PZL Bielsko SZD-9

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SZD-9 Bocian
SZD-9 Bocian
Typ: Schulsegelflugzeug
Entwurfsland: PolenPolen Polen
Hersteller: PZL
Erstflug: 10. März 1952
Indienststellung: 1953
Produktionszeit: 1952–1978
Stückzahl: 635

Bei der PZL Bielsko SZD-9 Bocian (deutsch Storch) handelt es sich um ein zweisitziges polnisches Schulsegelflugzeug. Der Mitteldecker wurde in Holz/Stahlrohr-Gemischtbauweise hergestellt. Die Bocian ist für alle Arten der Segelflugausbildung einschließlich einfachem Kunstflug geeignet. Bis heute wird die SZD-9 Bocian in einigen Staaten noch zur Ausbildung eingesetzt, zum Beispiel in Polen und in Deutschland.Die Abkürzung SZD (Szybowcowy Zakład Doświadczalny) bedeutet in etwa Segelflugzeug-Entwicklungswerk. Der Segelflug-Index beträgt 76.

Geschichte[Bearbeiten]

Die SZD-9 wurde von Justyn Sandauer, Marian Wasilewski und Roman Zatwardzicki konstruiert. Der Erstflug des Prototyps fand am 10. März 1952 mit Adam Zientka statt. Im Lauf der folgenden Jahre entstanden mehrere Versionen und Weiterentwicklungen. Insgesamt entstanden 635 SZD-9, von denen 360 in 32 Staaten exportiert wurden.

Es wurden folgende Versionen hergestellt:

SZD-9 - Erster Prototyp, Kennzeichen SP–1217
SZD-9-2 - Zweiter Prototyp mit einigen Änderungen, Erstflug am 16. Juli 1952, Kennzeichen SP–1218
SZD-9 bis 1A – erste, verbesserte Serienversion, Erstflug am 13. März 1953 (11 mit SZD-9-2)
SZD-9 bis 1B – zweite Serienversion mit vergrößertem Höhenleitwerk, Erstflug am 29. Juli 1953 (11)
SZD-9 bis 1C – dritte Serienversion mit vielen Veränderungen, unter anderem wurde die Geometrie der Tragflächen und das Leitwerk geändert Erstflug am 9. Februar 1954 (40)
SZD-9 bis 1D – vierte Serienversion mit wenigen Änderungen, unter anderem ein größeres Hauptrad, Erstflug am 27. April 1958 (206)
SZD-9 bis 1E – letzte Serienversion, Erstflug am 9. Dezember 1966 eigentlich ein neuer Flugzeugtyp; diese Version basiert auf der SZD-33, deren Entwicklung zugunsten der 1E eingestellt wurde (366).

Es entstanden noch einige Projekte auf Basis der SZD-9, die aber nicht das Reißbrettstadium verleißen: 1958 entwickelten Piotr Mynarski und Wladyslaw Okarmus unter der Bezeichnung SZD-23 Bocian II eine Version mit erhöhter Streckung, auf 18,50 m erhöhte Spannweite, verkleinertem Rumpfquerschnitt und negativer Pfeilung von -3°, die eine Gleitzahl von 28,3 bei 85 km/h erzielen sollte. Tadeusz Labuc erarbeitete 1965 ein SZD-33 Bocian 3 benanntes Projekt mit auf 17 m verringerte Spannweite, das aber abgelehnt wurde. Ein Jahr später wurde es als SZD-34 Bocian 3 wieder hervorgeholt und von 1967 bis 1968 so überarbeitet, dass eine Gleitzahl von 30,6 möglich sein sollte. Als es schlussendlich nicht realisiert wurde, nutzte es Józef Niespal als Ausgangspunkt für die SZD-35 Bekas.

Konstruktion[Bearbeiten]

Das Flugzeug ist am Boden sehr hecklastig. Die fest montierten Haltegriffe vor dem Höhenleitwerk benötigen deshalb zwei Personen zum Anheben des Hecks. Alle Ruder und die Bremsklappen werden über Seilzüge bewegt. Das Hauptfahrwerk wird mit einem Gummiring gefedert. Der zentrale Rumpf ist eine Stahlrohrkonstruktion mit Sperrholzverkleidung. Der Passagier/Fluglehrer sitzt im Schwerpunkt des Flugzeugs. In den Flügelnasen ist beidseitig großzügiger Stauraum vorhanden, in dem mitunter die Batterie für das nicht serienmäßige Funkgerät eingebaut wurde. Die Sitze sind mit 4- oder 5-Punkt-Gurten ausgestattet. Die vordere Kabinenhaube öffnet nach rechts, der hintere Teil kann nach hinten geschoben werden. Ein Notabwurf der vorderen Haube kann auch vom hinteren Sitz ausgelöst werden. Nach dem Abwurf der vorderen Haube ist ein Abwurf der hinteren, sonst auch im Flug zu öffnenden Haube, aus aerodynamischen Gründen nicht mehr möglich.

Für einen leichteren Einstieg über die recht hohen Bordwände sind in diese Trittstufen integriert, die mit innen selbstständig schließenden Klappen ausgestattet sind. Eine körpergrößengerechte Einstellung der Seitenruderpedale kann in drei Stufen vor dem Start vom Piloten vorgenommen werden. Die Frischluftzufuhr befindet sich am Rumpfbug und ist über eine ausstellbare Klappe regelbar. Der Luftstrom trifft die Kabinenhaube, was zur Kondenswasserbildung führen kann. Alternativ kann die hintere Haube so eingerastet werden, dass ein Spalt zwischen den zwei Hauben offen bleibt.

Der hintere Passagier/Fluglehrer kann über ein eigenes Instrumentenpanel verfügen. Dieses wurde beim Hersteller aber nur in Ausnahmefällen bestellt, da der Fluglehrer durch seine erhöhte Sitzposition auch die Instrumente des vorn sitzenden Piloten teilweise erkennen kann. Das Standard-Instrumentenbrett enthielt einen Fahrtmesser (bis 400 km/h), einen Höhenmesser, Grob- und Feinvariometer, einen Kompass mit Libelle und einen meistens (wegen der fehlenden Batterie) deaktivierten Wendezeiger.

Das Flugzeug hat ein sehr gutmütiges Flugverhalten, ist sehr flugstabil, zeigt überzogene Flugzustände deutlich an und lässt sich leicht aus anormalen Fluglagen wieder unter Kontrolle bringen. Der Bocian hatte für seinen Konstruktionszeitraum solide Flugleistungen, jedoch lag der Schwerpunkt nicht auf Flughöchstleistung, sondern auf dem Schulbetrieb. Zum Auf- und Abrüsten sind mindestens vier Personen erforderlich.

Im Vergleich zu anderen Doppelsitzer der Zeit, wie die ASK 13, erfordert der Bocian eine deutlich aufwendigere Wartung (bsp. Austausch aller Steuerseile alle 4 Jahre) und hat eine kürzere maximale Betriebszeit (3000 Stunden, verlängerbar um 1000 Stunden)[1]. Dies liegt unter anderem an der Steuerung mittels Seilzüge statt Schubstangen.

Flugeigenschaften[Bearbeiten]

Der Bocian hat äußerst gutmütige Flugeigenschaften[2] und steigt sehr gut in Thermik. Das Seitenruder ist etwas unterdimensioniert, so dass volle Ausschläge häufig notwendig sind. Man kann damit hervorragend das Trudeln zu Schulungszwecken zeigen, kann aber unwahrscheinlich ohne Absicht ins Trudeln geraten[2]. Das gut gefederte Fahrwerk kann harte Landungen verzeihen. Die Bremsklappenwirkung ist durchschnittlich.

Technische Daten[Bearbeiten]

Ein Bocian im Flug
Kenngröße Daten
Baujahre 1953–1970
Hersteller PZL Bielsko
Spannweite 18,10 m
Länge 8,20 m
Höhe 1,80 m
Flügelfläche 20 m²
Flügelstreckung 16,2
Gleitzahl 26,4 bei 80 km/h
Geringstes Sinken 0,82 m/s bei 68 km/h
Nutzlast ca. 170 kg
Startgewicht max. 540 kg
Flächenbelastung 27,0 kg/m²
Passagiere 1
Besatzung 1 oder 2
Pilotenmindestgewicht 65 kg
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Mindestgeschwindigkeit 60 km/h

Literatur[Bearbeiten]

  •  Kazimierz Wojciech Chudzinski: Polnische Segelflugzeuge. Band 1: 1945–1970. Verlag für Technik und Handwerk, Baden–Baden 2014, ISBN 978-3-88180-454-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SZD-9 Bocian, Wartungshandbuch
  2. a b SZD-9 Bocian, Flughandbuch