Paul Uhlenhuth

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Paul Uhlenhuth (Porträtzeichnung von Emil Stumpp, 1931)

Paul Theodor Uhlenhuth (* 7. Januar 1870 in Hannover; † 13. Dezember 1957 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Bakteriologe und Hygieniker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Uhlenhuth absolvierte seine medizinische Ausbildung an der Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin. Er war anschließend militärärztlicher Assistent bei Robert Koch. 1889 wurde er Angehöriger des Pépinière-Corps Franconia.[1] Im selben Jahr wurde er Oberarzt bei Friedrich Loeffler an der Universität Greifswald. Dort wurde er 1903 zum Titularprofessor und 1905 zum Privatdozent für Hygiene berufen. Von 1906 bis 1911 war Uhlenhuth Direktor der bakteriologischen Abteilung vom Kaiserlichen Gesundheitsamt. 1911 erfolgte die Berufung auf den Lehrstuhl für Hygiene und Bakteriologie an der Universität Straßburg (bis 1918). Danach war er Professor an der Universität Marburg und ab 1923 an der Universität Freiburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1939 wirkte. Sein Plan zur Errichtung eines Max Planck Instituts für Seuchenforschung und experimentelle Therapie in Freiburg misslang im Jahr 1928.[2]

Paul Uhlenhuth heiratete am 8. Mai 1899 in Hannoversch-Münden Martha von Klüfer (* 1. Februar 1873; † 10. Oktober 1961). Ihre erste Tochter Margarethe wurde am 4. Februar 1900, ihre zweite Tochter Irmgard am 26. Juli 1903 und ihre dritte Tochter Clara am 1. August 1905 geboren, alle drei in Greifswald.

In der frühen Zeit des Nationalsozialismus gehörte er am 11. April 1933 zu den Unterzeichnern einer Verfügung, die die Entlassung der jüdischen Kollegen beinhaltete.[3] 1937 wurde er Mitglied der NSDAP.[3] Im Jahr 1938 reiste Uhlenhut nach Japan, um die deutsch-japanischen Beziehungen in der Medizin zu intensivieren.[2] Während des Zweiten Weltkriegs wurde er am 18. August 1942 außerordentliches Mitglied des wissenschaftlichen Senats des Heeressanitätswesens. In dieser Funktion beantragte er 1944 beim Oberkommando der Wehrmacht Immunisierungsversuche an farbigen Kriegsgefangenen durchzuführen (gemäß Ernst Klee[3]) bzw. das Blut von farbigen französischen Soldaten zu untersuchen (gemäß Bernd Martin[4]).

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uhlenhuth entdeckte 1901 die gerichtsmedizinisch wichtige Methode (biologische Eiweißdifferenzierung) zur Unterscheidung von Menschen- und Tierblut (Uhlenhuth-Probe oder Uhlenhuth-Test, siehe Blutspur).[5] Große Aufmerksamkeit der Bevölkerung erfuhr der Uhlenhuth-Test im Zusammenhang mit dem Mordfall Lucie Berlin. Uhlenhuth entwickelte außerdem Schutz- und Heilseren gegen Schweinepest und Maul- und Klauenseuche.

1915 entdeckte er den Erreger der Weil-Krankheit (Vertreter der Bakteriengattung Leptospira) und ein Serum zu ihrer Bekämpfung. Durch die Entdeckung der chemotherapeutischen Bedeutung des Atoxyl begründete Uhlenhuth die Arsenbehandlung der Syphilis, die von Paul Ehrlich weitergeführt wurde,[2] sowie die Antimontherapie vieler Tropenkrankheiten; förderte die Krebsforschung und den Ausbau der Chemotherapie.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Paul Uhlenruth auf dem Hauptfriedhof Freiburg im Breisgau

Uhlenhuth wurde zwischen 1910 und 1952 mehrmals, unter anderem von Karl Landsteiner, für den Nobelpreis für Medizin vorgeschlagen.[7]

Heutige Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 20. Jahrhunderts geriet er in Freiburg in die Kritik, weil er im April 1933 an der Entlassung von jüdischen und politisch anders denkenden Kollegen aktiv beteiligt war. Eine nach ihm benannte Straße in Freiburg wurde daher nach Siegfried Thannhauser umbenannt. Das Haus Uhlenhuth des Universitätsklinikums Freiburg wurde nach Friedrich Theodor von Frerichs umbenannt. Der Historiker Bernd Martin, Vorsitzender der Expertenkommission zur Freiburger Straßennamen, beurteilte die Umbenennung als „zu überhastet“"[4]

2014 berief die Stadt Hannover einen Beirat aus Fachleuten zur Überprüfung, ob es bei Personen als Namensgeber für Straßen „eine aktive Mitwirkung im Nazi-Regime oder schwerwiegende persönliche Handlungen gegen die Menschlichkeit gegeben hat“. Er regte die Umbenennung der nach Uhlenhuth benannten Straße an. Er habe 1933 dahin gewirkt, dass 39 Beschäftigte der Universität Freiburg „aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder ihrer politisch unzuverlässigen Haltung“ entlassen wurden. Verletzungen der „Würde und körperlichen Unversehrtheit“ von Menschen habe er bei seinen Forschungsarbeiten „billigend in Kauf genommen“.[8][9]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das biologische Verfahren zur Erkennung und Unterscheidung von Menschen- und Tierblut. Sowie anderer Eiweißsubstanzen und seine Anwendung in der forensischen Praxis. Ausgewählte Sammlung von Arbeiten und Gutachten. Fischer, Jena 1905.
  • Entwicklung und Ergebnisse der Chemotherapie (= Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse. Jg. 1948, Abh. 3, ISSN 0371-0165). Springer, Heidelberg 1948.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang U. Eckart: Paul Uhlenhuth. In: Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärztelexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, 1. Aufl. 1995 C. H. Beck München, Ärztelexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart, 2. Aufl. 2001, 3. Aufl. 2006 Springer Verlag, Heidelberg, Berlin, New York, S. ?.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1930, 66, 280a.
  2. a b c Wolfgang U. Eckart: Paul Uhlenhuth. In: Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärztelexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, 1. Aufl. 1995 C. H. Beck München, S. 358-359, Ärztelexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart, 2. Aufl. 2001, S. 313, 3. Aufl. 2006 Springer Verlag, Heidelberg, Berlin, New York, S. 327.
  3. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Aktualisierte Ausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 634.
  4. a b Frank Zimmermann: „Eine heikle und schwierige Sache“. BZ-Interview mit dem Historiker Bernd Martin über die Untersuchung und Bewertung Freiburger Straßennamen, Badische Zeitung, 8. Januar 2014, abgerufen am 1. August 2015.
  5. Paul Theodor Uhlenhuth: Eine Methode zur Unterscheidung der verschiedenen Blutarten, im besonderen zum differentialdiagnostischen Nachweise des Menschenblutes. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. Bd. 27, 1901, Nr. 6, ISSN 0012-0472, S. 82 f.; und: Weitere Mittheilungen über meine Methode zum Nachweise von Menschenblut. Ebenda S. 260 f.
  6. Paul Uhlenhuth im Mitgliederverzeichnis der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  7. Nomination Database: Paul Uhlenhuth, nobelprize.org
  8. Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. Oktober 2015, S. 18.
  9. Diese zehn Straßen sollen umbenannt werden in: Onlineausgabe Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. Oktober 2015, abgerufen am 3. Oktober 2015.