Nordreisa

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Wappen Karte
Wappen der Kommune Nordreisa
Nordreisa (Norwegen)
Nordreisa
Basisdaten
Kommunennummer: 5428
Provinz (fylke): Troms og Finnmark
Verwaltungssitz: Storslett
Koordinaten: 69° 42′ N, 21° 12′ OKoordinaten: 69° 42′ N, 21° 12′ O
Fläche: 3.437,81 km²
Einwohner: 4.746 (1. Jan. 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 1 Einwohner je km²
Sprachform: Bokmål
Webpräsenz:
Verkehr
Straße: Europastraße 6
Politik
Bürgermeister: Hilde Nyvoll (Ap) (2019)
Lage in der Provinz Troms og Finnmark
Lage der Kommune in der Provinz Troms og Finnmark

Nordreisa (nordsamisch Ráissa, kvenisch Raisi[2]) ist eine Kommune im norwegischen Fylke Troms og Finnmark. Die Kommune hat 4746 Einwohner (Stand: 1. Januar 2022). Verwaltungssitz ist die Ortschaft Storslett.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reisadalen mit der Reisaelva

Nordreise liegt an der Küste Nordnorwegens und grenzt im Süden an Finnland. In Norwegen grenzt die Gemeinde an Kvænangen im Nordosten und Osten, Kautokeino im Südosten und Kåfjord im Westen. Im Westen besteht zudem eine im Fjord Lyngen verlaufende Grenze zur Kommune Lyngen. Die Grenze zu Skjervøy im verläuft ebenfalls weitgehend im Meer. Nur auf der Insel Uløya besteht ein kürzerer auf dem Land verlaufender Grenzabschnitt. Von Norden kommend schneidet sich der Fjord Reisafjorden (nordsamisch Ráisavuotna) in das Land ein. Im Osten hat dieser den Nebenarm Oksfjorden, an dessen innerem Ende sich die Ortschaft Oksfjordhamn und der See Oksfjordvatnet anschließen. Ein weiterer Nebenarm des Reisafjords ist der Fjord Straumfjorden.[3]

Am südlichen Ende des Reisafjords liegen die Orte Sørkjosen und Storslett. In Storslett mündet der Fluss Reisaelva in den Fjord. Die Reisaelva gehört zu den wichtigsten Lachsflüssen Nordnorwegens und fließt von Südosten aus dem Hochplateau Finnmarksvidda kommend durch das Tal Reisadalen auf den Ort zu. Das Tal ist auf beiden Seiten von höheren Bergen umgeben, die teilweise über 1000 moh. erreichen.[3] Die Erhebung Ráisduottarháldi auf der Südwestgrenze stellt mit einer Höhe von 1361,38 moh. den höchsten Punkt der Kommune Nordreisa dar.[4] Richtung Südosten des Haupttals der Kommune werden die Talseiten weniger steil und an der Grenze zu Kautokeino befinden sich größere Moorgebiete. In dem Bereich der Kommune befindet sich auch der See Ráisjávri.[3] Das obere Talgebiet geht in den Reisa-Nationalpark ein. Dieser ist seit 1986 geschützt und hat eine Fläche von insgesamt 803 km².[5]

Gemessen an der Landfläche gehört Nordreisa zu den zehn größten Kommunen Norwegens. Die Gesamtfläche der Kommune beträgt 3.437,81 km², wobei Binnengewässer zusammen 101,66 km² ausmachen.[6]

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Storslett

Viele Einwohner haben kvenische oder samischen Vorfahren. Der Großteil der Einwohner lebt entlang der Bucht Leirbukta, dem inneren Abschnitt des Fjords Reisafjorden. Dort liegen auch die beiden Orte Sørkjosen und Storslett. Die restlichen Einwohner leben vor allem entlang der restlichen Küste. Die Zahl der Einwohner wuchs nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis Mitte der 1990er-Jahre an. Im Jahr 1996 erreichte man den Wert von 4914 Personen, bevor die Zahl wieder zurückzugehen begann und sich schließlich wieder stabilisierte.[7] In der Gemeinde liegen zwei sogenannte Tettsteder, also zwei Ansiedlungen, die für statistische Zwecke als eine Ortschaft gewertet werden. Diese sind Sørkjosen mit 842 und Storslett mit 1791 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2021).[8]

Die Einwohner der Gemeinde werden Nordreisværing genannt.[9] Offizielle Schriftsprache ist wie in vielen Kommunen in Troms og Finnmark Bokmål, also die weiter verbreitete der beiden norwegischen Sprachformen.[10]

Jahr 1986 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020
Einwohnerzahl[11] 4768 4697 4905 4821 4744 4757 4882 4861

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häuser in Havnnes

Die Kommune Nordreisa entstand am 1. Januar 1886, als es von Skjervøy abgespalten worden ist. Nordreisa hatte bei der Gründung 1057 Einwohner, Skjervøy verblieb mit 2096. Zum 1. Januar 1890 wurde ein von 32 Bewohnern bewohntes Gebiet von Skjervøy an Nordreisa überführt. Erneut ging zum 1. Januar 1972 ein Teil Skjervøys an Nordreisa über. Bei dieser Grenzänderung war ein von 1556 Personen bewohntes Areal betroffen. Zehn Jahre später folgte zum Beginn des Jahres 1982 wiederum ein Gebiet mit 128 Einwohnern von Skjervøy.[12] Bis zum 31. Dezember 2019 gehörte Nordreisa der damaligen Provinz Troms an. Sie ging im Zuge der Regionalreform in Norwegen in die zum 1. Januar 2020 neu geschaffene Provinz Troms og Finnmark über.[13]

In der Kommune leben viele Personen mit kvenischen Vorfahren und es befindet sich ein kvenisches Kulturzentrum in Nordreisa. Während des Zweiten Weltkriegs wurde von deutschen Truppen ein Teil der Bebauung zerstört. Verschont blieb Havnnes auf der Insel Uløya, da den alten Gebäuden dort ein besonderer kultureller Wert zugemessen wurde[7][14] In Storslett liegt die 1856 fertiggestellte Holzkirche Nordreisa kirke. Als Architekt war Christian Heinrich Grosch im Einsatz.[15] Die Kirche gehört zu den wenigen Gebäuden von Storslett, die nicht während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden.[14]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

E6 in Nordreisa

Aus der Kommune Kåfjord führt die Europastraße 6 (E6) an der westlichen Fjordküste in den Norden nach Nordreisa. In Nordreisa knickt sie in den Osten ab und führt durch den Straßentunnel Sørkjostunnelen Richtung Sørkjosen.[3] Der Bau des 4,6 Kilometer langen Tunnels wurde 2014 begonnen und der Tunnel im Februar 2018 eröffnet. Davor ging die Straße, die die einzige Landverbindung zwischen Troms und der Finnmark darstellt, mit teils kurvigen und steilen Abschnitten über den Berg Sørkjosfjellet. Die alte Strecke war 10,5 Kilometer lang.[16]

Von Sørkjosen aus führt die E6 weiter nach Storslett und von dort aus weiter in den Norden weitgehend an der Küste entlang zum Ort Oskfjordhamn. Von dort führt die Straße weiter in den Osten in die Gemeinde Kvænangen. In Storslett zweigt von der E6 der Fylkesvei 8650 in das Tal Reisadalen ab. Ebenfalls von der E6 zweigt der Fylkesvei 866 ab. Dieser führt in den Nordwesten der Nordreisas und in einem Unterwassertunnel unter der Meeresenge Maursundet in die Kommune Skjervøy.[3]

In Sørkjosen liegt der Flughafen Sørkjosen.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell war die Landwirtschaft von großer wirtschaftlicher Bedeutung, diese ging mit der Zeit allerdings zurück. In der Landwirtschaft ist die Tierhaltung, dabei vor allem die Schafshaltung, typisch. Mit der 1972 vorgenommenen Eingliederung eines Gebiets von Skjervøy erhielt für Nordreisa auch die Fischerei größere Bedeutung. Keine größere wirtschaftliche Bedeutung hat hingegen die Industrie, wobei der größte Zweig die Lebensmittelproduktion ist. Neben der öffentlichen Verwaltung ist die Tourismusbranche eine wichtige Einnahmequelle. Ein bedeutendes Ziel für Touristen ist der Reisa-Nationalpark.[7] Der dort gelegene Wasserfall Mollisfossen hat eine Höhe von 269 Metern und gehört zu den meistbesuchten Attraktionen.[17] Im Jahr 2020 arbeiteten von etwa 1790 Arbeitstätigen zirka 1790 in Nordreisa selbst, über 130 waren in Tromsø tätig. Der Rest verteilte sich auf Kommunen wie Skjervøy und Alta.[18]

Name und Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das seit 1984 offizielle Wappen der Kommune zeigt zwei silberne Lachse Rücken an Rücken auf grünem Hintergrund.[19] Der Gemeindename soll sich vom Fluss Reisaelva auf den Fjord und dann die Kommune übertragen haben. Der Name des Flusses soll wiederum vom altnordischen Verb „rísa“ (deutsch steigen) abgeleitet sein. Weiter südlich in Troms befindet sich die Kommune Sørreisa (Süd-Reisa).[20]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nordreisa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 07459: Population, by sex and one-year age groups (M) 1986 - 2022. In: ssb.no. Statistisk sentralbyrå, abgerufen am 26. Februar 2022 (englisch).
  2. Faktaark. In: Kartverket. Abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  3. a b c d e f Nordreisa kommune. In: Norgeskart. Abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  4. Høgaste fjelltopp i kvar kommune. Kartverket, 10. September 2021, abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch (Nynorsk)).
  5. Reisa nasjonalpark. In: Norges nasjonalparker. Abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  6. 09280: Areal (km²), etter arealtype, statistikkvariabel, år og region. In: Statistisk sentralbyrå. Abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  7. a b c Geir Thorsnæs: Nordreisa. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  8. Population and land area in urban settlements. Statistisk sentralbyrå, 26. Oktober 2021 (englisch).
  9. Innbyggjarnamn. Språkrådet, abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch (Nynorsk)).
  10. Forskrift om målvedtak i kommunar og fylkeskommunar (målvedtaksforskrifta). In: Lovdata. 6. Januar 2020, abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  11. Population. Municipalities, pr. 1.1., 1986 - latest year. In: ssb.no. Abgerufen am 22. Februar 2022 (englisch).
  12. Dag Juvkam: Historisk oversikt over endringer i kommune- og fylkesinndelingen. (PDF) In: Statistisk sentralbyrå. 1999, abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  13. Kommunal- og moderniseringsdepartementet: Nye kommune- og fylkesnummer fra 2020. In: regjeringen.no. 27. Oktober 2017, abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  14. a b Hugo Johansen: Da tyskerne svidde av Kamøyvær, Skarsvåg og Gjesvær. In: Lofotposten. 2. November 2014, abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  15. Nordreisa kirke. In: Kirkesøk. Abgerufen am 21. Februar 2022 (norwegisch).
  16. E6 Langslett–Sørkjosen. In: vegvesen.no. Statens vegvesen, abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  17. Attractions. In: Reisa National Park. Abgerufen am 22. Februar 2022 (englisch).
  18. Pendlingsstrømmer. Statistics Norway, abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  19. Godkjenning av våpen og flagg, Nordreisa kommune, Troms. In: Lovdata. Abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).
  20. Nordreisa. In: Norsk stadnamnleksikon. Abgerufen am 22. Februar 2022 (norwegisch).