Pravlov

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Pravlov
Wappen von Pravlov
Pravlov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Brno-venkov
Fläche: 291 ha
Geographische Lage: 49° 3′ N, 16° 29′ OKoordinaten: 49° 3′ 17″ N, 16° 29′ 4″ O
Höhe: 190 m n.m.
Einwohner: 604 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 664 64
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Dolní KounicePohořelice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Kail (Stand: 2009)
Adresse: Pravlov 30
664 64 Dolní Kounice
Gemeindenummer: 583693
Website: www.pravlov.cz

Pravlov (deutsch Prahlitz, älter auch Preles[2]) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt 15 Kilometer südwestlich von Brünn und gehört zum Okres Brno-venkov (Bezirk Brünn-Land). Der Ort ist als ein Platzdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pravlov befindet sich beiderseits der Jihlava (Igel) in der Thaya-Schwarza-Senke. Das Dorf liegt teilweise auf dem Gebiet des Naturparkes Niva Jihlavy.

Die Nachbarorte sind im Norden Dolní Kounice (Kanitz) und Mělčany (Mieltschan), im Westen Trboušany (Pausche), im Süden Kupařovice (Kuprowitz), südöstlich Němčičky (Klein Niemtschitz) und im Osten Ledce (Laatz) und Sobotovice (Sobotowitz) sowie im Nordosten Bratčice (Bratschitz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jihomoravský kraj (deutsch Südmährische Region) wurde bis zum Jahre 1150 von deutschen Kolonisten aus Niederösterreich besiedelt. Die Anlage des Dorfes sowie die „ui“-Mundart bekundet, dass sie ursprünglich aus den bairischen Gebieten der Bistümer Regensburg und Passau stammten. Sie brachten neue landwirtschaftliche Geräte mit und führten die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein.[3][4][5]

Prahlitz wird im Jahre 1222 in einer königlichen Urkunde Ottokars I. erstmals erwähnt. Vorherige Urkundennennungen aus dem Jahre 1045 haben sich als Urkundenfälschungen herausgestellt. Noch im 13. Jahrhundert wuchs der Ort zu einem Handelszentrum mit einer landesherrlichen Burg heran. Im Jahre 1276 war Prahlitz groß genug um ein Pfarrsitz zu sein. Am 4. Oktober 1486 erhielt Prahlitz von König Matthias Corvinus eine Bergrechtsordnung, das Marktrecht und elf Jahre später die Halsgerichtsbarkeit zugestanden.[6] Im Jahre 1537 kommt Prahlitz unter die Herrschaft des Klosters Rosa Coeli. Im Ort entwickelt sich in diesen Jahren eine Judengemeinde. In den folgenden Jahren kam es zu mehreren Besitzerwechseln.

Nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg über die Aufständischen Böhmischen Stände, am Anfang des Dreißigjährigen Krieges, kam Prahlitz im Jahre 1623 unter die Herrschaft von Kardinal Franz Seraph von Dietrichstein. Im Krieg selbst wurde der Ort mehrmals verwüstet und geplündert. Matriken werden seit 1634 geführt.[7] 1652 wurde über den Fluss Igel eine Holzbrücke gebaut und eine Mautstelle errichtet. Ab dem Jahre 1671 ist eine einklassige Schule in Prahlitz verzeichnet. Alle Rechte des Ortes wurden im Jahre 1740 von Kaiser Karl VI. bestätigt. Aufgrund steigender Kinderzahlen wurde im Jahre 1820 eine zweiklassige Schule neugebaut, welche um 1870 auf drei Klassen erweitert wurde. Während des Deutsch-Österreichischen Krieges, 1866, marschieren preußische Truppen durch den Ort. Unter den Truppen war der junge Leutnant Paul von Hindenburg, der im Ort nach dem Weg nach Nikolsburg fragte. Bei Ausgrabungen in dieser Zeit wurde ein Backofen aus der Keltenzeit gefunden, was darauf schließen lässt, dass Prahlitz schon früh besiedelt war. Die Wasserversorgung des Ortes wurde von fünf öffentlichen Brunnen gesichert. Im Jahre 1904 wurde eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Ein großer Teil der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau eine besondere Stellung einnahm. Durch die Reblausplage um 1900 wurden jedoch fast alle Rebstöcke zerstört, was dazu führte, dass die Anbaufläche in den nächsten 40 Jahren kontinuierlich abnahm, so dass die produzierten Weinmengen nur noch den Eigenbedarf des Dorfes deckten.[8] Aufgrund des günstigen Klimas konnten neben verschiedenen Getreidesorten auch Zuckerrüben, Mais, Spargel, Gurken, Gemüse und verschiedene Sorten Obst angebaut werden. Besonders wurden große Mengen von Zwetschgen angebaut, welche in Wien als "Prahlitzer" gekauft und geschätzt wurden. Ebenso gab es neben dem üblichen Kleingewerbe eine Ziegelei, einen Getreide- und einen Kohlenhandel.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn und einer der neue entstandenen Staaten war die Tschechoslowakei. Dieser neue Staat erhob ungeachtet des von Woodrow Wilson verkündeten Selbstbestimmungsrechts der Völker Anspruch auch auf die deutsch besiedelten Teile der Länder der böhmischen Krone und schuf vollendete Tatsachen, indem im November/Dezember 1918 tschechische Truppen Südmähren besetzten. Der Vertrag von Saint-Germain[9] 1919 erklärte den Ort, dessen Bevölkerung im Jahre 1910 zu 98,7 % der deutschen Sprachgruppe angehörte, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Staatliche Maßnahmen folgen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung, wodurch es durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität kam.[10] Im Jahre 1919 wurde die Holzbrücke über die Igel von einem Hochwasser weggerissen. Statt ihrer wurde 1922 eine Stahlbrücke errichtet. Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1935. Als jedoch die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde, verschärften sich die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung noch mehr. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Prahlitz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 36 Opfer zu beklagen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch Prahlitz, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Nach Kriegsende wurde der Ort von militanten Tschechen übernommen. Im August 1945 wurden zehn deutschmährische Familien „wild“ über die Grenze nach Österreich vertrieben, andere flüchteten vor den Exzessen. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“.[11] Die „offizielle“ Zwangsaussiedlung von 380 deutschen Bürger nach Deutschland erfolgte zwischen dem Frühjahr und dem Oktober 1946.[12] Bei den Nachkriegsexzessen und der Vertreibung kam es zu zehn Ziviltoten.[13] Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/46 (Straffreiheitsgesetz) erklärt Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ...'für nicht widerrechtlich. 58 Personen verblieben im Ort.[14] Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen[15] des Potsdamer Abkommens wurden alle Sudetendeutschen aus Österreich nach Deutschland weiter transferiert. Drei Familien konnten trotzdem in Österreich verbleiben.[16]

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste Gemeindesiegel des Ortes stammt aus dem Jahre 1486. Es zeigt einen gespaltenen Renaissanceschild, in welchem nebeneinander ein Pflugeisen und ein Winzermesser stehen. Um den Schild herum befindet sich eine Spruchrolle mit den Worten "sigi*11* vm civivm de praliz".

Im Jahre 1648 änderte sich das Siegel. Es zeigte nun statt des Winzermessers eine Traube. Im 18. Jahrhundert zeigte sich im Schild nun wieder das Winzermesser doch wurde der Pflug durch ein Mälzermesser ersetzt. Ab dem Jahre 1848 führte der Ort nur noch einen bildlosen Gemeindestempel, welcher ab 1920 zweisprachig war.[17]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 670 669 1 0
1890 590 582 8 0
1900 623 623 0 0
1910 646 638 8 0
1921 582 536 24 21
1930 590 540 43 7

[18]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrkirche
  • Pfarrkirche Heimsuchung Mariä (1300) im gotischen Stil mit Wehrturm erbaut und 1758 umgestaltet
  • Pfarrhof (15. Jahrhundert) im Renaissancestil erbaut und 1761 renoviert
  • Friedhofskreuz (1819)
  • Statue des Hl. Nepomuk (1733)
  • Gerichtsmarterl (1497)
  • Marterl (1576)
  • Kriegerdenkmal (1921)
  • Jahn-Denkmal (1928)[19]

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jahrmärkte fand immer am Montag vor Pfingsten, vor Laurentius (10. August) und nach Martini (1. November) statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Puttner (* 1933), Träger des Josef-Löhner-Preises

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Prahlitz s. 119
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. München, Verl. Heimatwerk, 1969
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren., Prahlitz: s. 31; C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden., Prahlitz, s. 191f, Josef Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 256 (Prahlitz).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, Prahlitz, s.174f, Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. http://biblio.unibe.ch/adam/zoom/zoom.php?col=ryh&pic=Ryh_4407_5
  3. Joachim Rogall: Deutsche und Tschechen: Geschichte, Kultur, Politik Verlag C.H.Beck, 2003. ISBN 3 406 45954 4. Geleitwort von Václav Havel. Kapitel: Die Přemysliden und die deutsche Kolonisierung S33 f.
  4. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25,000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  6. Mährische Heimatkunde Pohrlitzer Bezirk,Brünn 1910, S. 17
  7. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 9. April 2011.
  8. Hans Zuckriegl: Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 261
  9. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  10. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  11. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  12. Archiv Mikulov, Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946.
  13. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, Totenbuch S. 216
  14. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, S. 244, ISBN 3-927498-27-0.
  15. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  16. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 256 (Prahlitz).
  17. Codex diplomaticus et epistolaris regni Bohemiae Band I, s.370
  18. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  19. Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Prahlitz S. 45