Prepper

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Prepper (abgeleitet von englisch to be prepared für bereit sein bzw. dem englischen Pfadfinder­gruß Be prepared für „Sei bereit!“ oder „Allzeit bereit“) bezeichnet Personen, die sich mittels individueller Maßnahmen auf verschiedene Arten von Katastrophen vorbereiten.[1] Dies geschieht beispielsweise durch Einlagerung bzw. eigenen Anbau von Lebensmittelvorräten, die Errichtung von Schutzbauten oder Schutzvorrichtungen an bestehenden Gebäuden, das Vorhalten von Schutzkleidung, Werkzeug, Funkgeräten, Wertgegenständen und Edelmetallen, Waffen und anderem. Außerdem werden Fähigkeiten in den Bereichen Erste Hilfe, Survival und Bushcrafting, körperliche Fitness und Selbstverteidigung trainiert.

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prepper-Szene entstand in den 1970er Jahren in den USA.[2] Klimawandel, wirtschaftliche Krisen, wie z. B. die Finanzkrise ab 2007, aber auch die Covid-19-Pandemie und kriegerische Auseinandersetzungen wie der Russisch-Ukrainische Krieg führten zu einem Wachstum der Prepper-Szene mit zunehmender Verbreitung auch in Europa.[3][4][5] Wissenschaftler wie der Kulturwissenschaftler Julian Genner attestieren dieser Szene ein fatalistisches Weltbild.[2] Inzwischen gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz Unternehmen, die sich auf eine Versorgung mit „Rundumpaketen“, wie z. B. Vorrats- und Ausrüstungspaketen, spezialisiert haben. Dabei ist auch zu beobachten, dass Prepper „Schutzräume“ anlegen, in denen sie sich bei eventuellen Bürgerkriegen aufhalten wollen. Auch die Möglichkeit des Schutzes der eigenen Vorräte in einer solchen Situation wird als Motivation genannt.

Zusammensetzung der Szene und Motivation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prepper stellen sich nicht als eine homogene Gruppierung dar. In ihrer umfassenden Recherche hat die Journalistin Gabriela Keller dargestellt, dass „die Szene, wenn man sie überhaupt so nennen will, […] vielschichtig [ist]: von der Hartz-IV-Empfängerin bis zum Silicon-Valley-Milliardär, vom jungen Zeitsoldaten bis zum Frührentner“ ist alles dabei.[6] Unter den Preppern sollen vereinzelt auch Reichsbürger, rechte Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker versucht haben, die Szene zu unterwandern. In den letzten Jahren haben sich die großen Gemeinschaften (organisierte Prepper) wie PGD (Prepper-Gemeinschaft Deutschland) und der Prepper-Verein e.V. von diesen Gruppen distanziert.[7]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland empfehlen verschiedene staatliche Stellen persönliche Krisenvorsorge als Ergänzung zur staatlichen Vorsorgeinfrastruktur. So empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in einem Ratgeber, pro erwachsene Person in einem Haushalt einen 10-tägigen Grundvorrat von 2200 kcal und je zwei Liter Wasser pro Tag anzulegen.[8] Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft stellt zu diesem Zweck online Informationen sowie einen Vorratskalkulator bereit.[9][10] Außerdem werden regelmäßig verschiedene Krisen und ihre möglichen Folgen durch unterschiedliche Akteure theoretisch erörtert und praktisch trainiert. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag veröffentlichte beispielsweise eine großangelegte wissenschaftliche Studie zur Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung.[11]

Extremismus in der Prepper-Szene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prepperszene geht meist deutlich über staatliche Empfehlungen hinaus. „Ungeachtet der Intensität von Vorbereitungshandlungen“ sei jedoch laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion eine Krisenvorsorge „nicht als extremistisch zu bewerten“.[12] Allerdings sei Krisenvorsorge auch Diskussionsgegenstand bei Rechtsextremisten, Reichsbürgern und Selbstverwaltern, welche „die Krise nicht nur befürchten, sondern entweder selbst herbeiführen wollen oder zumindest zur Realisierung ihrer extremistischen Vorstellungen nutzen wollen“.[12]

Seit August 2017 ermittelt der Generalbundesanwalt gegen mehrere Mitglieder der Prepper-Szene in Mecklenburg-Vorpommern, die sich in Chats darüber ausgelassen haben sollen, dass ein Krisenfall auch eine Chance zur Machtübernahme mit anschließender Internierung bzw. Ermordung linker Politiker sein könne. Die Polizei fand bei Hausdurchsuchungen Adressen von Politikern der Linken, der FDP, der Grünen sowie von Flüchtlingsverbänden, Arbeiterwohlfahrt und Gewerkschaften. Eine Kommission der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern soll nun ein detailliertes Bild der Szene erstellen. Der AfD-Abgeordnete Nikolaus Kramer kritisierte das Vorhaben der Polizei, während die SPD-Abgeordnete Martina Tegtmeier es begrüßte.[13][14]

Im Sommer 2018 berichtete Der Spiegel über einen elfseitigen Bericht des Bundeskriminalamts und des Bundesverfassungsschutzes über die „Prepper-Szene“, der im Februar 2018 im Innenausschuss des Bundestages aufgegriffen worden war. Den Angehörigen der Szene sei demzufolge gemeinsam, dass sie auf ein apokalyptisches Ereignis warten. Was dieses Ereignis sein könnte, ist wiederum sehr verschieden: Bedrohungsszenarien, auf die sich Prepper vorbereiten, seien beispielsweise ein Einschlag des Asteroiden Apophis, massenhafte Migration oder ein Verfall der Währung Euro. Die Sicherheitsbehörden schätzten die Größe der Prepperszene auf „zwischen 10.000 und 180.000“ Angehörige; der Verfassungsschutz sehe darin „keine größere Gefahr“. Allerdings seien bei Durchsuchungen neben Lebensmittelvorräten vielfach auch große Mengen an Waffen und Munition vorgefunden worden.[15]

2020 wurde in Sachsen-Anhalt eine weitere rechtsextreme Prepper-Gruppe bekannt.[16] Im Zusammenhang mit dieser rechtsextremen „Zuflucht“-Preppergruppe, die sich auf einen „Rassenkrieg“ vorbereite, ermittelt im August 2020 die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg. Es wurde ein Verfahren gegen mehrere Beschuldigte eingeleitet und das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt mit den Ermittlungen beauftragt. Es gehe um mutmaßliche Verstöße gegen das Waffengesetz und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft gegenüber der taz mit, die über die Aktivitäten der Gruppe zuerst berichtet hatte.[17]

Mediale Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Oktober 2012 strahlt der National Geographic Channel die Serie Preppers – Bereit für den Weltuntergang (im Original: Doomsday Preppers) aus. Im Dezember 2013 begann die Ausstrahlung der dritten Staffel.[18]

In der Folge 16 Damit muss man rechnen (Erstausstrahlung: 17. Dezember 2014) der TV-Serie Der Tatortreiniger wird die Serienfigur Schotty abends zu einem Elektrofachhandel gerufen, wo er während seines Einsatzes den Mitarbeiter und Prepper Olaf kennenlernt. Dieser erläutert Schotty im weiteren Verlauf des Abends, welche Vorbereitungen man getroffen haben muss, um einen plötzlichen Zusammenbruch der bestehenden Gesellschaftsordnung über einen längeren Zeitraum überleben zu können.

Die Folge 176 Bereit bis in den Tod der TV-Serie SOKO Stuttgart spielt ebenso in der Prepperszene wie die 368. Folge der TV-Serie Polizeiruf 110: Demokratie stirbt in Finsternis.

Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Prepper ist abgeleitet vom englischen „to prepare“, sich vorbereiten. Das Verb preppen wurde in die 2020er-Ausgabe des Duden aufgenommen.[19]

  • BOB: „Bug-Out Bag“. Ein Notfallrucksack, der Ausrüstung beinhaltet für den Transfer vom eigenen Zuhause zu einem sicheren Ort.
  • EDC: „Everyday carry“. Gegenstände, die im Alltag jederzeit mitgeführt werden, um für unterschiedliche Szenarien bereit zu sein.
  • EOTW: „End of the world“ (Ende der Welt) oder TEOTWAWKI: „The end of the world as we know it.“ (Das Ende der Welt, wie wir sie kennen.)[20] Ein Szenario, in dem es global zu sehr starken Gesellschaftsveränderungen kommt. Beispiele für solche Szenarien sind Auswirkungen der Klimakrise, magnetische Stürme wie das Carrington-Ereignis oder wirtschaftliche Systemumbrüche wie den Zusammenbruch der Sowjetunion.
  • INCH pack: „I'm Never Coming Home pack“. Eine Variante des „bug-out bag“ (s. o.), die es jedoch in der Regel erlaubt, wesentlich mehr Ausrüstung zu transportieren. Ein INCH pack ist nicht für eine kurzzeitige Evakuation, sondern für eine längere Zeit der Selbstversorgung gedacht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fach- und Sachliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gabriela Keller: Bereit für den Untergang: Prepper. Das Neue Berlin, Berlin: 2021, ISBN 978-3-360-01372-9.
  • Mischa Luy: Das bedrohte Selbst. Die Praxis des „Preppens“ als Lebens und Subjektivierungsform. In: Louis M. Berger, Hajo Raupach, Alexander Schnickmann (Hrsg.): Leben am Ende der Zeiten. Wissen, Praktiken und Zeitvorstellungen der Apokalypse. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 2021, ISBN 978-3-593-51141-2, S. 173–191.
  • Maik Baumgärtner, Sven Röbel, Wolf Wiedmann-Schmidt: Ravioli und Gewehre. Wie „Prepper“ sich für die Apokalypse rüsten. In: Der Spiegel. Nr. 27, 30. Juni 2018, S. 49.
  • Amanda A. Sims: Survival of the preppers: An exploration into the culture of prepping. Hrsg.: University of Missouri–Columbia. University of Missouri–Columbia, Missouri–Columbia 2017 (englisch, handle.net – Dissertation).
  • Bertrand Vidal: Quand la bise fut venue. L’imaginaire alimentaire de la sub-culture prepper. In: ESSACHESS – Journal for Communication Studies. Band 8, Nr. 2(16), 12. April 2015, ISSN 1775-352X, S. 195–204 (englisch, essachess.com [abgerufen am 22. September 2018]).
  • Alexander Neubacher, Tobias Schulze, Michael Stürzenhofecker: Sicherheit: Dosenbrot und Kurbellampe. In: Der Spiegel. Band 28, 8. Juli 2013 (spiegel.de [abgerufen am 22. September 2018]).
  • Rainer B. Jogschies: Wo, bitte, geht´s zu meinem Bunker? Nachttischbuch, Berlin 2010, ISBN 978-3-937550-19-0.

Fiktionales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Prepper – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Reuß: NETZWELT: Die Herrscher des Vorgartens. In: badische-zeitung.de. Badischen Zeitung, 31. Juli 2012, abgerufen am 1. August 2012.
  2. a b Linda Koponen: Stets bereit für die Katastrophe: Thomas verlässt seine Wohnung nur mit Tarnschminke und Verpflegungspaket im Rucksack. In: Neue Zürcher Zeitung. 4. Dezember 2019 (nzz.ch [abgerufen am 16. Februar 2022]).
  3. J. Oliver Conroy: We mocked preppers and survivalists - until the pandemic hit. In: The Guardian. London 30. April 2020 (gale.com [abgerufen am 16. Februar 2022]).
  4. Nellie Bowles: Silicon Valley Preppers getting the last laugh over virus fears. In: The Toronto Star. 9. Mai 2020 (gale.com [abgerufen am 6. Februar 2022]).
  5. Christoph Twickel: Wenn der Ernstfall kommt, ist Bernd bereit. Prepper galten lange als Sonderlinge, aber sie haben Antworten auf Fragen, die jetzt viele beschäftigen. Christoph Twickel hat einen getroffen. In: Die Zeit. Nr. 14. Hamburg 31. März 2022, S. 70 (zeit.de [abgerufen am 12. April 2022]).
  6. Thomas Balbierer: Prepper-Szene – Mehr als nur ein Faible für Vorräte. Süddeutsche Zeitung, 9. April 2021, abgerufen am 14. Oktober 2021.
  7. Per Hinrichs: Der Weltuntergang droht? Diese Männer sind bereit. In: Die Welt. 5. April 2016, abgerufen am 23. August 2017.
  8. Klaus Brouwers: Katastrophen-Alarm : Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen. Hrsg.: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. 7. Auflage. Bonn 2019, ISBN 978-3-939347-54-5 (bund.de [PDF; abgerufen am 18. Februar 2022]).
  9. Ernährungsnotfallvorsorge. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, abgerufen am 18. Februar 2022.
  10. Vorratskalkulator. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, abgerufen am 18. Februar 2022.
  11. T. Petermann, H. Bradke, A. Lüllmann, M. Poetzsch, U. Riehm: Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften - am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung. Endbericht zum TA-Projekt. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), 2010, doi:10.5445/ir/1000103291 (kit.edu [abgerufen am 7. März 2022]).
  12. a b „Prepper-Szene“ in Deutschland : Inneres und Heimat/Antwort - 21.01.2019 (hib 68/2019). In: Deutscher Bundestag. 21. Januar 2019, abgerufen am 18. Februar 2022.
  13. Polizei nimmt "Prepper"-Szene ins Visier. In: NDR. 14. September 2017. Archiviert vom Original am 17. September 2017. Abgerufen am 18. Februar 2022.
  14. Terrorverdacht: Razzien bei Polizist und Anwalt. In: NDR. 28. August 2017. Archiviert vom Original am 28. August 2017. Abgerufen am 18. Februar 2022.
  15. Maik Baumgärtner, Sven Röbel, Wolf Wiedmann-Schmidt: Ravioli und Gewehre. Wie „Prepper“ sich für die Apokalypse rüsten. In: Der Spiegel. Nr. 27, 30. Juni 2018, S. 49.
  16. Landtag von Sachsen-Anhalt: Landtag von Sachsen-Anhalt – Rechtsextreme Prepper bereiten „Tag X“ vor. Abgerufen am 18. Juni 2020.
  17. Sebastian Erb, Christina Schmidt: Rechtsextreme Prepper: Staatsanwaltschaft ermittelt. In: Die Tageszeitung. 5. August 2020 (taz.de [abgerufen am 16. Februar 2022]).
  18. Preppers – Bereit für den Weltuntergang. In: fernsehserien.de. imfernsehen GmbH & Co. KG, abgerufen am 28. April 2014.
  19. Tobias Becker, DER SPIEGEL: Deutschland in einem Buch – DER SPIEGEL – Kultur. Abgerufen am 7. September 2020.
  20. Gabriela Keller: Preppern zuzuhören, kann sich lohnen. Einblicke in eine unübersichtliche Szene. In: Der Spiegel. 13. Februar 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 14. Oktober 2021]).