Plettenberg (Berg)

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Plettenberg
Plettenberg, vom Ortenberg aus gesehen

Plettenberg, vom Ortenberg aus gesehen

Höhe 1002 m ü. NHN
Lage Baden-Württemberg, Deutschland
Gebirge Schwäbische Alb
Koordinaten 48° 12′ 49″ N, 8° 48′ 27″ OKoordinaten: 48° 12′ 49″ N, 8° 48′ 27″ O
Plettenberg (Berg) (Baden-Württemberg)
Plettenberg (Berg)
Gestein Weißer Jura

Der Plettenberg (1001,6 m ü. NHN)[1] ist ein markanter Berg an der Westseite der Schwäbischen Alb. Er ist einer der am weitesten aus dem Mittelgebirge herausragenden Berge; der auf ihm erbaute 158 Meter hohe Fernmeldeturm ist aus großer Ferne gut zu erkennen. Der Plettenberg gehört neben der Lochen (963 m ü. NHN) und dem Schafberg (1000 m ü. NHN) zu den so genannten Balinger Bergen, von denen er der Höchste ist.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Plettenberg liegt oberhalb des Oberen Schlichemtals und ist von den Städten und Gemeinden Schömberg, Dotternhausen, Roßwangen (Stadtteil von Balingen), Hausen am Tann und Ratshausen umgeben.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Hochfläche des Plettenbergs gibt es noch einige Wacholderheiden und Wacholdersträuche, auf denen man auch für den Plettenberg typischen Silberdisteln, vereinzelt auch die selteneren Golddisteln antrifft. Diese Flächen stehen unter Naturschutz. Dort können auch seltene Schmetterlinge wie Argynnis aglaja Großer Perlmutterfalter, Callophrys rubi Grüner Zipfelfalter, Erebia medusa Rundaugen-Mohrenfalter und Zygaena viciae Kleines Fünffleck-Widderchen Argynnis adippe Feuriger Perlmuttfalter , Boloria dia Magerrasen-Perlmutterfalter, Boloria euphrosyne Silberfleck-Perlmuttfalter , Coenonympha arcania Weißbindiges Wiesenvögelchen , Colias alfacariensis Hufeisenklee-Widderchen, Cupido minimus Zwergbläuling , Erebia aethiops Graubindiger Mohrenfalter, Erebia ligea Weißbindiger Mohrenfalter , Erynnis tages Kronwicken-Dickkopffalter , Hamearis lucina Schlüsselblumen-Würfelfalter , Lasiommata maera Braunauge , Lasiommata megera Mauerfuchs , Limenitis camilla Kleiner Eisvogel , Nymphalis antiopa Trauermantel , Polyommatus bellargus Himmelblauer Bläuling , Polyommatus coridon Silbergrüner Bläuling , Polyommatus semiargus Rotklee-Bläuling , Satyrium w-album Ulmen-Zipfelfalter , Zygaena fausta Bergkronwicken-Widderchen und Zygaena transalpina Hufeisenklee-Widderchen beobachtet werden. [2]

Unterhalb der Hochfläche ist der Berg von Mischwald bedeckt, der zum Großteil aus BuchenFichten und Silbertannen besteht. Im Frühjahr wächst am Hang des Berges Bärlauch.

Im sogenannten Plettenkeller am Südhang des Berges sind in einer unberührten Wald- und Mooslandschaft, große heruntergestürzte Kalkfelsen und seltene Bärlappgewächse anzutreffen.

Kalksteinabbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinbruch auf dem Plettenberg mit kleinem innenliegenden See

Seit 1908 wird auf dem Plettenberg Kalkstein zur Zementproduktion gewonnen. Das aus dem Berg gewonnene Gestein wurde ab 1909 mit einer Drahtseilbahn nach Balingen zur dortigen Balinger Cementfabrik transportiert. Das Werk musste im Jahr 1926 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten aufgegeben werden, deshalb wurden auch die Arbeiten im Kalksteinbruch vorläufig beendet. Die Drahtseilbahn nach Balingen wurde abgebaut, von ihr zeugt noch ein Mastfundament am Nordhang Richtung Roßwangen.

Im Jahre 1939 wurde in Dotternhausen das Portlandzementwerk Rudolf Rohrbach KG erbaut, das den Steinbruch übernahm und den Kalksteinabbau wieder aufnahm. Die heutige Holcim (Süddeutschland) GmbH, bis 2002 Rohrbach-Zement GmbH & Co. KG, betreibt diesen Steinbruch auch heute noch für die Zementproduktion. Täglich 3000 Tonnen Kalkstein aus dem anstehenden Weißen Jura werden hier aus dem Berg gesprengt, zerkleinert und mit der 2,3 Kilometer langen Materialseilbahn Dotternhausen–Plettenberg abtransportiert.

Die Materialseilbahn für den Transport des Kalksteins wurde im Jahr 1942 erbaut und 1971 modernisiert. Sie verläuft von der Westseite des Plettenbergs bis ins Zementwerk in Dotternhausen und überquert dabei unter anderem die Bundesstraße 27. Es ist eine Waggonrundlaufseilbahn mit 65 Lorenwagen, die jeweils ein Fassungsvermögen von 1,7 Tonnen haben. Eine Bürgerinitiative beobachtet die Eingriffe und möchte den Erholungswert vom Plettenberg erhalten.[3] Ein Bürgerentscheid kippte eine Entscheidung des Gemeinderates zum Kalksteinbruch. [4]

Fernmeldeturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plettenberg
Fernmeldeturm mit Wachholdersträuchern im Vordergrund
Hauptartikel: Fernmeldeturm Plettenberg

Die Deutsche Funkturm GmbH, Tochtergesellschaft der Deutsche Telekom AG betreibt auf der Nordspitze des Plettenbergplateaus einen 158 Meter hohen Fernmeldeturm (Typenturm aus Stahlbeton, FMT 13), der 1980 erbaut wurde.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Plettenberg ist ein Hauptziel des Tourismusgebietes Oberes Schlichemtal. Zahlreiche Wanderwege erschließen den Berg, die Hochfläche ist von allen Seiten gut zu erreichen. Einige Wege sind hier sehr anspruchsvoll, wie die Steilaufstiege von Ratshausen, Schömberg (Känzele) und Dotternhausen (Eselsteigle/Russawägle). Auf etwa halber Strecke an der Auffahrt von Dotternhausen aus, steht ein kleiner Brunnen (Brünnele), welcher vom Schwäbischen Albverein, Ortsgruppe Dotternhausen, erbaut wurde und an dem man sich bei warmen Temperaturen abkühlen kann. Die Plettenberghütte (Schafhaus) an der Straße nach Dotternhausen hat an Sonn- und Feiertagen für Wanderer geöffnet und wurde bis 2011[5] vom Schwäbischen Albverein, Ortsgruppe Dotternhausen, betrieben. Direkt neben der Plettenberghütte befindet sich eine Grillstelle, sowie ein kleiner Spielplatz.

Zwei Hauptwanderwege des Schwäbischen Albvereins verlaufen über den Plettenberg: Der Hauptwanderweg 1 (Schwäbische-Alb-Nordrand-Weg) und der Hauptwanderweg 3 (Main-Neckar-Rhein-Weg). Geführte Wanderungen werden vom NABU und vom Schwäbischen Albverein angeboten.[6]

Da der Plettenberg ein sehr weit aus der Linie des Albtraufs herausragender Berg ist, hat man dort bei gutem Wetter eine gute Fernsicht in den Schwarzwald, die Vogesen, das Albvorland bis hinter Stuttgart, die anderen Albberge sowie Oberschwaben, die Bodenseeregion und die Alpen.

Der Plettenberg wird bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert in vielen Wanderführern erwähnt, so z. B. in Gustav Schwabs Wanderführer Wegweiser und Reisebeschreibung unter dem Titel Die Neckarseite der Schwäbischen Alb, in welchem eine Wanderung von Balingen auf den Plettenberg (Höhe 3520 Würt. Fuß) beschrieben wird. Ebenso wurde der Plettenberg von Julius Wais, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Autor vieler Wanderführer war, als einer der schönsten Aussichtspunkte Württembergs erwähnt.

Wissenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Plettenberg wird von den Anwohnern in den umliegenden Gemeinden heute noch Bloachta genannt, nach dem alten Namen des Berges die Plaikten, der vermutlich keltischen Ursprungs ist, worauf auch, wie bei der benachbarten Lochen, das weibliche Geschlecht der Namensform hindeutet.

Am südlichen Ende des Plettenbergs liegen Grabenreste der Burg Plettenberg aus dem 12. Jahrhundert.

Aus Dankbarkeit dafür, dass Dotternhausen den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden hatte, errichteten die Einwohner 1947 an der Nordseite des Plettenbergs ein Bergkreuz aus Eichenholz (restauriert 1997). Von 1968 bis 1986 wurde an dieser Stelle jährlich am Pfingstsonntag eine Bergmesse gefeiert.

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der berüchtigte Räuber Hannikel soll die Blochta heimlich aufgesucht haben, um Heilkräuter zur Wundversorgung zu pflücken.[7] Seither wird das auf dem Plettenberg wachsende Johanniskraut Hannikelkraut genannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Plettenberg (Schwäbische Alb) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. LNV: Gemeinsame Stellungnahme gem. §63 BNatSchG der nach §3 UmwRG anerkannten Verbände. Balingen 28. Oktober 2015.
  3. : [1]2 1. September 2015. In: Schwarzwälder Bote
  4. : [2]21. Februar 2017. In: Schwarzwälder Bote
  5. Dotternhausen: Kathrin Schäfer übernimmt Plettenberg-Hütte - Nachrichten - Schwarzwälder Bote. 30. August 2011. Abgerufen am 20. Juni 2012.
  6. https://baden-wuerttemberg.nabu.de/umwelt-und-leben/natur-erleben/nabu-guides/
  7. Töpfer: Straßen, Wege Chausseen in Württemberg: . In: Heimatkundliche Blätter Balingen, , . April 1975, Nr. l0, S. 15f., hier S. 16.