborn und Kronberg, bis eine Umgehungsstraße in den Jahren 1968/69 (L 3005), von Frankfurt-Rödelheim nach Kronberg, Entlastung brachte. Diese Straße trennte allerdings einen kleinen westlichen Teil des Ortes (auf der Schwalbacher Seite) vom Rest und musste deshalb durch eine Straßenunterführung und – am S-Bahn Haltepunkt (Niederhöchstadt) – eine Fuß- und Radwegunterführung miteinander verbunden werden.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die 1960er Jahre waren die Grundschüler in provisorischen Baracken, sog. Nissenhütten, untergebracht, bis dann die neue Westerbachgrundschule gebaut wurde. Sie ist die einzige Schule im Stadtteil. Es gibt zwei städtische Kindergärten und private Kindertagskrippen.

Seit 1970 ist die Musikschule Taunus e. V.[13] präsent, die in dem ehemaligen Polizeirevier der Gemeinde untergebracht ist. Derzeit gibt es Überlegungen, ein neues Gebäude für die Musikschule am Ortsausgang Richtung Kronberg zu errichten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hansjörg Ziegler: Eschborn. 10 Bände, Band I: Niederhöchstadt – Das einstige Straßendorf in Bildern von Gestern. Historische Gesellschaft e. V., 1992.
  • 1200 Jahre Niederhöchstadt. Festschrift. Magistrat der Stadt, Eschborn 1982.
  • Reinhard A. Bölts: Eschborn – Bilder einer dynamischen Stadt. Verlag 76 GmbH, 1976.
  • Eschborn dialog. Magistrat der Stadt, Eschborn 2007, ISBN 978-3-00-020336-7.
  • Gerd S. Bethke: Die Flurnamen der Stadt Eschborn 1. Niederhöchstadt. (= Eschborner Museumsschriften. 4) Magistrat der Stadt, Eschborn 2009, DNB 993355714.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niederhöchstadt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Niederhöchstadt, Main-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Magistrat der Stadt Eschborn (Hrsg.): 1200 Jahre Niederhöchstadt, Schriftleitung: Gerhard Raiss, Eschborn 1982
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 370.
  4. Andreasgemeinde im Internet
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Niederhöchstadt im Landkreis Main-Taunus, Reg.-Bezirk Wiesbaden. vom 2. November 1950. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1950 Nr. 46, S. 470, Punkt 870 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,2 MB]).
  7. Tura Niederhöchstadt (Memento vom 23. August 2011 im Internet Archive)
  8. twe – tennis westerbach eschborn e. V.
  9. TCGW Eschborn-Niederhöchstadt
  10. KGV Niederhöchstadt
  11. KCN Niederhöchstadt (Memento vom 30. Juli 2010 im Internet Archive)
  12. Freiwillige Feuerwehr Niederhöchstadt
  13. Wir über uns. In: musikschule-taunus.de.