Oikodomik

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Die Oikodomik oder die Lehre vom Gemeindeaufbau ist ein Teilgebiet der Praktischen Theologie.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Oikodomik kommt vom altgriechischen οἰκοδομή, zu deutsch wörtlich Hausbau. Im Neuen Testament wird der Begriff im Bezug auf die Gemeinde benutzt und klassisch meist mit Erbauung übersetzt.

Der Begriff des Gemeindeaufbaus kam in die theologische Diskussion durch ein Buch des Missionars Bruno Gutmann mit dem Titel Gemeindeaufbau aus dem Evangelium. Er hatte in Afrika Gemeindeaufbau betrieben, indem er versuchte die Gemeindeglieder in verschiedenen sozialen Gruppen in der Gemeinde zu verwurzeln.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Christentum gehört durch den Missionsbefehl Jesu seit Beginn zu den missionierenden und gemeindebildenden Religionen. Bereits für Jesus selber spielte der regelmäßigen Gottesdienstbesuch in der Synagoge (Lk 4,16 EU) und das Leben in einer Gemeinschaft, dem Jüngerkreis, eine zentrale Rolle. Dies setzt sich fort in den von den Aposteln gegründeten frühen christlichen Gemeinden, deren Entstehung, Wachstum, Konflikte und Zusammenleben vor allem in der Apostelgeschichte und den Episteln thematisiert werden. Diese frühen Gemeinden waren zunächst sehr klein, relativ unabhängig und von starker Ausbreitungskraft, so dass sich der christliche Glaube in den ersten Jahrhunderten in großen Bereichen des Mittelmeerraumes ausbreitete, überall mit Gemeindegründungen verbunden. Als Idealbild der frühen Gemeinde könnte Apostelgeschichte 2,42-47 verstanden werden:

"Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. ... Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden."

Mit der konstantinischen Wende veränderte sich die Situation der christlichen Gemeinden von der unterdrückten Minderheitenreligion zur zunächst privilegierten und dann sogar Staatsreligion. Dies hatte einerseits einen großen Zustrom neuer Gemeindeglieder zur Folge, andererseits waren viele dieser neuen Mitglieder waren naturgemäß weniger motiviert als diejenigen, die sich auch zu Zeiten der Diskriminierung zur Gemeinde hielten, so dass das Gemeindewachstum in dieser Zeit eher mit einer gewissen Verwässerung und Aufweichung der frühchristlichen Radikalität, Überzeugungskraft und Idealismus einherging.

In der Reformationszeit setzte Martin Luther der von der priesterlichen Mittlerfunktion bestimmten Kirchenstruktur das Konzept vom Priestertum aller Gläubigen entgegen, das besagt, dass jeder getaufte Christ dem anderen zum Mittler der Gnade Gottes werden kann und soll. Ein Konzept, das einerseits die starke Priesterzentrierung durch Mündigkeit und Eigenverantwortung der Gemeindeglieder ablöst, andererseits aber auch einer von den Reformatoren nicht beabsichtigten Individualisierung des Glaubens Vorschub leistete.

Der Pietismus des 17. und 18. Jahrhunderts war eine Laienbewegung, der eine persönliche, gefühlsmäßige Frömmigkeit wichtig war. Die Bildung von Haus-, Bibel- und Gebetskreisen und der daraus erwachsende missionarische und soziale Impetus kann als eine der ersten Formen eines Gemeindeaufbaus im modernen Sinne gesehen werden.

Die etwa zeitgleich mit dem Pietismus stattfindende Aufklärung ging einher einer ersten starken Tendenz zur Säkularisierung. Friedrich Schleiermacher suchte dem zu entgegnen, indem er sich in seinen "Reden über die Religion" an die "Gebildeten unter ihren Verächtern" richtete.

Eine Säkularisierung anderer Art fand statt zur Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Insbesondere in Großstädten mit großen Arbeitervierteln hatten Pfarrer z. T. 10.000 und mehr Gemeindeglieder zu versorgen. Da unter solchen Umständen echte Gemeindearbeit nicht mehr möglich war, führte dies fast zwangsläufig zu einer starken Kirchendistanzierung vieler dieser Gemeindeglieder. Während die in dieser Situation drängenden sozialen Probleme zur Entstehung der Inneren Mission führten, wuchs auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer anderen Art von Gemeindearbeit.

Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Möller trennt zwischen missionarischem und volkskirchlichem Gemeindeaufbau. Der missionarische Gemeindeaufbau versucht mit neuen Modellen Menschen für die Gemeinde zu gewinnen, während der volkskirchliche Gemeindeaufbau Menschen (wieder) neu für die Volkskirche gewinnen möchte.

  • Fritz und Christian A. Schwarz entwickelten bereits in den 80er Jahren unter dem Titel "Überschaubare Gemeinde" ein Konzept zum missionarischen Gemeindeaufbau innerhalb der Volkskirche.
  • Unter der Bezeichnung "Natürliche Gemeindeentwicklung" haben Christian A. Schwarz und Christoph Schalk ein Konzept entwickelt, das auf der Grundlage des Gemeindeprofils anhand von acht "Qualitätsmerkmalen" den schwächsten Punkt in der Gemeindearbeit sucht und daran arbeitet.
  • Das von Bob Hopkins entwickelte und in der Anglikanischen Kirche erprobte Konzept "Gemeinde pflanzen" setzt auf kleinere Gemeinde-Einheiten und -Neugründungen innerhalb volkskirchlicher Strukturen.
  • Eine kleine Gemeinde in South Barrington, einem Vorort von Chicago, wuchs unter ihrem Pastor Bill Hybels zu einer Megachurch mit 20.000 Gottesdienstbesuchern heran. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht der Gottesdienst für "Suchende", durch den Willow Creek kirchendistanzierte Menschen erreicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Herbst, Missionarischer Gemeindeaufbau in der Volkskirche, Stuttgart 1987, ISBN 3-7668-0831-1
  • Christian Möller, Lehre vom Gemeindeaufbau. Band 1: Konzepte - Programme - Wege. 3. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1991, ISBN 3-525-60368-1
  • Christian Möller, Lehre vom Gemeindeaufbau. Band 2: Durchblicke - Einblicke - Ausblicke. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1990, ISBN 3-525-60373-8
  • Christian Möller, Einführung in die Praktische Theologie. A. Francke, Tübingen und Basel 2004, ISBN 3-7720-3012-2, S. 45–71
  • Martin Nicol, Grundwissen Praktische Theologie: Ein Arbeitsbuch. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln 2000, ISBN 3-17-015276-9, S. 19–44
  • Bob Hopkins, Gemeinde pflanzen. Church Planting als missionarisches Konzept. Aussaat, Neukirchen-Vluyn 1996, ISBN 3-7615-3561-9
  • George Carey u. a., Planting New Churches. Eagle, Guildford/Surrey 1991, ISBN 0-86347-043-2 bzw. 9780863470431
  • Christian Schwarz, Die natürliche Gemeindeentwicklung. C&P/Oncken 1996
  • Fritz und Christian Schwarz, Rainer Sudbrack, Überschaubare Gemeinde. Band 1-3. Schriftenmissionsverlag, Gladbeck 2. Aufl. 1980, ISBN 3-7958-0842-1, ISBN 3-7958-0843-X, ISBN 3-7958-0858-8
  • Rainer Schacke: Learning from Willow Creek? Church Services for Seekers in German Milieu Contexts. Göttingen, Cuvillier Verlag, 2009. ISBN 978-3-86955-104-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Möller, Einführung in die Praktische Theologie, S. 45