Plymouth Fury

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Plymouth Fury
Produktionszeitraum: 1959–1974
Klasse: Full-Size
Karosserieversionen: Limousine, Coupe, Cabrio, Kombi
Vorgängermodell: Plymouth Belvedere
Nachfolgemodell: Plymouth Gran Fury

Der Plymouth Fury war von 1959 bis 1974 das Topmodell von Plymouth, einer 1928 gegründeten Marke der Chrysler Corporation. Unter gleichem Namen wurde ab 1975 ein Modell der Mittelklasse angeboten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plymouth Fury (1959)

Plymouth Fury (1959)

Produktionszeitraum: 1959–1961
Motoren: Ottomotoren:
5,2–6,3 l
172–246 kW
Länge: 5288–5321 mm
Breite: 1981–2032 mm
Höhe: 1327–1438 mm
Radstand: 2997 mm
Leergewicht:

Von 1956 bis 1958 war der Fury eine Ausstattungsvariante des Plymouth Belvedere. Es handelte sich um ein Coupé mit festem Dach ohne durchgehende B-Säule (hard top) mit einem leistungsstarken V8-Motor.

1959 – 1961[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst dem Modelljahr 1959 wurde die Bezeichnung für eine eigenen Modellreihe verwendet. Der Fury war nun eine besser ausgestattete Variante der Full-Size-Modelle von Plymouth, der die Rolle des Spitzenmodells vom Belvedere übernahm. Karosserievarianten waren ein Cabrio, eine viertürige Limousine und Hardtops mit zwei oder vier Türen die auf die B-Säule der Limousine verzichteten. Der zugehörige Kombi trug bis 1961 nicht den Namen Fury, sondern hieß Sport Suburban.

Fury Limousine 1961

Der für Chrysler-Fahrzeuge dieser Zeit typische Forward-Look, der von Virgil Exner entworfen worden war, wurde auch hier verwendet. Doch während die Modelle der späten 1950er noch gelobt worden waren für ihr Design, wurden die Überarbeitungen der frühen 1960er stark kritisiert. Laut edmunds[1] sind die Plymouth-Modelle von 1960 und 1961 die 12. und 13. hässlichsten Autos aller Zeiten.

“most beholders would agree...it was hit with the ugly stick”

„die meisten Betrachter würden zustimmen...dass es hässlich wie die Nacht war“

J. Kelly Flory: American Cars, 1960-1972: Every Model, Year by Year[2]

Der Fury war mit verschiedenen Achtzylindermotoren lieferbar. Basismodell war ein 318 CID (5,2 Liter) V8 der mit einem Zweifachvergaser 230 bhp (172 kW) leistete, mit optionalem Vierfachvergaser 260 bhp (194 kW). 1959 trug das Modell mit Vierfachvergaser den Namen Sport Fury. Darüber angesiedelt waren der Golden Commando (5,9 Liter; 227 kW) und der Sonoramic Commando (6,3 Liter; 246 kW).

Die Kraftübertragung auf die Hinterachse erfolgt über ein manuelles 3-Gang-Getriebe oder über die PowerFlite (zwei Gänge) und TorqueFlite (drei Gänge) genannten Automatikgetriebe. Die Vorderachse verwendete Drehstäben zur Federung, das Torson-Aire genannte System konnte auf Wunsch sogar Beladungszustände ausgleichen.

Plymouth Fury (1962)

Plymouth Fury (1962)

Produktionszeitraum: 1962–1964
Motoren: Ottomotoren:
5,2–6,3 l
172–246 kW
Länge: 5131–5245 mm
Breite: 1920 mm
Höhe: 1364–1400 mm
Radstand: 2946 mm
Leergewicht:

1962 – 1964[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als dem damaligen Chrysler-Präsident William C. Newberg zu Ohren kam, dass Chevrolet an einem neuen, kleineren Fahrzeug für das Modelljahr 1962 arbeitete, veranlasste er, dass die neuen Chrysler Full-Size-Modelle ebenfalls schrumpfen sollten. Bei kleineren Modellen der Konkurrenz wollte Chrysler nicht als altmodisch gelten. Leider handelte es sich hierbei jedoch um ein Missverständnis. Chevrolet wollte nicht die bisherigen Modelle verkleiner, sondern arbeitete an der Einführung einer neuen Mittelklasse. Der Chevrolet Nova und das Gegenstück von Ford, der Fairlane, waren zwischen Kompaktklasse und Full-Size angesiedelt.

Die neuen, kleineren Plymouth wurden von den Käufern schlecht angenommen, Plymouth fiel auf den achten Platz der Verkaufsstatistik. Nicht nur bevorzugten amerikanische Käufer größere Wagen, auch das Design war ein Kritikpunkt. Neben den ungleichgroßen Scheinwerfern trafen vor allem das abfallende Heck und der Knick in der Seitenlinie auf Höhe der hinteren Seitenschiebe auf wenig Gegenliebe. Karosserievarianten waren weiterhin Cabrio, Limousine, Kombi und das Hardtop mit zwei oder vier Türen.

Dabei war die neue B-Body Plattform modern, mit einer selbsttragenden Karosserie die trotz kleineren Außenmaßen identische Innenraummaße wie der Vorgänger bot. Dazu kam eine deutliche Gewichtsreduktion von insgesamt etwa 400 pound, umgerechnet etwa 180 kg. Die Fachpresse dagegen war von den neuen Wagen angetan, so schrieb der Journalist Tom McCahill:

“I don't know of a car in its class that can top Plymouth. It offers the best roadability in its class”

„Ich kenne kein Auto in dieser Klasse das den Plymouth übertrumpfen kann. Er bietet die besten Fahreigenschaften seiner Klasse.“[3]

Plymouth Fury 1964

Bereits 1963 folgte eine große Überarbeitung. Eine neue Frontpartie mit vier gleich großen Scheinwerfern ersetzte die alte, ungeliebte Front. Mit einer geraden Seitenlinie und einem höheren Heck sollte der Wagen länger wirken. Diese Maßnahmen sorgten für eine bessere Kundenakzeptanz, Plymouth stieg wieder auf Platz vier der meistverkauften Marken in den USA. 1964 folgte eine weitere Überarbeitung mit erneutem Wachstum.

Plymouth Fury (1965)

Plymouth Fury (1965)

Produktionszeitraum: 1965–1968
Motoren: Ottomotoren:
3,7–7,2 l
108–272 kW
Länge: 5319-5413 mm
Breite: 1974-1999 mm
Höhe: 1405-1425 mm
Radstand: 3023 mm
Leergewicht:

1965 – 1968[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Modelljahr 1965 brachte erneute Veränderungen. Der Wechsel auf die neue C-Plattform erlaubte einen größeren Radstand für den neuen Fury, der nun das einzige Full-Size-Modell war. Die unterschiedlichen Ausstattungen trugen die Bezeichnungen Fury I (beliebt bei Flottenkunden), Fury II, Fury III und Sport Fury. Umfangreiche Sonderausstattungen wie Klimaanlage, Weißwandreifen, Stereo-Radios und Ähnliches waren nur für die beiden großen Modelle verfügbar.

In den Jahren 1967 bis 1969 war der Plymouth VIP das Spitzenmodell. Laut Werbeaussage aus dieser Zeit stand VIP für Very Important Plymouth (in Anlehnung an Very Important Person), der ein Gegenstück zu Chevrolet Caprice und Ford LTD bilden sollte. Diese Fahrzeuge hatten eine gehobene Ausstattung mit Vinyldach, besseren Teppichen, Wurzelholzeinlagen im Armaturenbrett, elektrischen Fensterhebern und Automatikgetriebe.

Das von Elwood Engel entworfene Design zeichnete sich aus durch lange, klare Linien. Statt nebeneinander wurden die vier Scheinwerfer nun übereinander platziert. Verfügbare Karosserieversionen waren Cabrio, Kombi, Limousine mit zwei oder vier Türen, sowie das Hardtop ohne B-Säule, ebenfalls mit zwei oder vier Türen.

Bauart Hubraum Bohrung x Hub Max. Leistung Max. Drehmoment Bauzeit Bemerkung
Slant-Six
Reihenmotor
6 Zylinder
225 CID
(3682 cm³)
3.40 x 4.125 in
(86,4 x 104,8 mm)
145 bhp (108 kW) 215 lb-ft (292 Nm) 1965 - 1968
V8 LA-Serie
V-Motor
8 Zylinder
318 CID
(5210 cm³)
3.91 x 3.31 in
(99,3 x 84,1 mm)
230 bhp (172 kW) 340 lb-ft (461 Nm) 1965 - 1968
V8 B-Serie
V-Motor
8 Zylinder
383 CID
(6286 cm³)
4.25 x 3.38 in
(108 x 85,9 mm)
270 - 290 bhp (201 - 216 kW) 390 lb-ft (529 Nm) 1965 - 1968 Zweifachvergaser
325 - 330 bhp (246 kW) 425 lb-ft (651 Nm) Vierfachvergaser
426 CID
(6974 cm³)
4.25 x 3.75 in
(108 x 95,3 mm)
365 bhp (272 kW) 470 lb-ft (461 Nm) 1965 Vierfachvergaser
440 CID
(7206 cm³)
4.32 x 3.75 in
(109,7 x 95,3 mm)
365 - 375 bhp (272 - 280 kW) 480 lb-ft (461 Nm) 1966 - 1968 Vierfachvergaser
Plymouth Sport Fury (1971)

Plymouth Sport Fury (1971)

Produktionszeitraum: 1969–1973
Motoren: Ottomotoren:
3,7–7,2 l
108–276 kW
Länge: 5464-5674 mm
Breite: 2027 mm
Höhe: 1397 mm
Radstand: 3048 mm
Leergewicht:

1969 – 1973[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1969 wurde auch bei Plymouth die neue Designlinie Chryslers eingeführt, der Fuselage Look, was sich frei als "Aussehen eines Flugzeugrumpfs" übersetzen lässt. Diese Designlinie löste die kantigen Modelle durch rundere, elegantere Formen ab. Dabei wurden auch die Stoßstangen in die Karosserie integriert, so dass keine hervorragenden Elemente die Linienführung störten. Bei der Ausstattungsvariante Sport Fury wurden die Scheinwerfer hinter Klappen versteckt. Der 1973er Fury trug jedoch wieder aufgrund schärferer Sicherheitsvorschriften wieder abgesetzte Stoßstangen.

Ab 1970 wurde die Modellpalette schrittweise ausgedünnt. Zunächst entfiel ab 1970 der VIP und der Sport Fury war fortan wieder das Spitzenmodell der Baureihe. Neu hinzu kam jedoch der Sport Fury GT mit stärkerem Motor. Das Cabrio war ab 1971 nicht mehr lieferbar, 1972 entfielen einige Motoroptionen, so dass nur noch Achtzylindermotoren erhältlich waren. Der Sport Fury entfiel, das neue Topmodell wurde der Gran Fury, der ab 1975 ein eigenständiges Modell wurde.

Motorenpalette
  • 225 CID (3682 cm³) Slant-Six (1969–1971)
  • 318 CID (5210 cm³) LA-Serie V8 (1969–1973)
  • 360 CID (5898 cm³) LA-Serie V8 (1971–1973)
  • 383 CID (6286 cm³) B-Serie V8 (1969–1971)
  • 400 CID (6561 cm³) B-Serie V8 (1972–1973)
  • 440 CID (7206 cm³) B-Serie V8 (1969–1973)
Plymouth Fury (1974)

Plymouth Fury (1974)

Produktionszeitraum: 1974
Motoren: Ottomotoren:
5,9–7,2 l
Länge:
Breite:
Höhe:
Radstand: 3099 mm
Leergewicht:

1974[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das letzte Jahr als Full-Size-Modell wurde der Fury nochmals komplett neu eingekleidet. Es gab eine Reihe neuer Sicherheitsmerkmale wie eine Sicherheitslenksäule, verstärkten Seitenaufprallschutz oder energieabsorbierende Stoßstangen. Karosserieversionen waren viertürige Limousine, Kombi oder das Hardtop mit zwei oder vier Türen. Als Antriebe verblieben nur noch drei V8-Motoren mit 5,9 bis 7,2 Litern Hubraum.

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1978 PLYMOUTH FURY, licence 79-XXP-4.JPG

B-Body Fury[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Plymouth Fury (B-Body)

1975 wechselte die Bezeichnung Fury eine Fahrzeugklasse nach unten in die Mittelklasse. Der bisherige Plymouth Satellite wurde in Fury umbenannt um das Modell aufzuwerten. Die Produktion lief weiter bis 1978, richtete sich aber hauptsächlich an Flottenkunden wie Behördern oder Automobilverleiher.

PLYMOUTH gran fury.png

Gran Fury[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Plymouth Gran Fury

Das bisherige Full-Size-Modell wurde umbenannt in Gran Fury. Zunächst blieb es bei der bisherigen C-Plattform, die der Gran Fury sich mit anderen Fahrzeugen aus dem Chrysler Konzern wie dem Dodge Royal Monaco teilte. 1977 war das vorerst letzte Jahr des Gran Fury, erst 1979 kam ein Nachfolger auf der neuen Chrysler R-Plattform. Auch dieses Modell konnte sich nur kurz im Programm halten, bereits nach drei Jahren war Schluss. Wie schon der Fury wechselte nun auch der Gran Fury in die Mittelklasse.

Christine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Stephen Kings Roman Christine spielt ein Plymouth Fury, Modell 1958, die „Hauptrolle“, ein Auto mit Eigenleben. In der Verfilmung von 1983 unter der Regie von John Carpenter sollte es zwar auch um einen Fury gehen, für den Film wurden jedoch aus Beschaffungsgründen ausschließlich die Modelle Plymouth Savoy und Plymouth Belvedere verwendet, die jedoch die gleiche Karosserie haben.

Der 1958er Fury wurde ausschließlich in beige mit goldener Seitenverzierung angeboten. Buch wie Film erklären Christines rote Farbe mit einer "Sonderanfertigung" (sehr schön zu sehen in der Eingangssequenz des Films, in der alle Wagen auf dem Fließband beige sind, außer eben Christine). Im Buch allerdings hat Christine vier Türen, was definitiv falsch ist. Der Fury war ausschließlich als zweitüriges "Hardtop Coupé" erhältlich, folgerichtig hat Christine im Film auch nur zwei Türen.

Film wie Buch zeigen Abweichungen von der Bauart des Autos. Im Film wird beispielsweise gezeigt, wie sich die Türen von selbst verriegeln, jedoch weder der Fury noch die anderen Modelle des besagten Baujahres hatten Verriegelungsknöpfe, sondern wurden mit Hilfe der Griffe von innen verriegelt. Das aber wäre im Film nur schwer sichtbar gewesen. Im Buch wird beschrieben, wie sich der Automatikhebel bewegt, dabei hatten die Plymouth des Baujahres 1958 Druckknöpfe neben dem Lenkrad zur Steuerung des Getriebes. In vielen Stuntszenen im Film musste das Auto mit eingeschweißten Metallstreben verstärkt werden, da es sonst etwa beim Angriff auf den Camaro von Buddy Repperton zu stark eingedrückt worden wäre. Wenn Christine „von selbst“ fährt, sind die Scheiben schwarz verklebt, um den Fahrer nicht zu zeigen.

In vielen Szenen, die im Innenraum von Christine spielen, wurden „halbe“, aufgeschnittene Autos verwendet, um die Kameras besser platzieren zu können. Als Dennis mit Arnie gegen Ende des Films in Christine mitfährt, steht das Auto in Wirklichkeit still, die nächtliche rasante Fahrt wird nur durch vorbeifliegende Lichtreflexe wie von Straßenlaternen simuliert.

Im Buch wie im Film zählt der Kilometerzähler rückwärts. Das Buch erklärt Christines Fähigkeiten zur Selbstreparatur mit „negativem Verschleiß“ – üblicherweise ist ein Auto in umso besserem Zustand, je niedriger der Tachostand ist. Im Film dient der Kilometerzähler als eine Art Lebensuhr – gegen Ende springt er auf Null.

Oldtimerfreunde haben zunächst bedauert, dass für den Film an die zwanzig 57/58er Plymouths vernichtet wurden. Allerdings hat die durch den Film entstandene Fangemeinde wahrscheinlich mehr dieser Fahrzeuge gerettet als der Film verbraucht hat. Einige im Film zu sehende Plymouths wurden nur gering oder gar nicht beschädigt und fahren heute noch.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Plymouth Fury – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 100 ugliest cars of all time edmunds.com Abgerufen am 5. März 2017.
  2. J. Kelly Flory: American Cars, 1960-1972: Every Model, Year by Year. McFarland, 2004, ISBN 978-0-7864-1273-0, S. 123.
  3. 1962 Plymouth Sport Fury car reviews allpar.com Abgerufen am 5. März 2017.