Oberstleutnant

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Oberstleutnant
DH261-Oberstleutnant.png LD B 52 Oberstleutnant.svg

Dienstgradabzeichen am Dienstanzug

Dienstgradgruppe Stabsoffiziere
NATO-Rangcode OF-4
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Oberstleutnant
Dienstgrad Marine Fregattenkapitän
Abkürzung (in Listen) Oberstlt (OTL)
Besoldungsgruppe A14/15 nach BBesO

Oberstleutnant, früher auch: Obristlieutenant, ist ein militärischer Dienstgrad. In der NATO hat der Oberstleutnant den Rangcode OF-4. Die französische Bezeichnung lautet Lieutenant-colonel, die englische Lieutenant Colonel, die spanische Teniente Coronel, die russische Podpolkownik.

Historisches

Der Name leitet sich ab von Oberst, vielfach auch Obrist, einem sehr alten Dienstgrad, und Leutnant, französisch lieutenant (Stellvertreter); der Oberstleutnant war also ursprünglich der Vertreter des Regimentskommandeurs, der den Rang eines Obristen hatte.

Deutschland

Bundeswehr

Der Oberstleutnant (Abk.: Oberstlt / in Listen: OTL) ist der sechsthöchste Offizierdienstgrad eines Soldaten der Bundeswehr beim Heer und bei der Luftwaffe. Der äquivalente Dienstgrad bei der Marine lautet Fregattenkapitän. Im Sanitätsdienst der Bundeswehr sind der Oberfeldarzt/Flottillenarzt, Oberfeldapotheker/Flottillenapotheker, Oberfeldveterinär ranggleich.

Offiziere in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Soldaten der Mannschaftsdienstgrade, Unteroffizieren ohne Portepee, Unteroffizieren mit Portepee, Leutnanten und Hauptleuten Befehle erteilen.

Der Oberstleutnant ist der zweithöchste Dienstgrad in der Verwendungsgruppe der Stabsoffiziere. Das Gehalt richtet sich nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) A14 bzw. A15 (vergleichbar einem Oberregierungsrat bzw. Regierungsdirektor). Die derzeit von der Personalführung der Bundeswehr zugesicherte Besoldungsgruppe für Stabsoffiziere ist A14. Mit A15 werden zum Beispiel Dezernatsleiter in einer höheren Kommandobehörde besoldet. Der Dienstgrad Oberstleutnant ist frühestens nach zwölf Jahren Dienstzeit als Offizier (ab Beförderung zum Leutnant) erreichbar; bei besonderen Verwendungen bereits nach sechs Jahren. Als besondere Altersgrenze für Oberstleutnante wurde die Vollendung des 61. Lebensjahres festgesetzt (§45 (2) Nr. 2 SG). Als Altersgrenze bezeichnet man das Lebensalter, bis zu dem oder ab dem ein bestimmtes Ereignis stattfinden kann oder bestimmte Rechte (zum Beispiel Schutzrechte) gelten. Zur Zulässigkeit von Altersgrenzen im Hinblick auf Diskriminierungsverbote siehe Altersdiskriminierung.

Deutschland

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Altersgrenzen im deutschen Beamtenrecht

Im deutschen Beamtenrecht gibt es beispielsweise folgende Altersgrenzen:

  • das Lebensalter, in dem ein Beamter oder Angestellter in den Ruhestand versetzt wird. Die Altersgrenze wurde in Deutschland 1923 eingeführt. Anlass war der wirtschaftliche Druck der französischen Ruhrbesetzung. Für Bundesbeamte legt das Bundesbeamtengesetz derzeit die Altersgrenze auf die Vollendung des 67. Lebensjahres fest, wobei Übergangsvorschriften für Geburtsjahrgänge bis einschließlich 1963 bestehen.
  • das Lebensalter, bis zu dem eine Einstellung als Beamter möglich ist. Diese Altersgrenze ist in die Kritik geraten, da sie eine Form der Altersdiskriminierung darstelle und zum Beispiel den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen nach Kindererziehungszeiten behindere. So ist beispielsweise diese Altersgrenze der Europäischen Kommission, die bei 45 Jahren lag, seit dem 10. April 2002 aufgehoben.

Altersgrenzen für Richter

Die Regelaltersgrenze erreichen Richter im Bundesdienst mit Vollendung des 67. Lebensjahres (§ 48 DRiG). Übergangsregelungen gelten für Richter der Geburtsjahrgänge 1947 bis 1963. Für die Richter im Landesdienst gelten unterschiedliche Regelungen der jeweiligen Landesrichtergesetze. Der für diese einschlägige § 76 DRiG spricht nur allgemein von der „Regelaltersgrenze“. Nach Absatz 2 kann das Landesrecht auch besondere Altersgrenzen, bei deren Erreichen der Richter auf eigenen Antrag in den Ruhestand zu versetzen ist, durch Gesetz bestimmen.

Für Richter am Bundesverfassungsgericht gilt eine Altersgrenze von 68 Jahren (§ 4 Abs. 3 BVerfGG).

Altersgrenzen bei der Bundeswehr

Soldaten

Das Soldatengesetz (§ 45) setzt für Soldaten allgemeine und besondere Altersgrenzen fest. Die Altersgrenze orientiert sich dabei am jeweils erreichten Dienstgrad des Soldaten. Die Altersgrenzen sind maßgeblich für den Eintritt oder die Versetzung in den Ruhestand gemäß § 44 SG. Die Versetzung in den Ruhestand erfolgt grundsätzlich mit Ablauf des Monats, in dem die Altersgrenze erreicht wird. Weitere Altersbestimmungen gibt es im Soldatengesetz nicht, jedoch regelt z. B. das Wehrpflichtgesetz, wer wann zum Wehrdienst herangezogen werden kann oder die Soldatenlaufbahnverordnung erlaubt Mindest- oder Höchstaltersgrenzen für bestimmte Laufbahnen. Es ist außerdem Praxis, dass Bewerber erst ab vollendetem 17. Lebensjahr als Soldat übernommen werden.

Allgemeine Altersgrenze
Besondere Altersgrenze
Dienstgrade Altersgrenze Aktuell (2019) 30. Juni 2009
Generale und Offiziere in den Fachdienstlaufbahnen der Bundeswehr 62 62 62
Oberste BesGr B 3 62 61 und07 Monate 61
Oberste BesGr A 16 62 61 und04 Monate 60
Oberstleutnante BesGr A 15 61 60 und02 Monate 59
Oberstleutnante BesGr A 14 61 59 und08 Monate 58
Majore und0Stabshauptleute 59 57 und08 Monate 56
Hauptleute, Oberleutnante und0Leutnante 56 55 und07 Monate 54
Berufsunteroffiziere 55 54 und07 Monate 53
Offiziere, die in strahlgetriebenen Kampfflugzeugen als
Flugzeugführer oder Waffensystemoffizier verwendet werden
41 41 41
Übergangsvorschrift

Die Altersgrenzen wurden mit dem Dienstrechtsneuordnungsgesetz[1] zum 1. Juli 2009 neu bestimmt. § 96 SG enthält deshalb eine Übergangsvorschrift, nach der die früheren Altersgrenzen bisVorlage:Zukunft/In 5 Jahren 2023 stufenweise angehoben werden.

Beamte

Für Beamte der Bundeswehr gelten die Bestimmungen des Bundesbeamtengesetzes. § 51 BBG legt fest, dass Beamte mit Vollendung des 67. Lebensjahres in den Ruhestand treten, Übergangsregelungen gelten für die Jahrgänge 1947–1963. Beamte auf Lebenszeit im Feuerwehrdienst der Bundeswehr treten mit dem Ende des Monats in den Ruhestand, in dem sie das 62. Lebensjahr vollenden. Auch hier gelten Übergangsregelungen für die Jahrgänge 1952–1963.

Altersgrenzen bei der Bundespolizei

Der früher „Altersgrenze“ benannte § 5 BPolBG ist jetzt ohne Titel und legt fest, dass Polizeivollzugsbeamte auf Lebenszeit mit dem Ende des Monats in den Ruhestand treten, in dem sie das 62. Lebensjahr vollenden. Diese zum 1. Juli 2009 eingeführte Bestimmung beruht wie bei den Soldaten auf dem Dienstrechtsneuordnungsgesetz.[1] Auch hier gibt es Übergangsvorschriften, betroffen sind die Jahrgänge 1952–1963. Wer vorher geboren wurde, tritt mit 60 Jahren in den Ruhestand.

Altersgrenzen im Polizeivollzugsdienst

Die besondere Altersgrenze für Polizeivollzugsbeamte ist in der jeweiligen Landesbeamtengesetzgebung geregelt und wird je nach Bundesland und Laufbahn mit Vollendung des 60. bis 65. Lebensjahres erreicht. Beispielsweise treten in Nordrhein-Westfalen Polizeivollzugsbeamte mit Ablauf des Monats in den Ruhestand, in dem das 62. Lebensjahr vollendet wird.

Altersgrenzen im Justizvollzugsdienst

Für Beamte im Justizvollzugsdienst gilt eine besondere Altersgrenze je nach Bundesland analog zu der im Polizeivollzugsdienst.

Literatur

  • Eine Verwaltung im Dienst einer halben Milliarde europäischer Bürger. Personalreform der Europäischen Kommission. S. 7 (online; PDF; 453 kB [abgerufen am 21. Februar 2016]).

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b Gesetz zur Neuordnung und Modernisierung des Bundesdienstrechts, DNeuG
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Der Oberstleutnant trägt als Dienstrangzeichen silbernes Eichenlaub mit zwei silbernen Sternen.

Besonderheiten des Dienstgrades

Der Oberstleutnant wird zumeist in verschiedensten Stabsoffizierverwendungen auf allen höheren Führungsebenen (Brigade, Division, Korps, Amt, Ministerium oder in internationalen Stäben und Hauptquartieren) eingesetzt. Daneben werden sie standardmäßig als Bataillonskommandeure oder stellvertretende Regimentskommandeure eingesetzt. Außerdem findet er Verwendungen als Hörsaalleiter oder Inspektionschef an Schulen der Bundeswehr.

Bundeswehr Kreuz Black.svg Offizierdienstgrad
Niedrigerer Dienstgrad[1]   Höherer Dienstgrad[1]
Major Oberstleutnant Oberst

Dienstgradgruppe: MannschaftenUnteroffiziere o.P.Unteroffiziere m.P.LeutnanteHauptleuteStabsoffiziereGenerale

Bundesgrenzschutz

Im Bundesgrenzschutz (BGS) fand die Bezeichnung bis zum Jahr 1976 Verwendung, wurde dann im Zuge der „Demilitarisierung des BGS“ durch „Polizeioberrat“ und „Polizeidirektor“ ersetzt.

Nationale Volksarmee der DDR

Oberstleutnant / Fregattenkapitän
GDR Army OF4 Oberstleutnant.gif
Mot-Schützen
GDR Navy OF4 Fregattenkapitaen.gif
Volksmarine


Distinktionsabzeichen 1956-1990

Analog zur Bundeswehr bezeichnete der Dienstgrad des Oberstleutnants (hier OSL) in der NVA von 1956 bis 1990 den zweithöchsten Offiziersrang der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere. Sein maritimes Pendant war ebenfalls der Fregattenkapitän der Volksmarine. Dieser Dienstgrad wurde in der Regel nur an Berufsoffiziere verliehen. Seine Verwendung entsprach in etwa der in der Bundeswehr. Das Dienstgradabzeichen bestand aus geflochtenen Schnüren, auf denen zwei Sterne angebracht waren.

Dienstgrad
niedriger:
Major

Flag of NVA (East Germany).svg
Oberstleutnant
(Fregattenkapitän)
höher:
Oberst
Siehe auch

Dienstgrade der Nationalen Volksarmee, Offizierkorps

Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht

In Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht war der Oberstleutnant der zweithöchste Offiziersrang der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere. Im NS-Ranggefüge entsprach dieser Dienstgrad dem Fregattenkapitän der Kriegsmarine beziehungsweise dem SS-Obersturmbannführer oder SA-Obersturmbannführer.

OTL Heer, Panzertruppe
Kragen- spiegel Heer
Tarnanzug Heer
           
Luftwaffe Oberstleutnant/ Oberstleutnant (Ing)
Kragenspiegel Luftwaffe
Fluganzug Luftwaffe

Andere Länder

Frankreich

OTL Frankreich

Frankreich kennt im Vergleich zum Oberstleutnant den Rang eines Lieutenant-colonel.

Der Lieutenant-colonel steht über dem Commandant (Major) und unter dem Colonel (Oberst).

Österreich

Im österreichischen Bundesheer ist der zwischen Major und Oberst stehende Oberstleutnant ebenfalls der sechsthöchste Offiziersdienstgrad.

Außerdem wird die Verwendungsbezeichnung Oberstleutnant für Leitende Beamte (E1) der Exekutive in Österreich, dazu gehören Bundespolizei und Justizwache, verwendet. Da es sich bei den genannten Wachkörpern um zivile Körperschaften handelt, die lediglich nach militärischem Muster organisiert sind, handelt es sich jedoch nicht um „Polizeioffiziere“, sondern sie führen lediglich Offiziersränge als Verwendungsbezeichnung. Im Übrigen ist ein direkter Vergleich mit den Dienstgraden des Bundesheeres nicht möglich, da in der Bundespolizei Aufgaben, die im militärischen Bereich einem niedrigrangigen Offizier zukommen, von hochrangigen dienstführenden Beamten (E 2a), also Angehörigen der mittleren Laufbahnebene, wahrzunehmen sind.

Schweiz

Rangschlaufe Oberst­leutnant

In der Schweizer Armee steht der Oberstleutnant ebenfalls zwischen Major und Oberst und ist (in Friedenszeiten) der fünfthöchste Offiziersdienstgrad. Neben dem Grad Oberstleutnant gibt es den gleichrangigen Grad Oberstleutnant im Generalstab.

In Auslandseinsätzen wird er als Lieutenant Colonel bezeichnet (LTC/Lt Col). NATO-Code: OF-4.

Der Oberstleutnant führt als Kommandant ein Bataillon, eine Abteilung oder ein Geschwader. Als Stabsoffizier ist er für ein Fachgebiet im Brigadestab zuständig.

Ein Oberstleutnant im Generalstab (Oberstlt i Gst) führt im Brigadestab die Führungsgrundgebiete 2 (Nachrichten), 3 (Operation), 5 (Planung).

USA

Die United States Army, die US Air Force und das US Marine Corps kennen den Dienstgrad eines Lieutenant Colonel. In der Hierarchie steht dieser über dem Major und unter dem Colonel. Die US-Soldstufe ist O-5, der NATO-Rangcode jedoch OF-4.

Ein Lieutenant Colonel führt operativ ein Bataillon oder eine Staffel mit zwei bis sechs Kompanien und damit 300–1.000 Soldaten.

Marine Corps, Army und Air Force Rangabzeichen US LTC/ OTL
Schulterstreifen
Dienstgrad
niedriger:
Major

Flag of the United States (Pantone).svg
Lieutenant colonel (US)
höher:
Colonel

Vatikanstadt

Die Schweizergarde kennt den Rang des Oberstleutnant durch ihre enge Verbundenheit zur Schweizer Armee ebenfalls.

Vereinigtes Königreich

Im britischen Heer lautet der Dienstgrad „Lieutenant Colonel“, in der britischen Luftwaffe der entsprechende Dienstgrad „Wing Commander“, in der britischen Marine „Commander“.

Weblinks

WiktionaryWiktionary: Oberstleutnant – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. a b Die äquivalenten, ranghöheren und rangniedrigeren Dienstgrade sind im Sinne der ZDv 14/5 B 185 angegeben, vgl. Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz). Die in der Infobox dargestellte Reihenfolge der Dienstgrade entspricht nicht notwendigerweise einer der in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen regelmäßig durchlaufenen Dienstgradabfolgen und auch nicht notwendigerweise der in der Vorgesetztenverordnung beschriebenen Dienstgradhierarchie im Sinne eines Vorgesetztenverhältnisses).