Oranienbaum

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Oranienbaum
Wappen von Oranienbaum
Koordinaten: 51° 47′ 57″ N, 12° 24′ 25″ O
Höhe: 64 m
Fläche: 32,3 km²
Einwohner: 2931 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 91 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 06785
Vorwahl: 034904
Luftbild von Oranienbaum
Park und Schloss 1991
Schloss Oranienbaum
Pagode im Schlosspark
Kriegerdenkmal in Goltewitz

Oranienbaum ist ein Ortsteil der Stadt Oranienbaum-Wörlitz im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oranienbaum liegt etwa sechs Kilometer südlich der Elbe im Biosphärenreservat Mittelelbe und etwa zwölf Kilometer östlich von Dessau-Roßlau an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oranienbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort trug ursprünglich den Namen Nischwitz. Er wurde 1179 erstmals im Besitz des Klosters Nienburg erwähnt. Um 1500 wurde Nischwitz wegen Bevölkerungsrückgangs aufgegeben (Wüstung). Im Jahre 1645 errichtete Fürstin Agnes von Anhalt-Dessau im Ort ein Festes Haus. Im Jahre 1660 ging Nischwitz in den Besitz von Prinzessin Henriette Catharina von Oranien-Nassau, der Frau des Fürsten Johann Georg II. von Anhalt-Dessau, über. Sie ließ 1669 eine Glashütte errichten. Im Jahre 1673 erhielt der Ort dann in Erinnerung an die Herkunft der Fürstin den Namen Oranienbaum.

Der Architekt Cornelis Ryckwaert begann 1683 mit der Gestaltung Oranienbaums zu einem barocken Ensemble aus Stadt, Schloss und Park[2]. Schloss und Park von Oranienbaum sind Bestandteil des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs.

Die Fürstin ließ 1693 ein Brauhaus errichten. Fürst Leopold I. verlegte 1734 die Broyhans-Brauerei von Dessau nach Oranienbaum. Ebenfalls seit dem Jahre 1693 wurde Tabak in Oranienbaum angebaut und mit der Verarbeitung begonnen. Im Jahre 1695 bekam Oranienbaum Marktrecht. 1709 gab es zwölf berechtigte Brauhäuser. 1712 wurde die evangelische Stadtkirche[3] erbaut.

Zwischen 1712 und 1739 wurden zahlreiche Handwerksinnungen gegründet. 1793 bis 1797 wurden der Chinesische Inselgarten und die Pagode angelegt. Damit auch arme Mädchen lernen konnten, ließ die Fürstin 1810 eine Arbeitsschule für sie einrichten. Die klassische Orangerie (eine der längsten Europas) wurde von 1812 bis 1818 am Parkrand errichtet. Ebenfalls 1818 entstand eine Apotheke. Das Stadtgericht mit den Ämtern Wörlitz und Rehsen wurde 1819 zum Justizamt für alle Ortschaften zwischen Elbe und Mulde. Der erste Tabak verarbeitende Betrieb wurde im Jahre 1824 gegründet. 1825 wurde eine neue Schule gebaut, 1880 eine Fortbildungsschule. Im Jahre 1864 wurde die Likörfabrik Friedrich gegründet, die aus Orangenblüten Likör herstellte. Die Fabrik bestand bis 1950.

1894 wurde die Bahnstrecke Dessau–Wörlitz (später weiter bis Gohrau-Rehsen) gebaut, an der Oranienbaum eine Haltestelle erhielt. 1900 wurde Oranienbaum zum Luftkurort erklärt. Gleichzeitig wurde im Wald eine Heilstätte für Kinder gebaut. 1927 besaß Oranienbaum 70 beim Zollamt gemeldete Tabakproduktionen. Mit der Schließung der letzten Tabakfabrik Ephraim Schulze ging 1968 die Tabakproduktion in Oranienbaum zu Ende.

In den Jahren 2004 und 2012 besuchte die niederländische Königin Beatrix Oranienbaum. Im Jahre 2006 fand eine Volksabstimmung im Rahmen der Gebietsreform des Landes Sachsen-Anhalt über die Eingemeindung der Stadt nach Dessau statt. Die Abstimmung brachte allerdings wegen Unstimmigkeiten zwischen den Konfliktparteien kein Ergebnis.

2007 wurde die Stadt Oranienbaum aufgrund einer Kreisgebietsreform vom ehemaligen Landkreis Anhalt-Zerbst in den Landkreis Wittenberg eingegliedert.[4] Seit dem 1. Januar 2011 ist Oranienbaum Teil der neu gebildeten Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Zur bis dahin selbstständigen Stadt Oranienbaum gehörten die Ortsteile Goltewitz und Kapen.

Goltewitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goltewitz liegt etwa 1 km östlich von Oranienbaum. Der Ort war seit dem 16. Jahrhundert kursächsisch (Amt Gräfenhainichen) und wurde 1815 preußisch (Landkreis Bitterfeld). 1942 kam Goltewitz zu Anhalt (Landkreis Dessau-Köthen) und wurde am 1. Juli 1950 eingemeindet.

Goltewitz hat 212 Einwohner.[5]

Kapen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapen war ursprünglich ein Waldgebiet mit Forstamt westlich von Oranienbaum. Im Jahr 1902 wurde am Weg von Vockerode zum Forsthaus Kapen ein fürstliches Jagdhaus („Kapenschlösschen“, „Kapenmühle“) errichtet. Nach Auflösung des Herzogtums Anhalt 1918 dienten die nun landeseigenen Gebäude und das dazugehörige Gelände verschiedenen Zwecken, unter anderem als Erholungsheim des Deutschen Reichskriegerbundes, als Ausschank für Wanderer und als Jagdschloss der ehemaligen Gauleitung Sachsen-Anhalt.

Ab 1935 wurde ein Teil des Gebietes als Truppenübungsplatz verwendet[6]. Zudem wurde eine Munitionsanstalt errichtet, die Heeresmunitionsanstalt Kapen. 1936 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft ein Chemiewerk errichtet, in dem Sprengstoffe und Zubehör sowie weitere Rüstungsgüter konfektioniert wurden.[7] Das Gelände war auch nach der Wende stark kontaminiert.[8] Die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn errichtete einen eigenen Haltepunkt und Anschlussgleise.

1945 wurden die Kasernen und der Truppenübungsplatz sowie das Forsthaus von der sowjetischen Armee übernommen. 1948 wurde im Chemiewerk die Konfektionierung von Sprengstoffen und Zubehör wieder aufgenommen. Es wurden angelieferte Sprengstoffe weiterverarbeitet, u.a. erfolgte hier die Produktion der Selbstschussanlagen, welche an der innerdeutschen Grenze zum Einsatz kamen.[9] Die Kapenmühle wurde als eine Basis der Hauptverwaltung VIII des Ministeriums für Staatssicherheit genutzt.

1985 wurde die Dessau-Wörlitzer Eisenbahnlinie am Haltepunkt Kapen durch ein Containerterminal erweitert. 1991 entstand auf dem Gelände des Chemiewerkes der „DESSORA“-Gewerbepark. Neue Firmen siedelten sich an. Der Autobahnanschluss (A 9) Dessau-Ost ist nur etwa 3 km entfernt.

1991 räumte die sowjetische Armee Kasernen und Forsthaus, das Ministerium für Staatssicherheit die Kapenmühle. Die Kapenmühle wurde zunächst Sitz der Aufbauleitung für den späteren Standort der Biosphärenreservatsverwaltung, welche 1997 in das Forsthaus und das 1993 renovierte Kapenschlößchen einzog. Einige alte Gebäude wurden dabei abgerissen. 2008 wurde der erste Friedwald Sachsen-Anhalts mit einer Größe von 118 Hektar in dem ausgedehnten Waldgebiet eingerichtet.

Kapen hat 13 Einwohner.[10]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 13. April 1994 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 11/1994 registriert.

Blasonierung: „In Silber ein grüner Orangenbaum mit neun goldenen Früchten, wachsend aus einem zweihenkligen blauen Kübel.“

Die Farben zeigen Grün – Silber (Weiß).

Das Wappen ist auf den Ortsnamen bezogen und somit ein redendes Wappen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Oranienbaum unterhielt eine Städtepartnerschaft zur rheinland-pfälzischen Stadt Daun. Freundschaftliche Beziehungen bestehen zur brandenburgischen Schwesterstadt Oranienburg und seit 2000 zum niederländischen Königshaus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtkirche
Marktplatz mit Orangenbaum
  • Schloss Oranienbaum, Orangerie, Park und Chinesischer Garten; Teil des Netzwerks Gartenträume Sachsen-Anhalt
  • Barocke Stadtkirche (1712 eingeweiht)
  • Historischer Marktplatz mit vier Quartieren und schmiedeeisernem Orangenbaum, dem Wahrzeichen der Stadt
  • Innenstadt im holländischen Baustil des 19. Jahrhunderts
  • Denkmalpfad mit 29 Stationen in der Innenstadt

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkstein und Grabstätten auf dem Ortsfriedhof für 28 Frauen und Männer aus mehreren Ländern, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit in der Heeres-Munitionsanstalt Dessau wurden
  • Gedenktafel am Wohnhaus Rosenweg 13 für den kommunistischen Stadtverordneten Oskar Böhm, der beim Transport aus dem Zuchthaus Werl ums Leben gekommen ist. Die Tafel verschwand nach 1990, und die nach ihm benannte Straße wurde entwidmet

Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1771 brach an zwei Stellen nördlich von Wörlitz der Wall. Das Hochwasser der Elbe flutete bis kurz vor Oranienbaum. An dieser Stelle an der Bundesstraße 107 unweit des Ortseinganges der Gemeinde Brandhorst wurde ein Gedenkstein (Prinzenstein) errichtet.
  • Ein Meilenstein befindet sich an der Straße von Oranienbaum nach Dessau, kurz vor der Einfahrt zum Biosphärenreservat Mittelelbe im Kapen (I Meile (nach Dessau)).

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oranienbaumer Sportverein Hellas 09 e.V.
  • Sportverein Anhalt Oranienbaum e.V.
  • Angelverein Oranienbaum e.V.
  • Hundesportverein Oranienbaum e.V.
  • Brieftaubenverein Oranienbaum e.V.
  • Förderverein „Gesamtschule im Gartenreich“ e.V.
  • AGORA e.V.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oranienbaumer Orangenfest (Mai)
  • „Kleines Fest im großen Park“: Kleinkunstfestival mit nationalen und internationalen Künstlern im Schlosspark Oranienbaum (Juni)
  • Adventsmarkt rund um die Stadtkirche (Dezember)

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm (1700–1771), Markgraf von Brandenburg-Schwedt
  • Julie Baronin von Cohn-Oppenheim (1839–1903), Tochter des preußischen Hofbankiers Moritz von Cohn, Stifterin, Ehrenbürgerin
  • Friedrich Graf (1858–1929), Heimathistoriker und Ehrenbürger
  • Ludwig Knabe (1860–1942), Bürgermeister der Stadt bis 1927, Ehrenbürger
  • Werner Müller (1914–2008), Heimatforscher und Ehrenbürger

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ortsverband Oranienbaum des Kulturbundes Dessau-Wörlitz e.V.: Oranienbaum - Porträt einer kleinen Stadt, Oranienbaum-Wörlitz 2011, ISBN 978-3-00-034541-8, 288 Seiten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. lt. Einwohnermeldeamt
  2. Katharina Bechler: Schloss und Park Oranienbaum.- DKV-Kunstführer Nr. 555/0, München o.J.
  3. Frank Dittmer: Stadt und Stadtkirche Oranienbaum.- DKV-Kunstführer Nr. 563/2, München o.J.
  4. Informations-Broschüre „Verwaltungsgemeinschaft Oranienbaum“ der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Oranienbaum und: „Oranienbaum. Geschichte mit spitzer Feder“, Oranienbaumer Hefte Nr. 13, Herausgeber: AGORA e. V.
  5. lt. Einwohnermeldeamt
  6. Munitionslager bei 51° 48′ 21″ N, 12° 20′ 18″ O
  7. Joachim Specht: Die Erblast von Kapen. first minute Taschenbuchverlag, Emsdetten 2007, ISBN 978-3-932805-58-5.
  8. Standort: Heeresmunitionsanstalt Dessau-Kapen (PDF; 76 kB). In: Technologieregister zur Sanierung von Altlasten. Abgerufen am 25. Dezember 2011.
  9. Jochen Staadt: Ihr verdammten Schweine. Über die Einführung und den Abbau der tödlichen Splitterminen an der innerdeutschen Grenze entschied DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker souverän. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. August 2017, S. 6.
  10. lt. Einwohnermeldeamt
  11. Landesnetz: Linie 331 im Landkreis Wittenberg verknüpft Bahn und Bus

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oranienbaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Oranienbaum – Reiseführer